Jedenfalls in meinem Nähzimmer.

Ich habe nämlich die Theorie, dass Näh- und Stickmaschinen keine schnöden, teuren Plastik/Metall/Sonstswas-Nutzgeräte sind, sondern Maschinen mit einer Seele. Möglicherweise ist das Fertigungsgelände der Pfaffmaschinen über einem Indianerfriedhof errichtet, man weiß ja nie.

 

Heute beschloss ich, wenn ich schon Frust, weil ich nicht in Berlin bin, kann ich mir auch noch den Frustrationsoverkill holen, indem ich das Coverlockmaschinchen auspacke und versuche, ihm ein paar Nähte zu entlocken. Der treue Leser mag sich erinnern: es ist ziemlich genau ein Jahr her, seit ich das Coverlockmaschinchen für den heimischen Fuhrpark adoptierte. Seit dem habe ich damit zwei Kissenbezüge, einen Rock und jede Menge Murx genäht. Für den Maschinenpreis zu wenig positives Ergebnis, das muss sich ändern.

Mehrere Dinge geschahen gleichzeitig:

– ich entschied mich für quietschroten Nickystoff und diesen Antondingsbumsschnitt von Farbenmix, weil den kann jeder

– ich belud die Speicherkarte der Stickmaschine mit diesem riesigen Drachen von Frau Maki

– ich schnitt dunkelbraunen Walk zu, um ihn besticken zu lassen

 

Die Stickmaschine wurde in Gang gesetzt, der Zuschnitt des quietschroten Nickys ging weitestgehend flott und die Coverlockmaschine war beinahe nicht zugestaubt. Das Einfädeln für einen dreifädigen, schmalen Overlockstich, der mir laut Gebrauchsanweisung für dünnen und mitteldicken (hä? WTF?) Stoff empfohlen wurde, nahm dann doch etwas Zeit in Anspruch. In Stickzeit für die Leserinnen, die sich auskennen: der Drache war fast fertig, acht Farbwechsel inklusive. Ich behaupte, wer eine Overlockmaschine einfädeln kann, kann auch einen Herzkatheder legen. Oder eine Athroskopie am Knie durchführen. Ständig sind die Finger zu dick, die Fäden zu ausgefranst, das Licht zu dunkel, der Schattenwurf zu ungünstig und wenn man den letzten Faden einfädelt, zupft man aus Versehen den ersten wieder raus.

Ich nähte eine Naht auf einem Probeläppchen, während die Stickmaschine an der Umrandung des Drachen arbeitete. Zwei Maschinen, die gleichzeitig arbeiten, das geht nicht, da gibt es Eifersüchteleien, da beginnt der Kampf um ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Oberfaden an der Stickmaschine riss, die Fäden der Overlockmaschine verknoteten sich zu einem imposanten Gebilde.

Nach weiteren Oberfadenrissen gönnte ich der Stickmaschine eine neue Nadel, mit der sie glücklich und fröhlich weiterratterte. Die Coverlock, wegen so viel Zuwendung, die nicht ihr galt, verstimmt, verweigerte sämtliche Dienste. Eine Naht ließ sich gut anbringen, sogar mit sauberem Ergebnis, doch das Stoffstück den Nadeln und Greifern zu entreissen – schier unmöglich. Vorsichtes Ziehen, beharrliches Zupfen, kräftiges Zerren – nichts. Behutsames Drehen des Handrades nach hinten, vorne, viertel, halb, ganz – nichts. Irgendwann löste sich das Genähte doch und ich durfte zwei Fäden neu einfädeln.

 

Der Drache war fertig und sah wunderbar aus, weswegen ich spontan beschloss, einen weiteren zu sticken, in anderer Farbkombination. Ein weiteres Stück Walk musste zugeschnitten werden, Stickvlies eingespannt und die Farben für die neue Kombination herausgekramt werden.  Die Stickmaschine wurde gestartet.

Nach dem Einfädeln der Coverlock wagte ich einen weiteren Versuch, die zweite Schulternaht meines künftigen Lieblingskuschelpullis musste geschlossen werden. Die Naht: ohne Probleme und sauber, das Herausziehen des Stoffes: neu einfädeln nötig. Frust.

Die Stickmaschine ratterte sich dem fünften Farbwechsel entgegen und gerade als ich den ersten Ärmel einsetzte, verwandelte sich das Rattern in komisches Knattern. Der Oberfaden der Stickmaschine war aus seiner Führung gesprungen und hatte ein dickes Fadengewurschtel unter der Stickplatte verursacht. Ich konnte retten, gerade noch, bevor der Stickrahmen der Spannung nachgegeben hätte und ich das begonnene Motiv nur noch in den Mülleimer hätte feuern können.. Weil es gelingt nie, wieder so einzuspannen, dass das Motiv sich nicht verschiebt.

Als ich am Ende des Ärmels anlangte, stellte ich fest, dass noch eine Menge Rückenteil übrig war. Und beim Wegziehen des Nähstückes von der Maschine … Sie ahnen es: neu einfädeln.

Ich habe nicht neu eingefädelt. Stattdessen habe ich das quietschrote Nickyzeugs zu einem hübschen Ball geformt und in meinen Schrank geworfen. Die Covermaschine darf sich unter ihrer Abdeckung ausruhen, bis auch meine Nerven das Flattern aufgegeben haben. Die Stickmaschine rattert, während ich dies schreibe, einen dritten Drachen, derzeit Farbe drei.

Ich werde im Anschluss ein paar Zuschnitte machen und erst wenn die Stickmaschine fertig ist, die dritte Maschine des Fuhrparks in Betrieb nehmen, um die Drachen auf Walk in hübsche Taschen zu verwandeln. Weil „normal“ nähen kann ich ja. Und wenn nur eine Maschine läuft, dann kann es ja keine Schwierigkeiten geben. Oder?

Nix. Das aber ganz gut.

24. Januar 2012

Vor ein paar Jahren gelang es einer Menge Frauen in Amerika, aus der Kombination Hobby (nähen, stricken, gestalten wie auch immer) und Blog ein lukratives Geschäft zu machen.
„Toll!“, dachte ich, nicht ganz neidlos, aber sicher, dass das in der deutschen „Mutti macht Handarbeiten“-Szene nicht passieren wird.
Ich habe mich ganz gründlich getäuscht, denn mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von kreativen Frauen, die eigene, erfolgreiche Label haben, ganze Stoffreihen oder Stickserien entworfen und, in dem Fall meistens, an die Frau gebracht haben.
„Toll!“, denke ich, nicht ganz neidlos. Denn ich kann ja eigentlich nur nachmachen. Oder drüber schreiben.
So schön das ist, dieses Geld verdienen durch (harte) kreative Arbeit, so schade ist für die Blogs, in denen alles begann. Gespickt mit unzähligen Werbebannern, blinkend, bunt, unruhig. Bild an Bild von neuen Produkten oder Stoffen, tolle Bilder, unbestritten. Toll auch das Gezeigte, aber in der Masse dann einfach nur noch langweilig, denn Inhalt, Erzähltes, Erlebtes gibt es nicht mehr. Die „großen“ Zeitschriften haben endlich kapiert, was da passiert und sind aufgesprungen. Haben sich die bunten Blogs geangelt und das ist zweischneidig. Für mich jedenfalls, denn die neue „Living at Home“ muss ich nicht mehr kaufen, den Inhalt habe ich längst schon in Kleinbloggersdorf entdeckt. Eine große Frauenzeitschrift sucht die kreativste Bloggerin und ich ahne jetzt schon, dass mich bis zum Küren derselben bunte Bilderfluten erwarten. Das Surfen ist jetzt ein bißchen so, wie am Bahnhofs-Kiosk die Zeitschriften zu betrachten. Alle bunt, alle schreien mich an:“Neu! Toll! Nie Dagewesen! Kauf mich!“ und ich kann nicht mehr unterscheiden, ob da jetzt die Brigitte ein Blog schreibt oder eine Bloggerin für Brigitte. Gruselig.

Die Blogs, so wie ich sie liebe, sterben aus. Bilder statt Text, Werbung statt Empfehlung und lieber ein schnelles „like it“, statt dem liebevollen Kommentar. Das ist möglicherweise der Grund, weswegen mir das Bloggen selbst so schwer fällt. Ich fühle mich wie ein Saurier. Wie die Omma, die den guten, alten Zeiten nachtrauert, als es noch echte Texte im Internet gab oder so. Und ich fühle mich, als hätte ich es versäumt, auf diesen rasenden Zug aufzuspringen, um endlich auch mal meine Brötchen mit dem Bloggen verdienen zu können. Beispielsweise.
Aber es ist eben so, wie es ist. Ich kann eigentlich nix. Aber das besonders gut. Und über nix schreiben, dass klappt auch. Fragt sich nur, wo ich in Zukunft noch lesen will? (ich will die ollen Internet-Tagebücher zurück. Menno.)

gestatten: Gluckenmutter

23. Januar 2012

Der große Sohn ist weit weg. In Berlin. Mein Baby.

Er macht ein Praktikum im Bundestag und  da er gerade angerufen hat, weiß ich, dass das wahnsinnig viel Spaß machen muss. Petitionen hat er heute durchgesehen und bewerten dürfen. Aha, naja, meins wäre das nicht. Aber er strahlte durchs Telefon, hat einen eigenen Passagierschein, so dass er sich frei im Bundestaggebäude bewegen darf. Und einen Presseausweis hat er auch. Richtig wichtig, sozusagen.

 

Alles ist gut und ich muss mir keine Sorgen machen, nicht mal darüber, ob er auch satt wird, denn in der Bundestagskantine ist das Essen wohl billig und lecker, Hähnchen und Pommes. Aha, naja, meins wäre das nicht :)

 

Wussten Sie, dass Kinder in ein paar Stunden älter und reifer werden können? (und Mütter in der gleichen Zeit um Jahre altern, wegen der Sorgenfalten und so)

Nervenretter

22. Januar 2012

Diese bunten Gesellen sorgen seit letzter Woche für Ruhe, Frieden und Ordnung in der Grünen Villa

20120122-181626.jpg

„Wem gehört das Glas auf dem Tresen?“
„Mein Glas stand so halb links hinten, ist es das?“
„Hatte ich heute schon ein Glas?“

Fragen, die nun überflüssig sind.

20120122-181957.jpg

Kleine Gummidinger mit Saugnapf, bei Karstadt vom Krabbeltisch geklaubt.
Denn – mal ehrlich – diese selbstgenähten Dinger zum Überstülpen, die ich derzeit in vielen Blogs sehe, sind hübsch. Sehr sogar. Aber wann habe ich schon Zeit etwas Hübsches für meine eher ignorant veranlagte Familie zu nähen?

Feiner Kompromiss, alle glücklich.
Und an Kaffeetassen halten sie auch, dem Kaffeeklatsch mit den Freundinnen steht nix mehr im Wege.
Apropos Kaffeeklatsch. Der virtuelle Kaffeeklatsch scheint beendet, denn ich weiß nicht mal mehr, wo das Tässchen gerade ist. Schade. (auch um das Buch. GERADE um das Buch.)

gesucht, gebucht …

19. Januar 2012

Berlin, ich komme.

Seit etwa einem Jahr wissen wir, dass der große Sohn ein Praktikum machen wird. Seit etwa einem dreiviertel Jahr wissen wir, dass er dies im Bundestag tun wird. Seit zwei Stunden wissen wir, dass das Praktikum nächste Woche Montag beginnt. Und das die Kleiderordnung weitestgehend lässig ist, Jeans sind in Ordnung, aber ein jackettähnliches Jäckchen sollte doch getragen werden.

Da ich mir ganz sicher bin, dass die verknautschten Sweatshirtjacken des Knaben nicht jackettähnlich sind, werden wir am Samstag durch die Stadt hetzen, zwei Hemden und ein Jackett kaufen. Schnell waschen, trocknen, packen und den großen Sohn ohne Kuss am Sonntag am Bahnhof verabschieden.

In Berlin holt ihn der Onkel ab, wohnen wird er ebenfalls dort. Und weil Onkel, Tante und deren anderthalb Kinder am nächsten Freitag  abreisen und das kleine Kindelein ganz ohne Betreuung zurücklassen, opfert sich Frau … äh … Mutti und kommt ihrem Erziehungsauftrag nach. Ein feines, kleines Wochenende mit dem großen Sohn in Berlin.

Sonntag setze ich den Knaben erneut in den Zug, ungeküsst, winke kein bißchen wehmütig und bleibe bis Samstag in der ganz großen Stadt. Jippieh!

 

Liebe Berliner Leser! Sehen wir uns? Gehen wir essen, Kaffee trinken, bummeln, wasweißich? Melden Sie sich!!

 

******* Nägel mit Köpfen*************

Sonntag,  29.01.2012, 15:30 Uhr bei Frau Barcomi in der Bergmannstraße. Ich reserviere einen großen Tisch.

(sagen Sie hier nur kurz Bescheid, ob ja und wieviele)

 

**************************************