schlaflos
11. Dezember 2009
Wenn sich der Schlauch im Knie ständig irgendwie um den Oberschenkel wickelt und da sowieso diese unterschwellige Angst ist, dass ich ihn durch eine blöde Bewegung einfach aus dem Knie reisse, dann ist an tiefen, erhol- und heilsamen Schlaf nicht zu denken. Anderthalb mögliche Schlafstellungen, auf dem Rücken und so halb auf der linken Seite, sind dem auch nicht förderlich.
So lag ich heute nacht mehrmals wach und hatte viel Zeit für großartige, verschwurbelte, philosophische Gedanken. Und lasse es mir natürlich nicht nehmen, Sie daran teilhaben zu lassen. (auch als Ablenkungstherapie, denn in einer Stunde rupft man mir den Schlauch raus und die Vorfreude beschert mit eiskalte, feuchte Händchen)
Die Sache mit dem Schlafen. Ich würde es gerne mal wieder tun, so sechs Stunden am Stück wären toll. Es ist ja nicht so, dass mich weinende, alptraumgeplagte Kindelein aus dem Bett zerren würden. Ich liege einfach wach und grübele. Und wälze. Und denke. Und habe stets diesen Gedanken „nun schlaf schon, nur noch vier Stunden!“, der natürlich auch nicht hilfreich ist.
Als ich noch sehr jung war, war schlafen nicht so wichtig. Da war es wichtig, lang aufzubleiben, Sachen, die nur nachts toll sind, zu erleben. Auf den Friedhof zu gehen und dort schwülstige Gedichte über die verflossene Liebe zu schreiben, zum Beispiel. Oder mit Freunden auf dem Kletterhäuschendach des Spielplatzes zu sitzen, zu rauchen und die schwülstigen Gedichte vorzulesen.
Wenige Jahre später trat der eine Mann in meine Leben und die Nächte waren kurz, weil zu zweit ein Bett viel zu schade zum nur darin schlafen ist.
In logischer Konsequenz führte dieses Lotterleben zu weiteren schlaflosen Nächten, über drei Jahre hinweg war Schlaf Luxus, unsagbar kostbar und selten zu haben. „Wenn sie erst im Kindergarten sind, sind sie abends so müde, dass sie automatisch durchschlafen“, trösteten mich erfahrene Mütter. Als mein letztes Knd glücklich im Kindergarten war, kam das erste schon in die Grundschule und eine Fülle von neuen Sorgen tat sich auf.
Die Kindelein hatten gelernt, dass die Nacht zum Schlafen da ist und ich fand neue Möglichkeiten, schlaflos zu sein. Ich entdecke das Grübeln. Und die Zukunftsängste, denn es zeichnete sich deutlich ab, dass das jüngste Kind einen ganz anderen Weg beschritten hatte, als die beiden Größeren. In der Nacht sieht vieles grauer und grauenhafter aus, als es in Wirklichkeit ist und ich war wohl klar genug, das zu wissen. Aber eben nur am Tag. In der Nacht stieg ich ins Gedankenkarussel und der Schlaf wirbelte davon.
Der Weg des jüngsten Kindes ist nun deutlicher zu erkennen und die Sorgen halten sich in Grenzen. Ich könnte schlafen.
Unglücklicherweise beginnt nun der Lebensabschnitt, in dem man sich mit den Freundinnen zum ersten Mal als unmittelbar betroffen über den Tod austauschen muss. Familienangehörige erkranken schwer und in der Nacht öffnen sich die Pforten für ganz neue Gedanken. Patientenverfügungen, Testamente und die Frage, ob eine Magensonde lebensbereichernd oder lebensverlängernd ist sind die Themen, die im Kopf herumwirbeln. Die „wie geht es weiter“-Frage und auch die „wie sag ich´s den Kindern“-Entscheidung steht an. Der Tag lässt keine Zeit zum Nachdenken, lässt es garnicht zu, schwermütig und traurig zu sein. Nimmt den bösesten Nachrichten erstmal Schärfe. Doch sowie mein Kopf auf dem Kopfkissen liegt, sind sie da und fordern Aufmerksamkeit.
Und so liege ich in meinem Bett und trauere auch ein bißchen um die Zeit, als die Nacht wegen ihres Zaubers zu kurz war. Ich bin müde.
11. Dezember 2009 um 08:06
Hallo Frau Mutti,
ich kann Sie gut verstehen!
Gestern beim Blutspenden wurde mein Blutdruck außerordentlich gelobt und darüber habe ich mich sehr gefreut. Ungefähr so, wie neulich über das Urteil der Zahnprophylaxefrau zum Zustand meiner Zähne und des Zahnfleisches. Früher habe ich darüber nicht nachgedacht, das war selbstverständlich, dass das Ok ist.
Auch das Thema Tod ist mittlerweile in mein Leben eingezogen und macht mich nachdenklich, aber es zeigt mir auch immer wieder, nicht mit Kleinigkeiten zu hadern, sondern dem Leben das Beste abzugewinnen und dankbar zu sein. Ich weiß, ich bin ein positiver Mensch.
Alles Gute für Ihr Knie!
Grüße Sabine
11. Dezember 2009 um 08:11
die nächtlichen gedankenstürme…. oh, wie ich die manchmal hasse! diese „was passiert, wenn…“ drehen mir ab und zu den magen um und ich muss nachts raus zum k…..
eine psychologin in der kur sagte mal: „lassen sie die gedanken zu! wenn sie sich nicht sooooo sehr dagegen wehren, kann man besser mit ihnen leben – und auch schlafen!“
ihnen und frau knie die besten genesungswünsche
steffi
11. Dezember 2009 um 08:17
Als erstes wünsche ich natürlcih, dass das Knie mal wieder mehr Schlaf und Ruhe ihrer Herrin gönnt!
Aber die Entwicklung des Schlafverhaltens kann ich ohne Widerspruch unterschreiben! Inzwischen hat sich bei mir bloss hinzugefügt, dass ich nicht mal am Wochenende lange schlafen kann, die innere Uhr läßt mich auch dann superfrüh wach werden.
Trotz all den Grübelein wünsche ich einen schönen 3. Advent!
LG
Olga
11. Dezember 2009 um 08:38
Sowas ist schlimm- und ganz schwer abzustellen. Mir hats manchmal geholfen, dann doch aufzustehen, und mich den Sorgen schriftlich zu stellen. Dann war ich sie oft los, und konnte schlafen.
Was auch half: Früher ins Bett gehen (merkwürdigerweise).
11. Dezember 2009 um 08:57
blöder schlauch… blöde nachtgrübelei!
ersteres kann ich nur ohne eigene erfahrung nachfühlen… zweiteres mit. der schlauch ist immerhin bald raus und ich wünsche von herzen, dass es dann mal bald ruhe gibt, das knie.
die nachtgrübelei wird wohl ein begleiter, an den wir uns gewöhnen müssen. fast schlimmer finde ich, dass solche ängste hin und wieder sogar schon tags aus den ecken gekrochen kommen… :o/
alles gute, frau mutti!
11. Dezember 2009 um 08:57
Die vergrübelte Schlaflosigkeit ist mir auch ein Begriff. Und wenn sie erst mal da ist, scheint sie es sich richtig gemütlich zu machen. Wie sie wieder auszieht? Keine Ahnung…
Gute Besserung an Frau Knie!
Und liebe Grüße
Anja
11. Dezember 2009 um 09:10
Und in der Nacht ist alles anders…
Heute morgen habe ich Kopfschmerzen vor lauter Müdigkeit. Aufgrund Option a): Kind, das kleinste, das wegen der Schnoddernase die Nacht am liebsten auf meinem Arm verbracht hätte. Leider schlafe ich so schlecht sitzend.
Aber ansonsten ist auch eher Option b) an der Tages…äh, Nachtordung. Gedanken, die wie kleine böse Tiere über die Bettdecke huschen und an einem nagen.
Gibt es da tatsächlich ein Rezept?
11. Dezember 2009 um 09:41
Liebe Frau Mutti, erstmal alles gute für das Schlauchgeziehe!
Tja und das Gegrübel, Sorgen machen und die Schlaflosigkeit gehören wohl (grade bei uns Frauen/Müttern/Töchtern usw.) leider zu dem großen Abenteuer Leben, was wir da jeden Tag auf’s neue erklimmen!
Kreative Geister haben auch kreative Sorgen! *ichschwör*
Manchmal hilft es da, es wie Beppo Strassenkehrer zu machen: sich immer nur auf das Stück Strasse zu kümmern, was grad vor einem liegt, Meter für Meter, nicht die ganze lange Strasse. Auf manchen Stücken liegt mehr Dreck, als auf anderen aber es geht immer weiter. Macht nur manchmal keinen Spaß!
Alles Gute, Sie kriegen das hin!
Liebe Grüße
Die NähMa!
11. Dezember 2009 um 09:44
Liebe Frau Mutti,
Sie sprechen mir aus der Seele. Solche schlaflosen, vergrübelten Nächte kenne ich sehr gut und ich wünsche Ihnen eine baldige Besserung ihres Knies und damit verbundenen gewohnten Schlafpositionen. Zur Zeit schlafe ich wunderbar, denn die Kinder machen seit ein paar Monaten nachts keinen Radau, aber dafür tagsüber um so mehr. Das macht müde, sehr müde und lässt keinen Raum für Grübeleien. Gute Besserung!
LG
Barbara
11. Dezember 2009 um 10:02
Liebe Frau Mutti,
genau meine Gedanken – die Grübelei lässt mich auch nicht mehr los, auch aus den Gründen, die Sie angesprochen haben. Ich bin (leider) nur schon „auf der anderen Seite“, Familienmitglieder verloren zu haben. Ich hoffe, dass es bald wieder besser wird ….
Gute Besserung auch weiterhin für Frau Knie!
LGe
Beate
11. Dezember 2009 um 10:26
nun auch ich kann ein lied über schlaflose nächte singen
meist hilft mir aufstehen und schreiben, alles von der seele schreiben, was mich beschäfftigt, das hat meine psychologin mir auch als tipp gegeben, da doch sehr viel hier passiert und ich sonst den kopf nicht frei bekomme
ja klar man muss erstmal aufstehen und ja es fehlen einem dann auch wieder wertvolle minuten schlaf, aber tu ich es nicht grübel ich stundenlang und mir hilft es
eine zeit lang war es so schlimm das ich schlaftabletten nehmen musste, das hab ich nun mit dem schreiben zum glück hinter mir lassen können, bin nämlich kein fan von tabletten
manchmal sind die sorgen auch so groß das ich mich in den schlaf weine, aber schreiben ist da weit besser ;)
ich hab immer einen zettel und stift neben dem bett
sorgen auf den zettel bannen susammenklappen in die schublade damit und am nächsten tag das problem lösen
das brauch übung, funktioniert auch nicht immer, aber inzwischen klappt es richtig gut, vielleicht versuchen sie es ja mal
davon mal abgesehen, wünsch ich das das schlauch ziehen (ich weiß das ist eklig das gefühl) nicht zu unangenehm wird und frau knie wünsche ich schnelle und gute heilung
lg
fio
11. Dezember 2009 um 11:41
ohje, schläuche im knie hatte ich auch mal. da ich aber nicht wußte, was auf mich zukam, als es hiess, „heut NUR ein wenig losziehen, damit er nicht einwächst!“ konnte ich grad noch so ins kopfkissen beissen.
vor dem nächsten tag hatte ich ANGST, als die schwester fötete „und morgen kommt er GANZ raus“ (er war im ganzen knie einmal herumgelegt. orks.
ich habs überlebt. wir frauen bekommen kinder, hey ;)
guute besserung und ein paar sorgen weniger hoffentlich bald.
lg eva
11. Dezember 2009 um 12:07
Hallo Frau…äh…Mutti,
zuerst auch von mir die heftigsten Genesungswünsche für das schmerzende Knie – es muss doch jetzt einfach gut werden!
Und dann kann ich mich auch einreihen in die Kette der Nachtgrübler und VorGedankennichtschlafenkönner, mir ging es grad letzte Woche sehr ähnlich. Mein großes Kind ist im Alter Ihres jüngsten Kindes und \tickt\ leider – nein, glücklicherweise anders, als seine Klassenkameraden. Dummerweise ist das Grund genug, ihn von Zeit zu Zeit zu verdreschen. Letzten Donnerstag waren es 3 Jungs, gegen die er sich wehren musste… Mein kleines Kind ist im Vorschuljahr, wird aber wahrscheinlich die Regelschule nicht besuchen können, da sie entwicklungsverzögert durch die Welt reist. Wir sind auf der Suche nach einer Alternative und es ist sooo schwer etwas für sie passendes zu finden.
Die Gedanken kreisen tags und nachts. Abstellen können wir sie wohl aber nicht. Wollen wir ja auch nicht, oder? Nur unsere Nachtruhe sollen sie uns wiedergeben!
Ihnen baldigen erholsamen Nachtschlaf,
piazza
11. Dezember 2009 um 15:21
Diese Nachtgrübeleien kenne ich. Die sind echt schlimm. Aber ein Rezept habe ich nicht dagegen. Manchmal versuche ich es mit Psalm 23 innerlich vorsagen. Kennen Sie den? Ausserdem stehe ich mittlerweile lieber auf, anstatt mich herumzuwälzen.
An den Tod wird man sich übrigens nie gewöhnen. Habe als Kind schon Eltern und Großeltern verloren und dachte damals: jetzt kann mich nichts mehr schocken. Haha, mittlerweile habe ich selbst Kinder und denke daran, was passieren könnte, wenn ich… und meine Schwiegereltern werden auch immer älter.
Alles Gute und heute abend eine bessere Nacht!