WMDEDGT im Februar

5. Februar 2017

Frau Brüllen fragt an jedem Fünften eines Monats „was machst du eigentlich den ganzen Tag?“.

Heute hätte kein ereignisloserer Tag sein können. Sonntag eben.

Der gar nicht mehr so kleine Hund weckte mich um Viertel vor sieben aus einem höchst merkwürdigen Traum, in dem ich eine Frau interviewte, die von den Vorzügen ihrer Dachbegrünung schwärmte. Während ich mit ihr über den englischen Rasen auf ihrem Dach spazierte, erklärte sie mir, die Pflege des Rasen sei wie die eines Säuglinges, nur bräuchte man eben Pinzetten und Nagelscheren. Vermutlich weckte mich der Hund zum richtigen Zeitpunkt, bevor der Traum völlig abstrus wurde.

Ich weckte den besten Vater meiner Kinder kurz nach acht, die allerbeste Freundin kroch freiwillig aus dem Bett. Es gab einen Kaffee und ein klitzekleines Frühstück, bevor wir in wunderbarstem Sonnenschein zu einer längeren Hunderunde aufbrachen. Der Frühling kommt bald! Das Licht und die bereits wärmenden Sonnenstrahlen versprechen jedenfalls das Ende des Winters.

Lola rannte, wir marschierten und kurz vor elf kamen wir glücklich und sehr hungrig wieder daheim an. Der Hund musste unter die Dusche, uns reichte eine Wäsche.

Wir weckten die Söhne und frühstückten (spätstückten) lange und gemütlich zusammen.

Nach dem Frühstück steckten wir Eintrittskarten in die bereits beschrifteten Umschläge und klebten Briefmarken auf. Demnächst mehr dazu.

Der beste Vater meiner Kinder zog sich zurück um Schlaf nachzuholen, die allerbeste Freundin und ich saßen schwätzend auf dem Sofa bevor sie sich verabschiedete. Bis bald, zur Geburtstagsfeier des Jüngsten und zum Kreppelessen.

Ich gönnte mir einen Mittagsschlaf und danach eine gemütliche Tasse Kaffee. Beim Kaffeetrinken plante ich die kommende Woche und die bald startende Gartensaison. Langsam juckt es in den grünen Daumen!

Der Jüngste übernahm die Abendrunde mit dem Hund, der Große brachte dem Opa das Auto zurück. Der beste Vater meiner Kinder brannte seiner Schwiegermutter eine DVD, ich putze Rosenkohl und schälte Kartoffeln für das Abendessen. Rosenkohleintopf auf besonderen Wunsch der Söhne.

Während der Eintopf schmurgelte räumte ich die Küche auf und deckte den Tisch, knipste ein rasches Bild und rief schließlich zum Essen.

Nach dem Essen verabschiedeten sich die Söhne nachdem sie das schmutzige Geschirr versorgt hatten: „Gute Nacht, bis morgen!“

Ich verzog mich wieder aufs Sofa, surfte ein Bißchen, schwätzte mit der Tochter und schrieb einen wahnsinnig spannenden Blogartikel. Und teilte mit dem besten Vater meiner Kinder ganz heimlich das letzte Stück Schokotorte.

Mehr war nicht. Sehr erholsam.

Und dann sagte der Sohn:

3. Februar 2017

„Ich hab mir früher gewünscht du würdest mal brüllen, statt immer so furchtbar ruhig zu sein.“ Es sei nämlich so gewesen, dass er (und seine Geschwister) oft ein sehr schlechtes Gewissen und Gefühl hatte, wenn ich ruhig und ernst erklärt habe, was gerade doof sei. Er (und seine Geschwister) hätte es gut gefunden, wenn ich einfach mal gebrüllt hätte, denn dann wäre zurückschreien eine Erleichterung gewesen.

Uff. Ich bin sehr erstaunt.

Erstmal darüber, dass mich die Kindelein als eher ruhig und besonnen beschreiben, wo ich doch selbst mich eher laut und ungeduldig vor mir sehe. Ich erinnere mich sehr gut an den erstaunten Blick der Nachbarin, als sie mich beim „Scheiße, warum immer ich?!“- Gebrüll aus dem Fenster erwischte. Ich sehe mich heulend unter der Dusche und in ein Kissen schreiend. Oder eben auch mit den Kindern herumzeternd.

Wie schön, dass ich meinen Erziehungsvorsatz „ruhig bleiben“ dann wohl umgesetzt habe, wie merkwürdig, dass die Kindelein das gar nicht immer so super fanden, wie ich mir das mal ausgemalt hatte.

Meine eigene Kindheit war übrigens geprägt von Straf-Schweigen. Über Wochen hinweg und irgendwann hatte ich genug bereut und geschmeichelt, dann war es wieder gut. Bis es das nicht mehr war.

Ich wusste sehr früh, was ich anders machen würde und was auf gar keinen Fall jemals würde passieren dürfen. Das ist mir gelungen, denn Schweigen, Unausgesprochenes und stumme Vorwürfe gab es nie. (und wie schwer das ist, es ganz anders zu machen, als man es gelernt hat, nicht in vertraute Verhaltensmuster zu fallen. Ach ja, und sich nicht immer schuldig zu fühlen, selbst wenn nur der Bauklotzturm eingestürzt ist.)

Vielleicht hätte ich sogar dem Schreiimpuls ab und zu nachgeben dürfen. Ach wenn ich das nur früher gewusst hätte!

Früher,

30. Januar 2017

wenn Fieber, Kopf-, Hals- und Ohrenschmerzen dafür sorgten, dass man sich nur noch in einer Ecke zusammenrollen und sterben wollte, waren da die kleinen Kinder. Die Kleinkinder, die unerbittlich waren, Hunger hatten, volle Windeln oder einfach nur Langeweile. Die man mit schlechtem Gewissen eine Stunde vor der Glotze parkte, um ganz, ganz kurz die Augen zu schließen, auf der Suche nach dem letzten Rest Kraft.

Ich habe mich heute daran erinnert, als ich unter eine dicke Decke gekuschelt auf dem Sofa lag, mit dem Hund als Wärmflasche. Tee stand neben mir auf der Sofalehne, Apfelstückchen voller total gesundmachender Vitamine in Reichweite. Als die Söhne heimkamen fragten sie besorgt nach meinem Befinden, füllten die Teetasse und übernahmen die Hunderunde.

Halten Sie durch! Irgendwann verliert auch das Kranksein seinen Schrecken!

Alles ist …

27. Januar 2017

schallalla …

alles ist …

schubidu …

alles ist geregelt!

(aus: Ritter Rost und die Hexe Verstexe)

Regeln.

In meiner Twittertimeline spukt das Thema seit ein paar Tagen herum und es wurden einige Blogartikel dazu geschrieben. Ich nickte und lächelte viel und dann musste ich doch die Stirn runzeln, als ich sinngemäß folgenden Tweet las: Regeln werden hier sowieso nicht befolgt, muss ich auch keine aufstellen. Außerdem las ich, dass Regeln nur einengen.

Und zack! Ich will da was zu sagen.

Vorneweg: ich halte Regeln für überlebensnotwendig. Und damit meine ich nicht nur Regeln wie „Bei Grün gehen, bei Rot stehen“, sondern all das, was dazu führt, dass man glücklich miteinander leben kann.

Und schon sind wir wieder an der Stelle an der klar wird, warum diese ganzen Erziehungsratgeber und hilfreichen Blogtipps schlicht für die Tonne sind und weswegen dieser Artikel Ihnen sicher nicht weiterhilft, wenn Sie auf der Suche nach den ultimativen Erziehungsregeln sind. Ich habe nämlich nur meine, kleine Familie und für die funktionierten unsere Regeln prächtig.

Aber nochmal von vorne: Regeln halte ich für wichtig, weil sie schützen. Sie schützen ganz mittelbar vor Gefahr (das sind dann die bösen Verbot-Regeln wie „keine Gegenstände in irgendwelche Körperöffnungen“) und unmittelbar vor Hilf- und Machtlosigkeit angesichts eskalierender Situationen. Im besten Fall verhindern sie diese sogar, weil man sich jederzeit auf bestehende Regeln berufen kann. Beispiel: Nicht auf dem Sofa hüpfen!

Begründungen, die selbst kleine Kinder verstehen: das Sofa ist unser Platz zum Ausruhen, Bücher lesen und fernsehen. Das klappt nicht, wenn man draufrumspringt.

Situation: ein Kind hüpft.

Reaktion: Bitte nicht hüpfen, denk dran: Kuschelplatz.

Im besten Fall ist die Situation geklärt. Im doofsten Fall muss man da etwas nachdrücklicher werden. Und im allerdoofsten Fall gabs bei uns Zimmerverweis. Und später ein klärendes Gespräch mit Regelauffrischung.

Wir haben und hatten viele Regeln. Und ich glaube, ich habe das schon oft hier geschrieben, macht ja aber nix. Manche Regeln waren irgendwann hinfällig weil überholt, andere konnten gelockert werden und manche werden noch heute immer wieder diskutiert. (das leidige Wäschethema über das ich neulich schrieb)

Alle Regeln eint, dass sie, einmal ausgesprochen, unbrechbar einzuhalten waren. Konsequenz hieß da das Zauberwort, Ausnahmen gab es nur, wenn es klar war, dass es sich um eine Ausnahme handelte und nicht um Faulheit, Müdigkeit, Krankheit.

Konsequenz und Regeln sind eng miteinander verknüpft, ohne Konsequenz geht es nicht. Es geht auch nicht ohne ständiges Nachdenken bezüglich Sinn und Aktualität. Außerdem muss ständig erklärt und begründet werden. Vielleicht auch eine Maßnahme überlegt werden, die sachbezogen straft. Diese muss erklärt werden. Und irgendwann wieder aufgehoben werden, erklärend natürlich. Das Ganze ist dann Erziehung. Verdammt harte Arbeit, weil man da ständig bei der Sache bleiben muss.

Der Lohn?

Kleine Kinder, die in klaren Abläufen Sicherheit finden.

Große Kinder, die Grenzen zum Überschreiten finden können.

Kleine Kinder, die sich überall spielend zurecht finden.

Große Kinder, die eloquente, freundliche Menschen sind.

Eltern, die zwar immer wieder am Krückstock gehen und Fransen am Mund haben, die aber Ruhe und Entspannung finden können. Und sehr viel weniger schreien müssen.

Sie sehen: ich bin ganz großer Fan von Regeln. Von unseren Familienregeln.

Aber auch mit Richtlinien wie beispielsweise Höflichkeit kann ich mich gut arrangieren und unsere Kinder wurden beispielsweise dazu angehalten, andere ausreden zu lassen, freundlich zu grüßen und die gängigen Tischmanieren zu beachten. Also diese Regeln, ohne deren Befolgung man zwar irre individuell aber manchmal halt auch einfach unerträglich und eine Kackbratze ist.

Ich weiß, dass es derzeit nicht so arg modern ist, streng zu sein. Strafen sind verpönt, sogar das Wort „nein“ darf nur homöopathisch dosiert verwendet werden. Gleichzeitig lese ich von Eltern, die vor Verzweiflung weder ein noch aus wissen und nur noch schreien können. Das tut mir so schrecklich leid, denn mal davon  abgesehen, dass es doch auch für ein Kind eine schreckliche Last sein muss, ständig zu entscheiden was gut oder doof ist, richten sich da Eltern selbst zugrunde, nur um den heiligen Nachwuchs nicht bei seiner Entfaltung zu behindern.

Für uns hat Eltern-sein niemals völlige Hin- und Aufgabe unserer Bedürfnisse bedeutet. Wir mussten klären, wie wir mit einer wachsenden Gruppe von Menschen leben wollen, damit sich alle gleichermaßen wohlfühlen. Alle. Gleichermaßen.

Ja. So einfach. So schwer.

Zahnarzt. WAAH!

26. Januar 2017

Neulich beschrieb ich es schon mal kurz: ich habe schreckliche Angst vor dem Besuch beim Zahnarzt. Geräusche, Gerüche und die Tatsache, dass mir Fremde wirklich nahe auf die Pelle rücken – das alles zusammen macht mir große Angst. Dass es als Dreingabe noch Schmerzen während der Behnadlung gibt, fällt da kaum noch ins Gewicht.

Alle paar Jahre packt mich dann entweder das schlechte Gewissen oder ein konkreter Anlass und ich mache einen Termin. Todesmutig. Mein bisheriger Zahnarzt wusste um meine Ängste, doch kurzfristig abgesagte Termine seinerseits fütterten nur meinen feigen Schweinehund und der Mut verließ mich. Der letzte Zahnarztbesuch ist also vier Jahre her und plötzlich schmerzte es.

Schmerzen sind ein prima Motivator und ich begann nach Zahnärzten zu googlen, die sich auf Angstpatienten spezialisiert haben. Erfreulicherweise praktiziert ein solcher im Nachbarstädtchen, auf Wunsch arbeitet er auch wenn der Patient in Narkose liegt. Das erschien mir als traumhafte Vorstellung: ich schlafe friedlich und wenn ich aufwache sind alle meine Zähne geheilt.

Der erste Schritt, einen Termin zu vereinbaren, ist oft schon der, bei dem ich strauchele. Somit übernahm das der beste Vater meiner Kinder. Er begleitete mich auch in die Praxis und wartete im Wartezimmer auf mich. (und passte auf, dass ich auch wirklich ins Behandlungszimmer ging) Es ist ja nun mal so, dass der Zahnarzt erstmal schauen muss, was da überhaupt zu tun ist. Ich musste mich also auf diesen Stuhl legen und den Mund weit öffnen. „Wenn sie mögen.“, „Wenn es für sie in Ordnung ist.“, sagte der Zahnarzt stets, bevor er mir Anweisungen gab. Das war mir ein klitzekleines Bißchen peinlich, denn er schaute ja nur. Spitze Haken, Bohrer und sonstige Gerätschaften waren nicht in seiner unmittelbaren Reichweite. Er diktierte den Zustand meines Gebisses, schickte mich noch zum Röntgen und danach besprachen wir, wie es weitergehen kann. Ob es vielleicht vorstellbar ist, einige Behandlungsschritte ohne Narkose durchzustehen. Eine Zahnreinigung beispielsweise, denn der Zahnstein sollte schon vor der weiteren Behandlung weg, damit das gereizte Zahnfleisch zur Ruhe kommen kann. „Wir versuchen das mal. Wenn es nicht klappt, finden wir eine Lösung.“

Heute war ich zur Zahnreinigung. Ich schlief sehr, sehr wenig in der Nacht davor und hatte schlimmes Herzklopfen als ich die Praxis betrat. Panik war das nicht, aber große Angst. Diese Angst konnte mir nicht genommen werden, aber ich bekam die gewünschten Spritzen. Spritzen sind nämlich super. Vor denen habe ich keine Angst und ich vertraue ihrer Wirksamkeit. Und weil ich weiß, dass sie wirken, kann ich meine Augen schließen und aushalten. Nachdem ich signalisiert hatte, dass mir leichte Konversation nicht bei der Bewältigung hilft, ließ man mich in Ruhe. Nur wenn eine andere Behandlungsmethode einsetzte, wurde ich ruhig informiert und bekam erklärt, was weswegen gemacht wurde.

40 Minuten dauerte die Prozedur von der ersten Spritze bis zum Versuch mit völlig taubem Mund und Lippen auszuspülen. Genauso lange dauerte es bei der Geburt des Jüngsten von der ersten Wehe bis zum ersten Schrei. Das hat nicht mehr Spaß gemacht, aber ich würde lieber noch ein paar Kinder gebären, als wieder beim Zahnarzt zu sitzen.

Doch genau das werde ich tun. Also beim Zahnarzt sitzen, keine weiteren Geburten hier. Nächsten Freitag wird eine Füllung gemacht. Klitzekleine Stelle. „Das dauert höchstens eine halbe Stunde. Vielleicht schaffen sie das.“ Ich werde das vermutlich schaffen und ich muss unbedingt daran denken, dass ich mir vorher die Fingernägel sehr kurz schneide. Heute waren sie ein Stück zu lang und meine Handinnenflächen sahen hinterher sehr malträtiert aus.

Mit der Füllung ist die Behnadlung noch nicht abgeschlossen. Ich habe einen Zahn der nur mit einem Provisorium bestückt ist, das sollte so nicht bleiben. Und Schmerzen bereitet mir eine höchst vitale Wurzel unter einem meiner blitzenden Goldkronen. Letzteres ist eine fiese Sache, die werde ich sicherlich nicht wach erleben.

*****

„Stell dich nicht so an. Sei doch froh, dass man sich um deine Zähne kümmert und dir die Schmerzen nimmt. Sinnloses Rumgejammere, albern.“ tönt es. Leider aus meinem eigenen Kopf, denn bei aller Angst kann ich durchaus einen Schritt zurücktreten und die Sache rational betrachten. Es ist alles reichlich kompliziert, doch ich bin wild entschlossen die Sache durchzuziehen. Jammernd, natürlich.