Neues, Altes und Gesticktes

19. Januar 2012

Nachdem sie zwei Jahre lang mit ruckelnder Maschine vom Discounter schimpfend genäht hat, kurz ihr Glück mit einer aus gute Grund von mir abgelegten Maschine versucht hat … Oma Eis hat jede Menge Plätzchen für den Weihnachtsmarkt gebacken, viele Taschen genäht und unzählige Wendeöffnungen geschlossen. Vom Verkaufserlös hat sie sich heute eine Nähmaschine gekauft. Reduziert, weil Auslaufmodell, eine Pfaff Expression 2028, falls Sie neugierig sind.

Ich freue mich sehr für sie, schnurrende Maschinen sind etwas Feines. Gut näh!

 

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Und weil wir heute gerade im Pfaffladen waren, fragte ich nach einer Karte für meine Stickmaschine. Meine Stickmaschine ist nämlich ein nahezu vorsintflutliches Modell aus einer Zeit, als zwar jede Menge Geräte mit USB- Anschlüssen gab, diese Technologie aber noch nicht bei den Nähaschineningeneuren angekommen war. Deshalb gibt es zu meiner Stickmaschine ein schickes Kästchen, das man an den Computer, der mit der Sticksoftware gefüttert ist, anhängt. Die Speicherkarte wird dann in das Kästchen gesteckt, die gewünschten Stickmotive werden darauf gespeichert und die Karte anschließend aus dem Kästchen entfernt. Und in die Stickaschine gesteckt. Viel Bewegung, viel Reibung und besonders in den letzten Monaten viel hin und her mit dem Ergebnis, dass sich das Kontaktfeld mit dem Chip schnell abwetzt. Das hat zur Folge, dass die Karte nicht mehr gelesen oder beschriftet werden kann. Ist seit ich die Stickmaschine habe schon dreimal passiert, aber Ersatzkarten gab´s ja und ich habe zähneknirschend investiert.

Heute habe ich erfahren, dass es die Karten wohl nicht mehr allzu lange geben wird. Logisch. Auch die Pfaff-Stickmaschinen sind im USB-Zeitalter angekommen. Das heisst jetzt für mich, dass ich mir einen kleinen Vorrat an Karten zulegen muss, was beim Kaufpreis von fast 70,- Euro (ich muss mal recherchieren, ob´s die im www nicht irgendwo günstiger gibt) kein Vergnügen ist. (und ich muss mal in die alten Rechnungen schauen, denn ich glaube, soviel habe ich bisher für die Karten nicht bezahlt) Das Ganze ist doppelt und dreifach ärgerlich, denn meine Stickmaschine funktioniert hervorragend. Ich habe also keinen Bedarf, eine neue Maschine zu kaufen, egal von welcher Marke. (sollte das dann doch nötig sein, wird es wohl keine von Pfaff mehr werden, schweren Herzens, denn Pfaff stellt nur kombinierte Näh/Stickmaschinen her und das brauche ich nun wirklich nicht mehr. Ausserdem kostet das derzeit billigste Schnuckelchen deutlich vierstellig und auch dafür habe ich keinen Bedarf.

Ich bin heute, ganz im Gegenteil zu Oma Eis, äusserst gefrustet aus dem Laden marschiert.

 

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Ein Leben ohne Stickmaschine ist möglich, aber es macht nicht soviel Spaß. Weil …

… ich dann keinen Grund hätte, mich vor dem Spiegel zu verrenken. Zeigen wollte ich Ihnen, wie ich aus meinem eher faden ökobiosupersauberundfairem Shirt ein hübsches Einzelstück geacht habe.

Oder wie aus dem alten Breitcord in eher undefiniertem Grauton, (den mir der Vater der Freundin, die nie Zeit hat überlassen hat) ein paar Stoffrestchen und Samtband …

… ein unentbehrliches Reissverschlusstäschchen wird, in dem man/frau all die Dinge mit sich herumschleppen kann, die absolut unentbehrlich sind. Da findet sich immer was. Reissverschlusstäschchen sind wie Tupperschüsseln. Notfalls kauft man sich halt was, das man in das Täschchen stopfen kann.

 

Frau Rieger hat die Riege der angezogenen Tierchen erweitert. Ausser den hier gezeigten Viechern in Kleidern gibt es auch noch ein allerliebstes Tapir. Und ein Äffchen. Und eine Maus.

Alle Stickdateien aus der Serie „Dressed up“ ab heute in ihrem Shop. (Danke, dass ich probesticken durfte!)

blaugelb

18. Januar 2012

Ein Schreibtischstuhl, Bettwäsche, Kissen mit Polydingsdafüllung, weil Oma Eis näht Häschen, die gestopft werden müssen.

Viel mehr stand ja nicht auf meinem Einkaufszettel für’s blaugelbe Möbelhaus. Interessanterweise war der Betrag an der Kasse dann plötzlich doch sehr,sehr dreistellig und im Wagen lagen, außer den geplanten Sachen, ein paar Meter graues Leinen und die Weingläser, die endlich wieder im Sortiment sind. Und eine Pflanze, die ich spätestens in drei Monaten totgepflegt habe. Und ein dünnes Deckbett, denn Mme Ouvrage behauptet, das würde sich toll als Innenleben für einen Quilt machen. (in meiner üppigen Freizeit will ich nämlich irgendwann auch nochmal einen Quilt nähen) Wer diese blauen Schüsseln in den Wagen gelegt hat, weiß ich leider nicht, aber die Servietten kann man immer brauchen. Schade, dass es das hübsche Geschenkpapier nicht gab, Geschenkpapier und Kerzen brauche ich auch immer. Schließlich gehört zu meinen guten Vorsätzen, dass ich dieses Jahr viel früher mit den Weihnachtsbesorgungen beginnen will.

Ich glaube, dass dieser komisch-miefigen Luft im blaugelben Möbelhaus irgendein Stoff/Gas beigemengt ist, der/das die Kunden in willenlose „ich brauche einfach ALLES! KAUFENKAUFENKAUFEN!“-Monster verwandelt, die mit glasigen Augen wahllos schäbige Pappkartons, schlecht brennende und riechende Kerzen und geschmacklose Bilder in ihre Einkaufswagen werfen. Und dabei schließe ich mich nicht aus. Draußen, an der frischen Luft, beim Beladen eines meist viel zu kleinen Autos, schleichen sich vage Zweifel ein, ob im vollgestopften Haus tatsächlich noch zwei weitere Körbe gefehlt haben, aber da man beim Umtausch Nummern ziehen muss, die immer viel zu hoch sind und der Einkaufskater schon maunzt, nimmt man sie halt mit nach Hause. Und dort im Haus verschwinden die Körbe augenblicklich in irgendeiner Ecke und sehen niemals so dekorativ aus, wie da im Katalog.

Etwa einen Monat bemerkt man dann, dass die ollen Stuhlkissen doch sehr abgewetzt sind und flatterte da nicht zufällig ein kleines Prospekt mit unglaublich tollen Angeboten ins Haus? Und plötzlich erwacht man wieder auf dem Parkplatz, mit einem Einkaufswagen voller Dinge, die man nicht braucht, aber haben muss. :)

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Die unglücklichen Mitarbeiter im blaugelben Möbelhaus sind neu eingekleidet und tragen jetzt irgendws gelbgestreiftes, das fatal an das Outfit von Bert (Sie wissen schon,nder Freund von Ernie) erinnert. Vielleicht war die Mitarbeiterin bei den Büromöbeln heute deshalb so mürrisch.

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Mittwoch morgen scheint ein guter Zeitpunkt für einen entspannten Einkauf zu sein. Beinahe leere Gänge und keine Kassenschlange. Hab ich nur selten bisher erlebt.

„Ich mache mal ein Stündchen die Augen zu, ja liebe Kinder?“
„Mach nur, du siehst müde aus.“

Zehn Minuten nachdem ich mich in eine Decke gekuschelt habe und die Augen wirklich sehr schwer geworden sind, die Füße sich endlich kuschelig warm anfühlen und das Buch schon auf der Sofalehne liegt, klirrt es in der Küche. So als würde ein Teller von einer Schüssel geschubbst, ganz vorsichtig aber beharrlich, wahrscheinlich mit rotbepelzten Pfoten.

„Mistvieh, runter vom Tresen!“ rufe ich vom Sofa, doch das Mistvieh fühlt sich nicht angesprochen. Ich höre Kaugeräusche und kämpfe mich unter der Decke hervor. Ein Blick um die Ecke Richtung Tresen zeigt mir das Katerviech, das vor lauter Frust, weil es den Teller nicht von der Schüssel mit den restlichen Farfalle al Gorgonzola schieben konnte, die Schüssel mit dem Biomüll ausgeräumt hat und an einem Apfelgriebs nagt. „Kschksch, runter!“ und der Kater flieht unter den Tisch. Ich schwöre, er lacht mich dabei aus.

Erneut wickele ich mich in meine Decke, bette mein müdes Haupt auf das Geburtstagsgeschenkkissen des besten Vaters meiner Kinder und träume langsam weg.
Das Telefon klingelt, doch ein Kind geht ran und scheinbar war’s nicht für mich.

Beinahe bin ich eingeschlafen,als sich die Tür öffnet und die Kindelein mit unstillbarem Durst in die Küche schleichen. „Leise!“, ermahnen sie sich gegenseitig, „Mama schläft.“ Dabei rumpeln sie an den Tisch, klirren mit den Gläsern und überhaupt: kennen Sie Schreiflüstern? Flüstern, das ein bißchen lauter ist, damit man es auch gut hören kann. Sogar im Nebenzimmer.

Nur ein halbes Stündchen noch. Der dicke Martin springt auf das Sofa. Ich liege auf dem Sofa, doch das stört ihn nicht. Er platziert seine zierlichen fünf Kilo auf meinen Beinen, die augenblicklich absterben. Franz macht es sich derweil laut schnurrend auf meiner Schulter gemütlich, bis es ihm zu langweilig wird und er stattdessen eine Prügelei mit Martin anfängt. Auf mir. Ich verjage beide Kater und bin fast wach.

„Mamaaaa?“, schreiflüstert die Tochter neben meinem Ohr, „Bist du wach?“
Sie braucht den großen Rucksack und der ist irgendwo in der Halle. Immerhin weiß ich wo und als sie ihn trotzdem nicht findet, empfehle ich ihr, den besten Vater meiner Kinder zu fragen.

„Ist es der hier?“, fragt sie und schleppt meinen Wanderrucksack auf das Sofa. Ich habe den Schlaf aufgegeben und mir stattdessen einen Kaffee gemacht. Und habe noch ein winziges Eckchen auf dem Sofa gefunden, in das ich mich kauern kann, denn während ich kurz Kaffee holen war, hat die Tochter sämtliche Karabiner, Exen, Haken, Ösen, Seile, Klettergurte, Kletterschuhe und Chalkbags dort aufgetürmt. Heute ist nämlich der erste Tag des Bergsteigerkurses, für den sie und der große Sohn sich angemeldet haben. Und für diesen Kurs sollen sie sämtliches Kletter-Equipement, das wir besitzen, mitbringen. Irgendwie gelingt es ihr, meinen 55l Rucksack randvoll zu stopfen, sich das Ding auf den Rücken wuchten und sich durch die Haustür nach draußen zu quetschen. (hoffentlich trifft sie wie verabredet im Zug den großen Sohn, damit der sie hochziehen kann, wenn sie hintenüber kippt)

Mittlerweile sind die Kater eingeschlafen und beinahe könnte ich mich entspannen.
Aber ich habe ja noch ein drittes Kind, das nun mit den Hausaufgaben fertig ist und Spiel, Spaß, Abenteuer wünscht. Zum Glück hatte ich ja ein Mittagspäuschen auf dem Sofa und bin nun wieder vollständig einsatzfähig.

( kurz vor dem Mittagessen:
„Mama, ich hab meine Arbeit in Informatik zurück!“, sprach der jüngste Sohn
„Fein! Was haste?“
„Hab ich vergessen, ich muss nachsehen.“

Eine eins hat er. Kann man ja mal vergessen. Ach.)

(Sie lasen einen Auszug aus „Wenn die Kinder erst größer sind, wird alles leichter. Oder?!“)

Montags anders

16. Januar 2012

Als ich heute morgen neben Herrn Skizzenblog auf dem Stepper herumhampelte, war ich mir ganz sicher: ich fahre heim, mache das Dashboard auf und schreibe den finalen Blogeintrag. Weil alles ist gesagt, alles gezeigt. Neues ist nicht zu erwarten, weder an der Kinder- noch der Haustierfront, es steht kein Umzug an, kein neues Dach und ich glaube, in nächster Zeit streiche ich fast kein Zimmer und lackiere nur ganz wenige Möbel. Ich reise kurz nach Berlin und habe Pläne für den Sommerurlaub, bereite mich mental und fleissig nähend auf zwei Märkte vor und … es fließt. Ruhig, stetig, gut. Langweilig.

Bei anderen ist das anders. Bei der Lakritzefrau zum Beispiel. Seit heute kann man ihr hier aktiv helfen. Und natürlich auch nachlesen, warum aktive Hilfe dringend nötig ist.

Naja, und während ich Herrn Skizzenblog noch davon zu überzeugen versuchte, dass ein Leben ohne Frau Mutti durchaus möglich ist, fiel mir ein, dass ich über die Lakritzefrau schreiben wollte. Oder über den Grund, weswegen ich ganz dringend nach Berlin muss, lieber gestern als in zwei Wochen. Oder mit meinen neuen, hübschen Täschchen prahlen will, auf denen eine tolle neue Stickmusterserie prangt. Oder wieder ein „früher war es schlimmer, weil …“-Artikel.
„Schreib halt ab und zu, hör nicht ganz auf“, sprach Herr Skizzenblog und ich denke, das ist keine schlechte Idee. Vielleicht verlinke ich auch einfach nur Artikel aus dem Archiv :)
(bleiben Sie mir gewogen, egal wie.)

Die Spiegelmutti ist derzeit draußen. Es ist mir zu anstrengend vor dem Spiegel den Bauch einzuziehen, den Busen rauszustrecken, dabei gleichzeitig entspannt zu lächeln und einfach umwerfend auszusehen.

Und bevor ich wieder im Nähzimmer verschwinde, schicke ich eine Suchmeldung raus: Tässchen? Hallo?

Nuschel deLuxe

11. Januar 2012

„Schnisch!“, antwortet der große Sohn auf meine Frage, wer noch Hunger hat.
„Schunzien!“, antwortet die Tochter auf meine Frage, was sie gerade macht.
Und ausgerechnet unser sprachauffälliger jüngste Sohn artikuliert klar. Darüber bin ich sehr froh, denn ich habe schon ernsthaft an meinem Gehör gezweifelt, immerhin bin ich alt. Alte Menschen hören schlecht. Ist aber nicht wohl doch nicht so. Die junge Menschen sprechen schlecht, jedenfalls hier in der Familie.
Angeblich ein vorrübergehendes Phänomen, will man einschlägigen Ratgebern und anderen Eltern glauben.

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Die nächste Nähsaison kann starten. Viele neue Bänder und Stoffe locken ins Nähzimmer. Vorerst nähe ich aber endlich mal wieder ganz eigennützig, denn das Sofa will neue Kissen und für den Geburtstag des jüngsten Sohnes (und sein neu gestaltetes, jugendliches Zimmer) gibt es Einiges zu tun. Und da auch im neuen Jahr der Donnerstag ein Opa-Tag ist … geht es morgen los.
(ich hab so ein alles-neu-im-Frühling-Gefühl)

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„Langweilig, aber da kann ich was draus machen. Vielleicht ein hübsches Bändchen drauf. Oder eine hübsche Stickerei.“ Das sage ich mir immer, wenn ich mir ein unifarbenes Hemdchen/Shirt kaufe. Natürlich mache ich das nie, denn unglücklicherweise stehe ich mir mal wieder selbst im Wege. Ein hübsches grünes Shirt kann ich mit vielen anderen Farben kombinieren, doch wenn ich ein Bändchen drauf nähe oder bunt besticke, dann schränke ich meine Kombinationsmöglichkeiten ein. Oder meine Sorge, das Pimp-Vorhaben könnte missglücken ist so groß, dass ich lieber das eher langweilge unifarbene Shirt trage. So doof, das will ich nicht mehr.
Vor Weihnachten habe ich es geschafft und habe auf ein niegelnagelneues Shirt zwei bunte Stoffkreise genäht. Ganz mutig, es ging auch nix schief und das Ergebnis gefällt. Ganz übermütig habe ich mir zwei weitere Shirts geleistet und eine Strickjacke, die hübschere Knöpfe braucht. Denn dies ist ein weiterer Vorsatz für’s neue Jahr: den Inhalt meines Kleiderschranks aufhübschen. Macht die Welt nicht besser, aber mich fröhlich.

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Die Schneeglöckchen blühen. Auch ohne Schnee. (kann es bitte, bitte noch mal schneien?! Mein unordentlicher Garten soll noch ein bißchen versteckt sein, bis es endlich warm genug zum Aufräumen dort ist.)