Nur ein Blick,
2. September 2008
nur einmal lunsen möchte ich.
Ganz kurz mal reinschauen in die Zukunft, vielleicht ins Jahr 2030. Ich möchte wissen, ob die Entscheidungen, die wir heute getroffen haben, die richtigen waren. Möchte wissen, ob meine Kinder mich noch mögen. Ob sie sich gerne an ihr Leben bei uns erinnern und ob sie sowas wie „das hat Mama immer gemacht, weißt du noch?“ in ihrem Leben haben.
Ob das jüngste Kind angekommen sein wird? Ob die Mittlere tatsächlich Französischlehrerin geworden ist? Ob der Große in Lebenstil und Aussehen seinem Vater ähnelt?
Werde ich in dort, in der Zukunft, gemütlich zurückgelehnt auf der Gartenbank sitzen und zufrieden sein oder werde ich bereuen und mich mit „ach hätte ich nur“ herumärgern?
Nur ein paar Kapitel vorblättern, gar nicht bis zum Schluss.
Es ist so wahnsinnig quälend, wieder einmal entscheiden zu müssen.
Ok. Keine Kryptik.
Dinkelmamas, Impfgegner, Zuckerkugelfans und kategorische „Medikamente für Kinder“-Ablehner lesen an dieser Stelle nicht weiter.
Das große Kind leidet seit einigen Jahren immer wieder an „Augenschmerzen“, das Schließen der Augen schmerzt, das Bewegen der Augäpfel schmerzt. Der Augenarzt untersuchte und bescheinigte wunderbare Sehfähigkeit, empfahl „Augenübungen“ wie Schielen. Der Schmerz kam und ging, manchmal unterstellte ich dem großen Kind, dass es Augenschmerzen hatte, wenn es etwas Unangenehmes erledigen sollte.
Seit Schulbeginn nach den Sommerferien sind die Augenschmerzen beinahe täglicher Begleiter. Und zum ersten Mal schlich sich bei mir bewusst der Gedanke ein, dass Augenschmerzen vielleicht wirklich ein Symptom für etwas anderes sein könnten. Denn das große Kind hat derzeit ja etwas mehr Stress, als man üblicherweise zu ertragen hat. Obendrein wächst es ununterbrochen und steckt in einem Anfall von Ehrgeiz. In der Summe also eine Mehrbelastung, die uns Normalsterblichen wahrscheinlich Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen bereiten würden. Oder uns Nägel kauen lassen.
Gestern waren die Augenschmerzen wieder da. Zusammen mit irrsinnigen Kopfschmerzen und Übelkeit. Bei einer Migräne hilft eigentlich nichts, trotzdem schleifte der beste Vater meiner Kinder den Großen zum Kinderarzt unseres Vertrauens. Der stellte eine leichte Infektion am Augenlid fest und eine zugeschwollene Nase. Vielleicht eine Allergie, meinte der Kinderarzt und verschrieb etwas Abschwellendes und kündigte Untersuchungen Richtung Allergie an. Und dann sagte er das, was mir selbst seit geraumer Zeit im Kopf herumspukt und dass ich nie so richtig zulassen wollte und dass mir einen Kloß im Hals macht. Nicht weil es da ist, sondern weil ich es nicht sehen wollte. Er sagte:“Naja, wie beim jüngsten Kind eben. Er kämpft morgens in der Schule und dann kommt die Erschöpfung mit Schmerzen.“
Es scheint so glasklar, es passt so genau. Das große Kind, dass schusselige Kind, das Kind, welches sich morgens in der Schule kaputtschwitzt, weil es die Jeans über der Schlafanzughose trägt. Das Kind, dem ich sage: Wenn dein Kopf nicht angewachsen wäre, würdest du ihn vergessen. Das Kind, das sich vertrödelt, das völlig unorganisiert ist, der klassische zerstreute Professor. ADS? Mein großer Junge? Ich habe nicht dran gedacht, nicht so richtig. Denn das Kind ist doch so intelligent, das hört man doch so oft, oder? Dass diese intelligenten Kinder eben zerstreute Professoren sind. Das ist eben so. Oder? Da MUSS man doch nix machen? (Früher haben es die Kinder doch auch geschafft und er ist so intelligent und schreibt doch gute Noten)
Aber das Kind hat Schmerzen. Es weint vor Schmerzen.
Es ist nicht überfordert von der Schule, vom Lernstoff. Das wissen wir, denn er lernt daheim kaum bis nichts, schreibt trotzdem gute Noten.
Aber er hat Schmerzen.
Muss man da überlegen? Muss man überlegen, obwohl man doch bereits ein Kind hat, dass mit unterstützender Medikation erst begonnen hat, sein Leben zu meistern, das mit der „Brille für´s Gehirn“ endlich klar sieht?
Natürlich muss man überlegen. Und Entscheidungen treffen. Ohne mal eben zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre in die Zukunft schauen zu können, um zu erfahren, ob die getroffene Entscheidung wirklich zu dem Ergebnis führte, das man dem Kind wünscht.
Scheisse.
2. September 2008 um 12:01
was sagt denn das größte Kind dazu? Der ist ja nun doch schon etwas älter und könnte den Umfang zumindest teilweise verstehen. Wenn man ihm erklärt was die Medikamente bewirken, und was sie für ihn tun können und ihn dann fragt ob er denkt es versuchen zu wollen? prinzipiell denke ich, dass ein versuch nicht schaden kann. er ist alt genug um zu sagen – ich komme damit nicht klar ich möchte die tabletten absetzen (nach einer zeit die man mit dem arzt abklären müsste wie lang der körper braucht um sich einzustellen).
Ich habe eine Freundin mit ADHS die ihre Medikamente lieber nicht nimmt, weil sie sich nie sicher ist, ob ihr gehirn dann die richtigen dinge rausfilert. aber ich denke, das kann ihr sohn evtl schon alleine probieren?
Ich hoffe ich konnte etwas helfen
Meike
Antwort von Frau … äh … Mutti:
Das große Kind sagt noch gar nichts dazu, er wurde noch nicht gefragt.
Sicherlich hat er ein Mitspracherecht, doch ein Zwölfjähriger ist noch nicht in der Lage, die volle Tragweite einer regelmäßigen Tabetteneinnahme zu erfassen. Andererseits wird er natürlich sehr klar vergleichen können, wie es mit und ohne Tabletten "geht", dafür ist er alt genug.
Mal eben zu versuchen … das geht nicht.
Danke für Ihren Rat.
2. September 2008 um 12:38
Ach liebe Frau Mutti, ich nehme Sie gerade mal virtuell in den Arm. Das ist doch aber auch echt ein Scheisselkram, manchmal, dieses Leben…
Ich kann nichts raten und will es mir auch nicht anmaßen. Nur sagen: Sie werden auf der Gartenbank sitzen in 30 Jahren und wissen, dass Sie alles VERSUCHT haben. Ob es dann geholfen hat? Ob man das richtige getan hat? Ich setz mich dann zu Ihnen und wir lassen alles Revue passieren. ;)
Alles Gute!
Antwort von Frau … äh … Mutti:
Liebe Frau Düne, das machen wir.
(zwei alte Trutschen, die mit zittrigen Stimmen "aaach, weißt du noch" schwärmen)
2. September 2008 um 12:39
Das Gute an dieser Entscheidung ist – man kann sie jeden Tag neu fällen.
Es mit Medikamenten zu probieren, um dem Kind zu helfen, ist ein Anfang. Wie es dann weitergeht, das wird sich weisen. Vielleicht ist es der richtige Weg, dann wird das Kind aufblühen, weil es endlich „die Brillev fürs Gehirn“ (was für eine treffende Beschreibung!) bekommen hat und nun so viel klarer sieht, ohne vor Anstrengung Schmerzen zu haben. Oder es ist nicht der richtige Weg, dann verändert sich nicht viel oder in die falsche Richtung – dann ändert man eben seine Meinung und setzt die Medikamente ab.
Mit einem aufmerksamen Blick, den ich Dir durchaus zutraue, lässt sich das eine problemlos vom anderen abgrenzen.
Dass die Probleme solange so verschleiert waren, ist eigentlich nicht mal so untypisch. Hohe Intelligenz kann durchaus viele ADS-typische Probleme auffangen, weil diese Kinder/Menschen mit ihrer raschen Auffassungsgabe kompensieren können, was ihnen durch Reizüberflutung entgeht.
Aber es kostet sie viel Energie – und wenn man die wieder anders einsetzen kann….
Ich wünsche Euch, dass Ihr den Weg findet, der die Schmerzen verschwinden und das Kind glücklich sein lässt.
Alles Liebe, Jac
Antwort von Frau … äh … Mutti:
Die "Brille für´s Gehirn" ist leider nicht von mir, aber ich finde auch, dass es keinen passenderen Ausdruck dafür gibt.
(die Sache mit der hohen Intelligenz … ja.)
2. September 2008 um 12:53
Liebe Frau..äh…Mutti,
hören Sie ruhig auf ihr Bauchgefühl, da liegen Mütter häufig erstaunlich richtig.
Diesen ADS-Verdacht würde ich nicht so ohne weiteres annehmen. Als Pädaoging weiß ich, dass dies eine manchmal recht voreilig/leichtfertig gestellte Diagnose ist, gerade wenn sich unklare Symptome nicht gleich in gängige medizinische Schubladen einordnen lassen.
Könnte es sein, dass der Junge eine verschleppte Stirnhautentzündung hat, bzw. evtl. eine Zyste in der Stirnhöhle.
Das fällt mir nur so ein, weil ich Ende Juli mit sehr, sehr ähnlichen Symptomen ins Krankenhaus kam. Ich hatte auch immer wieder mal Kopf/Augenschmerzen allerdings in erträglichem Maße und schon es immer auf den PC, hab mir dann extra eine Brille mit sog. Officegläsern zugelegt. Kurz vor Ferienbeginn wurden die Schmerzen plötzlich so unerträglich, dass ich gar nicht mehr aus den Augen sehen konnte und kaum mehr wagte den Kopf zu bewegen. Der ärztliche Bereitschaftsdienst (natürlich spät abends) hat mich ins KH überwiesen. Dort wollte man eine Gehirnblutung ausschließen und es wurde sofort geröntgt und CT gemacht. Heraus kam eine Flüssigkeitsansammlung in der Stirnhöhle. Wohlgemerkt, ich hatte keinen Schnupfen oder sonstige Erkältungssymptome. Ich wurde dann mit Antibiotikum behandelt und es ging mir damit auch rasch besser. Zu der dann geplanten OP kam es dann allerdings nicht mehr, weil ich gegen ärztlichen Rat die KLinik verlassen hatte. Nicht gut, aber wird hatte für den Ferienanfang eine Ferienwohnung gebucht und die Kinder haben sich schon so gefreut. Nun schieb ich die Geschichte wieder einmal vor micht hin, aber sowas kennen Sie bestimmt, es gibt ja immer Wichtigeres.
Entschuldigen Sie bitte, dass ich so weit ausgehohlt habe, aber ich wäre bei den Symptomen selbst niemals auf die Stirnhöhle gekommen (nicht einmal der HNO im Klinikum) weil eben dieser tyische Schmerz, den man von akuten Nebenhöhlenentzündungen her kennt völlig fehlte. Da ich Migräne kenne, wußte ich aber, dass es auch keine Migräne sein konnte. Wenn Sie nicht extreme Röntgengegnerin sind, könnte Sie vielleicht eine entsprechende Untersuchung andenken.
Mir erscheinen die Symptome etwas heftig, für Stress oder Überlastung.
Über ADS brauch ich Ihnen ja bestimmt nichts zu erzählen, aber kann das große Kind nicht wirklich einfach etwas verträumt/vergeistigt sein, sowas soll’s ja Gott sei Dank auch noch geben, auch wenn gerne jedes Schusselchen oder Träumerchen in die „ADS-Ecke“ kommt.
Wir werden nie die Garantie haben, ob eine Entscheidung im Nachhinein richtig war, wichtig ist doch, dass wir sie nicht leichtfertig getroffen haben. Leider oder zum Glück, können wir keinen Blick in die Zukunft werfen, aber wir können uns, so wie Sie es tun, Zeit nehmen, nachdenken, abwägen, zweifeln…
dafür wünsche ich Ihnen Kraft und Zuversicht
LG Ursula
Antwort von Frau … äh … Mutti:
Ich habe derzeit kein richtiges Bauchgefühl, das ist das Problem :-)
Eine voreilige Diagnose stellt unser Arzt nicht, ich vertraue ihm, alles Organische werden wir mit Sicherheit abklären lassen.
2. September 2008 um 12:55
Ach Mensch! Das tut mir so leid! Ich drücke Ihnen die Daumen, dass sich alles zum Guten wendet!
Und ich denke, dass Ihre Kinder verstehen, dass manche Entscheidungen eben getroffen werden müssen, dass Sie dies aber nicht leichtfertig tun.
Antwort von Frau … äh … Mutti:
Ich hoffe, dass die ERWACHSENEN Kinder das verstehen, dass manche Entscheidungen getroffen werden mussten :-)
2. September 2008 um 12:56
Ich habe die Medikamente eine Weile genommen und habe mich dann bewusst dagegen entschieden. Aber ich bin erwachsen und weiss, dass ich das mit (leider viel zu oft fehlender) Disziplin ausgleichen muss. Zugegebenermaßen finde ich es aber bedauerlich, dass das im Schulalter bei mir keinen interessiert hat (bzw. dass es sowas noch nicht gab). Vielleicht hätte ich dann doch den Traum vom Studium realisieren können. So hab ich nicht mal Abi. Und das hat nicht an mangelnder Intelligenz gelegen. Ich schrieb auch gute Noten, ohne zu lernen. Zumindest bis zur 8. Klasse. In der 9. bin ich dann ohne Lernen eingebrochen. Ich bin mehr als einmal mit Hausschuhen in die Schule geschlappt oder hab schlichtweg vergessen, mir die Zähne zu putzen. Ich war die Zerstreute und Verträumte. Von Hyperaktivität keine Spur. Aber ich war genug anders, um auch gemobbt zu werden. Aber das gleitet jetzt in ein anderes Thema…
Mit einer solchen medikamentösen Unterstützung hätte ich beruflich andere Wege gehen können. Aber dann wäre auch mein Lebensweg ein anderer gewesen und ich weiß nicht, ob ich dann auch so glücklich wäre, wie heute…
Ich würde trotzdem mit ihm reden und in diese Entscheidung mit einbeziehen. Natürlich triffst du sie, aber er wird die Zusammenhänge schon verstehen. So gut, wie du erklären kannst :)
Ich bin froh drum, nicht in die Zukunft schauen zu können…
Liebe Grüße
Sandra
Antwort von Frau … äh … Mutti:
Genau DAS will ich vermeiden, dass mein Kind irgendwann sagen kann: "Zugegebenermaßen finde ich es aber bedauerlich, dass das im Schulalter bei mir keinen interessiert hat."
2. September 2008 um 13:05
sie scheinen ja schon erfahrungen zu haben mit der medikamentierung und ads im allgemeinen, sie werden das schon gut einschätzen. ich würde aber dennoch, nur zur sicherheit, nochmal eine zweite meinung einholen, ausser die des arztes. denn ohne näheren einblick zu haben – die symptome die sie schildern passen auch sehr gut zu einem nicht-ads kind – zu einem kind, dass sich einfach hormonell auf die pubertät einstellt. mit allem was dazu gehört: schusseligkeit und unorganisiertheit. gehen sie vielleicht mal zu einer orthoptistin (so eine art krankengymnastin für die augen-meine mutter (selber eine) würde mich erschiessen für diese erklärung, ich kanns aber nicht besser auf die schnelle :D ) die haben eine andere sicht auf das auge als ein augenarzt und kennen sich, wenn sie gut sind, auch mit ads zusammenhängen aus! wenn sie das wollen und sie kennen keine, dann mailen sie mir: ich frage gerne meine mutter, ob sie jemanden in ihrer nähe kennt – sie sitzt im vorstand der orthoptistinnen deutschlands.
ansonsten: sie sind die mutter. sie wissen es am besten – da bin ich mir sehr sicher.
Antwort von Frau … äh … Mutti:
Die Erfahrung bezieht sich auf das jüngste Kind, da aber das jüngste Kind sowieso ein besonderes Kind ist, lässt sich da gar nichts vergleichen.
Was die Schusseligkeit und Unorganisiertheit anbelangt: die begleitet uns schon viele, viele Jahre und ist (leider?) kein Merkmal der Pubertät.
Die Sache mit den Augen … ich werde mich informieren, das www spuckt bestimmt Einiges zum Thema aus. Danke für die Anregung.
2. September 2008 um 13:11
Ich würde glaube ich auch erst noch ein paar organische Geschichten untersuchen lassen, sehr gründlich. Wobei ja „über Jahre“ schon dagegen spricht, dass es organisch ist.
Und den Großen sehr genau befragen, nach seinen Befindlichkeiten im Gehirn (du weißt, was ich meine). Und dann sehr stark auf dein Gefühl hören, ob es kann oder ist oder nicht.
Und bitte, warum kannst du nicht „mal eben“ die Medikamente versuchen? Sicher muss man einschleichen und eine Weile beobachten, aber prinzipiell ist das doch überhaupt kein Problem. Das Nehmen nicht und das wieder Lassen auch nicht. Und prinzipielle Änderungen waren bisher bei allen, die ich kenne sehr, sehr schnell festzustellen.
Außerdem weißt du, dass es nicht um Schulnoten geht, sondern um Lebensqualität, die gesteigert werden sollte für das Kind.
Liebe Grüße
Antwort von Frau … äh … Mutti:
Wir lassen auf jeden Fall die Allergie-Sache abklären. Die Augenschmerzen begleiten uns seit etwa sieben Jahren, seit das Kind in der zweiten Klasse war. Rückblickend passt das sehr gut.
2. September 2008 um 15:21
Ich hab eine Freundin, deren Kind ist auch so ein Tagträumerle. Nicht dumm, aber halt so … neben sich. Genau genommen hat sie 2 davon. Der eine kommt gut klar in der Schule, dafür ist er ansonsten… trampelig? Fängt keinen Ball, läuft überall vor, kleckert rum… Der andere ist auf der motorischen Seite gut, dafür in der Schule eine Katastrophe.
Bei beiden Kindern wurde nach vielem anderen Winkelfehlsichtigkeit diagnostiziert. Kannte ich auch nicht, es handelt sich um eine Achsfehlstellung, die jedoch nicht mit sichtbarem Schielen einhergeht. Sie wird auch nur von speziell ausgebildeten Optikern diagnostiziert, weil in der normalen Augenheilkunde existiert das nicht.
Vielleicht googlen Sie mal nach diesem Stichwort?
2. September 2008 um 15:45
Den Hinweis mit der Winkelfehlsichtigkeit wollte ich auch geben, aber da war jemand schneller ;) Mein Neffe hat dieses Problem. Und das Hauptproblem ist, dass diese Art Fehlsichtigkeit von vielen Ärzten nicht erkannt wird, meistens sind es Optiker oder Orthoptisten.
Ein anderer Hinweis: KISS-Syndrom. Herr Gugel hat da auch einiges zu bieten.
Ich wünsche Euch alles Gute!
2. September 2008 um 15:54
Unser Kind ist leider auch von ADS betroffen, wir wir vergangene Woche erfahren haben. Bislang haben wir von allen Bekannten (einschließlich Lehrern) nur blöde Sprüche zu hören bekommen, dass mit ihr doch alles in Ordnung sei (trotz großer Probleme mit Konzentration und Rechtschreibung). Es wurde immer gesagt „Sie ist halt noch so verspielt…!“ Zum Glück haben wir sie testen lassen.
Schweren Herzens – ich könnt' heulen – werden wir sie auch medikamentieren lassen. Denn wenn es ihr Erleichterung bringt und den Schulfrust dadurch wegnimmt, dann ist es das nach zwei Jahren „Schwerstarbeit“ für die ganze Familie mit der Schule auf jeden Fall wert. Parallel dazu wird es eine Lernförder-Therapie geben.
Mich hat gestern nach einem Elterngespräch mit der Therapeutin getröstet, dass es doch immerhin Experten gibt, die einem bei einem solchen Problem beistehen können – und dass man nicht allein mit einem solchen Problem ist.
Auch Ihnen weiterhin viel Durchhaltevermögen…
2. September 2008 um 16:00
Hallo,
ich kann sehr gut nachvollziehen,was in ihnen vorgeht.so haben wir ein gemobbtes Kind überstanden,haben ein adhs .Kind und ein hochbegabtes,dass prinzipiell etwas vergisst und sich einfach nicht organisieren kann.Es hat aber keine Schmerzen.
Schmerzen hatte sein größerer Bruder,in dem selben Alter wie ihr Junge jetzt.Wochenlang immer wieder kehrende Kopfschmerzen auch heiterem Himmel.Mrt und viele andere Untersuchungen blieben erfolglos.Wir waren ratlos.Heute ist es vollkommen verschwunden ohne Medikamente.Er ist auch sehr intelligent und am Rande von Adhs.Ich glaube es hat was mit dem Umbau des Gehirns während der Pubertät zu tun.Das ist eigentlich eine recht gefährliche Zeit.Epilepsie kann auftreten und die Kinder können durch ihre Gefühlsschwankungen ganz schön an ihre Grenzen stoßen.Ich habe dies geschrieben um ihnen Mut zu machen,dass es sowas öfter gibt und nach Abklärung der organischen Seite es auch ein Morgen ohne die Symtome gibt.Falls sie noch mehr wissen wollen .Meine mailaddi habe ich angegeben.Liebe Grüße Petra.
Gönnen sie ihrem Jungen mal einen Tag zuhause(diese unpädagogische Rat hat bei uns immer gut geholfen)Die Kinder nutzen das nicht aus ,aber es hilft sehr aufzutanken :D
2. September 2008 um 18:16
Ich kann dir nur aus eigener Erfahrung sagen: doof so ne Entscheidung treffen zu müssen…
Ich musste sie vor etwas mehr als 20 Jahren treffen…. lange Geschichte… erzähl ich dir mal bei nem Kaffee…. wenn du magst
LG Pe
2. September 2008 um 21:20
Liebe Frau… äh… Mutti,
ich gestehe jetzt, aufgrund der Ührzeit nicht alle Kommentare gelesen zu haben, darum entschuldige ich mich gleich zu Beginn, wenn dies nun schon besprochen wurde…
Augenschmerzen, bei guter Sehkraft lassen mich aufhorchen. Ist das Kind schonmal neurologisch durchgechekt worden (unter anderm VEP = Messen der Sehnervleitgeschwindigkeit)? Eine Sehnerventzündung kann vom Augenarzt nicht diagnostiziert werden, macht aber unter anderm Schmerzen bei Augenbewegung hinter dem Auge und zieht sich auch gerne über Jahre, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird.
Ich würde es zumindest mal abklären lassen, vielleicht wäre auch ein MRT fällig? Ruhig auch mal zwei Neurologen ansteuern, wenn die beide nichts befinden umso besser. iWird ADS nicht auch von einem Neuropädiater diagnostiziert?
20 Jahre vorrausschauen… Ja, manchmal wäre es toll. Auf der anderen Seite: Wir können es nicht, wir müssen jetzt Entscheidungen treffen und wenn wir alles vorher wüssten wäre es ja auch irgendwie langweilig . Solange wir alle Eventualitäten berücksichtigt haben und nach unserm besten Wissen und Gewissen entschieden haben, kann es so falsch nicht sein, dass wir uns in 20 Jahren etwas vorwerfen müssten. Vorwerfen müssten wir uns nur, wenn wir keine Entscheidungen treffen, keine Meinungen einholen, leichtherzig handeln. ;)
2. September 2008 um 21:20
Hallo Frau..äh..Mutti,
ich bin eher die stille Leserin hier, hatte Ihnen aber bei Ihrem Jüngsten schon mal zum Thema geschrieben.
Ich finde Ihre Gedanken keineswegs abwegig, ja…ich hege sie manchmal selbst. Aber hätte, wenn und aber nutzt rein gar nix in aktuellen Situationen, da muss eine Entscheidung her.
Ich bin alleinerziehend mit einem 16,5 jährigen hyperaktiven ADSler und einem 12jährigen zerstreuten Professor. Der grosse hat bis vor 2 Jahren Medis genommen, dass 5 Jahre lang. Mit etwas 12,13 wollte er keine Medis mehr und wir setzten ab. Nach 2 Wochen wollte er wieder….aber wir haben 3 Monate daraus gemacht.
Wie gesagt, nun nimmt er seit gut 2 Jahren keine Medis mehr, keine Entzugserscheinungen, keine Nebenwirkungen. Ich persönlich denke, durch die Pubi hat er manches gelernt, was er vorher nicht steuern konnte.
Als ich bei ihm damals vor der Entscheidung stand, Medis ja oder Nein, habe ich mir einen Zeitrahmen von 3 Monaten gegeben. Sollte es dann nicht wirklich besser sein…und ich zweifelte so sehr. War er doch in meinen Augen gar nicht sooo auffällig. Er war eben ein Junge *gg*
Der Kurze mit seinen 12 Jahren hat nicht wirklich eine Diagnose, da er aber uns stets begleitet hat, sagten die diversen Ärzte schon damals, er hätte es auch. Aber laut meinem Empfinden kommt er recht gut ohne Medis aus, ist halt „nur“ ein zerstreuter Professor. Aber ich hätte null Bedenken, sollte es mal anders kommen, ihm Medis zu geben (und wenn nur für 3 Monate zur Probe)
Letzten Freitag war eine Reportage im Tv über ADS, die der Kurze sich angesehen hat und er selbst meinte dann…Mama, DAS bin ja ich. Aber wir sind uns einig, solange es so „glatt“ läuft…keine Medis.
Was ich eigentlich sagen will….wenn ihr Kind in irgendeiner Form leidet, versuchen Sie es. Entweder bringt es einen sichtbaren Erfolg, oder der Bauch sagt…Nein, das ist es doch nicht. Klären Sie ab, wägen Sie ab….und entscheiden. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.
Die meisten wollen nur das Beste für ihr Kind, aber wenige machen sich soviele Gedanken wie Eltern von „besonderen“ Kinder.
Liebe unbekannte Grüsse
Jutta
3. September 2008 um 01:15
Sowas ist wohl paradox, dass man vielleicht fast hofft, dass das Kind lieber eine der weiter unten genannten Krankheiten haben könnte.
Ich meine wenn da Sachen dabei sind, die sich über Jahre verschleppen lassen … könnte immerhin sein, ne?
Ansonsten, jede Entscheidung die jemand trifft ist in genau dem Moment die richtige. Das sollte man berücksichtigen wenn man irgendwann 30 Jahre später darüber sinniert :-)
Grüße aus dem Saarland
Lumi
ps. und weil ich ein inkonsequenter Mensch bin (gelegentlich) doch eine Frage … meine Mail letzte Woche, ist die bei dir angekommen?
3. September 2008 um 11:35
Liebe Frau Mutti,
Sie wünschen sich einen Blick in die Zukunft? Vielleicht kann ich Ihnen den ein wenig geben. Nur ein bisschen.
Ich bin Jahrgang 1970. Als ich Kind war, „gab“ es noch kein ADS oder ADHS. Natürlich gab es das, aber obwohl meine Mutter mit ihrem „besonderen“ Kind zu Pontius und Pilatus gelaufen ist, hat keiner diese Diagnose gestellt. Ich war 15 (durch die Pubertät hatte sich die Symptomatik noch verschlimmert) als ENDLICH ein Arzt mich korrekt diagnostizierte. Ritalin gab es damals (zumindest nach Aussage dieses Arztes) noch nicht als auf dem deutschen Markt zugelassenes Medikament für ADS bzw. ADHS. Heute weiß ich, dass das so nicht stimmt, aber Schwamm drüber. Ich nahm also an einer Studie teil. Welche inneren Käpfe meine Mutter vorher durchlitt, können Sie sich sicher vorstellen. Aber sie wusste, es kann nur besser werden. Ich wurde also in die Studie aufgenommen, gehörte zu der Gruppe, die das Medikament und kein Placebo bekam – und wurde innerhalb von zwei Wochen ein neuer Mensch. Nein, ich übertreibe nicht. Ja, ich war alt genug, um mein Befinden gut einschätzen und benennen zu können. Mir eröffnete sich eine neue Welt. Ich konnte an einer Sache „dranbleiben“, ich konnte endlich ausdrücken, was mir vorher im Kopf immer „weggeflutscht“ war – sie kennen die Probleme ja hinreichend, da muss ich nicht mehr zu sagen. Ich schaffte es nicht nur, die Hauptschule, auf der ich trotz eines getestet überdurchschnittlichem IQ gelandet war, abzuschließen, ich wechselte aufs Gymnasium und bestand 1989 mein Abitur (ohne eine Klasse zu wiederholen o. ä.) mit einem Schnitt von 1,8. Ich studierte, schloss mein Studium erfolgreich ab, führe heute mit meinem Mann ein solides mittelständisches Unternehmen – und nehme noch immer Ritalin! Seit nunmehr 23 Jahren! Ich habe zwischendurch immer wieder versucht, das Medikament abzusetzen – es funktioniert nicht. Ich habe keine Entzugserscheinungen, Aber die ADS-Symptome kommen wieder. Kein Wunder, ist ADS bzw. ADHS doch die Folge einer Funktionsstörung der Nervenzellen. Ich werde mein Leben lang Ritalin nehmen – und es geht mir gut dabei.
Dankbarkeit ist ein viel zu geringes Wort, wenn ich die Gefühle ausdrücken soll, um meiner Mutter zu zeigen, was sie für mich getan hat. Sie hat ebenso gelitten und gehadert wie sie. Aber für ihr Kind hat sie gekämpft – und gewonnen. Wie Sie!!! Egal, was Ihnen Ihre Kinder später mal „vorwerfen“, die Tatsache, dass Sie Medikamente befürwortet haben, wird es meiner Erfahrung nach nicht sein!!! Sie ermöglichen Ihren Kindern damit, ihre Fähigkeiten voll auszuschöpfen. Ohne Medikation ist das NICHT therapierbar. Ohne Medikation ist ein ADS- bzw. ADHS-Patient nur ein halber Mensch. Ich habe den direkten Vergleich, und mir „fehlen“ einige Lebensjahre, die mit Ritalin wesentlich erfüllter gewesen wären.
Nach allem, was ich hier gelesen habe, sind Sie eine tolle Mutter. Ich stimme mit Ihnen nicht immer überein (s. Kommentar zur Schnecken-Säuberungs-Los-Liste), aber wie Sie sich für Ihre Kinder stark machen, ist beispielhaft. Bleiben Sie unbedingt dabei – jedes Ihrer Kinder wird diesen grundsätzlichen Einsatz NIEMALS beklagen, auch 2030 nicht! :-)
Ich hoffe, ich konnte zu einem verbesserten Bauchgefühl beitragen.
Kerstin
P.S.: Ich habe zwei Kinder. Beide haben leichte ADHS-Symptome gehabt und wurden vier bzw. fünf Jahre mit Ritalin therapiert. Bei beiden hat es sich während der Pubertät so verbessert, dass sie heute ohne Ritalin auskommen.
3. September 2008 um 11:44
liebe frau…aeh…mutti!
bin heute nach meinem urlaub das erste mal wieder hier. hab die kommentare dazu (noch) nicht gelesen, aber möchte einfach nur kurz sagen: sie sind ne klasse mami und wenn ich sie zitieren darf: wenn ich groß bin, möchte ich so sein wie sie!