Mamaaa!
14. Oktober 2009
spricht das jüngste Kind, „in meiner Haarbürste sind auch Haare von Koppi.“ Und er streichelt die Haarbürste.
„Oh“, sagt Frau … äh … Mutti, „Kann es sein, dass Du den Koppi ganz schön vermisst?“
„Nööö“, erklärt das Kind, das hinreissende, „Ich hab´ ihn ja hier in meinem Herzen.“
(Wissen Sie, das ist jetzt wirklich Stoff aus so einer Daily Soap. Oder aus einem ganz schlechten Film, den man als völlig überzogen, unglaubwürdig und kitschig abtut. Und trotzdem passiert es. Zwei Bloggerkinder lernen sich kennen und plötzlich ist die durch´s Bloggen zusammen gerückte Welt wieder viel zu groß und die Abstände zwischen den einzelnen Treffen scheinen endlos.)
Ferien, früh am Morgen
14. Oktober 2009
Es ist ein Fehler, nach Mitternacht erst zu Bett zu gehen.
Auch wenn Ferien sind.
Oder besser: wenn Ferien sind, der beste Vater meiner Kinder aber arbeiten muss, der Große zur Traubenlese geht und der Jüngste auf einmal viel weniger Schlaf benötigt. (was die Mittlere gerade tut kann ich nur hoffen: eine Menge Spaß in der Sonne zwischen Felsen und Pool haben, dabei wunderbar erholt und ausgeschlafen sein)
Und alle somit viel früher aufstehen müssen (oder wollen) als ich.
Ich schlafe nämlich im Badezimmer. Beinahe. Mein Kopf liegt zwischen Badewanne und Waschbecken, knapp getrennt von höchstens fünfundzwanzig Zentimeter Wand. Gefühlte fünf Zentimeter. Man muss quasi über mich drüberklettern, wenn man ins Bad möchte. Morgens. Früh morgens. Mitten in der Nacht.
Es hilft nichts, wenn ich mir das Deckbett über die Ohren knäule, denn erstens schauen dann unten die Füße raus und werden kalt und zweitens dämmen die paar Federn das Knallen des Toilettendeckels nur unwesentlich. Und das Rauschen der Spülung erinnert mich meistens daran, dass ich auch mal müsste.
Ausserdem steht im Bad ein Hocker. Solch ein olles Ding mit Holzsitz und vier Beinen aus Metall. Er steht da, weil er schon immer da steht und eigentlich steht er immer im Weg herum. Das ist wohl auch der Grund, weswegen er im Minutentakt an die Heizkörperrippen geschmettert wird. Der Ton der dabei entsteht ist ein schepperndes „deng“, dem ein hallendes „klooooong“ folgt. Der Hocker fliegt raus.
Die Familie hat wunderbare Zähne, die regelmäßig sorgfältig gepflegt werden. Dies geschieht mit elektrischen Zahnbürsten, die nicht übermäßig laut aber dafür beharrlich surren. Der beste Vater meiner Kinder gurgelt, das jüngste Kind muss beim Zähne putzen immer Husten und, ich erwähnt es, ich schlafe mit dem Kopf am Waschbecken. Man spuckt mir aufgeschäumte Zahnpasta ins Ohr.
Wenn ich zu spät ins Bett gegangen bin, machen mich die Badgeräusche am Morgen wahnsinnig.
Genauso wie die Geräusche die aus der Küche kommen. Hinter dem Bad liegt nämlich die Küche und da das Bad nur zweieinhalb Meter breit ist, liege ich mit dem Kopf also auch in der Spülmaschine. Wenn der beste Vater meiner Kinder morgens voll des guten Willens die Spülmaschine ausräumt, tut er mir damit keinen Gefallen, denn das Scheppern, Klappern und Klirren mit Geschirr, gefolgt von Schranktürenschlagen und Schubladenrummsern, lässt mich nur wilde Flüche ausstoßen, gedämpft, unter mittlerweile zwei Deckbetten.
Zu Schulzeiten werden im Flur, genau vor der Schlafzimmertür, gerne noch letzte Instruktionen für den Schultag ausgetauscht oder es finden kleinere Diskussionen statt, meistens darüber, ob bei dreissig Grad Außentemperatur eine Fleecejacke benötigt wird und warum bei Bodenfrost keine Sandalen angezogen werden können. Alle Diskussionen im Flüsterton. Vor der Schlafzimmertür, die im Wesentlichen aus gepresstem Holz und einer nur noch mit Glück im Rahmen befestigten Glasplatte besteht. Wenn die Haustür ins Schloss knallt, wackelt die Glasplatte und ich beginne zu überlegen, ob ich meine Hausschuhe vor dem Bett stehen habe oder ob ich mich gleich barfuß durch die Scherben auf die Suche nach einem Handfeger machen muss. Heute morgen knallte die Tür zum ersten Mal, als der Große zum Bäcker ging. Als er wieder zurückkam, knallte sie erneut. Und wieder, als er das Haus Richtung Wingert verließ. Und ein letztes Mal, als der beste Vater meiner Kinder zur Arbeit ging. Da hatte ich aber bereits meinen Morgenkaffee in der Hand und war beinahe wieder mit der Welt versöhnt.
Und heute abend gehe ich früher schlafen, denn länger schlafen klappt einfach nicht.
Das Eine und das Andere
13. Oktober 2009
Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen Ferien und dem Drang zu Verändern und zu Renovieren. Der treue Leser kennt dieses Phänomen in der Grünen Villa schon lange und winkt gelangweilt ab. Die Frau … äh … Mutti wieder. Hummeln in Arsch. Kaum ruckelt das Knie nicht mehr, schwingt sie die Farbrolle.
Ich muss Sie enttäuschen. Mir gefällt´s gerade ziemlich gut bei uns.
Diesmal ist es der Große, dem es nach Veränderung gelüstet. Und nach Farbe, leuchtend und gleichzeitig wärmend wünscht er sich sein Kellerloch und wählt deshalb als neue Wandfarbe ein kräftiges Orange. Ausserdem studierte er intensiv den Katalog des blaugelben Möbelhauses, verschwand mit Zollstock, Stift und Papier in seinem Zimmer und kam zehn Minuten später wieder nach oben. Mit einem Plan. Expedit statt oller Kommode, ausgerüstet mit Schubladen und Türen. Ausserdem mindestens ein Regal „Lack“. Über die Farben will er vor Ort nachdenken, doch den Preis der Aktion ausgerechnet hat er gewissenhaft. Und als schlagendes Argument eine Selbstbeteiligung von zwei Dritteln ins Felde geführt.
Wie soll ich da nein sagen?
(morgen muss das Kind zur Traubenlese, aber nächste Woche geht es los.)
Psychedengel
13. Oktober 2009
Da war dieser fiese Polyesterstoff, mit grünen und pinkfarbenen Blümchen, ein echtes 70er-Jahre-Schätzchen, wahrscheinlich ehemals eine Bluse.
Ausserdem gibt es da eine große Plastikbox voller Tüll- und Chiffonreste, glänzig, rutschig, zu nichts zu gebrauchen, aber zu schade zum Wegwerfen.
Wenn man diese beiden Aspekt mit der wunderbaren Stickdatei von hier zusammenwirft, kommt das dabei heraus:

Endlich habe ich also einen Verwendungszweck für rutschige Glänzestoffe, von denen immer ein viel zu großes Stück im Restesack des blaugelben Möbelhauses ist.

Beim Besticken habe ich mir vor Anspannung die Lippe blutig gebissen, da ich keinerlei Vlies miteingespannt hatte und ich somit wunderbar beobachten konnte, wie die Nadel in die Öffnung der Stichplatte sauste.
Hach. Ich bin ganz begeistert!
Party aus.
12. Oktober 2009
Danke für die Glückwünsche zum vierten Bloggeburtstag.
Ich bin sehr erstaunt, wieviele Leser mich schon seit den ersten Schritten begleiten. Das ist ein ganz tolles Kompliment, danke!
Mein spezieller Dank geht natürlich an Herrn Skizzenblog, der in Bild und Kalorie den Geburtstag zelebrierte. Die Kalorien waren hübsch verpackt: