zur Klarstellung

11. Dezember 2005

Mir geht es gut, ich schrieb von einer Freundin.

Auch wenn ich oft genug am letzten Rädchen drehe, gerade jetzt in der harmonischen, friedfertigen, leisen Vorweihnachtszeit – ein fitzelchen Kraft findet sich immer, notfalls esse ich zwei, drei Plätzchen.

Was sich hier natürlich locker-flockig liest, ist für die Freundin nicht gut ausgegangen.
Und war für mich ein helles Warnlicht: pass auf dich auf, du landest ganz rasch in der gleichen Situation. Nicht „NEIN!“ sagen können, immer fröhlich sein, immer Optimismus verbreiten und vor lauter „kommt und ladet eure Sorgen bei mir ab“ die eigenen Sorgen nicht mehr ernst nehmen und lösen.
Es tut wohl not, sich ein bißchen Egoismus zu bewahren.

Ich übe das dann demnächst, gerade habe ich keine Zeit dafür, weil ja die Tochter der Freundin bei uns wohnt (wobei: je mehr Kinder im Haus, desto leichter das Leben) und ich nächste Wóche einige Termine habe. Naja … Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung und ich tue gerade den zweiten Schritt: Computer weg und rauf auf´s Sofa, neben den besten Vater meiner Kinder. (Wenn der endlich die Kinder ins Bett gebracht hat)

Und weil ich gerade aus der Kirche komme und mir so heilig zumute ist: Achtet auf Euch!

Ich kann nicht mehr

10. Dezember 2005

sagt sie und weint.

Jetzt ist sie in der offenen Abteilung der psychiatrischen Klinik. Lachend ist sie in ihrem Zimmer verschwunden, endlich frei von Stress, Sorgen, Verpflichtungen.
Wie lange sie dort bleiben wird ist noch ungewiss. Aber die Maschinerie „funktionierender Freundeskreis“ wurde eben angekurbelt. Die Kinder sind versorgt, der Vater getröstet und wir haben morgen ja nichts weiter vor. Nächste Woche auch nicht.
Werde erstmal gesund und gewinne Abstand!

spontane Planänderung

9. Dezember 2005

Statt aufgelistete Punkte sorgfältig, ordentlich und gewissenhaft abzuarbeiten, habe ich mich mit dem Erdbeerkater beschäftigt.

Eigentlich habe ich nichts anderes getan, als mit einer an einem Faden festgebunden Spielmaus durch Küche und Wohnzimmer zu marschieren. Dabei lässt sich gut telefonieren, Blogeinträge im Geist formulieren und ein bißchen aufräumen. Der Kater fegt hinterher und amüsiert sich prächtig.

Jetzt: kochen. Aber was?

Duhuuu, Mama?!

8. Dezember 2005

sagt der Große, „warum lachen die anderen, wenn man anders ist?“

Frau … äh … Mutti schluckt: „Wie meinst du das?“

„Na, ich habe in der Schule erzählt, dass ich klassische Musik mag. Jetzt nennen mich alle Mozart und kichern und machen blöde Witze!“

„Ist das schlimm für dich?“

„hm. Nö. Ich dreh mich um und geh weg. Ausserdem …“

„jaha?!“

„… ausserdem habe ich zwei neue Freunde, über die wird auch gekichert weil sie anders sind.“

„Dann ist alles in Ordnung mit dir?“

„jap. Wollte ich dir nur erzählen.“

Tolles Kind.
*den Orden für besondere Leistungen im Bereich „wie wird mein Kind selbstbewusst?“ poliert*

gesucht: Motivation

7. Dezember 2005

Der eine oder andere schadenfrohe Leser wird sich grinsend an meine verlockenden Papilotten-Versuche erinnern, Frau … äh … Mutti tut dies ebenfalls. Mit Schaudern.
Nun ist es aber unumgänglich: ein Besuch beim Frisör steht an.
Was für viele Frauen das absolute Verwöhnprogramm ist, etwas, dass frau sich gerne gönnt, ist für Frau … äh … Mutti der blanke Horror.
Es beginnt beim Eintritt in den „Salon“, beim ersten Einatmen. Haarspray, Parfum, Trockenhaube, Dauerwellenflüssigkeit, Ammoniak – diese Gerüche vernebeln sofort das Gehirn, so dass Frau … äh … Mutti beinahe dankbar auf dem Stuhl vor dem grellbeleuchteten Spiegel zusammenbricht. Weiteres, tiefes Atmen wird verhindert und zwar durch dieses überdimensionale Lätzchen, dass die freundlich lächelnde Frisörin immer ein bißchen zu eng um den Hals des Opfers schnürt. Mit spitzen Fingern zupft sie an der Mähne von Frau … äh … Mutti, zieht einzelne Strähnen nach oben und lässt sie angewidert fallen: „Und?! Wie schneiden wir?“
Während Frau … äh … Mutti noch zwischen blankem Sarkasmus und anerzogener Höflichkeit schwankt, verknotet die Frisören einen Kamm im Haar des Opfers und der gefürchtete Satz fällt: „Sie haben aber DICKE Haare!“
Frau … äh … Mutti lächelt gequält und weist auf kaputte Spitzen hin, diese bitte schneiden und ein bißchen Form reinbringen.
Die Frisörin nickt geschäftig und ruft die Kollegin: „Guck mol, dess sinn mol dicke Hoor!“ und mit Blick zu mir: „Waschen?“
Frau … äh … Mutti nickt schicksalsergeben und lässt sich samt Stuhl ins Waschbecken kippen. Ja, das Wasser ist recht so, ja, eine Spülung darf sein, nein, ich habe kein Schuppenproblem, ja, die Haare sind wirklich SEHR dick. Das Lehrmädchen wird herbeigerufen und darf mal wirklich DICKE Haare anfassen.
Und es fällt der zweite gefürchtete Satz: „Ich wollt´, ich hätt´ die Hälfte davon!“, haucht die Frisörin ehrfürchtig und zieht die Bürste durch´s Gestrüpp.
Während sie Schere klappert und die Frisörin plappert, fragt sich Frau … äh … Mutti, ob ein Zahnarztbesuch nicht angenehmer gewesen wäre.
Danke, keinen Festiger, weder Schaum noch flüssig. Kein Gel, kein Wachs, kein Spray.
„Ist es recht so?“, fragt die Frisörin und wedelt mit dem Pinsel in Frau … äh … Muttis Ohren herum, bevor sie mit dem runden Spiegel um sie herumhüpft. Frau … äh … Mutti tastet nach ihrer Brille, gibt sich beeindruckt und lächelt dankbar. Raus aus dem Umhang, schnell zur Kasse, zahlen, raus aus dem Laden. Durchatmen.

Diese Prozedur habe ich vor mir. Ich wäre gerne schon beim Durchatmen, bin aber leider erst beim Punkt „Termin machen“. Und hierfür mangelt es an Motivation. Wer welche übrig hat, der möge sie mir bitte rüberschieben. Bitte-Danke.

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Anekdote am Rande: Meine Schwiegermutter war neulich beim Frisör. Man unterhielt sich über gemeinsame Bekannte und es stellte sich heraus, dass Frisörin und der beste Vater meiner Kinder einst gemeinsam die Schule besucht hatten. Woraufhin die Frisörin haarscharf kombinierte: ACH! Dann kenne ich ihre Schwiegertochter: Frau … äh … Mutti, die mit den DICKEN Haaren. *seufz*