mal eben –
8. Februar 2012
geht schief. Unweigerlich.
Lesen Sie einen erneuten Bericht über das Scheitern der Frau … äh … Mutti im Nähzimmer.
Es begab sich nämlich zu der Zeit, als Frau Knie mehrmals operiert werden musst, dass Frau … äh … Mutti einen akuten „Hosen zum locker über´s operierte Knie ziehen“-Mangel hatte. Eine verpöhnte schwedische Modekette schuf da Abhilfe in Form dreier Hosen aus Sweat mit gemütlichem Bündchen oben und genehmer Beinweite. In schwarz, in grau und in lüla, denn auch frischoperierte Knie mögen die Abwechslung.
Nach dem ersten Waschgang schlackerten die Hosenbeine der lüla Hose auf Wadenhöhe, was selbst frischoperierte Knie unattraktiv finden. Die Hose wurde nach ganz hinten in den Schrank verbannt, weil aus den Augen, aus dem Sinn, keine Zeit und Lust zum Reklamieren und überhaupt, irgendwann wird alles in, vielleicht auch eine lüla Schlunzhose in 7/8 Länge. Die schwarze und die graue Hose überstanden die erste Wäsche in voller Länge und werden seitdem gerne und oft getragen, auch mit geheiltem Knie, schon allein wegen des „Bequembündchens“, das nach größeren Festen für große Freiheit im Bauchbereich sorgt. Gerne und oft tragen führt zu Abnutzung und deshalb ist den beiden Hosen anzusehen, dass sie nicht mehr lange für größtmöglichen Komfort sorgen, sondern demnächst für aufreizende Belüftung an Knie und Gesäß.
Welch Glück, dass mir die lüla Hose wieder einfiel und zeitgleich eine tolle Idee kan: ich nähe mal eben Bündchen an die Hosenbeine unten. Verlängert, sieht bestimmt unglaublich schick aus und hält, wichtigster Punkt, schön warm. Mal eben.
Mal eben schnitt ich das Umgenähte von den Hosenbeinen, maß Pia mal Daumen graue Bündchenware ab, eher knapp, denn man muss ja sparen. Versteht sich. Vorsichtshalber ließ ich die für solche Aktionen wahrscheinlich bestens geeignete Overlock stehen und klemmte stattdessen Hose und Bündchen unter den Zickzack meiner Nähmaschine. Um nach der Hälfte festzustellen, dass dieser Bündchenfetzen im Leben nicht reicht. Unglücklicherweise hatte ich effizient gearbeitet und bereits das zweite Bündchen passend zum ersten zugeschnitten. Muss eben das Bein dem Bündchen angepasst werden. Nachdem der Nahttrenner zum Einsatz gekommen und sämtliche Fädchen vom mittlerweile etwas fransigen Hosenbein gezupft waren, stellte ich den größtmöglichen Geradstich ein und nähte damit einmal rund ums Hosenbein, denn wenn ich den Stoff kräusele, dann passt das besser. Bestimmt. Mal eben dachte ich das. Das Kräuseln hätte in der Theorie sicherlich klappen können, hätte ich daran gedacht, dass meine Maschine automatisch einen Vernähstich am Anfang macht. Was natürlich völlig überflüssig ist, wenn man an den Fäden zupfen möchte. Ich zupfte also zwei Nähte hinter dem Anfang vorsichtig den Faden nach oben und tatsächlich gelang es mir, das Hosenbein gleichmäßig einzukräuseln. Äusserst euphorisch packte ich gekräuseltes Hosenbein und Bündchending unter das Nähfüßchen und zickzackte los, zur Sicherheit gleich zweimal drumherum, damit es auch hält. Schloss das Bündchen genauso gewissenhaft und verdrängte den Gedanken, dass eine Hose zwei Beine hat und ich diesen ganzen Mist ein weiteres Mal würde machen müssen.
Der letzte Stich, Faden abschneiden, umkrempeln und feststellen, dass das Bündchen ganz wunderbar sitzt und aussieht. Unglücklicherweise mit der Naht nach außen, denn manchmal vernebelt Euphorie die Sicht. Hmpf.
Nun habe ich die Wahl:
a) den ganzen Mist auftrennen und von vorne beginnen. (vernünftig)
b) ein lustiges Bändchen über die Naht murxen und behaupten: „das muss so!“ (kreativ)
c) die Hose in die Ecke feuern und nochmal drauftreten. (sinnlos, aber befriedigend)
d) das ganze Gelärsch abschneiden und ein noch längeres Bündchen ansetzen (und irgendwann bei neckischen Reiterhosen enden)
c) nie wieder Hosen tragen, nur noch Röcke, weil die nähe ich im Schlaf (ich höre den besten Vater meiner Kinder jubeln)
Zuerst aber verlasse ich das Nähzimmer, koche mir einen Tee und lasse meinen Frust am großen Sohn aus. Was hat der auch die ersten vier Stunden frei?
8. Februar 2012 um 10:46
Ach, Frau … äh … Mutti, war das mal wieder herrlich. Danke sehr, da sieht man doch, dass man sich nicht alleine so … ähm … hyperintelligent anstellt, manchmal.
you made my day, thanks,
Brigitte
8. Februar 2012 um 10:58
Pia mal Daumen. *gnihihihiii*
8. Februar 2012 um 10:58
Hihi, „Pia mal Daumen“ wäre doch ein cooles Label?
8. Februar 2012 um 10:59
Da würde ich „das muss so“ wählen, klare Sache!;-)
8. Februar 2012 um 11:00
…herzlichen Gruß an Frau Frische Brise!
;-)
8. Februar 2012 um 11:03
Herrlich :-) Ich erkenne mich wieder *g*
„Das muss so“
lg Monika
8. Februar 2012 um 11:04
Ich würde sie sauber zusammenfalten, den grauen Bündchenstoff mit hinein und das ganze auf den „Mach ich irgendwann nochmal richtig, aber nicht jetzt“ Stapel legen.
8. Februar 2012 um 11:05
Oder nie wieder Hosen tragen. Nehme ich mir auch gerne vor.
8. Februar 2012 um 11:12
Super :-) „Mal eben“… klappt hier immer beinahe genau so nicht ;-)
Wie wäre es eigentlich mit einer Art (grünem?) Trichter unten an der Lüla Hose, so als (leichter) Schlag? Also, anstelle der Bündchens? Das muss nicht irgendwie sitzen und man kann viel eher sagen „das muss so!“ ;-)außerdem kann man dann den ganzen Bündchensch*** abschneiden und man muss NICHT auftrennen!!! Wäre jetzt so meine Idee für „mal eben“ *gg*
(ich lache übrigens immer noch. Toll geschrieben!! :-) )
8. Februar 2012 um 11:25
„Mal eben“ hatte ich gestern! Eine Wimpelkette mit „Happy Birthday“ drauf! Als sie fertig war – was soll ich sagen – Spiegelschrift!!!!! Wie blööööööööddddddd kann man sein!!!!!!!????????
Aufgetrennt und mindestens tausendmal vergewissert, dass es diesmal richtig ist! Hat geklappt! Sonst wäre sie im Mülleimer gelandet!
Liebe Grüße
Birgit
8. Februar 2012 um 11:34
„DAS MUSS SO“ ist eine geniale Lösung – gefällt mir auch immer wieder gut. Und so einzigartig!
8. Februar 2012 um 12:31
Es gäbe da noch Möglichkeit „f“ wenn ich das mal vorsichtig, nach dem hoffentlich schon zur Beruhigung getrunkenen Tee, vorschlagen darf:
Sie packen besagte vermurkste Hose (und am besten die -zig anderen Sachen, die sich so finden, Sie aber nie getraut haben auf der Overlock zu nähen) ins Gepäck und ich zeige Ihnen wie das „mal ganz schnell eben“ mit der Overlock funktioniert;-)…
LG Uschi
8. Februar 2012 um 12:33
Herrlich!!! Der Sohn im Tragetuch an Mama’s Brust wurde von meinem Lachen grade so durchgeschüttelt, dass er prompt Ruhe gegeben hat!
„Das muß so!“ find ich übrigens super. Gibt doch sogar auch schon Klamotten im Laden, die man so kaufen kann?! Frau … äh … Mutti – sie gehen einfach mit dem Trend!
Lieben Gruß
uta
8. Februar 2012 um 12:40
Ich bin für d- Gelärschs abschneiden, längeres, breiteres Bündchen abschneiden, unter die Ovi legen und dann ist das *mal eben* gemacht!
8. Februar 2012 um 12:41
Herrliche Berichterstattung über einen typischen „Denkste“-Fall! Ich erkenne mich ebenfalls sofort wieder und würde mit Sicherheit zu der „das muss so sein“ oder „sinnlos aber befriedigend“ – Lösung greifen. :))
Für Dich war das ganze sicher nicht so komisch, aber mir hat’s einfach nur Freude bereitet, so wie Du Dir in Deiner unnachahmlichen Art den Frust von der Seele geschrieben hast.
Lieben Gruß
moni
8. Februar 2012 um 13:23
Ich lieg hier gerad halb am Boden vor Lachen, denn ich erkenne mich ebenfalls in Ihrem wie immer so herrlichst Geschriebenen wieder! :-) Zwar nicht in Bezug auf Nähen (kann ich gar nicht), aber es gibt ja sooo viele Möglichkeiten im Alltag, solche Sacken zu vermurksen *g*
8. Februar 2012 um 13:38
Ich dachte, das passiert nur Anfängern wie mir.
Herzlicheen Dank für diesen Sonnenschein Morgen.
Ich tanke hier immer wieder gute Laune.
8. Februar 2012 um 14:44
Herrlich erzählt.
Ach, letztes Wochenende war ich mal wieder in Nierstein, davon aber mehr in Mainz in der Kinderklinik…
8. Februar 2012 um 15:54
Ja, das stimmt – „Mal eben“ klappt seltenst *seufz*
8. Februar 2012 um 16:25
Machen Sie den Mann glücklich. Röcke tun’s doch auch. Und weil es kalt ist, braucht frau dazu bestimmt noch ganz viele, ganz schicke Strumpfhosen. ;)
8. Februar 2012 um 18:08
Ich bin für Abschneiden und längeres Bündchen annähen.
*hihi*
8. Februar 2012 um 18:48
Wie wäre es mit Borde über die Naht nähen?
8. Februar 2012 um 19:01
Ich hätte c) gewählt… und zusaetzlich noch was Lautes kaputtgeworfen, Stofftreten ist nicht so richtig gut Wut rauslassend find ich…
8. Februar 2012 um 21:20
ha, ha, ha!
9. Februar 2012 um 10:51
Warum bloß kommt mir dieses „mal eben“ so bekannt vor? Aktuell nicht beim Handarbeiten, sondern beim Renovieren. Mal eben eine Tapete an die Wand geklebt geht total schief – im wahrsten Sinne des Wortes….
9. Februar 2012 um 11:34
SUPEEEER! :-)))
Das Ganze ist für mich eine
a) Erheiterung „Prima-1-A“ à la „Frau…äh…Mutti“, und somit das erste Lächeln des Tages!
b) Bestätigung meiner Erinnerung (ein geräuschvolles zeit-raum-kontinuum-*pfiiiiitsch*):Flashback in meine verhassten Handarbeitsstunden mit dem stets wiederkehrenden Gedanken „Das kann unmöglich sein, dass das Alles tatsächlich sooo kompliziert ist! NIEMAND – niemand!!! – macht freiwillig zum trölftausendsten Mal irgendwelche Nähte auf – und wieder zu!!!“ …
und
c)eine Bestätigung meiner Einstellung:
„Ich kann nicht diese Liebe zu Handarbeiten aufbringen, dass ich freiwillig zum trölftausendsten Mal irgendwelche Nähte auftrenne – und wieder zumache!“
Ey gugg, liebe Frau…äh…Mutti:
Somit haben Sie mir MAL EBEN auf wunderbare Weise bestätigt, dass es Herstellungs-Profis mit Liebe gibt (Sie!! :-) ) – und Handarbeits-Horstis ohne Liebe aber wenigstens mit Einsicht (wie mich… :-) )
VROHÄS SCHAFFN und fiehle Krühse!
(das muss so! ;-))
9. Februar 2012 um 12:33
Wenn ich das so lese: vielleicht hätte ich die Dame, die beim Discounter freudestrahlend eine Nähmaschine (sogar ein Markenprodukt!) abschleppte, aufhalten und sie einfache fragen sollen: „Haben Sie sich das auch gut überlegt mit Ihrem neuen Hobby?“ Leider war obiger Blogbeitrag zum Zeitpunkt meines Einkaufs noch nicht erschienen und ich konnte nicht darauf verweisen….
Vielleicht sollten Sie aus der Hose einfach einen hübschen neuen Bezug für das Kissen im Körbchen vom Franz nähen – die Hose sozusagen einer neuen Verwendung zuführen?
Und übrigens: Ihnen zu Ehren habe ich die Flasche Weißburgunder aus Nierstein, die ich zufällig sah, gekauft und mit Gatten getrunken – schon sehr lecker!
9. Februar 2012 um 16:50
c,c,c,waere zumindest meine Loesung! LG
9. Februar 2012 um 19:05
Hallo Frau … äh Mutti,
ich habe das ganze als Film vopr meinem inneren Auge gesehen, dramatisch Komödie ;-)
Ich gehöre zur d-Fraktion. Abschneiden und neu machen. Das bisherige (kostbare) Bündchen ist nicht verloren, passt bestimmt an das nächste Shirt denn Webband über Jersey oder Swaet-Naht …. das wellt und wellt und dann gefällt es Ihnen nicht und nochmehr Material ist verbraucht… also erstmal Nr. c dann auf eine neues mit d.
Liebe Grüße
Kuestensocke
9. Februar 2012 um 19:19
Ich bin für Alternative c. Ganz uneigennützig wünsche ich mir dann auch einen Videobeweis. Was im Fußball nicht geht, brächte hier große Freude!
10. Februar 2012 um 21:35
*lach* Ich glaube, „Gelärsch“ habe ich noch nie geschrieben gesehen, obwohl als waschechte Hessin durchaus im regen Gebrauch dieses Wortes. Sieht zu köstlich aus ;-D