Der dicke Martin
7. März 2013
liegt im Katzenkrankenhaus. Hat nach einem Harnstau einen Katheder in der Harnröhre, durch den in den nächsten zwei Tagen der ganze angesammelte Gries rausgespült werden soll.
Ich sag Ihnen, man hat schon sein Leid, mit den Katzenviechern. Alle verfügbaren „werd-gesund-Kater“-Daumen zu uns, denn auch wenn wir ihn in kompetenten Händen wissen, wir sorgen uns sehr.
(verkneifen Sie sich ätzende Kommentare, weil ich schreibe es trotzdem: neben dem ganzen Mitleid mit unserem süßen Puffelkätzchen, mache ich mir auch echte Sorgen um unseren Geldbeutel. Wer über die Anschaffung einer Katze nachdenkt, sollte ganz unbedingt bedenken, dass er nicht nur Kotze vom Boden wischen und ein Katzenklo reinigen muss, sondern im doofsten Fall auch etliche Hunderter beim Tierarzt lassen muss.)
Tagebuchbloggen.
6. März 2013
Frau Brüllen lädt zum Tagebuchbloggen unter dem Motto „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ ein. Das kann ich gut, ich blogge ja nichts anderes, deshalb mache ich mit. Start ist Montag, der 11. März, ein Linkliste zum Eintragen wird es in ihrem Blog geben.
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Sollten Sie zu den Menschen gehören, die gestern von mir eine Nachricht bekamen, in der stand, ich habe das Fatburner-Geheimnis geknackt oder Sie sollen sich das witzige Bild, das ich von Ihnen habe, anschauen – ignorieren, wegwerfen. Mein Twitter-Account war geknackt. Jetzt dürfte alles wieder in Ordnung sein und ich entschuldige mich für … nix eigentlich. Mögen den Programmierfuzzies, die mit fremden Accounts herumspielen, die Finger abfaulen.
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Oma Eis brachte am Montag einen Korb voller Kränze und genähter Osterkörbchen mit. „Könntest du nicht ein Osterschaufenster machen?“, regte sie an. Mache ich. Morgen, so um elf Uhr, ziehe ich die Vorhänge auf. Bis dahin muss ich noch jede Menge Schnickeldi fotografieren, die Seite basteln und endlich kapieren, wieviele Briefmarken ich auf welchen Umschlag kleben muss.
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Und ganz im Sinne des Tagebuchbloggens: ich werde jetzt Teig für Naanbrot ansetzen. Auf speziellen Wunsch der Kinder gibt es nämlich heute indische Tomatensuppe mit Naanbrot. Super Winteressen, weil würzig-scharf und wohlig wärmend. Nehmen wir es als Winter-Abschieds-Essen, denn bei lauschigen 14°C ist mir langsam wieder eher nach knackigen Salaten. Meine Figur meint das auch, dass es nun ein Ende haben könnte, mit dem Winterspeck. Jeden Winter nehme ich ein paar Kilos zu, die dann mit steigenden Temperaturen schmelzen. (bis ich wieder bei meinen ewigen „drei Kilo zuviel“ bin.) Allerdings scheine ich nun langsam in dem Alter zu sein, in dem der Stoffwechsel ein etwas gemächlicheres Tempo hat. Derzeit schmilzt da noch nix, außer der Anzahl von Frühlingsröckchen, in denen ich nicht wie eine Presswurst aussehe. Es wird wohl Zeit, die Laufschuhe zu schnüren. Frau Knie fände das auch gut.
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Der dicke Martin hat das Markieren in Küche und Wohnzimmer aufgegeben, weil dort wabern ja die Pheromone. Unglücklicherweise wabern die nicht bis ins Nähzimmer und deshalb musste ich dort sehr gründlich putzen. Ich möchte einen Muff aus dem Viech nähen. Wenn er nur nicht so niedlich wäre …
Franz markiert nur, indem er sich eine besonders schlammige Stelle im Garten sucht und durchwandert, bevor er auf mein frischbezogenes Bett springt. Immer. Das stinkt zwar nicht, aber dem Tatzenmuster habe ich ja seit dieser Wolfshaut-Abmahn-Geschichte abgeschworen. Ich möchte einen Muff aus dem Viech nähen. Wenn er nur nicht so niedlich wäre …
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Sie können Frau Brüllen und mich auf der re:publica in Berlin treffen, Anfang Mai. Und falls Sie dort nicht sind, klappt es vielleicht ja in einem Café? Genaueres können wir noch planen, ertsmal wäre es schön, wenn Frau Brüllen unter ihrem eigenen Namen und nicht unter meinem auf der re:publica rumlaufen könnte, das Umschreiben der Karten scheint ein echtes Problem zu sein. Immerhin haben wir, dank Frau Brüllens organisatorischem Eifer, die Übernachtungssache geklärt. Und ich habe für diese eine Nacht, die ich noch obdachlos in Berlin vor meiner Weiterfahrt nach Jever war, ebenfalls ein Plätzchen gefunden. Der Mai kann kommen. Und jetzt freue ich mich auch darauf!
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Tagebuchbloggen Ende.
Österliches.
28. Februar 2013

Weihnachten ist mein großes Dekofest. In allen Ecken und auf sämtlichen ebenen Flächen glitzert Schnickeldi, an den Fenstern leuchtet es bunt und das ganze Haus sieht kuschelig-puschelig aus. Ostern hingegen ist mein Deko-Stiefkind. Früher baumelten ausgeblasene, von den Kindern bemalte Eier an einigen Weidenkätzchenzweigen. Und am Fenster klebten die Tonpapier-Osterkreationen, die die Kindelein aus dem Kindergarten mitgebracht hatten. Und den Tresen zierten einige Farbkleckse vom Färben der Eier. Das war´s, kein weiteres Schnickeldi. Braucht es ja auch nicht, dachte ich immer, denn schließlich blühen um Ostern herum Tulpen, Osterglocken, Bellis, Hyazinthen, Ranunkeln und Traubenhyazinthen auf meiner Fensterbank.
Ich wurde eines Besseren belehrt: auch für Ostern gibt es hübsches Schnickeldi. Frau Rieger hat sich Hasen ausgedacht, die in wenigen Minuten als in-the-hoop-Stickerei fertiggestellt sind.

In zwei Größen hoppeln die Hasen aus dem Stickrahmen, ich habe bisher nur die kleineren gestickt. Für Oma Eis drei Stück

und drei Stück für das Nähzimmer, denn das Nähzimmer sollte auch jahreszeitlich geschmückt sein. Das Nähzimmer hat sich nämlich mittlerweile zum Familienraum gemausert. Dank des Bettes, auf dem immer mindestens ein lesendes Kind liegt, wenn ich zu nähen habe.
Hasen an der Girlande über der Stickmaschine. Passen prima dahin, denke ich.

Blümchen und Totenkopf

und ein Sternenhase mit Überbiss. Mein Liebling ;)

Die Stickdatei „Hasenbande“ gibt es ab heute, 28.02.2013, bei Anja Rieger Design. Ihnen so viel Spaß beim Sticken, wie ich ihn hatten. Danke, Frau Rieger!
Erziehung. Eigentlich nicht schwer.
27. Februar 2013
Neulich schrieb ich, dass das Thema Erziehung bei uns durch ist, weil die Kindelein einfach zu alt dafür sind. Unser Zusammenleben basiert nun auf dem, was wir den hinreissenden Bestien an Erziehung angedeihen ließen und ganz stolz und angeberisch kann ich sagen: die Mühe von früher trägt Früchte.
Ein Geheimrezept gibt es nicht. Journelle spielt nicht mit ihren Kindern, weil sie das doof und langweilig findet. Wer nun empört aufzuckt und loswettern möchte, bitte erst ihren Artikel lesen, in dem sie das hübsch zusammenfasst und begründet. Und manchen Eltern vielleicht ein „Gottseidank, ich dachte schon, ich wäre eine schlechte Mutter/ein schlechter Vater.“ entlockt. Ich persönlich habe nicht gerne mit den Kindern gespielt, spielen im Sinne von: auf dem Boden liegen und playmobil-Männchen quieken lassen. Aber ich habe gerne mit ihnen gebaut, egal ob zum zigsten Mal die Playmobil-Burg wieder auf, diverses aus Duplo und Lego, die Brio-Bahn und das Puppenhaus hab ich auch gerne neu tapeziert. Ich ließ mir Sandkuchen backen und verspeiste diese, genauso wie diverse Luftmahlzeiten und leere Tassen mit „Achtung Mama, heißer Kaffee!“ drin. Hat mir keinen Spaß gemacht, war aber auch nicht schlimm. Am Liebsten habe ich mit den Kindern Sachen gemacht, bei denen man großartig erzählen kann. Malen zum Beispiel. Oder kneten. Oder backen und kochen. Oder spazieren gehen. Schaukeln. Im Garten wurschteln, den Haushalt erledigen. Abends hatte ich eine trockene Kehle, einen brummenden Kopf und war nahezu leergeredet. Bei uns funktionierte das prima, weil es unser Ding war und ist. Ein Teil unseres Erziehungsstils, den man nicht nachlesen oder „nachmachen“ kann.
Ich habe bewusst jeden Erziehungsratgeber gemieden und bin Mütteransammlungen ferngeblieben, habe Babyschwimmen und PEKIP verweigert. Es war mir ja sowieso klar, dass mein Kind das klügste, tollste, größte, blondeste und am schnellsten trockene/durchschlafende/krabbelnde/laufende war. (Achtung: das war ironisch.) Und wir erzogen aus dem Bauch heraus. Mit viel Humor und noch mehr Ironie, dabei streng und beharrlich Grenzen ziehend und einfordernd, Abmachungen treffend, Bestechung durchaus legitim, Freiwilligkeit aber höher bewertend und Einiges mehr. Wir schlugen und klappsten nicht, wir schrieen so selten wie möglich, aber wir straften. Sachbezogen, konsequent und unmittelbar.
Vieles erforderte eine Menge Überlegung, Reflexion. Grenzen mussten ständig überprüft werden, ob sie überhaupt noch Sinn hatten, Entwicklungsschritte der Kinder verlangten, dass wir mitrannten und neue Wege suchten. Und allem voran eigentlich das, was auch Frische Brise in ihrem Artikel fordert: Gelassenheit. Nicht im Sinne von „laissez-faire“, sondern im Sinne von: „orientiere dich nicht an anderen, schau dir dein Kind an, überlege, was es brauchst. Und was DU willst. Mach einfach dein Ding.“
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Noch eins, denn eigentlich bin ich fertig: unser geliebtes Internet, samt seiner sozialen Netzwerke ist wirklich Fluch und Segen. Reizende Familienbilder auf Instagram können zu allergrößter Frustration führen, denn verdammt nochmal, warum spielen dort glücklich-lachende Kinder in phantastisch eingerichteten Zimmern friedlich und phantasievoll miteinander, während meine Brut sich schon wieder gegenseitig die Burgen einreißt? Wo hat diese Mutter da nur die Zeit her, jeden Tag so grandios und vollwertig zu kochen und obendrein noch diese Mahlzeiten ansprechen zu knippsen und das Rezept zu bloggen? Ich bin froh, wenn die Kinder nur ein Drittel der Nudeln unter den Tisch werfen. Zum Glück ohne Soße, weil blanke Nudeln gerade am Besten schmecken. Da gäbe es viele Beispiele mehr. Überall nur tolle Familien und man selbst dreht am Rad.
In Blogs, Foren, Instagram und Twitter ist es auch nicht anders als in der Krabbelgruppe und beim PEKIP: da wird ebenfalls verglichen, angegeben und so getan, als ob. Wer hat die stressigste Zeit? Welcher Vater hilft am wenigsten mit? Wer kocht am Fleischlosesten? Wer kleidet die Kinder am Biologischsten? Wer hat den lässigsten Umgang mit den Kindern, wer verabscheut am meisten pinkes Glitzerzeug und wer ist am Allermeisten noch er/sie selbst geblieben und hat sein Leben nicht geändert, obwohl da plötzlich Kinder sind.
Besser ist das aber auch nicht. Aber scheinbar doch so ein Elternding.
vierzehn.
23. Februar 2013
Der Jüngste hat Geburtstag.
Morgen.
Um 1:20 Uhr wurde er geboren, nach rasanten vierzig Minuten von der ersten Wehe bis zum ersten Schrei. Und morgen wird mein letztes Baby schon vierzehn, muss den vollen Preis für die Zugfahrkarte zahlen (weswegen er bereits im Besitz einer BahnCard ist), spricht mit tiefer Stimme, hat einen dunklen Schatten über der Oberlippe und einzelne Borsten am Kinn, die noch mit der Schere gekürzt werden. Er ist nur noch knapp zwei Zentimeter kleiner als seine Schwester, es ist wohl nur eine Frage von Wochen, bis er nicht mehr der Kleinste in der Familie ist. („Wenn er größer ist als ich, kaufe ich mir Schuhe mit Absatz“, spricht die Tochter.)
Die Schule bewältigt er gut, mittlerweile ganz ohne medikamentöse Unterstützung. Ab und zu macht er auch Hausaufgaben, so stand es jedenfalls im Zeugnis und ja, deswegen bekam er ein bißchen Ärger mit uns. Wegen des „ab und zu“ und weil er uns angelogen hat. Und das ist auch das einzige, was man als „pubertären Ausreisser“ bezeichnen könnte, ansonsten ist er nach wie vor freundlich, höflich und liebevoll zu uns. (man hört da so viel anderes, doch ich scheine wirklich großes Glück mit diesem Pubertätsding gehabt zu haben bei den Kindelein, ich kann nicht klagen. Was im Übrigen ein Grund für die Stille hier im Blog ist. Ich kann ja nicht täglich schreiben, wie gut und cool alles ist, das wäre ja wie bei den Einrichtungsblogautoren, denen man nicht abnimmt, dass sie keine Schmuddelecken haben.)
Er hat einen Freund, mit dem er gerade im Wohnzimmer sitzt und sich die Zeit bis Mitternacht beim Schauen der supermegaextraveryextremelongextended Edition „Herr der Ringe“ vertreibt. _Ein_ kostbarer Freund, denn noch immer spricht er ein bißchen langsamer als die Gleichaltrigen, sucht und ringt nach Worten. Erwachsene neigen dazu, Sätze für ihn zu beenden, Gleichaltrige sagen: „Du bist doof.“ Dieser eine Freund ist kostbar und ich wünsche ihm und mir, dass die beiden Geduld miteinander haben.
Seinen Platz hat er gefunden. In der Jungschar des CVJM, dort treiben sich die Jungs herum, die keine Fußballer sind. Die wissen, wie man mit Magic-Karten spielt, die die StarWars-Dialoge mitsprechen können und die genauso gern „Rüben ziehen“ wie Computer spielen. Ich bin froh, dass er einmal in der Woche dort ist und freue mich für ihn, dass er sich in den Osterferien eine Woche lang zum Mitarbeiter ausbilden lässt. Damit er igrendwann im im Sommerzeltlager als Jugengruppenleiter mitfahren kann.
Vor ein paar Jahren schrieb ich, dass ich gerne ein bißchen in die Zukunft schauen würde. Um beruhigt zu sein. Oder mich wappnen zu können. Daran hat sich nicht viel geändert, denn noch immer ist der Weg des jüngsten Sohnes ein verschlungener. Garantiert spannender als manch schnurgerade Autobahn, aber eben auch mit gänzlich verborgenem Ziel. Derzeit spricht er davon, ein Praktikum im Altenheim absolvieren zu wollen. Oder im Kindergarten. Wo er jemals landen wird – ich kann es mir nicht vorstellen.
Seine heitere Unbefangenheit von früher ist teilweise verschwunden. Einerseits schmerzt mich das sehr, andererseits gehört das aber ganz sicher zum Erwachsen-werden. Der niedliche, grinsende kleine Kerl mit den langen, blonden Haaren ist ein nachdenklicher junger Mann geworden.
Lass Dich feiern, kleiner Großer. Du bist toll.
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Bevor Sie jetzt befürchten, dass die Frau Mutti auf ihre alten Tage nun doch noch schwermütig wird … von wegen. Vierzehn bedeutet im Gegenzug nämlich auch, dass in vier Jahren mein letztes Kind volljährig ist. Volljährig heisst nicht zwangsläufig „auf eigenen Füßen stehen“ und daheim ausziehen, wahrscheinlich auch nicht, dass ich jegliche Verantwortung abgeben und alle Sorgen über Bord werfen kann, aber für mich bedeutet es so etwas wie: offizieller Erziehungsstop. Im Grunde genommen ist es zwar schon jetzt so, dass das Thema „Erziehung“ durch ist, denn mal ehrlich, was ich bisher nicht in die hinreissenden Bestien hineinerzogen habe, das kann ich jetzt auch vergessen. Aber mit achtzehn … ist es eben offiziell.
Und zum Thema Gluckenmutter und Wurzel/Flügel-Geschichte: ich sehe da ein Leben ohne Kinder. Und es sieht gut aus. Langeweile scheint es da auch nicht zu geben, nur möglicherweise zwei leerstehende, bisher unverplante Räume. Durchaus etwas, worauf wir uns freuen können, dieses Leben nur als Paar … bevor wir Großeltern werden.