Vor neun Jahren
17. Juni 2010

Die Mittlere wartet sehnsüchtig darauf, endlich auch in den Kindergarten gehen zu dürfen, denn die allerliebste Tochterfreundin hat schon einen Platz. Obgleich sie aussieht, als könne sie kein Wässerchen trüben – wir haben viele Auseinandersetzungen. Willensstarke Frauen eben :)
Der Jüngste hat seine eigene Sprache entwickelt, bei der er konsequent die Anfangslaute weglässt. Er frühstückt gerne „`affee`ückchen“ und sucht im Garten „`egen`ürmer“. Eine Paukendrainage lässt den permanenten Erguss im Ohr abfließen und das Kind hört zum ersten Mal im Leben nicht so, als steckte er mit dem Kopf in einem Eimer Wasser.
Der Große langweilt sich im Kindergarten zu Tode, er fiebert der Einschulung entgegen. Das Fußballmotiv auf seinem T-Shirt täuscht. Versuche, ihn zu sportlichen Aktivitäten im örtlichen Fußballverein zu begeistern, scheiterten kläglich. Dafür tanzt er mit Begeisterung in einer Kindertanzgruppe.
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Die Küchenwände waren damals blau, die Küchenmöbel weiß. Alle drei Kinder schliefen in dem Zimmer, dass der Jüngste mittlerweile alleine bewohnt. Der beste Vater meiner Kinder hatte keine calls und arbeitete weniger als heute, schien mir damals aber trotzdem viel zu lang, die Zeit, in der ich alles alleine wuppen musste. Ich selbst wog ca. acht Kilo weniger, hatte kurze, blaue Haare und war ständig müde. Ich rauchte etwa zehn Zigaretten am Tag und steckte mittendrin in der „Kinder-krieg-Maschinerie“, hätte noch mindesten eines kriegen wollen. Weil ich war ja so gut drin, im Kinderkriegen.
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Ich leiste mir eine kleine Wehmut, wenn ich zurückschaue. Mutter von großen Kindern zu sein ist zwar in vielerlei Hinsicht viel leichter, mittlerweile baden oder duschen sie ja allein, die hinreissenden Bestien :)

aber dafür sind sie auch nicht mehr so kuschelig und anhänglich, so neu und staunend im Leben, so unbeschwert und frei.

Geblieben ist die Fröhlichkeit und der Zusammenhalt der drei. Auch wenn der Jüngste gestern, als ich nachfragte, ob er den Großen vermisse, „eigentlich nicht“ antwortete :)
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Es ist manchmal ganz schön schön, in den alten Bildern zu stöbern.
Und es ist ganz schön schwer, nicht nur sehnsüchtig „hach ja, die guten, alten Zeiten“ zu seufzen.
Mutti-Talk
16. Juni 2010
Während die Stickmaschine „Klasse 4d“ auf ein Stück roten Stoff stickt, damit ich später ratzfatz* eine Ratzfatz-Tasche daraus nähen kann, schreibe ich die wichtigen und festhaltenswerten Dinge auf, die mir so passieren.
(hier sollte jetzt nichts mehr stehen, denn es passiert ja nix)
(ich kann ja aber auch über nix schreiben)
Heute morgen zum Beispiel war ich rasch im Drogeriemarkt einkaufen. Ein Auftragseinkauf: Damenhygieneartikel.
„Ich mach das rasch“, sagte ich zum besten Vater meiner Kinder, „du kannst in der Zwischenzeit nebenan Lebensmittel einkaufen.“
Der beste Vater meiner Kinder war längst mit dem Einkauf fertig, als ich noch immer darüber grübelte, was der Unterschied zwischen extralong und extrastrong ist, ob fünf Tropfen für die Nacht den sechs diskreten Tropfen für den Tag vorzuziehen seien und warum es zehn verschiedene Geruchsrichtungen für Slipeinlagen, mit und ohne Wäscheschutz, bzw. Plastikfolie geben muss. Sie wissen ja wahrscheinlich, von was ich rede, meine Damen. Ich entschied mich schließlich für einige Sparpackungen verschiedenster -strongs und -longs und stellte mich einer neuen Herausforderung: der Suche nach dem richtigen Deo. Etwas Dunkelblaues für den Herrn, denn das dunkelblaue Deo nutzt er schon seit Jahren, der Mann an meiner Seite. Früher gab´s da nur eine Sorte von, heute gibt es deren ungefähr sieben. „extra dry“, erneut „extra strong“, kein „extra long“, „dry impact“, „smells truly bad“ und viele andere.
„Das da hab ich immer!“, sprach der Mann an meiner Seite, der es ja wissen muss und griff sich ein Dunkelblaues aus dem Regal. „Jogi Löw empfiehlt!“ sagte der Aufkleber auf dem Deodeckel, doch das schien den Mann weniger zu stören als mich. Ich wollte das Deo zurückstellen, genervt, weil mir bereits vor dem zweiten Morgenkaffee schon wieder Fußball auf´s Auge gedrückt wurde. Doch der beste Vater meiner Kinder argumentierte, er habe das Deo vor Jogi entdeckt und der Aufkleber ließ sich auch ganz leicht abpolken.
Wir zahlten, fuhren nach Hause und während der Mann im Home Office arbeitet – siehe oben – lasse ich die Stickmaschine arbeiten.
Und da der Schriftzug jetzt fertig ist und ich neuen Stoff für einen weiteren einspannen muss, obendrein eine Menge „ich mach die Bude schön und babymädchensicher für den Besuch morgen“ auf mich wartet, wünsche ich einen vergnüglichen Tag. (hier scheint ja auch noch die Sonne)
*geplanter Zeitaufwand: 1 Stunde, reeller Zeitaufwand: 3 Stunden wg. Unschlüssigkeit bei der weiteren Stoffauswahl, längerer Grübeleien, welches Band wo am Besten und im Zusammenspiel mit welcher Zackenlitze am Effektivsten wirkt und welcher Zierstich letztendlich das Ganze Schmuckstück abrundet
Neue Bindestrichworte,
15. Juni 2010
denn heute ist wahrscheinlich ein Erdbeermarmelade-koch-Tag. Und ganz sicherlich ein Rharbarber-putz-und-eingefrier-Tag, damit die Tochter zum Geburtstag ihren Lieblings-Rharbarber-Baisser-Kuchen bekommt. Im September. Desweiteren wohl auch ein schnell-nochmal-Spargel-genießen-Tag, denn nächste Woche ist der Spaß vorbei. Ich persönlich halte das für sehr ungerecht, da ich nicht mal die Hälfte alles Spargelrezepte ausprobiert habe, die mir schmackhaft aus irgendwelchen Blogs zulächelten.
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„Bin in Berlin und sitze auf meinen Bett in meinem Zimmer“ schrieb der große Sohn und Frau … äh … Mutti lächelte erleichtert.
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Und was macht der dicke Martin?
Der liegt so rum. (kommt aus dem Garten hoch und fällt um)

Ich finde, dass er sehr dynamisch da liegt. Wäre ich eine begnadete Bildbearbeitungskünstlerin, würde ich ihn ausschneiden und vor einen anderen Hintergrund montieren, so dass es aussähe, als flöge er voller Grazie … äh … irgendwohin.
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Beinahe habe ich schon den ganzen Frauen-Blogcontent abgearbeitet. Fehlt nur noch Handarbeit: häkeln ist blöd, aber ich versuches es heute abend trotzdem nochmal. Gestern abend konnte ich nicht, da kam mir spontan eine SEB-Sitzung dazwischen. (und irgendwann lerne auch ich, dass der Kalender in der Küche nicht nur mit den Terminen der Kinder zu füllen ist, sondern auch mit den eigenen. Dann vergesse ich die nicht immer)
Oh ja, und Krankheiten! Sie lasen richtig, der Finger muss nochmal aufgeschnitten werden, weil beim ersten Versuch, bei dem sowieso alles schief ging, letztlich beim Zunähen auch noch Murx gemacht wurde. Ein Nerv klemmt wohl in der Naht, was dafür sorgt, dass mir ständig Stromschläge durch den Finger sausen. Sehr lästig, aber zu ändern. Freitag habe ich einen Termin zur Besprechung.
Fehlt jetzt nur noch ein hübsches Blümchenphoto oder ein munterer Spruch zum Thema WM oder Vuvuzela. Aber das ist ja alles schon gesagt :)
Ihnen einen schönen Tag, ich gehe jetzt Rharbarber ernten.
(noch eins: ich weiß, wo das Tässchen ist und Ihnen verrate ich es, wenn dort Ge-Kaffeeklatsch-t wird.)
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„Hier und da“ hat sich inspirieren lassen und ich freue mich :) Danke!

Alle Jahre wieder:
14. Juni 2010
Frau … äh … Mutti versucht sich mal mit Wolle. Diesmal mit Wolle und Häkelnadel.
Ich kann häkeln. Und ich kann sogar Fingerhüte oder Nasenwärmer häkeln. Nicht beabsichtigt, versteht sich, denn eigentlich möchte ich einen Kreis von fünf Zentimetern Durchmessern häkeln. Trotz Luftmaschenzugabe … das geeeeht nicht.
Ich hab´s schon fünfmal nach der vierten Umrundung aufgezogen und bin kurz vor knapp davor, Wolle und Häkelnadeln in der hintersten Gartenecke zu begraben, da wo die Brennnesseln wachsen. Grmpf.
(ich geb nicht auf, ich geb nicht auf, ich geb nicht auf, ich bin nämlich stur.)
((noch nix vom Großen, doch das ist die beste Nachricht, die es geben kann))
Wenn …
14. Juni 2010
alles gut gegangen ist, ist der Große nun mit seiner Klasse auf dem Weg nach Berlin.
Warum ich nicht weiß, ob alles gut gegangen ist und was das überhaupt bedeutet?
Nun.
11:12 Uhr fuhr der Zug ab Oppenheim Richtung Mannheim. (in Mannheim umsteigen in den ICE)
11:10 Uhr hält der Zug in Nierstein, was sehr praktisch für Niersteiner Schüler ist, die können dort bereits einsteigen.
10:49 Uhr warf ich daheim einen beiläufigen Blick auf die Uhr und flötete: „LOS! Wir müssen weg! Schnell, schnell!!“
11:03 Uhr standen wir auf dem Bahnsteig. Außer uns stand da niemand. Bis auf drei ältere Damen, aber die gehörten ganz sicher nicht zur Klasse des Großen, ausserdem saßen sie entspannt und kein bißchen reisefiebrig auf einer Bank.
Haben Sie mal in einem Buch gelesen „ihr Darm schien sich vor Angst zu verflüssigen“ und haben sich gedacht „Wie soll sich DAS denn anfühlen?“ Es fühlt sich grauenhaft an, glauben Sie mir. Ich war fest davon überzeugt, dass der Große dank pubertärer Hirnausfälle schlicht eine Stunde zu spät am Bahnhof steht. Auch er selbst hatte seine jugendliche Unbekümmertheit und Selbstsicherheit abgegelegt und war ein bißchen blass ums Näschen. Immerhin gibt es doch einige Klassenkameraden aus Nierstein. Sollten die alle von treusorgenden Eltern nach Oppenheim gefahren worden sein? Oder fuhr der Zug DOCH eine Stunde früher?
Während ich mir noch ausmalte, wie ich das Kind zu seiner Klasse nach Berlin bekommen könnte, mittlerweile 11:07 Uhr, tauchte der Freund (und Klassenkamerad) des Großen auf. Hinter seiner völlig entnervt aussehenden Mutter, die offensichtlich ähnliche Szenarien im Kopf laufen hatte wie ich.
Selten freute mich der Anblick eines weiteren pickligen, halbwüchsigen Knabens so sehr wie in diesem Moment. Denn nun ist es beinahe egal, ob es eine Stunde zu spät ist oder nicht, ob die beiden nun auf den Rest ihrer Klasse gestoßen sind oder nicht – sie sind zu zweit. Die Chancen, dass sich zwei Pubertierende in der Uhrzeit irren sind zwar noch immer erschreckend groß, doch geteiltes Leid ist ja bekanntermaßen halbes Leid. Und womöglich geht ja eben auch alles gut und beide sind nun auf dem Weg nach Berlin.
(entspannen, Frau … äh … Mutti, atmen. Gaaanz ruhig.)