9.11. – gegen das Novembergrau
9. November 2016
Da gab es heute nicht viel und Ihnen geht es da vermutlich nicht anders.
Irgendwann am späten Vormittag habe ich das Internet links liegen gelassen, ich war satt an Information und Emotion. Einen Gedanken nahm ich mir über den Tag mit, der beschäftigte mich sehr. In meiner Twittertimeline tauchten nämlich einige Tweets mit diesem oder ähnlichem Inhalt auf: „Hätte ich nur keine Kinder in diese Welt gesetzt.“ Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie unfassbar wütend mich diese Aussage macht. Eine Antwort in 140 Zeichen darauf zu formulieren
geschah spontan, doch es brodelte weiter in mir. Ich denke, dass nichts auf der Welt schlimm genug sein kann, dass ich das Leben meiner Kinder bereuen könnte. Wie könnte ich mich jemals meinen Kindern erklären, sollten sie eine solche Aussage von mir hören?
Ich hoffe, dass dem besten Vater meiner Kinder und mir das gelungen ist, was ich von anderen in meinem Tweet fordere.
Und weil auch das heute ein Thema bei Twitter war, breche ich mal meinen Vorsatz, keine Ratschläge zum Thema Kindererziehung zu geben. Ich verpacke es einfach als Erfahrungsbericht und Sie entscheiden, ob Sie sich was abschauen wollen.
Die politische Erziehung unserer Kinder hatte keinen Startpunkt. Kein „jetzt sind sie alt genug, um Zusammenhänge zu verstehen“. Es war ein Lernen wie alles im Leben und immer getreu unserem Grundsatz: „Wer alt genug für die Frage ist, ist alt genug für die Antwort.“
Die Kindernachrichten „Logo!“ waren eine prima Ergänzung zu unseren Erklärungen zum Tagesgeschehen. Denn das Tagesgeschehen, wie auch immer es sich gestaltete, fand seinen Weg in Kinderohren und von dort an unseren Küchentisch, als Gesprächsthema beim Essen. Der Große war fünf, als er täglich die Kindernachrichten sah, seine Geschwister zogen irgendwann mit.
Kurz darauf konnte der Große lesen und wir schenkten ihm zum Geburtstag ein Abonnement der Zeitschrift „Geolino„, seine jüngeren Geschwister freute dies ebenfalls, aber auch wir Eltern blätterten sehr gerne darin.
In der Tageszeitung gibt es jeden Samstag eine Seite für Kinder, die bot einen guten Einstieg ins Zeitunglesen. Später lasen die etwas älteren Kinder gerne die regionalen Nachrichten. Interessierten sich für das, was in Nierstein passiert. Danach kam das Interesse für das Weltgeschehen. Zuerst beim Lesen des Panoramas, von den Kindern liebevoll die „Terrorseite“ genannt, später dann eben auch Politik und Wirtschaft. Faszinierend für uns im Rückblick, wie sich die Sicht und die Welt der Kinder erweiterte.
Der Große bekam zu seiner Konfirmation von seinem Patenonkel das weltbeste Geschenk: ein Abonnement des Spiegels bis zum 18. Geburtstag.
Für die jüngeren Geschwister kauften wir „Dein Spiegel„, die Spiegelausgabe für Kinder.
Das abendliche Fernsehprogramm verlängerte sich, wer wollte, durfte die Tagesschau anhängen.
Und so wuchsen die Kindelein ins Thema hinein. Bildeten sich eine Meinung, diskutierten mit uns, stellten Fragen und ja, ließen sich von uns sicherlich auch beeinflussen. Wir lebten und leben das Interesse am aktuellen Geschehen vor und mach(t)en kein Geheimnis darum, wen wir wählen würden. Mittlerweile erklärt mir übrigens der Große die Welt. Die Sache mit den Wahlmännern in den Staaten zum Beispiel, das kapierte ich nämlich nicht.
Es gibt heikle Themen in Familien. Geld. Sex. Und eben Politik. Doch der Kinder zuliebe sollte man da über zwei, drei Schatten springen, damit sie klug und fähig werden, um vielleicht die Probleme lösen, die uns derzeit berghoch scheinen. (verzeihen Sie bitte den pathetischen Abschluss, es ging wohl mit mir durch.)
So. Auch diesem Tag werde ich etwas Gutes abgewinnen. Ganz klein, ganz für uns. Der Gatte und ich, bei Rotwein und Ofenfeuer, die Welt bleibt heute abend draußen.
8.11. – gegen das Novembergrau
8. November 2016
Bevor ich heute morgen die Rollläden hochgezogen hatte, hoffte ich leise auf Schnee. Meine Twitter- und Instagramtimeline prahlte nämlich mit Wort und Bild vom ersten Schnee. Hier in Nierstein dann keine weiße Überraschung, dafür aber sehr kalter Regen. Bis ich gegen acht mit dem gar nicht mehr so kleinen Hund loszog, hörte der Regen aber zum Glück auf.
Gegen Mittag schneite es nach „mildes Rheintal“- Art: Regen mit Halbgefrorenem. Eine Stunde später war der Himmel wieder blau, die Sonne schien. Kurz darauf wieder grau. Keine Zeit, sich auf das eine oder andere einzustellen.
Im Nähzimmer lief es heute zäh, das ist halt manchmal so. Schön ist es trotzdem nicht.
Ich sprang unter die Dusche, hatte kein heißes Wasser und auch das war nicht schön.
„Die Bahn hatte Verspätung, ich komme später“, teilte mir der beste Vater meiner Kinder mit und auch das war nicht schön, denn er sollte mich zu meinem Arzttermin fahren und das wurde knapp.
Wir kamen pünktlich zum Arzt und dann wurde der halbdoofe Tag doch noch richtig gut. Das Venengedöhns ist prima geheilt. In sechs bis acht Wochen dürften die letzten Gewebeknubbelchen unter der Haut verschwunden und das „reißende“ Gefühl beim Strecken des Beines vorbei sein. „Dann können sie wieder auf den Laufsteg!“, schmeichelte mir der Phlebologe, aber da will ich ja gar nicht hin. Ich mag endlich wieder in die Sauna. Und natürlich beschwerdefrei durch die Gegend marschieren.
Der einen Freud, des anderen Leid: den Stützstrumpf darf ich jetzt entwöhnen. Jeden zweiten Tag darf ich die Tragezeit um eine Stunde verkürzen. Der beste Vater meiner Kinder seufzt schwermütig, denn diese halterlosen Strümpfe mit Spitzenrand hatten ja durchaus eine erotische Komponente. (ich werde das nicht vergessen)
Zum Abschluss des doch noch guten Tages gibt es zwar keinen Schnee, dafür aber Käse aus dem Ofen und Schmuseeinheiten mit Hund und Kater auf dem Sofa vor dem Ofenfeuer.
7.11. – gegen das Novembergrau
7. November 2016
Ganz bestimmt bin ich nicht der ordentlichste Mensch. Ich wäre gerne ein ordentlicher Mensch, der in aufgeräumten Räumen lebt, doch dafür habe (und sammle) ich einfach zu gerne Schnickeldi. Was mir aber trotz aller Unordnung noch nie passiert ist: in Hosen- oder Jackentaschen oder an sonstigen Plätzen Geld zu finden. Wie gerne würde ich mal in eine Hosentasche greifen und „oh, super! Ein 20€-Schein! Ist ja wie Weihnachten.“ sagen, doch mit Geld gehe ich stets sehr sorgsam um. Als Jugendliche habe ich mal mit Absicht Geld in verschiedene Ecken gelegt, um es wiederzufinden. Dank chronischer Geldknappheit vergaß ich aber nie, wo ich es „versteckt“ hatte.
Ich verliere im Haus also sehr selten etwas. Nur einmal den Jüngsten. Er war sechs Monate jung und lag im Kinderzimmer auf dem Boden. Das Telefon klingelte, ich verließ den Raum und als ich wieder hineinging, war das Baby verschwunden. Mobil war er nicht, außerdem waren wir alleine im Haus, wo also war mein Kind? Ich suchte im Flur, rief seinen Namen, schaute sogar auf der Terrasse nach und verfiel beinahe ein bißchen in Panik, bis ich den Babyfuß unter der Kommode herausragen sah. Offensichtlich war der Jüngste nun doch mobil und fröhlich unter die Kommode gerollt. Ohne sich zu melden, wie ein Verstecken-spiel-Profi.
Das war dann doch eine größere Abschweifung, denn eigentlich wollte ich Ihnen nur erzählen, dass mir ein Stück Stoff heute den Tag erhellte:

Ich fand es nämlich ganz hinten im Stoffschrank, ich hatte ganz und gar vergessen, dass ich es besaß. Toll! Das ist jetzt wie Weihnachten! (Ich nähe mir einen Rock daraus.)
6.11. – gegen das Novembergrau
6. November 2016
Keine Lösung für den Alltag, aber heute wurde das Novembergrau von jede Menge Köstlichkeiten vom Geburtstagsbrunch-Buffet bei lieben Freunden verscheucht. (und ziemlich viel Pro Secco) Neben feinem Essen (und Getränk) gab es viel Gelächter und schöne Gespräche, ich kam heute abend sehr erfüllt wieder heim und gedenke mindestens drei Tage von diesem Sonntag zu zehren.
Für den Brunch hatte ich gestern die vier Aufstriche gerührt, Sie fragten nach Rezepten. Bitte sehr:
Schoko-Dattel-Aufstrich:
180g Datteln ohne Stein
200g Cashewkerne (in einer Pfanne ohne Öl kurz angeröstet)
und 125 ml Wasser mit dem Pürierstab zerkleinern.
60g Butter schmelzen und zusammen mit
1 TL Kakao, 1/2 TL Zimt und 1 EL Zuckerrübensirup zur Dattel-Cashew-Mischung rühren.
***
Datteldip
(eigentlich ein Thermomixrezept, aber siehe da: klappt wunderbar ohne)
250g Datteln ohne Stein
300g Frischkäse
2 El Naturjoghurt
1 Knoblauzehe
-> pürieren.
Mit Kreuzkümmel, Cayennepfeffer, Garam Masala abschmecken
***
Lachscreme
100g Räucherlachs
200g Frischkäse
1 TL saure Sahne oder Naturjoghurt
-> pürieren.
Mit Zitronensaft, Meerettich und Dill (frisch oder TK) abschmecken.
***
Tomaten-Kräuter-Aufstrich
eine handvoll getrocknete Tomaten
eine Knoblauzehe
200g Frischkäse
-> pürieren.
mindestens 5 Blätter Basilikum
3 Zweige (Zitronen)Thymian
-> sehr fein hacken und in den Aufstrich rühren.
Mit Zitronensaft und Cayennepfeffer abschmecken
***
Alle Aufstriche halten sich ein paar Tage im Kühlschrank. Sie schmecken prima zu ziemlich jeder Brotsorte, die Lachscreme mögen wir auch gerne zu Pellkartoffeln.
Guten Appetit.
***
Für die Rinderbrühe schreibe ich das Rezept nicht auf, das variiert je nach Fleischmenge oder Sorte (von Tafelspitz über Suppenstück bis Beinscheibe) und was an Gemüse vorhanden ist. Viel Kochzeit braucht sie, nur gutes (teures) Fleisch und am nächsten Tag schmeckt sie noch besser.
5.11. – gegen das Novembergrau
5. November 2016
Heute natürlich in der „WMDEDGT“-Edition, Frau Brüllen will das wissen.
Der Tag begann sehr, sehr früh, denn der gar nicht mehr so kleine Hund versteht nicht, warum an zwei Tagen in der Woche der Wecker nicht um 5:25 Uhr klingelt. Auch energisches „zurück auf die Decke und schlafen“- schicken war zwecklos, Lola wollte aufstehen. (um auf dem Sofa weiterzuschlafen, nach ihrem Frühstück)
Ein Blick aus dem Fenster zeigte allerfiesestes Regenwetter. Glück für mich, dass der beste Vater meiner Kinder die Hunderunde übernahm. Auf mich warteten nämlich die drei Schaufenster des Weltladens.

Oma Eis hatte Ladendienst und so verbrachten wir gemeinsam einen vergnüglichen Vormittag im Weltladen beim Auspacken von drei sehr großen, neu gelieferten Paketen. (auspacken, Ware auf Schäden untersuchen, auf der Rechnung abhaken, Preisschilder aufkleben, einen hübschen Platz im Laden finden)
Ich räumte alle drei Schaufenster aus und wieder (neu) ein. Das, was vorher im Schaufenster war, musste nun im Laden Platz finden, deshalb sortierte ich viele Regale neu. Die Schaufensterfäche ist gleichzeitig Verlaufsfläche, beim Umräumen summe ich stets die Tetrismelodie. Umräumen bedeutet meistens auch Staubwischen, davor drückte ich mich heute. Ich fischte nur die toten Fliegen aus dem Schaufenster.
Der Jüngste besuchte uns und wurde direkt eingespannt. Die Geschirrserie „Blumenwiese“ geht jetzt erstmal in den Winterschlaf, der Jüngste schleppte die Kisten mit dem sorgsam eingewickelten Geschirr ins Lager.
Um halb zwei waren wir endlich fertig. Ich kaufte noch rasch Cashewkerne, Vollrohrzucker und Kakao und verabschiedete mich bis Montag von Oma Eis, die noch die Abrechnung erledigte.
Der Jüngste musste zur Bank und ich begleitete ihn, endlich mal Gelegenheit, wieder ein paar Pokémons fangen – ich laufe ja sonst nur im Wingert rum, da gibt es keine. (und kein verlässliches GPS zum Brüten)

Die Nebulak- und Tragosso-Schwemme von vor Halloween ist vorbei, jetzt gibt es wieder Evoli-Herden. Zehn Stück habe ich heute gefangen. Wird Zeit, dass man Pokémons tauschen kann!
Daheim nahm ich mir die Zeit für eine Tasse Tee, bevor ich in der Küche wirbelte.

Morgen sind wir zum Brunch geladen und ich nehme (meine Lieblings-)Aufstriche mit. Hinten links: Datteldip, rechts: Cashew-Dattel-Schoko. Vorne links: Lachscreme, rechts: Tomate-Kräuter-Aufstrich.
Während der Pürierstab heiß lief, köchelten auf dem Herd zwei dicke Beinscheiben und drei Markknochen für eine fette Rinderbrühe vor sich hin. Den vierten Markknochen hatte sich Lola erbettelt, ich bin einfach zu weich bei der Hundeerziehung :)
In die Rinderbrühe kam dann noch jede Menge Wurzelgemüse und während das gar zog, erledigte ich die abendliche Hunderunde. Es wurde gerade dunkel und ich konnte drei Käuzchen und eine Eule losfliegen sehen. Hach. Wieder etwas, was ich ohne die Hundewutz und den Hunderundenzwang verpasst hätte.
Wieder daheim schmiss ich drei handvoll Suppennudeln in den Topf. Kurz danach gab es Abendessen, eine kleine Schwätzrunde mit den Söhnen und rasches in Ordnung bringen der Küche.
Die Söhne verabschiedeten sich in ihre Zimmer, Kater und Hund brutzeln vor dem Ofen und ich gehe noch unter die Dusche. Danach gibt es Rotwein und Zombies mit dem Gatten auf dem Sofa.
Und für Graufrust … war heute einfach keine Zeit.
