trauen und zutrauen

14. Januar 2014

Vor ein paar Tagen klickte ich bei Facebook zufällig in ein Filmchen. Leider weiß ich nicht mehr, welches es war, ich kann es nur sinngemäß wiedergeben. Ein Redner sprach sehr enthusiatisch und mitreissend von fünf gefährlichen Dingen, die man seine Kinder machen lassen sollte. Kinder sollen mit einem Messer hantieren dürfen, einen Speer werfen, Feuer machen, ein elektronisches Gerät auseinander bauen (verstehen und wieder zusammensetzen) und ein Auto fahren dürfen. Fand ich nett, das Filmchen. Ein bißchen sehr amerikanisch, dachte ich, ist doch bei uns normal, außer der Sache mit dem Autofahren vielleicht.

Als ich dann gestern bei Twitter die Frage las, ob ein Messer für einen Fünfjährigen in Ordnung sei und wenn ja, welches … wurde ich nachdenklich. Ein Kindermesser vielleicht, riet man. Eines, das eine abgerundete Spitze hat. Warum?

Da ich ja keine Gelegenheit auslasse, mit meinen entzückenden Kindelein zu prahlen, erzähle ich jetzt in Wort und Bild, wie wir das früher so handhabten.

Vorneweg gesagt sei, dass unsere Kindelein sowieso in einem potentiell gefährlichen Umfeld großwurden, da die Grüne Villa einst eine sehr große Bausstelle mit provisorischen Treppen und morschen Terrassengeländern war und der Garten nicht nur mit Brennnesseln, Brombeeren und Disteln zugewachsen war, sondern auch zugemüllt mit Draht, Scherben und rostigen Nägeln. Sie überlebten und im Nachhinein sage ich, dass es ein Segen ist, mit vielen kleinen Kindern in einem Haus zu wohnen, in dem eigentlich nichts mehr kaputt gehen kann. In einem Neubau hätte ich stets um neue Fußböden oder frischgestrichene Wände gebangt, in der Grünen Villa wuchsen Gras, Löwenzahn und Birken zwischen den Terrassenfliesen, da konnte nichts kaputt gehen.

Der Umgang mit Messern

Während meiner Ausbildung zur Erzieherin lernte ich, dass Kinder in Messern keine Waffen sehen. Jedenfalls dann nicht, wenn sie es noch nicht gelernt haben, zum Beispiel durch entsprechendes TV-Programm, dass Messer höchst gefährliche Waffen sein können. Messer braucht man, um Lebensmittel zu zerkleinern oder um sich Nußnougatcreme auf´s Brot zu schmieren. Lediglich wir Erwachsene, die wir einen großen Erfahrungsschatz haben, neigen dazu, nur noch die Gefahr in einem Messer zu sehen. Überspitzt könnte man Kinder auch vor Treppen bewahren wollen, denn wenn man die runterfällt … egal. Ich wollte von Kindern mit Messern schwärmen.

Messer kann man zum Schnitzen gebrauchen! Stöcke und Kinder sind ein unzertrennliches Paar, der Wunsch, einen Stock zu verzieren kommt da recht bald. Hier in Nierstein gibt es das Stabausfest. Kindergartenkindeltern werden recht schnell damit konfrontiert. Auf einen Stock wird eine süße Hefebrezel gesteckt, darüber ein Apfel in dem wiederum Buxzweige stecken. Die Brezel ist verziert mit Krepppapierbändern, der Stock = Stabausstecken liebevoll mit Schnitzereien verziert. Die Kinder tragen ihre Stabausbrezeln in einem Umzug und singen dazu das hübsche Lied: „Stabaus, Stabaus, stech dem Winter die Augen aus.“ Das hat Tradition, das macht man so, das wird nicht weiter hinterfragt. Wichtig allein ist: sind genug Brezeln für alle da und ist der Stecken hübsch verziert?

Am Besten schnitzen lassen sich Holunderzweige. Die Rinde lässt sich leicht abziehen, das Holz darunter ist grün, das sieht toll aus. Und je schärfer das Messer, desto besser das Ergebnis.

Sie sehen hier den knapp dreijährigen Sohn und die vierjährige Tochter beim Schnitzen. Unter Aufsicht mit sehr scharfen Küchenmessern. Und nach einer Einführung in die hohe Kunst des Schnitzen, bzw. dem Umgang mit Messern: immer vom Körper weg! Nicht mit offener Klinge rennen (kannten sie schon von der Scheren-Regel -> nicht mit Schere rennen!) und die Klinge immer nach unten halten, wie bei der Schere.

Kurze Zeit später gab es Taschenmesser. Die hübschen roten, mit Ahle, Schraubenzieher, Schere, Kapselheber, Säge und Pinzette. Dazu gab es Pflegehinweise und den Hinweis, sorgsam mit dem Messer umzugehen. Anfangs waren wir oft wenigstens in der Nähe, wenn geschnitzt wurde, später … sollten und wollten wir das nicht mehr.

Die Messer waren und sind bei allen Wanderungen dabei, außer schnitzen kann man nämlich auch wunderbar Brötchen damit aufschneiden oder einen Apfel teilen. Oder sich mit der Pinzette einen Schliffer aus dem Finger ziehen. Oder ein Bier aufmachen, wenn die Eltern ihr eigenes Messer mal wieder vergessen haben.
Geschnitten haben sich die Kindelein nie. Der große Sohn allerdings hat sich letzten Sommer die halbe Daumenkuppe abgeschnitten, weil er ein Seil durchschneiden wollte und es auf den Tisch legte und „sägte“, statt eine Schlinge zu formen und das Messer durchzuziehen. „Selbst schuld.“, sagt er und keiner widerspricht. Und die Daumenkuppe ist nach vier Stichen auch wieder angewachsen.
Taschenmesser sind tolle Geschenke für Kinder, wenn man es schafft, nicht Angst vor dem Messer zu transportieren, sondern vermitteln kann, dass ein verantwortungsbewusster Umgang wichtig ist. Und ja, falls Mist mit dem Messer gemacht wird: befristet weg damit und natürlich erklären warum. Und was „Mist“ ist, sollte vorher mit dem Kind in Ruhe geklärt werden.

(verklärter Rückblick: dieser stolze Ausdruck im Gesicht, wenn während der Wanderpause das Messer gezückt wurde und der Wanderstock verziert wurde!)

Der Umgang mit Feuer

Ich habe als Kind beinahe einen fremden Garten angezündet, ein Bekannter von uns hat als Knabe das Altrheingebiet in Brand gesteckt. Feuer ist toll, Feuer ist faszinierend und irgendwie steckt ja auch in jedem von uns ein kleiner Pyromane. Oder können sie sich dem Zauber eines lodernden Feuers entziehen? Und verspüren Sie nicht auch das Bedürfnis, wenigstens ein winziges Stöckchen hineinzuwerfen? Eben.
Eine unserer ersten Aktion in der Wildnis um die Grüne Villa war – neben dem Ausheben eines wirklich riesigen Sandkastens – das Errichten einer festen Feuerstelle. Säuberlich gegraben und mit Ziegelsteinen begrenzt.

Und natürlich gab es hier Regeln! Wir bestimmten, wann was auf das Feuer geworfen werden durfte und zeigten was passiert, wenn es zuviel ist. Oder was passiert, wenn man sehr viel getrocknete Zweige einer Thuja draufschmeisst, das gibt nämlich eine grandiose Stichflamme. Wir zeigten im Dunkeln die Glutfunken, die aus der Feuerstelle springen und erklärten, warum man die austreten sollte. Gerade im Sommer, wenn der Mulch ringsherum sehr trocken ist.


Und wir aßen sehr viel Gegrilltes :)

Mit fünf Jahren durften die Kinder den „Feuermeister“ machen. Selbst ein Feuer entzünden, es einen ganzen Abend lang in Gang halten und später wieder allein komplett zu löschen.

Und wenn sie das konnten, bekamen sie die Erlaubnis, jederzeit ein Feuer anzünden zu dürfen. In unserem Garten, in unserer Feuerstelle. Nicht im Wingert, nicht im Feld und nicht im Wald. Nur in unserer Feuerstelle. Mittlerweile natürlich auch in vorgesehen Feuerstellen auf Zeltplätzen :)
Wir hatten und haben oft Feuer im Garten, selten zünden wir Eltern es an, wir lassen anfeuern und warten nur auf die Glut für unser Grillgut :)
Wir saßen oft sehr lange mit den Kindern draußen am Feuer und sie erlebten mit, wie beißend Rauch ist und wie heiß es am Feuer ist, wenn die Flammen hochschlagen. Und wie schön, wenn es sorgsam behandelt wird.
Es ist wie im Umgang mit Messer: das Stichwort heißt Verantwortungsbewusstsein.

Der Text wird lang, tut mir leid.

Klettern!

Ich bin kein Freund von großen Höhen und wenn ich nahe an Abgründen stehe, dann hab ich mächtig Herzklopfen. Noch mehr Herzklopfen hatte und habe ich, wenn die Kindelein sich mit dem gesamten Oberkörper aus Fenstern hängten, mir „Schau mal, Mama!“ aus schwindelerregenden Höhen zuriefen oder mit ihrem Vater auf Baumstämmen über Bäche balancierten, während ich mit halb zugehaltenem Auge anfeuerte.

Sie ahnen es: auch beim Klettern hatten wir Regeln, diesmal aber für uns: 1. niemals ein Kind hochheben! Wo es alleine hochkommt, kommt es in der Regel auch alleine wieder runter. 2. Niemals „Pass auf, fall nicht runter!“ sagen. Zutrauen und loslassen. Ich habe gelitten.

Und leide auch heute noch, wenn die Kindelein in 60 Meter Höhe am Fels hängen, nur durch ein dünnes Seilchen gesichert.

Echtes Werkzeug!

Eine meiner schönsten, intensivsten Erinnerungen ist, wie ich als Kind bei meinem Opa in der Werkstatt sitze, dort wo es immer nach Dünger, Spritzmittel und im Sommer nach der Marmelade roch, die meine Oma dort auf dem Zweiplattenkocher kochte. Mein Opa hatte mir Dachlattenstücke gegeben, verschiedene Nägel und einen Hammer. Ich war sehr lange beschäftigt und lernte, einen Nagel gerade ins Holz zu schlagen. Meine Bilder hänge ich heute also selbst auf.

In der Grünen Villa lag und liegt immer Werkzeug herum, es muss immer saniert, renoviert und repariert werden, da ist es naheliegend, den Kindern den Umgang damit früh beizubringen. Und wenn schon, dann bitte mit echten Werkzeugen. Neulich sah ich einen genähten (!) Werkzeugkoffer mit Werkzeug aus Stoff. Das sah klasse aus, aber bitte: ein Plüschhammer? Eine Kuschelzange? Blödsinn ist in meinen Augen auch Plastikzeugs, mit dem man Plastikzeugs verschrauben kann. Warum nicht mit „echten“ Materialien arbeiten?

Die Kinder bekamen also nach und nach jedes einen eigenen Werkzeugkasten. Hammer, Schraubenzieher, Beiß- und Kombizange und eine Wasserwaage waren darin. Nicht das billigste Geschenk, denn wir suchten ordentliches Werkzeug. Nach der ersten Freude kam die Ernüchterung, denn von Stund an wurde die Kindelein mit ihrem Werkzeug in Renovierungsarbeiten eingebunden :)

Aber meistens hatten sie einfach nur Spaß mit ihrem Werkzeug.

Auf der Suche nach Fossilien im Bauschutt, natürlich mit Schutzbrille.

 

Ich würde nicht behaupten, dass wir besonders leichtsinnige oder gar nachlässige Eltern sind. Aber wir sind Eltern, die ihren Kindern schon immer sehr viel zugetraut haben und sie gefordert haben. Meine Eltern hatten wenig Zeit mit mir und meine beste Zeit als Kind verbrachte ich mit drei gleichaltrigen Jungs auf einem von Rockern (die echten Hells Angels waren´s) verwüsteten Spielplatz. Im Rückblick war das oft ganz schön gefährlich da. Später baute ich mit anderen ein Baumhaus direkt an der Bahnlinie, das immer wieder von Streckenarbeitern plattgemacht und von uns wieder aufgebaut wurde. Mit geklauten Nägeln und morschen Latten vom Sperrmüll. Das war nicht immer alles so rosig, wie ich es im Nachhinein sehe und so ist es ja mit den Büchern von Astrid Lindgren, die wir alle so schätzen, eigentlich auch. Super, was die wilde Madita da alles macht, aber nein danke, nicht mein Kind, das ist zu gefährlich!

Ich wünschte mir starke, mutige Kinder, die sich schmutzig machen, keine Angst vor Spinnen und Ratten haben und die sich selbstbewusst im Leben bewegen. Die habe ich bekommen. Ob das jetzt daran lag, dass sie Taschenmesser hatten und Lagerfeuer machen durften, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass ich ihnen so viel Abenteuer wie möglich schenken wollte. In versteckten Ecken im Garten, wo ich sie nicht im Blick hatte. Hinter geschlossenen Zimmertüren und irgendwann dann auch alleine unterwegs. Nie ins kalte Wasser geschmissen, immer vorbereitet.

Ich wünschte, dass viel mehr Eltern sich den Umgang mit ihren Kindern nicht so schwer machen würden. Loslassen, zutrauen und Pflaster kleben. Spucke drauf und pusten, statt jede potentielle Verletztungsgefahr zu vermeiden oder zu verhindern. Und ich behaupte, dass es keinen geeigneten Zeitpunkt für etwas braucht, sondern nur genug Zeit, um etwas Neues, potentiell Gefährliches zu zeigen, zu lehren und zuzumuten.

 

Und ja. Natürlich haben wir es mit dem Beschützen manchmal auch übertrieben :)

Fahrradhelmpflicht besteht auch immer noch.

einatmen, ausatmen

12. Januar 2014

Der große Sohn, der seine Schulkarriere vor dreizehn Jahren hoffnungsvoll begonnen hat, schreibt morgen seine erste Abiturarbeit im Fach Deutsch.

Er ist äußerst tiefenentspannt, was bei mir zu Schnappatmung und leichten Panikattacken führt. In den Weihnachtsferien hat er begonnen, über das Lernen nachzudenken, richtig begonnen hat er gefühlt vorgestern. Er schreibt Deutsch, Sozialkunde und Chemie.

„Für Deutsch kann man nix lernen“, sagt er und meinen Widerspruch überhört er.

„Für Sozialkunde muss ich nichts lernen“, sagt er und da kann ich nicht widersprechen, denn ich weiß, dass er am Liebsten seine Abiturprüfung nur in Sozialkunde schreiben würde.

„Für Chemie habe ich schon ein bißchen gelernt“, sagt er und da ich gut bin, im „von mir auf andere schließen“, glaube ich, dass ein Bißchen nicht reicht. Hätte mir nie gerreicht, Chemie habe ich nie gekonnt.

Doch der Knabe ist volljährig, wirkt ausgesprochen kompetent und souverän und außerdem wird das alles schon irgendwie klappen.

*****

Damals …

waren wir Eltern sehr froh, dass die Kindergartenzeit für unseren wissbegierigen Sohn endlich vorbei war.

Das erste Halbjahr in der Grundschule war übrigens für Sohn und Mutter eine echte Herausforderung, denn Sinn und Zweck von Hausaufgaben wollten sich nicht recht erschließen und so flogen anfangs Bleistifte und Radiergummis durch die Küche. Heute lachen wir herzhaft darüber, damals hoffte ich, dass dieses Schulding endlichendlich irgendwann vorbei ist. Am Gymnasium wird alles besser, dachten wir.

Am Gymnasium hatten wir Spaß mit Vokabeln, die manchmal gelernt wurden, meistens aber nicht und der Sohn musste neben viel Lernstoff auch mit Tatsache zurecht kommen, dass es so etwas wie Mobbing gibt. Der Lernstoff wurde bewältigt, das Mobbing ausgestanden und „wenn er sich erst Leistungs- und Grundkurse selbst zusammenstellen kann, dann wird alles prima!“, dachten wir.

Die gewünschte Fächerkombination gab es dann nicht, aber immerhin den Wunschlehrer im Lieblingsfach. Zweieinhalb Jahre in der Oberstufe verflogen und nach den letzten Sommerferien schienen die Abiturprüfungen noch so fern. Doch am Gymnasium zu St. Katharinen werden die Prüfungen sehr früh geschrieben, wir haben hier das G 8,5 Modell.

Morgen also. Mitte März die mündliche Prüfung in Mathematik. Und dann ist die Schulzeit endlich ausgestanden! „Wenn er erstmal das studieren kann, was ihn interessiert, dann wird alles gut!“, denken wir. Und bestimmt fällt dem Knaben während seines FSJs  ein, was er denn studieren könnte.

Rasch, rasch …

6. Januar 2014

bevor Sie Ihre alten Kalender wegwerfen!

Ich habe gestern abend einige Zeit mit einem Etikettstanzer verbracht und unseren Maulwurf-Familienplaner

und den PussyDeLuxe-Kalender der Tochter

„ausgeschlachtet“.

Jede Menge hübsche Etiketten sind entstanden,

die darauf warten, mit lieben Grüßen an Geschenke geknotet zu werden.

Mit einer Schere klappt das sicher auch!

(freiwillige Werbung: der Stanzer ist von peppauf.)

Gartenschuftereien

4. Januar 2014

Einerseits finde ich es äußerst schade, dass kein Frost klirrt und es nicht schneit. Andererseits kommt uns dieses merkwürdige, milde Wetter gerade sehr gelegen, denn wir müssen im Garten alles für die Sauna vorbereiten. Die wird nämlich hoffentlich in den nächsten zwei Wochen geliefert und soll dann recht schnell in Betrieb genommen werden können. (ein bißchen spannend bleibt die Sache mit der Anlieferung noch, denn Sauna und Gartenhüttchen sollen mit einem wirklich großen LKW geliefert werden. Ortskundige wissen: die Grüne Villa steht in einer eher schmalen Straße, die ein wirklich großer LKW zwar hinunterfahren kann, aber mangels ausreichend Platz zum unten um die Ecke fahren, muss er rückwärts wieder hoch. Ich stand schon desöfteren staunend am Fenster und habe beobachtet, wie sehr große Lastwagen samt Anhänger rückwärts die Straße hochfuhren.)

Die Sauna soll in das Eckchen, das immer ein bißchen ungenutzt ist, vom Brückchen runter, links. Diese Ecke entstand, als wir die Hauswand freigruben und das war exakt der Zeitpunkt, an dem diese Ecke optimal genutzt wurde: von den Kindern die in riesigen Erdhaufen buddelten. Wir dachten den Kindern einen großen Gefallen zu tun und kippten nach der Wandisolierung einen Kubikmeter Sand in die Ecke. Leider ist Sand langweilig, wenn es einen großen Garten gibt, in dem immer wieder irgendwelche Löcher gegraben werden können. Und so legten wir Holzplanken auf den Sand, sorgten für Sitzgelegenheiten und nannten die Ecke fortan hochtrabend „Schattenterrasse“.

Leider besteht nicht die ganze Wand hinter der Schattenterrasse aus alten Ziegelsteinen und deshalb passte es ganz prima, dass der jüngste Sohn damals in der Schule versuchte, wie Hundertwasser zu malen. Sein Bild im A4 Format gefiel so gut, dass er es zusammen mit anderen auf einen Bauzaun malen durfte, der die Hundertwasserausstellung im Museum begrenzte. Nach der Ausstellung kauften wir also das Stück Bauzaun und schraubten es an die Wand der Schattenterrasse. So gar nicht die Farben, die ich im Garten bevorzuge, aber die hässliche Wann war versteckt und nicht nur der Jüngste platzte vor Stolz.

Wie nicht schwer zu erkennen ist, gab es da eine weitere Wand, die eher unschön aussah. Der Versuch, da etwas mit einem Stück Stoff zu kaschieren kann getrost als gescheitert bezeichnet werden. Die Bank rückte an eine andere Stelle und eine alte Zinkwanne wurde mit Wasser befüllt und Seerosen bepflanzt.

Der begrenzende Flieder musste aus Altersgründen weichen, an seine Stelle kam ein Holzunterstand. Und die Zinkwanne wurde mit Funkien bepflanzt. Wir saßen trotzdem eher selten auf der Schattenterrasse.

Als wir den perfekten Platz für unsere Sauna suchten, war die Schattenterrasse gar nicht unsere erste Wahl. Wir standen vor dem Gartenschuppen und überlegten, wie wir ihn verkleinern können, um Platz zu schaffen und wurden uns einig. Beim Gang zurück ins Haus … kam die Idee. Passt das Saunafass eigentlich in diese Ecke? Sie passt und zwar perfekt. Und jetzt muss geschuftet werden.

Alle Sitzgelegenheiten, Blumentöpfe und -wannen mussten raus, das Holzdeck ebenfalls, denn die Sauna braucht ein gescheites Fundament.

Meine mühsam gepäppelte Korkenzieherweide muss ebenso weichen, wie die Walderdbeeren, die als Bodendecker angepflanzt worden waren. Und als es fast so aussah, als könnte das Fundamnet vorbereitet werden, stellten wir fest, dass die das Erdreich zum Hang stützenden Holzpflöcke und -bretter durchgefault waren. Um ein Kullern des Fasses durch den ganzen Garten zu verhindern, muss da etwas Ordentliches her. Und vorher musste gegraben werden.

Immerhin: der Starkstromanschluss liegt!

Heute regnete es den ganzen Tag leise vor sich hin, aber wer saunieren will, muss schwitzen. (haha.) Der beste Vater meiner Kinder schleppte sein Werkzeug und die von meinem Opa geerbten Maurerkellen nach draußen.

(kurz noch mal ein Blick auf die künftige Saunaecke)

Und als er ein paar Stunden später wieder reinkam, war das Erdreich mit diesen leider hässlichen Betonpfeilern abgestützt. (ich lasse Moos drüber wachsen, dann wird es nicht mehr so fies aussehen.)

Es wäre ganz entzückend, wenn Schnee und Frost noch ein, zwei Wochen fernblieben. Bis morgen hat der Beton an den Pflöcken soweit angezogen, dass die Erde wieder zurückgeschaufelt werden kann. Aber für das Betonieren des Fundaments braucht es weiterhin mildes Wetter.

Ich war heute übrigens auch nicht faul! Ich habe einen sehr großen Schmetterlingsflieder runtergschnitten (ausgraben darf ihn morgen eines der Kinder) und sehr, sehr, sehr viel verdörrtes Melissengestrüpp ausgerupft, meterweise Efeuranken aus dem Gras gezupft und mich kräftig an winterfesten Brennnesseln verbrannt. Fast ganz hinten im Garten, da wo das Hüttchen hin soll. Darüber berichte ich dann demnächst mal.

Dieses Jahr bleiben wir an Silvester daheim, hatten wir beschlossen. Denn auch wenn das Silvesterfest samt tollem Essen bei der Freundin mit Blick über Oppenheim letztes und vorletztes Jahr grandios war – es war anstrengend. Und da ich mittlerweile alt bin und obendrein einen hartnäckigen Schnupfen in der Nase habe, war mir nach besinnlicher Gemütlichkeit.

Es wurde dann sehr gemütlich und besinnlich, denn die Tochter verabschiedete sich zu ihrer ersten großen Silvesterparty mit Freund. Als sie das Haus verließ, rückte der Freund des Großen an, schwer beladen mit Computer und nötigem Zubehör.

Wir speisten vorzüglich und ziemlich schnell (Sandwiches) und dann verzogen sich die anwesenden vier Herren in verschiedene Zimmer, verkabelten sich und schlugen gemeinsam oder gegeneinander wilde Schlachten.

Ich legte mir im Nähzimmer die zweite Staffel von Emergency Room ein und beschloss für das neue Gartenhäuschen einen Quilt zu nähen. Langgehegte Stoffschätze, alte Bettwäsche, kleine Reste und Stoffe, die da lagen, aber mit denen ich eigentlich nix anfangen kann, fügten sich irgendwie zusammen …

und während Schlachtenlärm aus den Computerzimmern drang, Dr. Carter in der Notaufnahme herumwirbelte und draußen einige Menschen bewiesen, dass sie die Sache mit der Uhrzeit nicht verstanden haben, reihte ich Stoffstück an Stoffstück.

Das Oberteil des Quilts wurde fertig und ich bin begeistert. Auch die Rückseite ist fertig, aber das Zusammenfügen mit einer alter Decke als Füllung schaffte ich nicht mehr.

Um halb zwölf räumte ich zusammen und hätte seinem Beispiel folgen können:

Franz feierte ganz eindeutig Chillvester.

Statt ins Bett ging ich auf die Terrasse, zündete jede Menge Kerzen an, steckte viele Wunderkerzen in die Blumenkästen, richtete Sektgläser und einen Eimer für Abgebranntes. Der beste Vater meiner Kinder und die Jungs kamen auf die Terrasse, die Kirchenglocken läuteteten, die Handyuhren zeigten 00:00 Uhr und wir prosteten. (an dieser Stelle möge man ein beliebiges Bild von Feuerwerk, Sektgläsern oder Wunderkerzen einfügen)

Ich entzündete Wunderkerzen, die Jungs feuerten Raketen und für mich die hübschen, leisen Dinge aus dem Kinderfeuerwerk. Ringsherum wurde geböllert, als wäre schon wieder Jahrtausendwende und als sich der Feuerwerksgeschmack auch nicht mehr mit Sekt herunterschlucken ließ, gingen wir wieder rein. Die Jungs sammelten vorher brav den Müll aus dem Garten und löschten glimmende Reste.

Ich brach drinnen direkt meinen ersten Neujahrsvorsatz (nicht mehr so viel Rotwein trinken), weil da stand noch ein Glas Rotwein, das würde ja schlecht. Danach ging ich ins Bett, während weiterhin Schlachten an Rechnern geschlagen wurden. Bis drei Uhr, erzählte man mir heute morgen. Um halb fünf öffnete ich der Tochter, die den Schlüssel vergessen hatte, die Tür und um neun hatte ich dann ausgeschlafen.

Herrlich unspektakulär und gemütlich, dieses Silvester. Und ich glaube, wenn hier mal keine Kinder mehr im Haus wohnen, werden wir einfach ein Glas Wein trinken und um halb zwölf schlafen gehen.

Einen Vorsatz habe ich für 2014!

Da weiterhin berechtigte Hoffnung besteht, dass die Nachbarn wegziehen und somit meine „ich kann nix im Garten schuften, weil es da so laut ist“-Ausreden wegfallen, wird 2014 mein Gartenjahr. Im Rückblick schrieb ich ja bereits, dass wir eine Fasssauna für den Garten gekauft haben. Wir haben außerdem ein entzückendes Gartenhäuschen, eher eine Art Pavillon, gekauft und da, wo das Häuschen hin soll, soll es hübsch werden. Und im restlichen Garten natürlich auch. Um mich zu motivieren und auch um Fortschritte festzuhalten, gibt´s auf Instagram den „daily view“ mit dem Hashtag #gartenschau von einer Stelle aus. Mal schauen, ob ich das so konsequent hinbekomme wie die #609060-Spiegelbilder.

Von hier aus wird geknippst.

Wer die Ländereien der Grünen Villa nicht kennt: der größte Teil des Gartens ist ein sehr langer Schlauch, an der breitesten Stelle sechs Meter breit. Voll mit Gestrüpp, zerfressenem Buchs, einem großen Apfelbaum, der nur alle zwei Jahre trägt, einem kleinen Apfelbaum, der jährlich nur faule Äpfel trägt, einem Birnbaum mit komischen Pilzbefall, einem gut tragenden Pfirsichbaum und seinem Ableger. Und  einer Eiche, die der Jüngste vor Jahren mal pflanzte. Da, wo dieser hässliche Tisch steht, da kommt das Hüttchen hin. Ich werde auch hier im Blog regelmäßig, aber nicht täglich, Fortschrittsbilder zeigen.

Und jetzt: Ihnen allen ein gutes neues Jahr, machen Sie was draus. Wir gehen jetzt los, einer alten Neujahrstradition folgend, dem Neujahrsknallen. Freunden und Verwandeten werden so lange Böller vor die Haustür geschmissen, bis sie den Kindern Geld oder Süssigkeiten geben, damit sie damit aufhören. Oder so ähnlich.