Zeit, oh Zeit!
8. November 2011
Sie verfliegt, sie rast!
Die große Kiste, die bis zum Weihnachtsmarkt prall gefüllt sein sollte … nun. Ein leises Echo tönt zurück, wenn ich hineinrufe. Der Boden ist bedeckt. Immerhin.
Viele Taschen sind zugeschnitten, aber zum Nähen habe ich keine Zeit.
Großartige Schnickeldis wollen gestickt, gestülpt, gestopft und geschlossen werden, aber ich habe keine Zeit.
Ich könnte noch Hühner nähen, denke ich. Oder Lesezeichen machen, die gehen gut. Ach was, heute nähe ich eine Tasche. Und dann sehe ich in der mailbox diese tolle Datei, sticke ich doch lieber. Oder ich schaue dem Ringelfranz beim Schlafen zu. Oder nähe mir ein quietschegrünes Pannesamtelfenkostüm. Mit roter Zipfelmütze.
Im Grunde genommen brauche ich keine Zeit, sondern einen Stundenplan. Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich mir der Königin ihr Kind. Oder so ähnlich.
Noch drei Wochen bis zum Weihnachtsmarkt. Massig Zeit zu verplempern.
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Überraschend naht der Geburtstag des großen Sohnes. Ab und zu verfalle ich in wehmütige Melancholie, die aber nie so weit reicht, dass ich mir um Geschenke kümmern würde. Und deshalb passiert das hier wieder auf den letzten Drücker, kommt möglicherweise nicht pünktlich an und frisst mir obendrei auch schon wieder Zeit, falls ich das „das mache ich ihm mal so rasch nebenbei“-Projekt verwirkliche. So wie das Tauschen unserer Zimmer. So rasch nebenbei kostete uns ein Wochenende. Immerhin ist der Große mit seinem neuen Reich und vorab-Geburtstagsgeschenk nun äusserst glücklich. Und ich mit meinen kuscheligen 10 Quadratmetern auch.
(und verraten Sie mir doch bitte mal, warum ich ständig „Geschnek“ tippe?)
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Mein Geburtstag klopft auch schon wieder an. Kann ein Jahr wirklich so verfliegen? Und wann kommt eigentlich der Sommer?
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Ringelfranz ist nun vollends in der Pubertät und zeigt uns allen mal, was solch ein süßes Puffelkätzchen doch alles anstellen kann. Meine unachtsam auf dem Küchentisch abgestellte Kaffeetasse hat zehn Minuten unbeaufsichtigt später einen blitzeblanken Rand innen, genau so weit, wie ein rosa Katerzunge reicht. Der Biomüll, der auf dem Tresen in einer Blechschüssel steht und einmal täglich zum Kompost getragen wird, sollte da nicht mehr stehen, denn er ist einfach zu verlockend. Auch wenn nur Teebeutel, Kaffeefilter und Apfelgripse drin sind. Der Kater frisst was er kriegen kann, staubsaugt regelmäßig die Krümel unterm Tisch weg und manchmal schafft er es, eine halbe Scheibe Brot zu klauen, die er innerhalb von Sekunden inhaliert. Nicht, dass er nichts zu fressen bekäme, bei uns. Drei mal täglich wird der Futternapf gefüllt und abends frisst er noch den Rest vom dicken Martin. Der dicke Martin ist nämlich auf Franz-Diät, weil der Klügere gibt nach. Und so geht er und frisst ein paar Mäuse, wenn die rote Ratte allzu aufdringlich um die fremde Futterschüssel schleicht.
In regelmäßigen Abständen fängt sich der Kleine vom Großen ein paar, doch es geht auch so:

(entschuldigen Sie das schlechte (Handy)Bild, auch noch durch die Scheibe geknippst)
Unser dritter Kater, der halbwilde Diego, interessiert sich übrigens nicht für Franz. Er kommt und geht wie bisher. Vielleicht ist er farbenblind und sieht deshalb die rote Ratte gar nicht.
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Und weil dieses Bloggen hier ja auch nur Zeitverschwendung ist, höre ich rasch damit auf. Für heute jedenfalls. Falls nicht noch was wirklich Spannendes passiert.
8. November 2011 um 15:04
Köstlich, das Foto der beiden Kater! Dieses Gschau vom Dicken Martin, und daneben die halbe Portion ..;-)
Und, äh, ja, bitte, doch: es möge etwas Spannendes passieren – ich mag Ihr Bloggen nämlich SEHR!
LG E.
8. November 2011 um 15:08
Ich mag die Posts hier immer sehr, ja ich genieße sie richtig und freue mich, wenn im Dashboard dieser Blog auftaucht. Denn die Posts erinnern mich immer an Episoden aus einem Buch, jeden Tag ein Kapitel, bitte weiter so, ich bin ein treuer Leser/Fan :)
GLG Andrea
8. November 2011 um 15:11
Köstlich, witzig, unterhaltsam, es macht einfach nur Spaß, mit Dir durch die Zeit zu rasen!
Ich wünsche Dir jedenfalls ein paar Momente jeden tag, um ganz tief und ruhig Luft zu holen, durchzuatmen, Kraft zu schöpfen.
Lieben Gruß ♥ moni
8. November 2011 um 15:27
Ich wünsche Ihnen ab sofort keine guten Ideen mehr, die haben Sie wohl mehr als Sie bewältigen können, ich wünsche Ihnen, dass Sie ihren persönlichen Stundenplan finden. Wahrscheinlich ist die Zeit und das Gefühl, dass sie „davonläuft“ ein Problem aller kreativen Menschen.
Mir gefällt „Geschnek“, ich hätte gerne auch eins.
Das Katzenbild ist toll, Master Franz hat sich vom Dicken Martin die coole Haltung bereits abgeschaut. Die Gelassenheit der Katertiere sollten wir Menschen uns zum Vorbild nehmen. Stattdessen laufen wir mit den Hamstern im Rad um die Wette. Verkehrte Welt.
8. November 2011 um 16:10
Wirklich sehr schön, hier zu lesen, es hat mich wieder mal sehr gefreut, und: ja nicht aufhören mit dem bloggen, wehe!!!
8. November 2011 um 16:55
Der dicke Martin ähnelt von Haltung und Blick – besonders der! – sehr meinem vor 16 Jahre in die ewigen Jagdgründe gegangenen Kater Bandit. Der Name war Programm. Aber Ringelfranz ist wirklich süß. Obwohl er rot ist, ähnelt er mit seinen Kapriolen meinen schwarzen Mädels vor 13 Jahren. Jetzt sind sie eher bequem geworden. Außer sie haben ihre „dollen 5 Minuten“ :)
8. November 2011 um 17:22
Dieser griesgrämige Blick des dicken Martin, dass man ihm armen Kerl so einen Pubertatzer zumutet – köstlich!
8. November 2011 um 17:29
ich will auch Geschnekke!!!!!
Erst mal kommt Weihnachten und dann der Sommer….und bei mir ist Markt in zwei Wochen.
8. November 2011 um 18:27
Hach, sind Sie nicht nur unter Druck wirklich gut, Frau Mutti ;-)?!
Und Schlaf wird völlig überbewertet, man kann ja in der „heißen Phase“ zur Not auch auf ein paar Stündchen verzichten…
Herzliche Grüße!
8. November 2011 um 18:28
Das Martin-Franz-Bild ist toll!!!
Liebe Grüße
Juniwelt
8. November 2011 um 19:22
Musste über den diebenden Franz lachen- meine Kollegin erfuhr jetzt erst – nach Nachfrage! – dass ihre Dackeldame einer langen Ahnenreihe von diebischen Dackeln entstammt. Ohne Witz. Ich wusste nicht, daß so etwas ein Familienmerkmal sein kann!!! Vielleicht mal bei Frau Majorahn nachfragen?
8. November 2011 um 21:16
Der Blick vom Martin ist einmalig! Klasse ;-)
Und was die Panik wegen des nahenden Weihnachtsmarktes anbelangt… da können wir uns die Hände reichen! Ich schaffe es zwar täglich ein wenig zu machen (neben meinem Vollzeitjob in Wechselschicht…) aber ich schiebe auch die Panik dass ich nicht genug zusammenbekomme! Zudem es noch mein erster Weihnachtsmarkt ist und ich noch nicht wirklich Erfahrung habe was denn wohl läuft und was nicht…
Ich wünsche weiterhin viel Erfolg ;-)
Liebe Grüße
Melanie
8. November 2011 um 21:54
Halbe Portion trifft es wirklich. Der dicke Martin ist aber ein wirklich beeindruckender Kater, der sieht richtig majestätisch aus.
8. November 2011 um 23:14
Dass eine Katze so genervt gucken kann! Herrlich!
lg
ela
9. November 2011 um 08:29
Herzlichen Dank für einen wieder einmal wahren, weisen und durchaus unterhaltsamen Beitrag zu meiner morgendlichen Blogrunde (damit auch hier loß nicht zu viel Zeit übrig bleibt;-))
9. November 2011 um 09:46
Vielleicht sollten wir noch einen Sketch einstudieren, damit wir wenigstens irgendetwas auf dem Weihnachtsmarkt präsentieren können …