Gartenrundgang? Aber klar!
18. Mai 2018
Heute: Essbares.
Die Obstbäume haben gut angesetzt. Es scheint, als würden sie den letztjährigen Ausfall aufholen. (letztes Jahr gab es zur Zeit der Obstblüte einen heftigen Frost, wir ernteten nichts!)



Birnen, Äpfel und Pfirsiche! Ein ertragreicher Spätsommer/Herbst steht uns bevor. Es wird sehr viel Apfelmus geben, verschiedene Apfelkuchen, Apfelpfannkuchen und Äpfel direkt vom Baum genascht. Einlagern können wir meist nur ein paar Steigen Äpfel, da wir nicht spritzen und sehr viele Äpfel von glücklichen Würmern bewohnt sind.
Die Birnen essen wir einfach alle auf. Sie schmecken von „so grün, dass die Zähne stumpf werden“ bis „gelb und so saftig, dass man nach dem Genuss der Birne duschen muss“.
Die Pfirsche werden innerhalb von zwei Wochen auf einen Schlag reif. Wir haben zwei Pfirsichbäume, ich rechne mit 30kg Pfirsichen. Eingelegte Pfirsiche oder Pfirsichkonfitüre mag hier niemand und jeden Tag einen Pfirsichkuchen zu den frischen Früchten schaffen wir auch nicht :) Ich ziehe also den Pfirsichen die Haut ab und püriere sie ungezuckert. Das Mus gefriere ich in 300g-Portionen ein. Für Frischkornmüsli, Smoothies oder Eis taue ich dann bis zur nächsten Ernte nach Bedarf auf.
Die Beeren- und Traubenernte wird ebenfalls ergiebig!




Trauben, Johannisbeeren, Stachelbeeren, (frühe) Himbeeren.
Den Rebstock habe ich vor drei Jahren gepflanzt. Er soll den Durchgang zum langen Gartenstück begrünen und seit diesem Jahr kann ich mir endlich vorstellen, dass das auch klappen wird. Die Rebe wuchert nach beherztem Rückschnitt prima und nach der Traubenblüte zeigen sich viele Fruchtansätze. Für eigenen Wein reicht es nicht, aber drei, vier Kilo blaue Trauben wird es wohl zum Essen geben.
Im Gefrierschrank liegt noch ein Liter Johannisbeersaft, den ich wohl noch schnell in Sirup verwandeln sollte, bevor die nächste Ernte ansteht. Wahrscheinlich werden sie Johannisbeeren reif, wenn wir auf dem Lechweg sind. Somit müssen also die Söhne ernten uns sich mit dem hochkomplexen Thema „Beeren entsaften“ befassen. Prima Horizonterweiterung!
Stachelbeeren schmecken am Besten direkt vom Stock oder unter Baiser oder Streuseln versteckt!
Die frühen Himbeeren müssen nur noch dick und rot werden. Ich freue mich arg auf Himbeeren, sie sind mir noch lieber als Erdbeeren. Die wirklich guten Himbeeren reifen erst ab Mitte August, die Pflanzen treiben gerade erst aus.
Mit Erdbeeren habe ich im Garten übrigens kein Glück. Walderdbeeren wachsen wie Unkraut und tragen auch prima, aber die dicken Erdbeeren werden entweder von Schnecken gefressen, verfaulen oder vertrocknen. Also kaufe ich unseren Bedarf am Erdbeerständchen meines Vertrauens.
Im Gemüsegärtchen kann man den Pflanzen beim Wachsen zusehen. Das derzeitige Wetter, der Wechsel zwischen Regen und Sonne im stündlichen Wechsel sorgt für optimale Wachstumsbedingungen. Das Einzige, was mir zu tun bleibt: die Erde lockern, damit der Regen auch dorthin kommt, wo er gebraucht wird und ein bißchen jäten. (Winden, Nesseln, Disteln und dieser komische Klee mit den explodierenden Samenschoten. Gänseblümchen, Wegerich, Hahnenfuß, Giersch und Mohn dürfen bleiben.)


In den Hochbeeten wachsen Salat, Kräuter und verschiedene Paprikasorten, dazwischen ein paar Zwiebeln. Der Salat ist bereit zum Ernten! Ich freue mich darauf, denn auch wenn es platt und abgelutscht klingt: Salat aus eigener Ernte ist so viel besser als gekaufter! Und weil erstaunt nachgefragt wurde, wie mein Salat schon so weit sein kann: ich habe nicht gesät, sondern vorgezogene Pflanzen gesetzt. Und zwar recht früh, Anfang April. Im Hochbeet hielt ich den Platz für geschützt genug, außerdem sorgten ein paar Eimer frischen Komposts für warme Füße äh Wurzeln.
Die Paprikas nehmen jetzt auch Fahrt auf, bald beginnen sie zu blühen! Ich hoffe auf ebenso gute Ernte wie letztes Jahr.



Kürbis, Gurke und Zucchini.
Weil sich Schnecken sehr für diese Gewächse interessieren, kann ich sie nicht direkt ins Beet säen. Nur vorgezogene Pflanzen haben eine Überlebenschance.
Den Kürbis habe ich in eine Grünschnittwanne (mit Riss im Boden) gepflanzt, weil ich noch keinen finalen Platz für ihn hatte. Jetzt fühlt er sich so wohl in der Wanne, dass ich ihn vielleicht einfach weiter darin wachsen lasse. Mal sehen, ob die Erde reicht.
Ich habe zwei Gurken gepflanzt und dabei ein kleines Experiment gestartet. Die eine Pflanze muss überleben, während sie den ganzen Widrigkeiten wie Wetter und gefräßigen Schnecken ausgesetzt ist, die andere wächst geschützt (und gewärmt) in einem alten Reifen. Beide sollen an einer Tomatenstange nach oben klettern und sich dann an eine quer gelegte Leiter hängen. Das ganze Konstrukt zeige ich demnächst mal.
Die Zucchini sehen derzeit klein und unschuldig aus, bei genauerem Hinsehen lassen sich aber an jeder Pflanze bereits je fünf Blütenknospen erkennen. Ich krame schon mal nach meinen Zucchinirezepten.




Fenchel, Weißkraut, Rotkraut, Spitzkohl, Mangold und Artischocken.
Der Fenchel wächst hier nur für die Raupen des Schwalbenschwanzes. Die lieben nämlich das Fenchelgrün so viel mehr als wir die Knollen je auch nur mögen könnten. Und die Blüten des Fenchels sind wahre Insektenmagneten.
Die verschiedenen Kohlsorten pflanze ich nicht an, um die Familie durch den langen, harten Winter zu bringen, sondern weil ich es so faszinierend finde, wie sich die einzelnen Blätter nach und nach zu kleinen Köpfchen zusammenlegen.
Mangold essen wir aber tatsächlich sehr gerne :)
In sämtlichen Lücken wachsen übrigens Zwiebeln, die spitzen aber gerade erst verschieden hoch aus der Erde. Und die Tagetes sollen angeblich abschreckend auf Schnecken wirken. Ich werde das beobachten. Außerdem mögen Bienen die Blüten, da kann ich den Geruch wohl aushalten.
Auch die Artischocken sind nur Zierde. Ich bringe es einfach nicht fertig, sie zu essen. Die dicken, lila Blüten biete mir viel länger Freude, als der kurze Genuss beim Essen.
Derzeit erfreuen sich nur die Läuse an den Pflanzen. Ich warte sehnsüchtig auf Marienkäfer, dieses Jahr scheint es nur sehr wenige zu geben, das ist eine Katastrophe. (der Holunder ist schwarz von Läusen, in den Rosen wimmeln die grünen Läuse)



Tomaten und Bohnen.
Die Tomaten lieben ihren warmen, trockenen Platz unter dem Plexiglasdach des Tomatenhäuschens. Die beiden roten Nachbarskater mögen den warmen, trockenen Platz auch und während ich beim Jäten die Nase rümpfe und vorsichtshalber Handschuhe trage, behaupte ich, daß Katzenkacke ein toller Dünger ist. Immerhin blühen die Tomaten schon :)
Die Bohnen, die meinen Wassertank verstecken sollen, beginnen die Bohnenstangen zu erklimmen. Die Kermesbeere, die sich frech dazwischen gequetscht hat, wird an diesem Wochenende weichen müssen. Dort ist nur Platz für Bohnen.
Am Samstag kommen noch Rosenkohl und Mais ins Gemüsegärtchen und dann ist es voll. In spätestens sechs Wochen wird man kein Fleckchen Erde mehr erkennen können.
Wer bis hierher gelesen hat: Sie sind entweder sehr geduldig und haben auf irgendeine Pointe gewartet oder Sie lieben Garten und das Drumherum genauso wie ich. :)
Gartyparty 19?
14. Mai 2018
Ich weiß es nicht.
Wenn man ein Gartenfest plant, für das man Haus und Garten vielen Menschen öffnet, versucht man an einfach alles zu denken. Das Schwierigste ist nämlich nicht die Zusammenstellung der Gästeliste mit dem Gedanken, dass jeder mit jedem können muss. (dafür sind ja die Gastgeber da, die müssen mit jedem können und dann alles irgendwie verbinden)
Auch die Menüplanung ist weitestgehend trivial, wenn man ein bißchen den Überblick über die Anzahl der Nudelsalate behält.
Haus und Garten präsentabel zu machen, bei Freunden Sitzgelegenheiten oder Stehtische zu organisieren, kistenweise Getränke einzukaufen – geht alles.
Am Schwierigsten ist es, durch Haus und Garten zu laufen und so zu tun, als sei man fremd. Als wisse man nicht um die schwankende Rampe nach unten, die selbstgebaute Treppe mit der wackelnden Stufe. Als kenne (und rechne) man weder mit giftigen, stechenden oder brennenden Pflanzen. Als seien alle Besonderheiten oder schlicht Gegebenheiten in diesem Garten einem fremd.
Und dann setzt man sich hin und schreibt eine „Warnliste„, damit die Gäste sich vorbereiten können. Ja, das kostet die meiste Zeit.
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Die Gartyparty18 brachte zwei Helden hervor.
Zuerst einmal Lola, die mit großer Begeisterung und Engelsgeduld mit allen Kindern spielte und rannte, die beinahe allen Köstlichkeiten widerstand und sich mittels Minutenschlaf immer wieder in Form brachte. Du toller Hund, ich danke dir, dass du manch (unbeabsichtigte) übergriffige Annäherung einfach wedelnd und freundlich über dich ergehen ließest. Ich hätte an deiner Stelle vermutlich mindestens geknurrt.
Und dann natürlich Lars, dem wir es verdanken, dass die Gartyparty nicht mit einem Todesfall endete.
Auf der Warnliste steht sehr deutlich: wir haben einen ungesicherten Teich. Sehr klein nur, aber eben doch so groß, dass ein erwachsener Mann bis zur Hüfte darin steht und nach dem Kleinkind suchen muss, dass zwischen Wasserpflanzen und Modder auf dem Grund verschwindet. Er fischte das Kleinkind heraus und warf es auf den Rasen, wo meine Freundin es hochnahm und ihm ermöglichte, wieder zu atmen.
Kein Todesfall durch Ertrinken, dafür aber Gäste, die sich einen echten Schock mit nach Hause nehmen. Lieber Lars, von Herzen Dank für Deine Aufmerksamkeit und Reaktionsschnelle! Liebe Katharina, Dir von Herzen Danke für den erste-Hilfe-Einsatz! Dass ich meinen Garten samt Tümpel weiterhin lieben kann, ist nur das allergeringste Ergebnis Eures Einsatzes.
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Sollte die Gartyparty 19 stattfinden, muss ich in die Warnliste aufnehmen, dass Eltern _jederzeit_ ein Auge auf ihre Kinder haben müssen. Manchmal stehen sie nur herzzerreißend schluchzend in der Küche und rufen nach ihrer Mutter, sie sich am anderen Ende des Gartens in der scheinbaren Sicherheit wiegt, die Gartypartygäste übernähmen schon die Aufsicht fürs super selbständige Kleinkind. (grr.) Und manchmal sterben sie auch beinahe.
Ja, nachdem ich meinen Schreck überwunden hatte, kam die Wut und die darf hier mal kurz raus.
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Aber! Es war ein wundervolles Fest! Tolle Gäste, tolles Wetter, tolles Essen, tolle Getränke, tolle Stimmung! So hatte ich es mir gewünscht :) Die bunte Mischung aus virtuell und analog, altbekannt und unbekannt, ganz jung und ziemlich alt, leise und laut vermengte sich ständig neu, ich versuchte mich mit jedem Gast zu unterhalten (außer mit den üblichen Verdächtigen aus Nierstein, die sehe ich ja oft), doch für wahrhaft Tiefgründiges blieb dann doch keine Zeit. Ich hoffe, meine Gäste damit nicht gekränkt zu haben!
Für meine Familie und mich war es ein vier-Tages-Event, insbesondere meinen Kindern gilt mein Dank für Hilfsbereitschaft, Einsatz und Langmut. Sonntag war ich dann quasi leergequatscht und fiel um halb zehn glücklich ins Bett.
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Vielleicht haben die Gartypartygäste Lust, mir per Mail ihre Rezepte für Kuchen und Salate zukommen zu lassen, ich würde sie gerne für Interessierte hier veröffentlichen. (und in meiner Rezeptesammlung aufnehmen!)
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Nächstes Event: das Federkuchenfest im Herbst. Ein deutlich kleinere Veranstaltung.
(auch wenn ich zwischendurch feststellte, dass der Garten 80 Menschen ganz lässig schluckt – eine Toilette wird dann echt knapp :))
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Und – ganz wichtig! Der Inhalt des Getränkekässchens deckt unsere Ausgabe! Danke!!
deep, deep, deep
11. Mai 2018
wir ham uns alle lieb.
Selbstverständlich bleibt es nicht aus, dass man sich auch über die verschiedenen Social Media Kanäle, auf denen man sich gemeinsam tummelt – ich sag mal – austauscht. Es ist ja auch nämlich so, dass ich nach diesen vielen Jahren des Kennens und Mögens meistens ziemlich genau weiß, wie Frau Brüllen auf das eine oder andere Thema reagieren wird. Und umgekehrt.
Gestern abend/nacht ging ich nach viel Gelächter und ein wenig Wein fröhlich ins Bett, wo ich dann prompt wach lag und grübelte. Wir hatten bemerkt, welch unfassbar tiefsinnige Gedanken manch nur zweijähriges Kind im Social Media bereits von sich gibt, bzw. die Eltern als Sprachrohr nutzt. Tiefe Ergriffenheit machte sich bei mir breit, angesichts der Weisheit und Empathie dieser Kinder und große Verlegenheit, als die Lieblingstochter nicht spontan tiefgründige Worte von sich geben wollte. Dabei ist sie doch schon zwanzig!
Auch rückblickend fiel mir nichts ein, was jemals als „schon im zarten Alter von nur drei Jahren verblüffte *eines von Frau Muttis Kinder* durch sein Mitgefühl und Einfühlungsvermögen“ zitierfähig oder gar friedensnobelpreiswürdig durchgehen würde. Mal wieder auf der ganzen Linie versagt.
Ich setze jetzt meine ganze Hoffnung auf den Hund. Der kann zwar nicht sprechen, aber vielsagend und eindringlich schauen, außerdem im Stehen, Sitzen und Liegen fressen. Das macht ihn ja wohl zu einer special snowflake, mit der ich im Internet bestimmt ganz viele Herzchen, likes und Bewunderung ernte.
Ach Internet. Wenn Du mich nicht immer wieder zu Menschen führen würdest, die ich gerne in mein echtes Leben lasse, ich hätte dich längst schallend lachend hinter mir gelassen.
Gartyparty 18, letzte Liste
8. Mai 2018
Liebe Gäste,
bitte denken Sie an Geschirr und Besteck, Trinkgefäße haben wir in ausreichenden Mengen.
Wer einen Salat mitbringt, sollte die Schüssel beschriften und auch Salatbesteck dazulegen.
Da das Wetter nun vielleicht doch ziemlich gut wird, man weiß das im Mai ja auch nie so genau und außerdem sind die Eisheiligen, denken Sie bitte an Sonnenschutz. Wenn die Sonne scheint, dann knallt sie richtig.
Wer Kuchen, Salat, Sonstiges kühl stellen möchte, der kann das bei uns tun. Freitag ab elf Uhr bin ich ordentlich bekleidet und habe den zweiten Kühlschrank aktiviert.
Wer meine Küche für Vorbereitungen nutzen möchte: siehe oben. Freitag ab elf Uhr und so weiter.
Mittlerweile eine schöne Tradition: die Vor-Party. Am Freitag abend, sagen wir mal so ab 18:00 Uhr, treffen sich früher angereiste Gäste in der Grünen Villa. Wir bestellen dann PizzaDönerLamacun beim PizzaDönerLamacun-Koch unseres Vertrauens. (Jeder zahlt seinen eigenen Kram, natürlich.)
Am Samstag morgen, ab 10:00 Uhr, gibt es im Weltladen (An der Kaiserlinde) ein faires Frühstück. Wer Lust hat, kann da gerne mal vorbeischauen. Oma Eis freut sich.
Ich habe nicht bei Erni&Illi für das Sonntagsfrühstück reserviert. Bei schönem Wetter gibt es aber immer einen Platz (ab halb zehn). Bei schlechtem Wetter frühstücken wir gerne nochmal hier zusammen. Aber das klären wir am Samstag.
Die Getränke organisieren wir (Wasser, Säfte, Cola, Fanta, Bier, Wein). Wir stellen einen Spendendose auf :)
Erreichbar bin ich über Twitter- oder Instagram-Direktnachricht. Oder per Mail.
Und jetzt bleibt nur noch:
Bis Samstag, wir freuen uns!
Überraschungsgäste
7. Mai 2018
„In deinem Kompost sitzt eine Ente mit Küken!“, teilte mir die Nachbarin an der Haustür mit und tatsächlich. Eine Entenmutter mit etlichen, wild wuselnden Küken, mindestens acht, eher zehn.

Ui. So ein naturnaher Garten ist ja was Feines, aber leider mangelt es doch an ausreichendem Gewässer für eine Entenschar. Stattdessen gibt es eine Menge jagdlustiger Katzen, der Ringelfranz begeistert vorne mit dabei.
Mit der Nachbarin beratschlagten wir kurz, wie wir jetzt vorgehen können. Die Mutter fangen, dann kommen die Jungen automatisch hinterher. Oder umgekehrt? Letztlich waren wir unsicher und ich rief den Vogelexperten des hiesigen NABU an. Er versprach sofort zu kommen.
Die Nachbarin ging wieder heim und der Große behielt Straße und Haustür im Blick. Ich bewachte die Entenfamilie. (und verliebte mich immer mehr in diese entzückenden Federbällchen!)
Der Vogelexperte rückte mit Katzentransportbox und großem Kescher an. Er und der Große kennen sich aus der Zeit, als der Große sein FSJ im Waldkindergarten absolvierte. Freundliche Begrüßung, kurzer Smalltalk und dann verschaffte er sich einen Überblick. Es sei gut, wenn man die Entenmutter in einen Schuppen locken könnte, dann ließe sie sich leichter fangen. Auf keinen Fall dürfe sie auffliegen. Sollte sie das tun, müssten wir warten, bis sie wieder zu ihrer Brut zurückkehrt.
„Wie ist sie eigentlich in dem Kompost gelandet?“, versuchten wir zu rekonstruieren, denn dass sie dort gebrütet hat ist völlig ausgeschlossen. Eine Stunde zuvor hatte ich noch Dürres auf den Kompost geworfen. Eine Ente wäre mir aufgefallen.
„Wahrscheinlich kamen sie aus dem Garten obendrüber.“, vermutete ich.

Unser Garten ist ein langer Schlauch, daran grenzen, zwei Meter über uns, vier Nachbarn. Das Haus auf dem Grundstück hinter/über dem Kompost steht seit Wochen leer, der Garten hinter den Backsteinen ist verwildert. Wahrscheinlich hat die Ente dort gebrütet und sehr erfolgreich ihre Brut ca. eine Woche gegen sämtliche Katzen verteidigt. Eine Heldin!
Auf der Suche nach Wasser oder auf dem Weg zum Bach, der zwei Grundstücke unter unserem fließt, ist sie dann wohl bei mir hängen geblieben.
Einen Schuppen zum Hineinlocken gibt es bei uns in diesem Gartenstück nicht, nur der Weg in die eine Richtung, der zweieinhalb Meter über der Straße endet oder der in die andere Richtung, der in dichten Brennnessel-Holunder-Gestrüpp endet. Alles nicht optimal, deshalb wollte er die Ente direkt im Kompost fangen.
Ich holte die größte Tischdecke aus dem Haus, damit der Große und ich damit eine Begrenzung bilden konnten. Wir spannten die Decke zwischen uns und glaubten, den einen Weg zu versperren. Aber Enten können fliegen und als der Kescher im Kompost landete, flog die Ente über unsere Absperrung in den Apfelbaum und von dort hinunter in meine Waldrebe. Quiekend wuselten sämtliche Küken aus dem Kompost ihrer Mutter hinterher und wir mussten neu planen.
„Im Rosa Gartenhüttchen gibt es immerhin zwei feste Wände, vielleicht können wir sie dort fangen.“, schlug ich vor und so versuchten wir es.
Der Große und ich versperrten mit unserer Enten-Durchgang-verboten-Tischdecke den Weg und die offene Gartenhüttchenseite, während der Vogelexperte die Schar mit zärtlichen „nag-nag-nag“-Rufen vor sich hertrieb. Mitten durch meine Echinaceen, auf die ich so stolz bin, weil sie dem harten Winter trotzten.

Statt ins Gartenhüttchen zu fliehen, kuschelten sich Entenmutter und Küken unter meine wunderschöne Ramblerrose und schienen sich gut und sicher zu fühlen.
Jedenfalls so lange, bis sie mit dem Kescher liebevoll gestupst wurden und sich doch herauswagten. Direkt vor meinen Füßen, die ich rasch hinter der Absperrungstischdecke versteckte.

Ein beherzter Schwenk mit dem Kescher …

… und eine höchst empörte Ente war gefangen. Jedenfalls bis zu dem Moment, da sie in die Transportbox gesetzt werden sollte. Dabei entfleuchte sie laut schnatternd und wir starteten das fang-die-Ente-Spiel erneut. Etwas routinierter und tatsächlich saß sie ein paar Minuten später in der Box, während die Küken aufgeregt piepsend durch meine Minze marodierten. Der Versuch, die Küken zu ihrer Mutter laufen zu lassen, wurde abgebrochen, weil die Mutter nicht lockte.
Also fingen wir die Küken und das ist jetzt leichter getippt als getan.

Der Vogelexperte fing ein Küken, der Große öffnet die Box, der Experte stopfte das Küken hinein, das Küken quetsche sich durch das Gitter wieder hinaus. Wir hatten mittlerweile die Küken gezählt und wussten, dass wir dreizehn Küken in die Box packen mussten. Mitzählen war unmöglich, wir fingen etwa zwanzig Küken :)
Ich holte eine Decke aus dem Gartenhüttchen. Die drückte der Große vorsichtig auf das Gitter der Transportbox und ließ immer nur ganz kurz los, um ein gefangenes Küken hineinzulassen.
Mittlerweile krochen der Vogelexperte und ich auf Knien durch die Minze. Der Experte rief beruhigend „wi-wi-wi-wi-wiii“, die Küken antworten fröhlich und rannten hinter die große Zinkwanne. Mit dem Kescherstiel wurden sie freundlich aufgefordert in meine Richtung zu rennen, was sie dann auch taten. Ich fing sie und leider war keine Zeit für genaue Betrachtung. Ein ein Wochen altes Entenküken ist winzig, kleiner als ein gebratener Hühnerflügel, mit sehr viel zartem Plüsch drumherum. Und kleinen, ledrigen und sehr kalten Füßen. Entzückend!
Irgendwann piepste es nur noch in der Transportbox und nicht mehr in der Minze. Trotzdem wollten wir sicherheitshalber nachzählen, dies aber möglichst in einem sicheren Raum.

Den Deckel abzuheben wagten wir dann aber doch nicht. Ich flitzte noch einmal rasch in den Garten, doch kein Piepsen war zu hören. Wir besprachen, wo ein evtl. doch zurückgelassenes Küken zwecks Familienzusammenführung hinzubringen sei und entließen Vogelexperten samt Entenfamilie.
Schweißgebadet übrigens, denn die Entenjagd ist ziemlich nervenaufreibend.
Eine Stunde später erreichte mich per whatsapp ein kleines Filmchen. Eine glückliche Entenfamilie, die in den Sonnenuntergang schwimmt.
Ente gut, alles gut.