„Nur kurz einkaufen“,
15. Oktober 2009
sagte Frau … äh … Mutti und schleifte die Kindelein ins örtliche „Hier-gibt´s-alles“-Geschäft.
kurz einkaufen = kaum Geld ausgeben
Dachte ich.
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Der Große wählte seine künftige Zimmerfarbe. „Korallenrot“ steht auf der Flasche, ich nenne es „gemäßigtes orange“ . Drei Flaschen Farbe, einen Rollenhalter, zwei neue, puschelige Farbrollen und ein ordentlicher Pinsel für den Deckenabschluss … zackbumm, 35,- Euro. Uff.
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„Wir wollen noch rüber zu den Spielsachen“, baten die Kindelein und der Jüngste wedelte mit zwei Gutscheinen von seiner Geburtstagsfeier. Ein kurzer Blick auf die Gutscheine ließ mich in Ehrfurcht erstarren, denn das Kind ist reich. Ein Gutschein über zehn Euro, der andere über zwölf Euro! Abgesehen davon, dass ich Gutscheine nicht gerne verschenke (nur dann, wenn sie ausdrücklich erwünscht sind), würde ich niemals SO VIEL drauf schreiben lassen. Zwölf Euro! Das reicht eigentlich für zwei Kinder.
Das jüngste Kind teilte meine Besorgnis über steigende materielle Werte von Geschenken nicht, sondern freute sich ein Loch in den Bauch, dass das Geld sowohl für eine Packung playmobil (warum? WARUM? Wir haben bereits mehrere Kubikmeter playmobil!) als auch für ein Buch (Greg´s Tagebuch, Band I, weil der fehlt noch) reichte. Vielleicht freute er sich auch, weil ich mich bereit erklärte, den fehlenden Betrag zu ergänzen. Schließlich kauft er sich ja auch ein Buch. Bücherkäufe sind unterstützenswert.
Zusammen mit den fünf Filzplatten die ich dringend für weitere Monster brauche, klingelte die Kasse ein fröhliches „siebenundzwanzigEurovierzehn“ und deshalb beschloss ich spontan, dass wir nicht noch kurz im Blumenladen vorbeischauen müssen. Und Brot brauchen wir auch nicht.
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Kurz nachdem wir wieder daheim angekommen waren und der Jüngste sein neuerworbenes playmobil auf und unter dem Küchentisch verteilt hatte, klirrte ein Schlüsselbund auf der Treppe. Der weltbeste Opa kündigt so seinen Besuch an. Ich soll durch das Schlüsselklimpern gewarnt werden, damit ich mich noch rechtzeitig ordentlich anziehen kann, erklärte er mir irgendwann mal. Ich weiß nicht so genau, welche Vorstellungen er ob meiner alltäglichen Bekleidung hat, doch er lässt sich vom Klirrwarnen nicht mehr abbringen und deshalb habe ich beschlossen, es zu lieben.
Offensichtlich haben die Großeltern der hinreissenden Bestien ein besonderes Gespür für Notsituationen wie „kein Brot im Haus“. Sie holten die Kindelein zum Mittagessen ab (Klöße und Pilze), bestanden auf die warme Jacke „weil nachher gehen wir raus“ und plötzlich war ich allein.
Ohne Brot im Haus, dafür mit neuen Filzplatten und einer gewissen Motivation, diese unten im Nähzimmer hübsch zu verwurschteln.
15. Oktober 2009 um 12:03
Gehen Sie in den Keller? Warten Sie, ich nehm‘ mir rasch so eine weiße Tasse aus dem Regal, gieße mir einen Kaffee aus der Kanne mit dem kaputten Henkel ein, mache flugs eine neue Milch auf, weil ich nicht gesehen habe, dass neben der Kaffeemaschine noch eine angebrochene steht und dann komm ich mit Ihnen mit in den Keller und dann schaue ich Ihnen erführchtig zu, surfe nebenbei ein wenig durch die Landschaft, lese Ihnen lustige Dinge vor und kichere gemeinsam mit Ihnen über dies oder das. Klingt toll, oder?
15. Oktober 2009 um 12:07
Oh, das klingt ganz toll!
Erst helfen Sie mir bei der Auswahl des Stoffes, dann kichern wir ein bißchen, weil es nicht einfach ist, passendes Stickgarn zu finden und ich nehme einfach die Thermoskanne mit runter.
Ach Mensch. Scotty, beam me up.
15. Oktober 2009 um 12:16
wer braucht schon Brot wenn er Filzplatten hat? Und dazu noch (virtuellen) Besuch von so einer lieben Freundin…
15. Oktober 2009 um 12:30
oh wie toll… wissen sie was ich dann gleich machen darf?
mit meinem kindlein bei der spielzeugabteilung vorbei schauen, nein kein playmobil, bei uns ist es lego.
das bekommt er weil er sich die woche hat tapfer drei spritzen verpassen ließ und noch mehrere folgen (motivation also)
und dann darf ich schauen ob ich mehl bekomme damit ich mal ein gescheites brot zum essen bekomme
eine riesen stadt, in der wir wohnen, aber wehe man sucht reismehl und das auch noch bezahlbar
man hat nämlich ne lebensmittelallergie bei mir festgestellt und nu schau ich dumm aus der wäsche
vielleicht können sie oder ein paar ihrer leser mir da ja weiter helfen, wenn sie erlauben
http://engelchenfiona.wordpress.com/2009/10/15/wenn-dir-das-leben-zitrone-gibt/
das mit dem bemerkbar machen des großvaters kenn ich auch :) und es fehlt mir unheimlich seit ich hier her gezogen bin
einerseits ist es sehr schön hier und ich bereue es wirklich nicht das ich den schritt gewagt hab, aber meine großeltern die hätte ich gern mitgenommen
nun man kann nicht alles haben im leben
sie kein brot, dafür aber filzplatten und ein unglaubliches talent fürs nähen und schreiben
tja und ich keine großeltern hier, dafür aber das glück mit meinen kindern in absoluter freiheit zu leben
ich wünsch ihnen viele kreative einfälle in ihrem nähkeller :)
15. Oktober 2009 um 15:45
Ach wie toll! Schade, dass meine Eltern nicht auch in der Nähe wohnen. Bei mir gibt es niemanden, der mal eben die Kinder zum Essen entführt.
15. Oktober 2009 um 16:43
ach, da tät ich auch noch kurz bei ihnen beiden vorbei schauen, wenns genehm ist. ich bleib auch nich lange und bringe brot mit, ja?
(das klirrwarnen, das ist wirklich sehr sehr liebenswert.)