quasi live aus dem Zug, Teil II
4. April 2006
ICE fahren ist eine feine Sache. Relative leise, die Sitze weitesgehend gemütlich und manchmal hat man das Glück, dass die Klimaanlage die richtige Temperatur ausspuckt. Letzteres war mir nicht vergönnt, die Reisenden sollte offensichtlich auf sehr niedrige Temperaturen im fernen Berlin vorbereitet werden (Gerüchte wisperten von geschlossener Schneedecke)
So saß Frau … äh … Mutti dann in den dicken Wollschal gehüllt im Zug und steckte ihre Nase abwechselnd in die eigene Reiselektüre oder in die der Sitznachbarin. (Java-Entwicklung, in Englisch, Frau … äh … Mutti zeigt sich tief beeindruckt)
Meine größte Angst beim Zugfahren ist, dass ich meinen Zielbahnhof verpasse. Das konnte diesmal nicht passieren, weil wie auf ein Kommande alle Fahrgäste von ihren Sitzen sprangen und hektisch Koffer, Tschen, Rucksäcke und plärrende Kinder zusammenrafften. Spontan wollte ich mich anschließen und in Hektik verfallen, als ein Blick auf die Uhr mir zeigte, dass Bahnhof Zoo noch dreizehn Minuten entfernt war. „Pfff, Landeier, zum ersten Mal in der großen Stadt … „, dachte ich und blätterte demonstrativ eine Seite meines Buches um. Drei Minuen später packte ich betont gleichgültig und lässig meine Siebensachen (unterdrückte gekonnt einen Schreikrampf, als ich das Buch zu Boden warf und es in der Eile nicht wiederfand), zog meine Jacke an, schnallte die Tasche auf den Trolley und zappelte ein bißchen (aber nur ein bißchen)
Der Zug hielt und ganz ohne blinde Panik fand ich die S-Bahn, verpasste die erste, stieg zehn Minuten später in die zweite und zwanzig Minuten später wieder aus. Alles gan easy, weiß garnicht, warum ich die Nacht vorher vor Reisefieber nicht schlafen konnte. („Bahnhof Zoo!“, dachte ich in dieser Nacht, „kennt man ja. Typen, die dir Drogen verkaufen wollen. Oder Waffen. Oder die dich entführen, berauben oder Obdachlosenzeitungen verkaufen wollen. Ge-fähr-li-ch.“)
(Diese Tastatur ist erheblich besser als die andere, stelle ich fest.)
Heute wartet die große Stadt mit ihren vielen Geschäften auf mich, NOCH regnet es nicht, dafür liegt die Temperatur nur knapp unter dem Gefrierpunkt. Die Temperatur des einen Sohnes von Frau Miest liegt nur knapp unter dem Siedepunkt, was uns aber nicht daran hindert, in etwa einer halben Stunde ein spontanes Bloggertreffen mit einer weiteren Pia (wunderschöner Name, dies aber nur am Rande) in einem höchst schokolade-lastigen Café zu veranstalten. Der Miest-Mann hütet derweil das kranke Kind. Nett von ihm.
Ich geh dann mal die weite Welt entdecken.
4. April 2006 um 13:51
wünsche Dir eine wunderschöne Zeit in Berlin. Muss ich auch unbedingt mal wieder machen :D
Liebe Grüße, Philipp