Babymädchentag

10. Februar 2015

Es wird ja viel über Lebensmittelunverträglichkeiten gelästert und Vieles davon enthält wohl auch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit.
Blöd ist es halt, wenn man tatsächlich mit Lactose zu kämpfen hat, weil dann ist ein bißchen wie so, als habe man ein Kind mit AD(H)S, man wird milde belächelt, wenn man es erzählt. Was die Lactosesache aber doch sehr unkompliziert macht ist, dass es diese diskreten, kleinen Tabletten gibt. Die werfe ich zum Eisbecher mit Sahne ein und der quälende Bauchschmerz bleibt aus. Mittlerweile bieten auch sehr viele Cafés ihre Kaffees mit lactosefreier Milch an, das freut mich sehr. Doch mittlerweile sind etliche Cafés auf die Unverträglichkeitswelle gesprungen und verlangen, sehr geschäftstüchtig, einen Aufschlag für Getränke mit lactosefreier Milch. Ich weiß gar nicht so recht, was ich davon halten soll, eine gigantische Geldeinbuße können weder die etwas teurere Milch noch eine zweite Garnitur zum Milchaufschäumen sein.
Heute habe ich statt den höheren Preis zu zahlen Tabletten eingeschmissen. Aber das Café von meiner künftigen Besuchsliste gestrichen.

Ansonsten durfte ich heute über eine Stunde das gar nicht mehr so winzige Babymädchen vor Tigern, Drachen und wilden Räubern im Wartezimmer des Zahnarztes bewachen, bei dem die Babymädchenmutter zur Behandlung war. Es verschlief die lange Trennungszeit auf meinem Arm, ohne dass ich ihm die vorhandenen Bilderbücher (Warum hatten Burgen Zugbrücken?) vorlesen musste. Stattdessen durfte ich mich über die geheimen Einkaufstipps in Brooklyn informieren und kenne jetzt endlich wieder den neuesten Tratsch und Klatsch aus der Welt der Reichen und Schönen.
Nach dem Arzttermin wurde die Babysitterin (=ich) mit Pizza entlohnt und jetzt war ich endlich auch einmal in einem dieser Vapianos und hatte einen Pizzabuffer auf dem Tisch liegen. (lohnt nicht)
Den Ausflug in die große Stadt meisterten wir übrigens mit der Bahn, was gar nicht so einfach ist. Das hatte ich erfolgreich verdrängt.
Der Niersteiner Bahnhof wird gerade umgebaut und leider fehlen noch die Schilder, die den Weg zur Rampe weisen, mit der sogar Rollstuhlfahrer und Kinderwagen schiebende Menschen auf ihren Bahnsteig gelangen könnten. Wir schleppten den Wagen also dreißig Stufen hoch. Unglücklicherweise fanden wir auch den Fahrkartenautomaten nicht mehr dort, wo er einst stand. Zum Suchen blieb keine Zeit, der Zug fuhr ein und … es kam kein Kontrolleur. Das Einsteigen in den Zug war sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt eine sportliche Herausforderung, weil diese Lücke zwischen Zug und Bahnsteig beachtlich ist. Ohne Hilfe ist sie auf gar keinen Fall zu bewältigen.
Lustig war auch der Aufzug im Haus des Zahnarztes, in den eigentlich nur der Kinderwagen passte und es handelt sich dabei nicht mal um ein besonders ausladendes Modell. Die Babymädchenmutter quetschte sich dann noch irgendwie dazu, denn das Babymädchen in seinem Wagen alleine nach oben zu schicken – so abgebrüht waren wir beide nicht.

Es hat sich also in den letzten 15 Jahren nicht richtig viel in Richtung Kinderfreundlichkeit getan, scheint es. Ich bin mal gespannt, was ich davon noch so mitbekomme.

5 Kommentare zu “Babymädchentag”

  1. Graugrüngelb sagt:

    Ja, Bahn und barrierefrei – da prallen zwei Welten aufeinander. Merkt man mit Kinderwagen oder auch mit Kind im Rollstuhl leider immer wieder.

    Was den Aufzug beim Zahnarzt betrifft: Sie waren doch zu zweit: Einer geht hoch, einer schickt das Babymädchen mit dem Aufzug hinterher und kommt dann nach. ;-) (Nur Spaß, ich hätte das nie und nimmer so gemacht.)

  2. Julia sagt:

    Oh ja, die Kinderwagenfreundlichkeit des öffentlichen Verkehrs und von diversen Arztpraxen (inkl. Kinderarzt!) kenne ich nur zu gut. Mein Tipp: mit Tragetuch oder -hilfe kommt man über jede Schwelle und in jeden Aufzug. Den Kinderwagen nutze ich nur noch für Spaziergänge im Park…

    LG, Julia

  3. Margit sagt:

    Leider gibt es dieses Unsitte, für laktosefrei einen Aufpreis zu verlangen, schon länger.
    Ist mir zum ersten Mal am Bahnhof Bensheim vor ca. 5-6 Jahren passiert – dann gabs halt Espresso.

  4. Marthasmutti sagt:

    … ja, und dann fahren Sie bitte mal mit einem Zwillingskinderwagen durch die Stadt – er ist so breit wie ein Rollstuhl, und trotzdem kommt man in viele Geschäfte nicht mal durch die Tür. Ich schnaufe dann immer durch und denke, gut, meine Kinder werden größer – aber was macht ein Rollstuhlfahrer?!

  5. Katja sagt:

    Erlebnis meiner Mutter: Damals hatten die Busse noch kleine Stufen, über die man in den hinteren Busteil steigen musste. An Mütter mit Kinderwagen wurde da gar nicht gedacht, an Rollis wohl 2 mal nicht. Mir half sie die Stufen hoch, aber den Kinderwagen mit meiner kleinen Schwester drin schaffte sie nicht. Der Busfahrer murrte, kein Fahrgast mochte helfen. Meine Mutter fragte den Busfahrer, ob er ihr helfen könne? „Ja“ sagte er, stand auf, ging nach hinten, nahm mich bei der Hand und bugsierte mich die Stufen wieder runter auf die Straße. Und fuhr dann weiter.

    Also, insofern hat sich schon einiges getan. Die Öffentlichen gestehen einer Mutter zumindest zu, dass sie sich aus dem ehelichen Haus ohne männliche Hilfe entfernen darf. Dafür bedurfte es nur knapp 30J. ;-)

    LG
    Katja