Heute abend

6. Februar 2015

gehe ich zu so einem Treffen von solchen Internetmenschen. Sollte ich das heil überstehen, werde ich morgen mehr davon erzählen. (Aufregend so was.)

Und apropos Internetmenschen:
Am 13.06.2015 wird das phantastische Hüttchen-Häkel-Event auf den Ländereien der Grünen Villa stattfinden. Dazu lade ich häkelinteressierte Menschen ein, mit mir im Rosa Gartenhüttchen zu sitzen und – na klar – zu häkeln.
Weitere Details gebe ich noch bekannt, ich muss mir auch noch überlegen, ob ich eventuell die Teilnehmerzahl begrenzen muss, denn das Rosa Gartenhüttchen ist eben nur ein Hüttchen. Wer Lust/Zeit hat, kann sich ja schon mal melden!

Und nochmal Internetmenschen: vorhin würde ich bei Ernie&Illi erkannt und angesprochen. Das finde ich immer sehr entzückend und es freut mich, wenn sich Blogleser das trauen! (Ich bin dann zwar maximal verkrampft und stammele, aber es wird besser.)

Donnerstag: Opa – Tag

5. Februar 2015

Vor vielen Jahren ergab es sich, dass die Kindelein jeden Donnerstag bei Oma und Opa verbrachten. Sie wurden bekocht, erledigten ihre Hausaufgaben. Danach ging es raus, später gab es Kaffeestückchen oder Himbeermarmeladentoast. Spiele und Abendessen, danach kamen sie wieder heim.
Und das ist immer noch so – nur Oma fehlt.
Jeden Mittwoch ruft mein Schwiegervater an und beschwert sich, dass schon wieder keines seiner Enkelkinder per Mail die Essenswünsche durchgegeben hat und er somit nicht weiß, was er kochen soll.
Jeden Mittwoch rufe ich die Kinder zusammen und bitte sie, sich auszudenken, was Opa ihnen kochen soll. Für heute waren Kartoffelpuffer mit Apfelmus gewünscht.
Jeden Donnerstag kommen die Kinder kurz heim, bevor sie zum Opa gehen. Sie packen Hausaufgaben, Spiele und Bücher ein und verabschieden sich wieder. Gemeinsam mit dem Opa wird zu Mittag gegessen, danach räumen sie die Küche auf und erledigen die Hausaufgaben, während der Opa ein ausgiebiges Mittagsschläfchen hält. Manchmal reicht die Zeit noch für Zappen durch das erbauliche Nachmittagsprogramm der Privaten, etwas, was es daheim halt nicht gibt.
Wenn mein Schwiegervater wieder wach ist, gehen sie spazieren. Nicht mehr so weit wie früher, nicht mehr so schnell, aber immer noch sehr gerne, denn mein Schwiegervater hat viele Geschichten über Nierstein zu erzählen. Und die Kinder sind äußerst nachsichtig, denn die meisten Geschichten kennen sie bereits, ergänzen gegebenenfalls vergessene Pointen und kichern an den richtigen Stellen.
Diese Spaziergänge enden beim Bäcker. Dort kaufen sie etwas Süßes für den Nachmittagskaffee und Brötchen für das Abendessen. Zwischen Kaffee und Abendessen wird gespielt, nach dem Abendessen verabschieden sich die Kinder, gehen in den Jugendkreis oder kommen heim.

Sehr unaufgeregt, sehr unspannend und wahrscheinlich auch schrecklich uncool. Aber die Kinder lieben ihre Donnerstage, mein Schwiegervater sie sowieso. Das Bild hat sich ein bißchen gewandelt, denn früher wurden die Kinder von den Großeltern verwöhnt und betreut, heute übernehmen die Kinder das für ihren Opa.

(Und für mich sind Donnerstage Urlaubstage. Früher noch viel mehr als heute, früher, als ich wirklich, wirklich froh war, ein paar Stunden ohne die Kinder daheim wurschteln zu können. Heute freue ich mich, dass ich nicht kochen muss und einfach machen kann, was und wann ich will.)

Maschinenfrust

4. Februar 2015

Ab und zu nähe ich ja. Richtiger: ich nähe fast jeden Tag. Aus diesem Grund habe ich mir vor nicht allzu langer Zeit eine ziemlich teure Nähmaschine geleistet, eine Pfaff smarter c1100 pro.
Bevor ich sie kaufte, verbrachte ich einige Stunden im Fachgeschäft, ließ mich beraten, probierte aus und ließ mir erzählen, dass diese Maschine wirklich super ist, weil sie keine Verschleißteile aus Plastik hat. Der Mechaniker (dem übrigens der Pfaffladen in Siegburg gehört, seiner Tochter der in Mainz, in dem ich öfter bin, als mir lieb ist) schwärmte in den allerhöchsten Tönen, schraubte eine Maschine für mich auf und zeigte mir den Motor: „sehr leistungsstark, sauber verarbeitet“
Ich kaufte, konnte bald mein Maschinchen abholen und war dann daheim zum ersten Mal nicht so sehr glücklich damit. Die Maschine schnurrte nicht so, wie die im Laden, irgendwann schien sie den Stoff lieber fressen als vernähen zu wollen und schließlich produzierte sie nur noch einen Haufen zerknülltem Stoff voller Fehlstiche.
Ich brachte die Maschine zurück, sie wurde gegen eine andere ausgetauscht. Diese nähte brav und kraftvoll, einzig der Geradeausstich hätte für meinen hohen Perfektionsanspruch gerader sein müssen, aber ich arrangierte mich. Bis die Maschine erneut begann, komische Geräusche zu machen und Fehlstiche zu produzieren. Ich brachte sie endlich zur Reparatur, als sich irgendwie alles verzogen hatte und die Nadel beim Nähen direkt auf die Unterfadenspulenkapsel krachte und abbrach. Das ließ sich reparieren, Garantie gab es auch noch. Eine neue Spulenkapsel kaufte ich dazu, an dieser wurde die Fadenspannung direkt neu reguliert. „Und immer schön ölen!“, empfahl der Mechaniker.
Mittlerweile hatte ich bei der Hobbyschneiderin nachgelesen, dass meine Probleme mit dieser Nähmaschine keine individuellen waren, sondern scheinbar sehr typisch. Da sie aber mit sehr viel Öl wie geschmiert (Haha, wie sonst?) lief, gönnte ich ihr zweimonatlich eine Ölung, achtete akribisch darauf, dass Unter- und Oberfaden stets zusammen passten, spendierte häufig neue Nadeln und putzte nach jedem dritten Nähen die Maschine sauber. Hätte ihr zu ihrem Glück noch ein Duftbäumchen und ein Wackeldackel auf dem Garnrollenhalter gefehlt, ich hätte nicht gezögert.
Sie nähte und nähte. Kleidung, Kissenbezüge, Vorhänge, Taschen und einige Quilts.
Bis kurz vor Weihnachten. Da verweigerte sie plötzlich jeden Dienst und zeigte mir im Display ein dickes, umkreistes Ausrufezeichen. Durch nichts war sie zum Arbeiten zu bewegen und deshalb … brachte ich sie zur Reparatur. Passenderweise war der Mechaniker gerade im Laden, weswegen ich ihm direkt mein Problem schildern konnte:
„Die Maschine tut nichts mehr, zeigt mir als Fehlermeldung einen Kreis mit einem Ausrufezeichen darin.“
„ah ja, das kenne ich, das heißt, dass der Unterfaden bald leer ist. Das ist ein Kabel, das klemme ich ab.“
Das hatte er mir schon mal vorgeschlagen, denn wenn der Unterfaden beim Nähen fast leer ist, stoppt die Maschine auch und manchmal, wenn das Garn zu dick ist oder der Mond im falschen Haus steht, kommt diese Meldung samt dem Stoppen auch ohne dass ein Grund vorliegt. Das ist auch ein bekanntes Problem der Maschine, dem mit Abklemmen jenes Kabels Abhilfe geschaffen wird. Aber das war ja nun nicht mein Problem.
„Nein, ich meine nicht die Sache mit dem Unterfaden, im Display steht ein Ausrufezeichen, das Handbuch sagt, was man tun soll. Das habe ich alles getan, die Maschine näht nicht.“
„Was für ein Ausrufezeichen?“
„So ein Ausrufezeichen, in einem Kreis!“, anschauliche Gebärdensprache dazu.
„Kenne ich nicht.“
„Also wenn Sie mir mal Strom spendieren, kann ich es ihnen ja zeigen.“
Ich stöpselte die Maschine ein und dann folgte dieser bange Moment, den Sie vielleicht auch kennen: wird die Maschine wirklich genau diese Fehlermeldung wieder zeigen oder reicht die Anwesenheit kompetenten Fachpersonals, dass sie das erst wieder daheim tut?! Ich drückte auf den Nähknopf und die Fehlermeldung samt „Hier stimmt was nicht“-Hupen kam augenblicklich.
„Was haben sie da gemacht?“, wurde ich streng gefragt und deshalb führte ich es nochmals vor, demonstrierte, dass das auch bei Pedalnutzung passierte. Und hatte jetzt endlich die volle Aufmerksamkeit des Mechanikers:
„Das habe ich noch nie gesehen. Was sagt das Handbuch?“
Also zählte ich erneut auf, was ich versucht hatte, während er verschiedene Knöpfe gleichzeitig drückte und etwas von Kaltstart murmelte.
Letztendlich ließ ich die Maschine dort, erfuhr, dass die Garantie abgelaufen war – natürlich – und holte sie zwei Wochen später wieder ab. Für 130,-€ war das defekte Steuerungselement gegen ein neues ausgetauscht worden.
Daheim wurde dann sehr schnell klar, dass die Maschine zwar wieder aktiv war, dafür aber ein grauenhaftes Stichbild produzierte: 20cm wunderbar, danach 20cm Schlaufen und Knoten im Unterfaden, 20cm gut, 20cm schlecht. Leider hatte ich das erst bemerkt, als der Vorhang für den Freund komplett umgenäht war. Ich trennte alles wieder auf und setzte mich an die andere Nähmaschine (ich hab ja zum Glück noch eine).
Der beste Vater meiner Kinder brachte das Maschinchen direkt wieder in den Pfaffladen, wo sie erneut repariert wurde. Diesmal auf Kulanz.
Heute setzte ich mich an die Maschine, denn ich dachte, es sei ein guter Zeitpunkt für einen neuen Vorhang im Schlafzimmer. Sie ahnen es vielleicht, falls Sie überhaupt bis hierhin das Elend verfolgt haben: 20cm gut, 20cm Fehlstiche. ich möchte schreien und die Maschine hoch und weit werfen, vielleicht auch dem Mechaniker an den Kopf.
Ich habe mal versucht, im www herauszufinden, wer wirklich zufrieden mit dieser Pfaffmaschine ist, aber die Erfahrungsberichte enden alle 2013. haben danach alle Besitzer kapituliert und sich eine neue gekauft? Ich bin irrsinnig sauer und würde gerne irgendjemandem gewaltig die Meinung geigen. Da ich noch nicht weiß, wem … habe ich mir mal rasch den Frust runter geschrieben.
Die Maschine kommt jetzt natürlich wieder in den Laden zur Reparatur oder Einstellung oder Besprechung oder was auch immer. Und diesmal werde ich bei der Abholung ein sehr langes Probeläppchen dabei haben.

Grmpf.

Was es aber auch gibt

3. Februar 2015

Nachdem ich mich gestern ziemlich lustig über lustige Sachen gemacht habe, ist es mir heute ein Bedürfnis, etwas Schönes zu erzählen.
Heute kam nämlich ganz spontan die Freundin mit dem klitzekleinen Babymädchen vorbei. Das klitzekleine Babymädchen ist mittlerweile zu einem richtigen Baby mit Doppelkinn und dicken Bäckchen herangewachsen, das sehr entzückend lacht und sogar schon „örööö!“ sagen kann. Ein kluges Mädchen.
Es ist ungemein entspannend, wenn das Babymädchen (mit seiner Mutter natürlich) zu Besuch da ist. Der Start ins Leben war für das Babymädchen kein leichter und ich hatte leise Angst, dass es von Stund an in Watte gepackt würde. Doch so ist es nicht. Die Haustür ist noch nicht richtig ins Schloss gefallen, schon habe ich ein kleines, nach Milch duftendes Baby auf dem Arm. Einfach so. Danke, Freundin, das macht mich glücklicher als Du ahnst.
Ein winziges Bißchen Sehnsucht nach einen Baby zuckt mir durch den Bauch, sogar wenn das Babymädchen schreit und schimpft. Andererseits erinnere ich mich schnell wieder an durchwachte Nächte, an die Sache mit den Zähnen, an explodierende Windeln und irgendwann dann ScharlachMagenDarmDreiTageFieberHandMundFuß und jeder Schnupfenvirus, der gerade umgeht. Das ist heilsam.
Ich halte das Babymädchen im Arm, trage es auf der Schulter und reibe ihm Rücken und Bauch. Bewundere winzige Hände und Füße, verfalle diesem zahnlosen Babygrinsen und übe für die Enkelkinder*.

Babys sind toll. Es ist großartig, dass ich manchmal eines zum Anschwärmen haben kann. Und es wieder abgeben darf.

*auf die ich wohl noch ein bißchen warten kann.

Was es halt so gibt …

2. Februar 2015

Gestern Abend stieß ich in den unendlichen Weiten des www auf ein besonderes Schätzchen: Schmuck aus Muttermilch. (Bitte befragen Sie selbst die Suchmaschine Ihrer Wahl)
Neu ist das Ganze wohl nicht, schon 2013 war das der letzte Schrei in Amerika, jetzt endlich auch bei uns! Ein paar Tropfen Muttermilch werden mehr oder weniger kunstvoll in Kunstharz eingeschlossen und können so als super individueller Kettenanhänger samt liebevoller Erinnerungen an die allerschönste, allerintimste Zeit mit dem Nachwuchs an den Hals gehängt werden. Das Allertollste sei dabei, dass kein Mensch ja wisse, was man da um den Hals trage, las ich in einem Blog. Bis zu dem Moment halt, bis man es erzählt bekommt und das dauert wahrscheinlich nicht sehr lange, vermute ich mal ins Blaue.
Übrigens kann man auch Stücke der Nabelschnur in Kunstharz verewigen oder die erste Locke. Vielleicht auch ein paar Klümpchen Mekonium, die ersten abgeschnittenen Fingernägel oder diese niedlichen Friemel, die sich Babys zwischen den Zehen züchten.

Echt jetzt.

Ich habe mir ja auch nicht die Semmelknödel vom letzten Weihnachtsfest um den Hals gehängt, obwohl sie wirklich super schmeckten, ausgesprochen nahrhaft waren und wir sehr friedlich und harmonisch beim Verspeisen zusammen saßen.

Diese Glorifizierung des Stillens und der Muttermilch geht mir gewaltig auf den Senkel. Kann es nicht einfach das sein, was es nun mal ist? Sättigend, manchmal auch tröstend und vor allem praktisch, weil eben in ausreichender Menge immer wohltemperiert dabei. Müssen sich Frauen, die nicht stillen, ein Döschen Milchpulver umhängen, um sich an die wunderbare Babyzeit zu erinnern?
Vielleicht bin ich zu pragmatisch, vielleicht auch zu weit vom Thema weg. Und eigentlich dachte ich, dass ich schon alle Absurditäten rund um die Geburt und die erste Zeit mit Baby gelesen hatte, als ich auf „Plazenta-Taschen“ stieß. Nach der Geburt wird das Baby nicht von der Plazenta getrennt, damit sich diese ganz „natürlich“ vom Kind löst. Das dauert ein paar Tage und weil die Plazenta zu verwesen beginnt und irgendwie hinderlich beim Bekuscheln des Babys ist, wird sie regelmäßig mit Salz eingerieben und in einer schicken Plazenta-Tasche versteckt. Überhaupt ist es höchst faszinierend, was sich mit so einer Plazenta alles anstellen lässt, denn wenn man sie nicht einfach vergraben oder als Gulasch (Rezepte suchen Sie sich bitte selbst!) verspeisen will, kann man sie zu Kügelchen rollen lassen, die dann für oder gegen etwas sind. Vielleicht kann man eine Plazenta auch ausstopfen und neben den Traumfänger an die Wand hängen, ich bleibe höchst interessiert dran.
Aus der Muttermilch kann man auch prima Seife herstellen, muss man aber nicht. Tatsächlich konnte gestern Abend auf Twitter nicht abschließend geklärt werden, ob Muttermilchseife nun vegan ist oder nicht und das macht die Deklaration schon schwierig. (Ich bin für einen ganz neuen Begriff, weil sie ist ja weder pflanzlich noch tierisch, Humanseife klingt jetzt aber auch nicht so schön.)

Es ist und bleibt faszinierend, wieviel Zeit und Phantasie manch junge Mutter aufwendet, um die Geburt ihres Kindes als noch mystischeres Mysterium aufzubauschen. Ich wollte damals eigentlich nur das Baby von Kopf bis kleiner Zehe abküssen, meine Pizza essen und sehr viel schlafen.
Ob mir meine Kinder das je verzeihen können?