Zeitrasen.

17. März 2011

In dreizehn Wochen sind Sommerferien.

Bis dahin gibt es noch zweieinhalb Wochen Osterferien, drei lange Wochenenden und zwei Tage Abiferien für die Großen.

In der verbleibenden Zeit müssen in jedem Hauptfach noch Arbeiten geschrieben werden, in jedem Nebenfach Zehn-Stunden-Tests und Noten auf´s Reckturnen gibt´s auch noch.

Die Kindelein sind im Stress.

*****

Die neunten und zehnten Klassen des Gymnasiums werden bei der Landtagswahl ebenfalls wählen. Der Große ist darüber höchst erfreut, denn wir haben seine Geburt so unglücklich geplant, dass er erst nach der Bundestagswahl 18 wird. Nun darf er aber an der Schülerwahl teilnehmen und nicht nur das. Da er politisch höchst interessiert ist, wurde er zum Oberwahlleiter (oder so ähnlich) der Schule auserkoren. Vor Stolz darüber ist er ca. weitere fünf Zentimter gewachsen und dieses gewissen Strahlen ist nicht mehr aus seinem Gesicht zu kriegen. (glauben Sie nicht, ich sei nicht mindestens genauso stolz)

*****

Die Konfirmation der Mittleren rückt auch immer näher. Ende Mai scheint zwar noch in weiter Ferne zu liegen, aber erfahrungsgemäß wacht man eines Morgens auf und stellt fest, dass die Konfirmation bereits übermorgen ist und bisher noch niemand das Essen beim Metzger bestellt hat. Das haben wir bereits gemacht, das Essen beim Metzger bestellt. Und die Metzgersfrau, die meine Kindelein von Geburt an kennt, wischte sich ein Tränchen der Rührung aus dem Augenwinkel, weil aus dem niedlichen, kleinen, blonden Mädchen nun eine junge Frau geworden ist.

„Wissen Sie noch, Frau … äh … Mutti, früher mussten sie sich immer der Größe nach aufstellen, die Kinder. Dann gab es Fleischwurst. Und die Tochter wollte immer „das allertrööste Stück“, erzählt sie, die Metzgersfrau.

Das machen sie überigens immer noch, die Kinder. Sie stellen sich wie die Orgelpfeifen auf und kassieren ihr Stückchen Fleischwurst. Und wenn der Opa dabei ist, dann kriegt der auch ein Stück. Wegen der Gerechtigkeit.

*****

Unsere Fische leben ja nun bei Frau Webschaf ein sicherlich glücklicheres Leben als bei uns, das Aquarium steht irgendwo in Nierstein und ist wahrscheinlich schon wieder befüllt. Trotzdem schicke ich jeden mittag nach dem Mittagessen den Jüngsten mit den Worten „Und füttere die Fische!“ in sein Zimmer an die Hausaufgaben. Er spart sich mittlerweile den Satz „Wir haben keine Fische mehr, Mama!“, sondern zieht nur noch die Augenbrauen so merkwürdig hoch.

*****

Heute beim Spocht erfuhr ich eine Wunderheilung. Mein schmerzendes Handgelenk, schick in eine pinkfarbene, elastische Binde gewickelt, und ich  hatten nämlich beschlossen, einfach abzuwarten. Und einfach so weiterzumachen wie bisher. Der Trainer, der uns heute von Gerät zu Gerät begleitet um zu kontrollieren, ob wir auch aller Übungen richtig machen und nicht mogeln (so wie ich aus Versehen an diesem Bauchding) hatte ein paar gute Ideen, wie die Handmuskulatur zu stärken sei, damit da nix mehr rauskracht und wehtut. Heute sollte ich aber doch eher langsam machen, damit ich womöglich nicht noch mehr kaputtmache. Ich führte trotzdem vor, wie toll ich am Klimmzuggerät hangeln kann und zog ein paarmal meine 35 Kilos. Danach schüttelte ich meine Hand, drückte darauf herum und es macht „knacks!“. Ein gutes „knacks!“, ich kann das mittlerweile unterscheiden. Nach dem „knacks!“ war die Hand wieder voll beweglichund auch der fiese Schmerz war beinahe verschwunden. Sport ist also in diesem speziellen Falle sicher nicht Mord, sondern toll für die Gesundheit! Zur Schonung und Stabilisierung bis nix mehr wehtut trage ich jetzt weiterhin die pinkfarbene Bandage, aber mehr ist wohl nicht nötig. Hat der unfreundliche Arzthelfer der mich weggeschickt hat ja doch irgendwie Recht gehabt. (und Glück, denn wenn es bis Montag nicht besser geworden wäre, hätte ich meine eher unfreundliche Seite rausgelassen.)

*****

Morgen ist beinahe schon Wochenende. Obwohl gestern doch erst Montag war. Oder?

Frühling, bewiesen:

16. März 2011

Sie fliegen wieder!

(klick macht groß)

da im Rebstockbad in Frankfurt.

Ich bin sowieso nicht der allergrößte Fan von Schwimmen in Chlorwasser, aber wenn sich das Chlorwasser dann noch unter einer großen Kuppel, die mit stickiger Luft befüllt ist, befindet, wird es beinahe unerträglich.

Doch der jüngste Sohn hatte sich eine „Geburtstagsfeier“ im „Spaßbad“ gewünscht und deshalb war das in Ordnung. Da letztlich nur zwei der geladenen Jungs Zeit hatten, war die Sache im Hallenbad ein reiner Selbstläufer. Der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib verbrachten eine Menge Zeit damit, die eingepackten Lebensmittel zu verzehren, während die drei Jungs sich Schwimmhäute wachsen ließen und den Badehosenboden beim Rutschen auf Strapazierfähigkeit testeten. Ab und zu schauten sie mal bei uns vorbei, schoben sich ein Schokobrötchen zwischen die Zähne und verschwanden pünktlich zum Start des Wellengangs wieder im Wasser.

Dass wir die extra am Abned zuvor gebackenen Frikadellen vergessen hatten und nur schödes Mineralwasser zum Trinken dabei hatten war überhaupt nicht schlimm, die Frikadellen gab´s dann um halb acht daheim und Traubensaft dazu. Um neun Uhr lag der jüngste Sohn mit hochroten Wangen im Bett, murmelte etwas, das wie „das war ein toller Tag“ klang und schlief ein. Bis zum nächsten morgen, halb elf.

Ein bißchen wehmütig bin ich schon, wenn ich an die vielen Geburtstagsfeiern hier in der Grünen Villa denke, an dekorierte Tische, Topfschlagen und die obligatorische Schatzsuche im Gewölbekeller. Das war toll. Anstrengend, aber toll. Jetzt eben Hallenbad. Wer weiß wie lange noch, wer weiß, wann die Partys kommen, bei denen Eltern eher unerwünscht sind.

*****

Als Ausgleich zum muffigen Samstag verbrachten wir den Sonntag nahezu komplett im Freien. Der Garten, die heissgeliebte, meistgehasste Wildnis. So recht zog es mich nicht, denn viel lieber hätte ich im Nähzimmer gesessen, irgendwas gewurschtelt und die sechste Staffel Friends dazu laufen lassen. Es war eher so das Pflichtgefühl das mich rauszog und dann hatte mich der Garten wieder in seinem Sog. Hier ein bißchen schneiden, da ein bißchen zupfen und und ratzfatz war es halb sieben, zum Kochen weder KRaft noch Lust vorhanden, gerade das die Arme noch stark genug waren, nach dem Telefon zu greifen und Pizza für alle zu ordern.

Heute glühen meine Wangen noch immer ein bißchen von Sonne und Wind und mein wohlgefälliger Blick schweift zum Schuppen, der nun wieder benutzbar ist. Nicht nur von Katzen, die ihn in ein gigantisches Katzenklo verwandelt hatten (eheklihig!) oder von Spinnen, die muntere Spinnenpartys dort feierten. Oder was Spinnen eben so tun, wenn alles zugesponnen ist.

*****

Gartenarbeit ist deutlich anstrengender als so ein bißchen Gewichte inne Muckibude durch die Gegend bewegen.  Sagt jedenfalls mein Muskelkater.

.

10. März 2011

Die Tochter braucht ´nen teuren Rucksack mit exotischem Namen, ich freue mich über das schicke Retro-Sporttäschchen, das ich Oma Eis aus dem Kofferraum geklaut habe. Altglas hat sie darin transportiert! Geht ja gar nicht.

Und um auch beim Spocht künftig zünftig gekleidet zu sein, habe ich mein Shirt mit dem starken Kerl gepimpt (aus der Stickdatei Zirkuszirkus). Es fiel mir heute auch schon viel leichter, das Gewichte zerren, schieben, stemmen. Bilde ich mir ein.

hmpf.

9. März 2011

Wenn ich stundenlang mit dem jüngsten Kind lerne, kann ich sicher sein, dass Test/Arbeit/Hausaufgabenüberprüfung eine vier plus, bestenfalls eine drei minus werden. Verschweigt mir das Kind anstehende Tests/Arbeiten/Hausaufgabenüberprüfungen und lernt ohne mütterliche Hilfe, schreibt er eine zwei.

Offensichtlich habe ich ein noch unerkanntes  Talent, mein Kind derart beim Lernen zu verunsichern, dass es sich nur noch an Millionen von Eselsbrücken, nicht aber an das eigentliche Problem erinnert. Ich werde mich dann eher etwas zurücknehmen müssen. Nicht, dass ich das nun so schrecklich fände. Jeder Schritt zur Selbständigkeit wird hier bejubelt.

*****

Der Große weiß noch immer nicht, ob sein Chemie-Leistungskurs zustande kommen wird. Und auch wenn „no news“ in diesem Fall garantiert „good news“ sind, ich hätte gerne mal Klarheit. Beliebteste Leistungskurse: Deutsch, Sozialkunde, Biologie. Und Mathe, irritierenderweise.  Dass hier, in unserer Gegend, wo so viele Chemiekonzerne quasi greifbar sind, womöglich kein Leistungskurs in Chemie zustande kommen soll – kann ich kaum verstehen.

*****

Passend zu Töchterleins langsam auflebenden Interesse an modischen Accessoires  ist ihr Schulrucksack kaputt gegangen. Erst zur fünften Klasse angeschafft, das gute Stück. Ein teurer „for you“ Rucksack, ich bin dann doch eher enttäuscht von der Qualität. Aber alles Schimpfen hilft ja nichts und ausserdem ist sie auch die Einzige an der ganzen Schule, die noch mit einem uncoolen Schulrucksack rumläuft, Sie wissen ja, wie das in dem Alter so ist, und sogar die allerbeste Freundin hat mittlerweile was richtig Schickes.

Am Wochenende werden wir uns auf die Suche machen. Eigentlich hätte es zur Konfirmation ein schickeres Schultäschchen geben sollen, aber jetzt muss es eben früher sein. Bin mal gespannt, was uns der Spaß kostet. Töchterlein nennt Marken, von denen ich noch nie gehört haben, die aber wie exotische Cocktails klingen: „Einmal Dakine mit Eis bitte.“