Ferien, früh am Morgen

14. Oktober 2009

Es ist ein Fehler, nach Mitternacht erst zu Bett zu gehen.

Auch wenn Ferien sind.

Oder besser: wenn Ferien sind, der beste Vater meiner Kinder aber arbeiten muss, der Große zur Traubenlese geht und der Jüngste auf einmal viel weniger Schlaf benötigt. (was die Mittlere gerade tut kann ich nur hoffen: eine Menge Spaß in der Sonne zwischen Felsen und Pool haben, dabei wunderbar erholt und ausgeschlafen sein)

Und alle somit viel früher aufstehen müssen (oder wollen) als ich.

Ich schlafe nämlich im Badezimmer. Beinahe. Mein Kopf liegt zwischen Badewanne und Waschbecken, knapp getrennt von höchstens fünfundzwanzig Zentimeter Wand. Gefühlte fünf Zentimeter. Man muss quasi über mich drüberklettern, wenn man ins Bad möchte. Morgens. Früh morgens. Mitten in der Nacht.

Es hilft nichts, wenn ich mir das Deckbett über die Ohren knäule, denn erstens schauen dann unten die Füße raus und werden kalt und zweitens dämmen die paar Federn das Knallen des Toilettendeckels nur unwesentlich. Und das Rauschen der Spülung erinnert mich meistens daran, dass ich auch mal müsste.

Ausserdem steht im Bad ein Hocker. Solch ein olles Ding mit Holzsitz und vier Beinen aus Metall. Er steht da, weil er schon immer da steht und eigentlich steht er immer im Weg herum. Das ist wohl auch der Grund, weswegen er im Minutentakt an die Heizkörperrippen geschmettert wird. Der Ton der dabei entsteht ist ein schepperndes „deng“, dem ein hallendes „klooooong“ folgt. Der Hocker fliegt raus.

Die Familie hat wunderbare Zähne, die regelmäßig sorgfältig gepflegt werden. Dies geschieht mit elektrischen Zahnbürsten, die nicht übermäßig laut aber dafür beharrlich surren. Der beste Vater meiner Kinder gurgelt, das jüngste Kind muss beim Zähne putzen immer Husten und, ich erwähnt es, ich schlafe mit dem Kopf am Waschbecken. Man spuckt mir aufgeschäumte Zahnpasta ins Ohr.

Wenn ich zu spät ins Bett gegangen bin, machen mich die Badgeräusche am Morgen wahnsinnig.

Genauso wie die Geräusche die aus der Küche kommen. Hinter dem Bad liegt nämlich die Küche und da das Bad nur zweieinhalb Meter breit ist, liege ich mit dem Kopf also auch in der Spülmaschine. Wenn der beste Vater meiner Kinder morgens voll des guten Willens die Spülmaschine ausräumt, tut er mir damit keinen Gefallen, denn das Scheppern, Klappern und Klirren mit Geschirr, gefolgt von Schranktürenschlagen und Schubladenrummsern, lässt mich nur wilde Flüche ausstoßen, gedämpft, unter mittlerweile zwei Deckbetten.

Zu Schulzeiten werden im Flur, genau vor der Schlafzimmertür, gerne noch letzte Instruktionen für den Schultag ausgetauscht oder es finden kleinere Diskussionen statt, meistens darüber, ob bei dreissig Grad Außentemperatur eine Fleecejacke benötigt wird und warum bei Bodenfrost keine Sandalen angezogen werden können. Alle Diskussionen im Flüsterton. Vor der Schlafzimmertür, die im Wesentlichen aus gepresstem Holz und einer nur noch mit Glück im Rahmen befestigten Glasplatte besteht. Wenn die Haustür ins Schloss knallt, wackelt die Glasplatte und ich beginne zu überlegen, ob ich meine Hausschuhe vor dem Bett stehen habe oder ob ich mich gleich barfuß durch die Scherben auf die Suche nach einem Handfeger machen muss. Heute morgen knallte die Tür zum ersten Mal, als der Große zum Bäcker ging. Als er wieder zurückkam, knallte sie erneut. Und wieder, als er das Haus Richtung Wingert verließ. Und ein letztes Mal, als der beste Vater meiner Kinder zur Arbeit ging. Da hatte ich aber bereits meinen Morgenkaffee in der Hand und war beinahe wieder mit der Welt versöhnt.

Und heute abend gehe ich früher schlafen, denn länger schlafen klappt einfach nicht.

12 Kommentare zu “Ferien, früh am Morgen”

  1. Geli sagt:

    …hallo und guten Morgen, heute ist es wieder mal soweit und ich muß!! die Kommentare der letzten Tage einfach mal insoweit erwähnen, daß es täglich zu meinem Kaffee die Morgenlektüre ist, was so in Ihrem Hause abgeht…es jetzt zu beurteilen wäre müßig, es ist der *einfache, tägliche Wahnsinn*, dem ich entronnen bin seit Jahren, da alle Kinder bereits sooo groß sind und all das nun in ihren eigenen Haushalten erleben…danke für den ergötzenden Tagesbeginn durch diese Kommentare…
    herzlichen Gruß, Geli, die Oma, die nur noch von Erinnerungen lebt und nun diese Kommentare genießt !

  2. Daniela sagt:

    Morgen :-)
    Das kleine Kind war gestern nicht zum Mittagsschlaf zu bewegen, döste aber gegen 17.30 Uhr weg und wurde gegen 18 Uhr vom Großen wieder geweckt. Als er dann um viertel vor neun kreischend in den Schlaf fiel, dachte ich auch an frühes Schlafen, aber wie das so ist, es wurde spät. Und was soll ich sagen: Das Kind schlief 12,5 Stunden und um viertel nach neun waren wir doch alle recht fit. Schön das. Und übrigens, er beißt bloß noch ganz selten.

  3. Klasse-Kleckse sagt:

    Aber nicht, dass Sie sich in ein paar Wochen über unausgeräumte Spülmaschinen beklagen!
    Denn wäre ich der beste Vater Ihrer Kinder und würde ich diese Bericht hier lesen, würde ich das Ausräumen der Spülmaschine ab SOFORT unterlassen, natürlich NUR mit dem Gedanken daran ihren Schlaf nicht noch mehr zu stören;-)

    Gruß Uschi

  4. sabine sagt:

    liebe frau mutti,

    wenn ich nicht schon einige- viele monate bei ihnen lesen würde….wenn auch meistens schweigsam….käme ich niemals auf die idee, daß sie so gaaaanz leise im hinterkopf einen plan hätten…..der mit umräumen….neuer farbe und neuer deko zu tun hat…..oder irre ich mich?????…*lach sehr*
    liebste herbstferiengrüße
    sabine

  5. sabine sagt:

    schreiiiiiiiiii!
    ich schwöre ihnen bei allem was mir lieb ist- ich hatte den anderen eintrag von gestern noch nicht gelesen…aber jetzt- und es ist mir fast peinlich- sie des renovierens verdächtigt zu haben- nur weil sie ihr schlafzimmer nicht mehr nebem dem bad haben wollen…..
    vielmals um entschuldigung bittend
    sabine

  6. Eva sagt:

    Das mit dem Vornehmen des Früher schlafen gehens klappt niemals! Das weiss ich ganz genau aus eigener Erfahrung. Aber es klappt immer, sich morgens erneut darüber zu ärgern, dass es nicht funktionierte.
    Wetten?! ;-)

  7. ceceka sagt:

    Oh, ich leide mit Ihnen. Klapprige Glastür und den Kopf an der Klospülung…
    Dicken Vorhang hinter die Schlafzimmertür hängen? Oder die Tür gegen eine andere irgendwo im Haus tauschen? Und dabei das Bett noch um 180° drehen.

  8. Zimtapfel sagt:

    Oh, ich fühle mit! Ich schlief auch mal mit dem Kopf am Waschbecken, nämlich früher, zu Studenten-WG-Zeiten. Ich konnte alles, wirklich alles aus dem Bad hören. Am schlimmsten war allerdings das Rauschen des Waschbeckens, das ich immer dann nicht hörte, wenn einer der freundlichen Herren Mitbewohner auf der Toilette war. Wenige Monate nach dem Einzug dieses Typen bin ich dann auch ausgezogen.

  9. Jeanie sagt:

    Ach, ich würde Ihnen sooo gerne ein bißchen von meinem gesegneten Schlaf abgeben…. all diese Geräusche würden mich nicht im Geringsten stören… ich würde höchstens kurz brummeln, mich umdrehen und einfach weiterschlafen – und beim Aufstehen wahrscheinlich nicht mal mehr wissen, daß ich was gehört habe… EIGENTLICH ein Segen so ein Schlaf – dafür verpenne ich zwei Wecker und auch das Handy einen Stock tiefer nutzt nichts, weil das irgendeins meiner Kinder ausmacht…. und hier gibt es ja niemanden außer mir, der dafür sorgt, daß die Kinderlein frühstücken, Zähneputzen usw. und pünktlich aus dem Haus gehen…. Sie würden mir also auch noch einen gefallen tun *Festen Schlaf zu Frau…äh…Mutti schieb*

  10. Ruthy sagt:

    Bett an die gegenüber liegende Wand und dafür an die „laute Wand“ den Kleiderschrank? Oder so?

  11. Fiona sagt:

    göttlich und mein schatz fragt mich immer wieso ich früh mit ihm aufstehe, wo ich doch eigentlich um die frühe stunde ruhig noch schlafen könnte.
    tja genau aus diesen vielen gründen die sie hier aufgezählt haben.
    es macht mich irre wenn im bad die spülung geht und ich danach die dusche höre, es macht mich verrückt wen er versucht leise (und ja er ist wirklich leise, aber genau das macht einen um so hellhöriger) in der küche seinen kaffee zu kochen und sein müsli fertig macht.
    auch das zähneputzen und geschirrspülereinräumen kann ich voll nachvollziehen liebe frau mutti
    und der krönende abschluss ist die haustür, bei den kindern knallt sie mehr bei dem schatz weniger, aber ich höre es.
    sie sehen liebe frau mutti sie sind nicht allein :)

  12. Karla sagt:

    Ohropax! Ehrlich!