Hallo Mr. Murphy,

2. August 2010

auf  Sie ist ja auch immer Verlass.

Pünktlich zum Zeltlagerbeginn regnet es.

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„Besuch ist wie Fisch“, pflegt die allerbeste Freundin stets zu sagen, „am dritten Tag beginnt er zu stinken.“

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Die Kindelein sind jetzt in diesem Zwischenalter, in dem sie dem Weinfest nichts mehr oder noch nichts abgewinnen können. Autoscooter fahren ist nett und am Schießstand haben sie sich auch mal ausgetobt, es gab eine Zuckerwatte und irgendwelchen unsäglichen Süßkram in sehr bunt. Und dann kam die Langeweile. In zwei, drei Jahren wird´s wieder spannend, jedenfalls das Autoscooter fahren, bzw. das am Rand stehen und mit den Freundinnen kichern. Oder das schüchterne „Willst du mit mir fahren?“ genießen.

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Jetzt Söhne wecken und ihnen vom tollen Wetter erzählen.

Und sonst so?

1. August 2010

Danke, ganz prima.

Wir dümpeln so im Ferien-wenig-bis-garnix-Tun herum. Die Cousins aus Rom und Schwagerfamilie mit Babymädchen sind angereist und ja, auch wenn diese Babys allesamt ja schon sehr niedlich sind, das frühe Aufstehen, insbesondere nach einer langen Nacht auf dem Weinfest, das fehlt mir kein bißchen.

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Apropos Weinfest: in Nierstein ist Winzerfest und letzte Nacht bin ich dort ein bißchen versackt. Wir begannen mit einem obligatorischen Fischbrötchen unten am Rhein, gaben den Kindelein all unser Gold zum Autoscooterfahren, wanderten dann die Rheinstraße hoch und blieben im Weingut Strub hängen, denn dort gab´s gute Live-Musik. (und eine Menge bekannter Gesichter, zwei Flaschen Wein, eine Flasche Wasser und plötzlich hatte ich Sekt im Glas. Woher auch immer)

Als unsere Stimmen beim Anschreien gegen die Live-Musik zu versagen begannen, wechselten wir, Achtung, neudeutsch: die Location. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis wir uns durch die Menschenmassen auf dem Marktplatz gekämpft hatten. Auf dem Fronhof ergatterten wir einen Stehtisch, einigten uns zu viert auf eine weitere Flasche Wein (und eine weitere Flasche Wasser) und beobachteten das Treiben um uns. Für mich übrigens das Tollste am Winzerfest, dieses Beobachten der Menschen. Für´s Weinfest greift man nämlich ganz tief in den Schrank, nach hinten, wo die feinen Klamotten hängen. Da gibt´s ´ne Menge Schräges zu bewundern.

Nach der Flasche Wein ging es zurück Richtung Marktplatz, vorbei an einem Käsestand, dessen Werbeschild (frische Käsespätzle!) uns verriet, was es heute zum Mittagessen geben wird und wer für uns kocht. Der Käse schmeckte ganz großartig, das Probierschälchen mit vielen verschiedenen Käsewürfeln (mit herzlichen Grüßen nach Beteigeuze!) musste mit, weil Käse und Wein gehören ja auch zusammen.

Bis kurz vor drei landeten wir im Weingut Klein hinterm Marktplatz, trafen eine Menge bekannter Gesichter, führten viele „Weisst du noch, daaaamaaaals!“-, „Wir sollten unbedingt mal wieder Kaffee trinken“- und „Ich melde mich bei dir!“ – Gespräche, wackelten ein bißchen zur Musik, die immer dann leiser gedreht wurde, wenn die Polizei wieder einen Kontrollgang machte und irgendwie verging die Zeit wie im Flug.

Heute morgen schwappt noch etwa ein Glas Riesling quer durch mein Hirn und ja, ich hätte womöglich auch noch ein bis drei Stündchen schlafen können, doch die Sonne lacht und ich bin sehr vergnügt.

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Freitag abend war ich zu einem „Schmuckabend“ geladen, aber davon erzähle ich vielleicht morgen oder auch nicht, so doll war es gar nicht. Es sei nur so viel gesagt: Schmuck ist das neue Tupper, nur teurer.

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Dem Finger geht´s übrigens fein. Ab morgen darf er sogar schon wieder nass werden. Endlich wieder alleine Haare waschen :)

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Ihnen ein schönes Restwochenende, meines endet wohl auch heute wieder auf dem Winzerfest.

und ausserdem

28. Juli 2010

darf ich ja auch mal glück haben.

der nerv war mit der narbe verbacken und ließ sich sehr leicht lösen. eine kleine wucherung wurde entfernt und eingeschickt. ob narben- oder nervengewebe soll überprüft werden.

die chancen stehen ausgezeichnet, dass der finger wieder voll einsatzfähig wird. unter 5 prozent wahrscheinlichkeit, dass das elektrisieren wieder kommt. „bei ihnen dann etwa 10prozent“, frotzelte der arzt. (sollte es wiederkommen, muss überlegt werden, den nerv zu durchtrennen. dies wäre aber der worst case, in vielerlei hinsicht)

jetzt: heilen. es wurde nur oberflächlich genäht, damit da nix mehr festwächst. ich bin also ganz brav und halte still. zum glück regnet es.

danke für ihre wünsche, die haben mich sehr gefreut.

kurzes Tschüss!

27. Juli 2010

Habe leider keine Zeit zum Bloggen, bin aber dafür mächtig beliebt bei den Kindern:

Und genäht habe ich auch ganz rasch noch, so eine Art Verhüterli:

Ab morgen dann der große Test, ob das neue Technikschnuckelchen auch einhändig bedienbar ist.

Und Sie, Sie drücken mir doch bitte ab 8:30 ein paar Däumchen, weil dann ist der Finger wieder dran.

Ich sag derweil: bis neulich.

Wieder daheim

26. Juli 2010

zu sein bedeutet, dass man nicht um fünf Uhr von aufgeregten Kühen, die auf´s Melken warten, geweckt wird, sondern erst um kurz nach sieben, wenn der Bagger am Haus vorbeirauscht.

Kühe mag ich lieber.

Apropos Kühe: geweckt von Kühen wurden wir in der Nähe von Berchtesgaden, genauer in Ramsau. Ein hübsches Fleckchen Erde! Ich war ständig in Versuchung, mich in ein Dirndl zu zwängen und meine Haare zu Zöpfen zu flechten (und diese in komplizierten Kringeln links und rechts an den Kopf zu stecken). Der Dialekt der Einheimischen ist sehr hübsch und wäre ich noch zwei Wochen länger geblieben, hätte ich wahrscheinlich auch mehr als die Hälfte davon verstanden, was man mir so erzählte.

Statt Dirndl und Lederhose kauften wir aber nur neue Wanderschuhe für den besten Vater meiner Kinder, weil sich die Sohle der alten, geliebten Wanderschuhe mit einem freundlichen Winken bei jedem Schritt bemerkbar machte. Und ein sogenanntes Funktionsblüschen für mich. Funktionskleidung besteht nicht zu 100% aus Baumwolle, sondern hat einen satten Anteil irgendeiner schnelltrocknenden Polymolysonstwasester-Faser. Eine feine Sache, denn gerade bei nicht so tollem Wetter, ist es äusserst unangenehm, mit nassgeschwitztem Shirt Rast zu machen.

Nun sollte es eigentlich leicht sein, solch ein Mischgewebe-Hemdchen zu erstehen, zumal Frau … äh … Mutti durchaus bereit war horrende Summen für ein Kleidungsstück mit eingesticktem Label namhafter outdoor-Firmen zu bezahlen. Während die Familie sich im Salzbergwerk amüsierte, war ich shoppen.

Sollten Sie ebenfalls eine „Funktionsbluse“ suchen, dann rate ich Ihnen: tun Sie das nie, und ich meine wirklich: NIE, während des Urlaubs in einem von Touristen überlaufenen Sportgeschäft. Wälzen Sie vorher Kataloge. Oder bummeln Sie gemütlich daheim durch die Läden Ihres Vertrauens. Dann sind die Chancen wahrscheinlich größer, etwas wirklich Hübsches zu finden. Wirklich hübsch und Funktionsklamotte schließt sich sowieso aus. Funktionsblüschen müssen nämlich kariert sein. Hat irgendwer beschlossen. Ich hätte gerne schlankmachende Streifen genommen. Oder ein dezentes Blümchenmuster. Meinetwegen auch einfarbig zum selbst-Pimpen. Aber nein, wohin das Auge schaute: kariert. Kein hübsches Vichy-Karo, sondern grün-orange. Oder beige-braun-oliv.

Im dritten Sportgeschäft (oder Wander-Ausrüstungs-Laden) hielt ich dann endlich ein (kariertes) Blüschen in Händen, das mein Farbempfinden nicht beleidigte. Zart lila-dunkelblau-weiß, passend zur grauen Wanderhose oder zum dunkelblauen Wanderrock, die bereits im Schrank hängen. Größe 44 und Größe 46 lachten mich von der Stange an, denn das gesamte Sortiment war bereits stark geplündert.

„Na gut“, dachte Frau … äh … Mutti, „schlüpfste mal in die 44. Ein bißchen luftiger ist ja nicht schlimm. Solange die Schultern nicht an den Ellenbogen hängen.“

Gedacht, getan. Und aus der Umkleidekabine drang leises Schluchzen nach außen. Die 44 ließ sich über dem Busen nicht schließen.  Mit etwas Gewalt und Schieben schon, allerdings spannten die Knöpfe dann gefährlich und mein Busen wurde in eine eher eckige Form gepresst. Zum Glück hing die 46 noch auf der Stange. Und zum Glück passte die viel besser. Sogar die Schulternähte sitzen da, wo Schulternähte sitzen sollen. Eine halbe Körbchengröße weniger wäre perfekt, doch es besteht keine Gefahr mehr, dass ich mein Gegenüber beim Einatmen mit Knöpfen abschieße.

Ein halber Blick auf´s Preisschild ließ mich leicht ums Näschen erblassen, aber ich erstand es doch, mein erstes Konfektionsstück in Größe 46.

Bewährt hat es sich direkt an zwei äusserst heißen Tagen, einmal bei der schweißtreibenden Bootsfahrt über den Königssee undz dem anschließenden Spaziergang zum Oberssee und dem höchsten Wasserfall Deutschlands. Und ein anderes Mal beim Aufstieg durch die Klamm an der Kugelmühle (und dem Waldweg dahinter).

Bleibt die Frage, weswegen sich Frauen die Qualen einer Brustvergrößerung antun, wenn danach dann noch weitere Qualen beim Kauf von Klamotten bevorstehen? Ab Körbchengröße C kann man nämlich weder Bikinis von der Stange noch irgendwelche Oberteile mit Knöpfen kaufen. Diese ganzen Oberteile, bei denen unter Brust eine Naht oder ein Bindeband oder ein Gummi läuft, müssen erst gar nicht mit in die Umkleidekabine genommen werden, denn die Naht/der Gummi/das Bindeband werden unweigerlich genau quer über den Busen laufen. Sehr apart. Und irgendwelche Tunika-Hänger-Flatter-Teilchen hängen und flattern unter dem großen Busen so sehr, dass die Nachbarn tuscheln und fragen, wann es denn soweit ist.

(und wenn ich hier schon über Busen schreibe: ein weiterer Nachteil beim Wandern: der fiese Unterbrustschweiß, der sich gnadenlos vorne auf dem Shirt abzeichnet. )

Wer mit einer Brustvergrößerung liebäugelt: ich spende eine Körbchengröße. Mit dem allergrößten Vergnügen.

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Und jetzt: einkaufen gehen, Kühlschrank befüllen