kann nur besser werden
16. Oktober 2009
Heute nacht von toten Babys in Plastikwannen geträumt und von dicken Männern, die als Korken in der Wand steckten, bevor sie mit einer gewaltigen Wasserfontaine herausploppen. Ich bin mir nicht sicher, was mein Unterbewusstsein mir mitteilen wollte. Evtl. will ich es gar nicht wissen.
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Habe den gestrigen Abend im Nähzimmer verbracht. Der beste Vater meiner Kinder leistete mir Filme schneidend Gesellschaft, während ich ein gar allerfeinstes Täschchen, das ein „Danke!Danke!Danke!“ ist, zuschnitt und beinahe fertig nähte. Gleichzeitig dudelte der Fernseher und ich hörte mit halbem Ohr, wie zwei sehr junge Mädchen im Rahmen einer Castingshow die amerikanische Nationalhymne misshandelten. Und war sehr froh, dass Mr. Obama ein friedlicher Mensch ist. Der Vorgänger hätte solch eine Quälerie bestimmt geahndet.
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In einer halben Stunde kommen die Mutter der besten Tochterfreundin und die Freundin, die nie Zeit hat und holen mich ab. Zu einem feudalen Frühstück luden sie mich. Letztes Jahr, zu meinem Geburtstag. Jetzt habe ich fast schon wieder Geburtstag und es wird Zeit, Gutscheine einzulösen. (liebste Lakritzefrau, wir haben da auch noch eine Rechnung offen)
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Der beste Vater meiner Kinder hat heute seinen letzten Arbeitstag vor dem Urlaub, morgen kommt die Tochter nach Hause und die Hälfte der Herbstferien ist irgendwie schon wieder verflogen. Zeit. Ach Zeit.
Welcome back?
15. Oktober 2009
Das Knie ist so dick, dass ich zwei draus schnitzen könnte.
Ich wollte sie ja in Rente schicken, die Frau Knie, oder wenigstens dorthin, wo der Pfeffer wächst. Stattdessen trage ich sie morgen zum netten Orthopäden mit der langen Nadel. Glauben Sie mir, mir ist zum Heulen.
(dick trotz minimalster Belastung, ich verstehe es nicht.)
„Nur kurz einkaufen“,
15. Oktober 2009
sagte Frau … äh … Mutti und schleifte die Kindelein ins örtliche „Hier-gibt´s-alles“-Geschäft.
kurz einkaufen = kaum Geld ausgeben
Dachte ich.
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Der Große wählte seine künftige Zimmerfarbe. „Korallenrot“ steht auf der Flasche, ich nenne es „gemäßigtes orange“ . Drei Flaschen Farbe, einen Rollenhalter, zwei neue, puschelige Farbrollen und ein ordentlicher Pinsel für den Deckenabschluss … zackbumm, 35,- Euro. Uff.
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„Wir wollen noch rüber zu den Spielsachen“, baten die Kindelein und der Jüngste wedelte mit zwei Gutscheinen von seiner Geburtstagsfeier. Ein kurzer Blick auf die Gutscheine ließ mich in Ehrfurcht erstarren, denn das Kind ist reich. Ein Gutschein über zehn Euro, der andere über zwölf Euro! Abgesehen davon, dass ich Gutscheine nicht gerne verschenke (nur dann, wenn sie ausdrücklich erwünscht sind), würde ich niemals SO VIEL drauf schreiben lassen. Zwölf Euro! Das reicht eigentlich für zwei Kinder.
Das jüngste Kind teilte meine Besorgnis über steigende materielle Werte von Geschenken nicht, sondern freute sich ein Loch in den Bauch, dass das Geld sowohl für eine Packung playmobil (warum? WARUM? Wir haben bereits mehrere Kubikmeter playmobil!) als auch für ein Buch (Greg´s Tagebuch, Band I, weil der fehlt noch) reichte. Vielleicht freute er sich auch, weil ich mich bereit erklärte, den fehlenden Betrag zu ergänzen. Schließlich kauft er sich ja auch ein Buch. Bücherkäufe sind unterstützenswert.
Zusammen mit den fünf Filzplatten die ich dringend für weitere Monster brauche, klingelte die Kasse ein fröhliches „siebenundzwanzigEurovierzehn“ und deshalb beschloss ich spontan, dass wir nicht noch kurz im Blumenladen vorbeischauen müssen. Und Brot brauchen wir auch nicht.
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Kurz nachdem wir wieder daheim angekommen waren und der Jüngste sein neuerworbenes playmobil auf und unter dem Küchentisch verteilt hatte, klirrte ein Schlüsselbund auf der Treppe. Der weltbeste Opa kündigt so seinen Besuch an. Ich soll durch das Schlüsselklimpern gewarnt werden, damit ich mich noch rechtzeitig ordentlich anziehen kann, erklärte er mir irgendwann mal. Ich weiß nicht so genau, welche Vorstellungen er ob meiner alltäglichen Bekleidung hat, doch er lässt sich vom Klirrwarnen nicht mehr abbringen und deshalb habe ich beschlossen, es zu lieben.
Offensichtlich haben die Großeltern der hinreissenden Bestien ein besonderes Gespür für Notsituationen wie „kein Brot im Haus“. Sie holten die Kindelein zum Mittagessen ab (Klöße und Pilze), bestanden auf die warme Jacke „weil nachher gehen wir raus“ und plötzlich war ich allein.
Ohne Brot im Haus, dafür mit neuen Filzplatten und einer gewissen Motivation, diese unten im Nähzimmer hübsch zu verwurschteln.
Mittagspäuschen
14. Oktober 2009
„Und macht die TÜR ZU!“, brülle ich den beiden Jungs nach, die raus in den Garten, rein ins Haus, raus in den Garten, rein ins Haus, raus in den Garten rennen. Denn von draußen kommt frische, kalte Luft und die will ich jetzt nicht, ich hab mir gerade den Ofen angemacht und schmolle mit verrußten Händen und verräuchertem Haar darüber, dass der Sommer jetzt tatsächlich ganz und gar und unweigerlich vorbei ist.
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Ob ich es diesen Winter nochmals versuche, das Stricken? Vielleicht keine doofen Elefanten, sondern praktische Dinge. Wärmende Dinge wie Schals, Tücher, Mützen, Handstulpen und Socken?
Ich stelle mir das sehr malerisch vor: den Schaukelsessel vor den Ofen geschoben, ein Tässchen Tee im „Warmhaltefach“ des Ofens, ein Korb mit hübscher Wolle zu Füßen und eifrig klappernde Stricknadeln.
(nicht im Bild eine verzweifelte Frau … äh … Mutti mit Stricknadeln in Nase, Augen und Ohren. Und ein dicker Martin, der das allerhübscheste Wollknäuel ins Katzenklo zerrt. Und die hundert Funken, die beim Holznachlegen im Wollkorb landen. Dessen Anschaffung im Übrigen ein gigantisches Problem wäre, denn ich könnte mich nie für den hübschesten Korb entscheiden. Und schon gar nicht für die hübscheste Wolle, weswegen er bald zu klein wäre und ich die Wolle schließlich im Schnellkochtopf lagern müsste, weil der wird selten genutzt.)
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Und während ich mir noch solche tollen Bilder ausmale, klingelt das Telefon und meine Tuppertante beginnt auf mich einzureden: „Ach, sie Frau … äh … Mutti, ich wollte sie ja eigentlich gar nicht anrufen, ich hab mich wohl verwählt, aber jetzt, wo ich sie schon am Hörer hab … wollen wir nicht mal wieder?“
Ich druckse so vor mich hin, im Hinterkopf zwei, drei Freundinnen-Anfragen, die Schüsseln und Deckel umzutauschen haben und höre mich „na klar!“ sagen. Das Ausmachen des Termins ist schwierig, doch man wird übernächste Woche nochmals miteinander telefonieren. „Wir haben uns ja schon so lange nicht mehr gesehen, Frau … äh … Mutti!“, jubelt die Tuppertante vorfreudig und erklärt mir, dass sie ja im ganzen Jahr nur Pech hatte. Eine Darm-OP habe sie durchlitten und eine an den Augen. Die Achillessehne mache ihr seit zwei Wochen zu schaffen und ausserdem sei ihr ein Bett auf ihr Auto gefallen, einfach so, vom Laster runter auf ihr Autodach. „Und was haben sie so gemacht, Frau … äh … Mutti?“
„Och, ich hab´s mir gut gehen lassen.“, sage ich.
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Die beiden Jungs sind wieder reingekommen und stören meine Kaffeepause, indem sie auffällig vor den DVDs herumschlurfen.
„Wow! Der dritte Teil von Star Wars!“, der Freund vom Jüngsten ist sichtlich beeindruckt, „Den hab ich noch nie gesehen! Ich geh nachher mal ins Internet und lade mir den runter.“
„Schau mal, wir haben auch Ronja Räubertochter!“, sagt der Jüngste.
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Kaffeetasse leer, Feuer wieder aus. Bad putzen.
Hoch die Tasse XIV
14. Oktober 2009
Das Wandertässchen lebt!
Es geht ihm sogar ganz hervorragend zwischen Klatschköpfen, Apfeltorte und geheimen Geheimprojekten. Befüllt wurde es diesmal mit Tee. Und zwar reichlich :-)