quasi live aus´m Zug, Teil I
3. April 2006
Im Zug geschrieben, und später dann mittels einer SEHR merkwürdigen Tatstatur fremdgebloggt.
„Wenn ich doch nur schon im ICE säße, war der erste Gedanke heute morgen, dicht gefolgt von: wenn ich in der S-Bahn nur nicht auf´s Klo muss und: hoffentlich habe ich nichts Wichtiges vergessen.
Nun.
Bisher habe ich nichts vergessen und im ICE sitze ich auch, wenn auch knapp.
Kurz vor Frankfurt wurde den geneigten S-Bahn-Passagieren mitgeteilt, dass auf Grund von Signalstörungen das Fahrttempo erheblich verlangsamt sei. Es war so verlangsamt, dass wir knapp zwanzig Minuten standen. Dies diente der Steigerung meiner mehr als leichten Panik, da ich einerseits selbstveständlich dringend auf Toilette musste, andererseits der ICE in genau 17 Minuten abfahren sollte.
Dies sind die Momente, in denen ich wahlweise meine Fingernägel bis auf´s Fleisch abnagen möchte oder eine halbe Schachtel Zigaretten inhalieren will. Ich tat beides nicht, sondern konzentrierte mich auf den Spurt Tiefbahnhof – Hauptbahnhof in fünf Minuten. Mit mir gingen etwa hundert andere an den Start, geschafft haben es alle und während alle anderen stehen müssen, sitz uch gemütlich mit der Sonne im Nacken auf meiem vorsorglich reservierten Platz. Die ersten Keksbrösel des lebensnotwendigen Reiseproviant fallen in die Tastatur und ich habe vier Stunden Zeit, mich auf den nächsten Sprint in den nächsten Zug vorzubereiten.
Berlin, ich komme!“
Frau … äh … Mutti ist angekommen, hat prompt den Kaffee vergessen und sich welchen kaufen lassen müssen und diese TASTATUR ist ein Graus.
Morgen oder später oder irgendwann mehr.
Übrigens: es regnet.
(aber bis jetzt isses richtig nett bei der Frau Miest)
Packwahn, Teil II
2. April 2006
Alles kein Problem.
Eine Hose habe ich an, ein Röckchen nehme ich mit.
Warme Schuhe habe ich an, leichtere nehme ich mit.
Fünf, sechs Oberteile, in Zwiebeltechnik tragbar und eine Strickjacke.
Die heißgeliebte Cordjacke und was Wasserfestes für drüber.
Und den sonstigen Kleinkram. Sollte etwas fehlen, kann das sicherlich ergänzt werden.
(ichbrauchhosenröckepullisschuhefetzenfummelteilchen)
Dieses Trolley-Dingsbums ist trotzdem voll. Na, Frau Miest, neugierig weswegen?
Nachdem ich die Kleinigkeit für die Jungs, meine Fahrkarte und sogar die Reservierung wieder gefunden habe, der i-pod voll ist, die Kamera doch noch einen Platz gefunden hat und sogar zwei Ersatzakkus für genügend Zeit zum Reisebloggen sorgen … habe ich fast kein Reisefieber mehr. Säße ich nur schon im ICE …
Frau Hofgeschnatter, an welchem Rand von Berlin wären SIE denn zu finden?
Packwahn
2. April 2006
Welche Schuhe? Dick? Dünn? Wasserdicht?
Wieviele Schuhe?
Welche Jacke? Dick? Dünn? Wasserdicht?
Reicht ein Paar Jeans?
Wieviele Röckchen?
Welche Tasche?
Welche Reiselektüre?
Kann ich bitte die Sonne mitnehmen, die hier lacht?!
Was essen muss ich auch. Und trinken!
Musik für die Ohren, Tasten für die Finger und eine Linse für´s Auge!
Obendrein bin ich ziemlich aufgeregt. Als Landei in die große Stadt. ganz allein. Wo man doch weiß, dass in der großen Stadt nur auf Landeier gewartet wird; leichte Beute für Diebe, Räuber, Langfieber, Schurken und Schufte!
Das nennt sich wohl Reisefieber …
Liebes Tagebuch!
1. April 2006
Als alle Kinderlein heute morgen dann endlich das Haus verlassen hatten, habe ich noch ein Stündchen geschlafen. Ich brauchte nämlich ganz viel Kraft und Mut. Weil: ich hatte einen Frisörtermin.
Beim Frisör war es wie erwartet: Die Azubine durfte mir die Haare waschen (sich dreimal mit der Waschmittelmenge verschätzen) und ihr Sprüchlein aufsagen (Sie haben aber dicke Haare, Frau … äh … Mutti!). Danach durfte die fertige Frisörin ran. Die gab mir eine Farbberatung, weil meine dicken Haare alle Braun-, Rot – und sogar Grünschattierungen der Welt hatten. Danach wurden mir die Spitzen geschnitten und die Färbepampe (zweimal in der Menge verschätzt) in die Haare gekleistert. Es dauerte fast zwei Stunden, bis ich endlich gehen durfte und der beste Vater meiner Kinder hat nur freudig bemerkt, dass die langen Haare noch dran sind. Nicht aber, dass sie jetzt gleichmäßig (langweilig) braun sind.
Die Kinderlein waren erfreulicherweise noch oder schon wieder verteilt, so dass wir gemeinsam einkaufen gehen konnten. Und viele „Edle Tropfen in Nuß“, neu mit Cocktails drin, probieren durften. (Gekauft haben wir keine, richtig lecker waren sie nicht, nur umsonst)
Wieder daheim hatten wir noch immer keiner Kinder und noch ein bißchen Zeit, so dass wir unseren Weinkeller wieder bestücken konnten. Dazu mussten wir schnell in ein Weingut fahren und all die Sorten Wein probieren, die wir auch kaufen wollen. Der Keller ist wieder voll und wir eigentlich auch.
Mittlerweile ist ein EIN Kind schon wieder eingetrudelt, ein anderes war kurz da, um Fahrrad und Helm zu holen. Noch ist nicht ganz geklärt, ob heute nacht wieder sechs Kinder hier schlafen oder aber nur drei Jungs, weil die Mädchen bei der Freundin schlafen. Oder ob wir hier alle ein spontanes Raclette veranstalten und alle hier schlafen müssen. Im Weinkeller, der dann wieder leer ist.
Liebes Tagebuch, heute ist ein schöner Tag.
Sechs Kinder,
1. April 2006
die um sechs Uhr morgens wach und fröhlich sind passen nicht unbedingt zu Frau … äh … Mutti, für die der Morgen gerne erst um acht beginnt. Allein.
Drei Mädchen sitzen in der Wanne, zwei Jungs setzen das lustige Zoospiel von gestern abend fort und der dritte holt Brötchen.
Noch dreimal lange Haare waschen, auspülen, abtrocknen und bürsten. Und zu aufwändigen Frisuren stylen.
Noch zweimal schlafen, dann fahre ich nach Berlin!