Der polierte Heiligenschein
4. Februar 2009
der Frau … äh … Mutti wird nun erst mal beiseite gelegt.
Ja, wir haben das ganz gut im Griff, die Sache mit dem Medien(Fernsehen, Computer, Gameboy, Wii)Konsum. Aber: der Große schaut Dienstag abend CSI: Miami. Nicht, weil das alle in seiner Klasse tun, sondern weil er das mit mir zusammen irrsinnig lästernd tut. Es ist unsagbar erheiternd, dem rothaarigen Sonnenbrillenträger zuzusehen, wie er hanebüchenen Unfug verzapft und abenteuerliche Ermittlungen durchführt. Die Sonnenbrille-ab- und Sonnenbrille-auf-Geste ist zum running gag der Familie geworden. Sinnloser Konsum, aber eben so ein Mutter-Sohn-Ding, das vielleicht mal zu einem „weißt du noch …“ führt.
Mit Töchterlein schaue ich jeden Donnerstag abend zwei Folgen Roseanne. Wir sind jetzt in der zweiten Staffel und ihre Favoritin ist eindeutig die etwas anders tickende Darleen. Hätte ich vorher schon drauf wetten können.
Gleicher Grund wie beim Großen: eine Mutter-Tochter-Ding.
Vergleichbares gibt es noch nicht mit dem Jüngsten. Einfach aus dem Grund, dass er um kurz nach acht tief und fest schläft. Und das auch braucht. Die beiden Großen lesen sowieso bis um zehn, sind Nachteulen und trotzdem morgens fit.
Die Wii … läuft ca. dreimal die Woche. Da sie unten, im verbesserten Nähzimmer, aufgebaut ist, quetschen wir uns alle, meistens noch mit Kinderfreunden, in das Zimmer. Ich versuche zu nähen, nebenbei zu erklären, was ich da tue, zu regeln, wann wer dran ist und grinse, weil manche Spiele eben auch dem Zuschauer Spaß machen. Und manchmal läuft die Wii auch etwas länger. An einem Rumschlunztag, wenn Spielen, Lesen, Reden aussgereizt sind. Wenn die Eltern Zeit als Paar brauchen und eine Runde Laufen gehen müssen. Das ist selten, aber es kommt vor. Ich habe kein schlechtes Gewissen deswegen (nur ein bißchen). Gleiches gilt für Computer und gameboy. Der beste Vater meiner Kinder und der Große planen eine Computernacht. Machen sie ab und zu mal, Raumschiffe abschießen, an zwei Computern, mit Joystick und Headset, in zwei verschiedenen Räumen und bitte nicht stören. Das ist völlig sinnlos, macht aber auch eine Menge Spaß. Der beste Vater meiner Kinder und ich haben nächtelang die Ländereien von „Might and Magic“ erforscht und etliche Gegener plattgemacht – damals halt, vor den Kindern.
Lange Rede, kurzer Sinn: im Grunde genommen denke ich, dass die Kinder nichts verpassen. Ihre Interessengebiete liegen in ganz anderen Bereichen als die der meisten Klassenkameraden. Töchterlein hat (noch) kein Interesse an der aktuellen Mode, sondern mixt sich ihren eigenen Stil. Aktuelle Musik hört sie mal im Radio, ansonsten hat sie gerne ihren (meinen Ex-)I-Pod in den Ohren, vollgestopft mit Rosenstolz. (und es ist recht witzig, wenn sie lauthals „Klaustrophobie, ich hab Klausstrophobie …“ singend in die Küche kommt) Sie liest was ihr zwischen die Finger kommt, hat Moers hinter sich und beginnt jetzt mit Pratchett. Sie ist anders und hat ihre allerbeste Freundin, die auch anders ist. So sympathisch anders :-) Wenn dann in der Schule ein Thema aufkommt, mit dem sie nichts anfangen kann, versuchen wir daheim alles, dass sie aufholen kann. Deshalb wird sie „HSM“ schauen können, zusammen mit der allerbesten Freundin. (auch wenn ich beide Mädchen schon vor mir sehe, wie sie mit gerunzelten Stirnen auf die Glotze schauen und sich _diese_ Blicke zuwerfen)
Der Große hat die Suche nach dem Superstar schauen dürfen, vor zwei, drei Jahren, weil er nicht wusste, was das ist und alle davon sprachen. Er durfte der qietschenden Heidi zuschauen, wie sie dünne Mädchen fertigmacht, um mitreden zu können. Einmal reicht. Er mag das nicht sehen und ich bin sehr froh darüber.
Der Jüngste … will mal wieder „Michel aus Lönneberga“ schauen und ich glaube, den Wunsch können wir bald erfüllen. Reguläres Fernsehprogramm … juckt ihn nicht. Ausser „Wissen macht Ah!“ und das finde ich selbst ganz großartig.
Wir haben das Fernsehen nie zum Thema gemacht, haben keine Fernsehverbote ausgesprochen und kein Belohnungsfernsehen serviert. Eine zeitlang gab es abends Kika mit der Zeichentrickserie und abschließendem Sandmann. „Biene Maja“ und „Wickie“ waren nett, „Heidi“ und „Pinocchio“ hatten immerhin diesen „Kindheitserinnerungswert“. Als dann irgendwelche gemallten Urmels, PipiLangstrumpfs und Mozarts flimmerten und Nils Holgerson auf Gänsen rumflog, schafften wir das regelmäßige Vorabendprogramm ab. Ohne Bedauern.
Wir haben immer Filme mit den Kindern geschaut, die wir selbst lieben. Vielleicht haben wir damit unsere Kinder genauso verschroben gemacht, wie wir es sind :-)
Beliebte Filme bei uns, falls es sie interessiert:
Willow (sehr aufregend! Und mit dem jungen Val Kilmer)
Time Bandits (John Cleese als Robin Hood – göttlich!)
Die Braut des Prinzen (die weltbeste Fechtszene und gefährliche RvaG s)
Der Tag des Falken (Kitsch! Schlechte Musik! Und eine wunderschöne Michelle Pfeiffer.)
4. Februar 2009 um 16:13
„…Vielleicht haben wir damit unsere Kinder genauso verschroben gemacht, wie wir es sind…“
Wenn das was Sie beschreiben verschroben ist, dann lebe das Verschrobensein.
4. Februar 2009 um 16:16
Chinomso, wir haben einen ziemlich verschrobenen Humor, das muss ich leider gestehen.
Platypus, ja! Ich kenne das Buch, die allerbeste Freundin hat´s und ich hab´s schon gelesen. Und will es mir schon ganz lange zulegen, weil es so wunderbar geschrieben ist.
4. Februar 2009 um 16:13
Oh, „Die Braut des Prinzen“. Mit dem jungen Cary Elwes *schmacht*.
Kennen Sie dazu zufällig auch das Buch „Die Brautprinzessin“? Ist eines meiner Lieblingsbücher geworden, weil so herzerfrischend anders. (Ähnlich dem Film, aber eben viel ausgeschmückter)…
Lieben Gruß vom Platypus
4. Februar 2009 um 17:01
Die Brautprinzessin ist wirklich ein ganz wunderbares Buch :-)
Und Momo, immer wieder gerne gelesen.
Etwas anderes aber auch hervorragendes –
der Film „zwei kleine Helden“ Schon gesehen?
Den kann ich Ihnen nur ans Herz legen.
Viele Grüße.
4. Februar 2009 um 18:03
Bitte Heiligenschein wieder aufsetzen und weiter polieren!! :D
hört sich jedenfalls großartig und nach viel Spaß an. Was Bücher angeht: von Jasper Fforde (ja, der schreibt sich so!) ist „Der Fall Jane Eyre“ (und die 3 folgenden Bände) sehr zu empfehlen. V.a. was den verschrobenen Humor angeht ;)) Ansonsten noch die KLassiker von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“und ff. ähm, ja und ansonsten fing ich glaub zu der Zeit mit dem lieben Herrn Tolkien an…hm, ich geh lesen! Bis denn :))
4. Februar 2009 um 18:23
„High School Musical“ könnte den Mädels sogar gefallen, weil die Musik recht eingängig ist (Nona !) und Zac Efron niedlich aussieht. :-)
4. Februar 2009 um 18:23
oooh, Frau…äh…Mutti,
raten Sie mal, was ich mit meinem großen Sohn (14) jeden Dienstag Abend mache – Horatio ist unser liebstes Lästerobjekt – am besten ist der Blick von schräg links unten, der mir leider oft ein hässliches Ziehen im Rücken verursacht, aber ich bin auch nicht halb so cool wie Mr. Caine ;o) – das Kind besteht übrigens auf seinen Fernsehabend mit Mutti – und es darf auch keiner stören! Ich finde das wichtig, da darf dann auch ruhig „Schrott“…äääh – seichte Unterhaltung laufen.
Liebe Grüße
Sonja
4. Februar 2009 um 18:24
…eine schöne Auswahl zwischen Phantasie und Humor und alten Werten.
Ganz oft, wenn ich Dämmerung sehe, muss ich an die Szene im „Tag des Falken“ denken, in der sich die Beiden zurückverwandeln können – für einen Augenblick – schmacht ;).
4. Februar 2009 um 18:38
Im Endeffekt muss es ja jeder für sich entscheiden – ich bin mit TV groß geworden, hatte mit etwa 8 meinen eigenen TV im Zimmer und einen eigenen Commodore – und ich greife trotzdem zu Büchern (liebend gern sogar) habe kaum interesse an Spielkonsolen gezeigt und auch mit Freunden treffen hat den TV abgelöst- und so werde ich es auch handhaben, so nach dem Motto, wenn man es haben kann wann es will, wird es auch schnell langweilig. Natürlich will ich, das mein Kind irgendwann die meiste Zeit draußen verbringt mit seinen Freunden, oder Fussball im Verein spielt und wenn TV und Spielkonsole die Überhand haben, werde ich sicherlich die Bremse treten…. Versuch macht Klug! :-)
4. Februar 2009 um 18:54
was ist denn eigentlich verschroben?
4. Februar 2009 um 20:18
Ich glaub, liebe Frau…äh…Mutti, beide Staffeln von „Catweazle“ würde auch noch hervorragend in Ihren Haushalt passen. NOCH haben wir nicht alle Folgen zu Ende gesehen, aber die Kinder (7 und 9) waren mit der gleichen Begeisterung dabei, wie wir Eltern es vor JAHREN waren.
In unserer Sammlung fehlt noch (leider!) Pan Tau. WIE gerne würde ich den mal wieder sehen.
Und zum Schluß: Ihren Umgang mit den Medien finde ich okay und annähernd ähnlich läuft das hier bei uns auch und alle sind zufrieden damit (bisher).
Gruß Uschi
4. Februar 2009 um 20:22
ISABEAU – NAVARRE *schmacht*
Meine Frau Mutter und ich gucken CSI nicht lokal-gemeinsam… jede sitzt bei sich zu hause und guckt alleine, tapst der anderen aber doch im Kopf rum. Was dazu führt dass man eine SMS an die Frau Mutter schickt, und im gleichen Moment eine SMS mit fast genau dem gleichen Inhalt von ebendieser bekommt. Hach :]
4. Februar 2009 um 20:35
Oh, was für eine tolle Auswahl! Willow! Der Tag des Falken! Ich mag solche Filme…
Vielleicht paßt in die reihe, daß ich mir letzte Woche „Labyrinth“ und „Der Dunkle Kristall“ für wenig Geld auf einer DVD gekauft habe. David Bowie in Strumpfhose! *kicher*
Viele Grüße
Vinni
4. Februar 2009 um 20:40
oja, willow und der tag des falken..
liebe ich beide sehr. :-)
von willow hab ich sogar das buch.
sehr schöner filmgeschmack.
was ich noch empfehlen würde, ist „das zehnte königreich“.
das ist eine serie, kein film. gibt auch ein buch dazu.
4. Februar 2009 um 22:31
Glückwunsch zu ihren „verschrobenen“ Kindern, und somit auch ihnen! Finde ich einfach toll und sehr bemerkenswert! Lg!
5. Februar 2009 um 05:53
Ach, Frau Mutti… ihre Tochter und meine, die würden sich wohl gut verstehen :)
Schön, dass es noch andere Töchter gibt, die so herrlich anders sind ;)
5. Februar 2009 um 11:23
Time Bandits!!! Einer meiner absoluten Lieblinge. Nicht zu vergessen: Sean Connery als Agamemnon und Feuerwehrmann! *zwinker*
:D
5. Februar 2009 um 21:19
werte frau…äh…mutti,
ich muss ihnen einfach zu diesen wundervollen kindern gratulieren. auch wenn ich selbst noch recht jung bin und das kinderbekommen noch in der ferne liegt (erstmal das studium abschließen)… ich hoffe meine eigenen werden mal ähnlich entzückend, wie ihre.
ihre tochter wird sich sicher mal wundervoll ausdrücken können. wer in dem alter schon moers hinter sich hat, der wird später bestimmt toll mit worten spielen können.
ich selbst habe moers leider erst im 1.semester gelesen, nachdem ihn ein philosophieprof vorstellte…
gratulation zu solch hinreissenden bestien!
liebe grüße
6. Februar 2009 um 06:54
Ich winde es ganz wunderbar wie Sie mit Ihren Kindern umgehen.
Das klingt alles nach einer ganz tollen Familie.
Ick bin bejeistert. *g*
Ich werde dann mal versuchen zukünftige Kinder ebenso hinzukriegen.
Danke