Überzeugungsarbeit
3. Februar 2006
Großer Sohn betritt das Wohnzimmer und baut sich mit ernster Miene vor seiner Mutter auf. Mutter rechnet mit dem nächsten versiebten Englischtest, einer Läuseepidemie in der Schulklasse oder *worst case* einsetzen. Aber es folgte nur ein gut fünfminütiger Monolog, der hier, leicht zusammengefasst, wiedergegeben wird:
„Mama! Die Sache mit den Computerspielen – nein, ich will jetzt nicht spielen, nur so allgemein. Ich bin ja erst zehn. Und deshalb darf ich ja Spiele, die ab 12 sind gar nicht spielen, ich weiß. Ja. Wer entscheidet eigentlich, welche Spiele von wem gespielt werden? Ist ja nicht so wichtig. Es ist nur so … ich habe ja zwei Spiele, die sind ab 12 und die finde ich halt richtig gut, weil man da logisch denken muss. Auch wenn ich die selten spielen darf. Die Spiele ab 16, das sind ja nur Kampfspiele, die sind nicht so spannend. Also nicht RICHTIG spannend. Ich dürfte ja jetzt auch keine Spiele ab 12 spielen … darf ich denn mit 14 Spiele ab 16 spielen? Ich meine, es ist halt so, ich will halt irgendwie nicht hinter meinen Klassenkameraden zurückbleiben. Die sind ja auch älter als ich. Und die spielen fast nur Sachen ab 12, manchmal sogar diese Ballerspiele ab 16, die ich ja doof finde. Ich mein halt nur.“
Sprach´s und verschwand.
Frau … äh … Mutti wird nun folgendermaßen erzieherisch tätig:
( ) sie wirft das laptop des Großen ins Aquarium und sagt: „Mit mir nicht, Freundchen!“
( ) sie nimmt ihren großen Sohn liebevoll in die Arme und sagt: „ja, das Leben ist grausam!“
( ) sie kauft umgehend DOOM I +II, schließlich soll ihr Sohn den anderen stets voraus sein
( ) sie erklärt, wie FSK funktioniert und sagt „das ist halt so“, wenn der Große darauf hinweist, das „Fluch der Piraten“ ab sechs ist, während „Age of Empire“ erst ab 12
( ) sie erinnert sich daran, dass es für Computer-PingPong daaaamals keine FSK gab
( ) sie überdenkt die festgesetzten „elektronische Medien“-Zeiten auf Aktualität
( ) sie schlägt ihrem Großen vor, mal mit einem Freund eine Nacht vor dem Rechner zu versacken – spielenderweise, versteht sich.
( ) sie erklärt, dass er das NICHT heimlich tun könne, da immerhin SIE den Vorschlag gemacht hat.
( ) sie räumt die Übernachtungsmatratze für den Kumpel ins Zimmer und hofft, dass ihr hochgeschätzter Pädagogiklehrer von daaaamals nicht mitliest. (ebenso wie diverse Lehrkräfte der Kinder, Großeltern und andere Menschen, die missbilligend den Kopf schütteln)
3. Februar 2006 um 22:43
alle maßnahmen in dieser reihenfolge? oder mehr als frage gedacht?
mein tip: doom 1+2 kaufen, aber heimlich, selbst ein paar wochen zocken, und es dem sohn dann nur erlauben, wenn sie selbst mitspielen dürfen. aber nicht vor dem rechner versacken, von wegen respektverlusts und so.
3. Februar 2006 um 22:51
Gute Idee, das mit der Rechner-Party-Nacht. Fein gemacht :D (Auf Punkt 1,3 und 4 würde ich wohl verzichten…)
Gruß, dasMiest