Losen, wie gelost wird

13. August 2008

Unser Haushalt beherbergt ja bekanntermaßen außer Menschen und drei Katern auch noch Fische (neun Neons, drei Albinowelse) und acht Achatschnecken. Das Füttern der Katertiere ist kein Problem, denn das ist ja auch zu niedlich, wie gerade die jungen Kater zur Futterschüssel rasen, sowie die Schranktür klappt.
Die Fische hingegen … naja. Die schwimmen da halt so rum und und schnuffeln auf dem Boden rum oder schnappen sich Futterflocken von der Wasseroberfläche. Alles weitestgehend unspannend.
Eine fressende Achatschnecke zu beobachten ist ganz spannend. Allerdings muss das Futter für die Schnecken im Garten gesucht werden. Löwenzahn für acht Schnecken pflücken oder womöglich Gurken schälen … eine echte Kinderquälerei, behaupten die hinreissenden Bestien und vergessen das Füttern.
Und so lautet ein täglicher Satz von Frau … äh … Mutti: „Habt ihr die Fische und die Schnecken gefüttert?“
Und die stereotype Antwort darauf: „Ich hab gestern, heute muss … und überhaupt gibt es im Garten keinen Löwenzahn mehr.
Woraufhin Frau … äh … Mutti mit spöttisch in die Höhe gezogenen Augenbrauen (kein Löwenzahn …? Ha!) spitze Bemerkungen bezüglich Verantwortung und verhungernden Schnecken fallen lässt. Emotionale Erpressung irgendwie schon, ja, und irgendein Kind rennt dann los.

Heute hatte Frau … äh … Mutti nach einem erneuten Geschwisterkampf, wer wann wie oft die Schnecken gefüttert hat, die Faxen dicke und pfiff die Bande in die Küche. Dort wurde ein Futter- und Putzplan erstellt, der letztlich nichts anderes besagt, als dass wöchentlich wechselnd EIN Kind für Schnecken und Fische verantwortlich ist. Samstags reinigt der Große das Aquarium und jedes Kind seinen Schneckenkübel. Ohne Widerworte.
„Ja, Mama, so machen wir das!“, sagten die Kindelein schicksalsergeben, nachdem Frau … äh … Mutti gedroht hatte, auch das Putzen der Katzenklos auf die Liste zu setzen, „Aber wer fängt denn an?“
„Wir losen aus!“, schlug die Mittlere vor.
„Aber was schreiben wir auf die Lose?“, warf der Große ein.
„Unsere Namen?“, vermutete der Jüngste.
Nur die Namen, das ist zu einfach, zumal dann womöglich der Große mit Absicht die Mittlere zöge, man weiß ja, wie so was läuft. Auf ein Los „SCHNECKEN!“ zu schreiben, wäre vielleicht eine Lösung, allerdings sei dann ja nur eine Woche geregelt, weswegen es sinnvoll sei, drei Lose mit je „Schnecke1“, „Schnecke2“ und „Schnecke3“ zu beschriften, die Numerierung gebe dann die Reihenfolge an. Aha.
Doch wer darf die Lose schreiben? Denn die Schrift des Großen ist für die Augen der Mittleren wirklich unerträglich, ausserdem sind die Zettel unterschiedlich groß und aus welchem Gefäß wird denn gezogen? Das Gefäß muss immerhin groß genug sein, damit drei Kinder auf ein Kommando hin (auf das man sich noch einigen muss) gleichzeitig reingreifen können.

Ich kann Ihnen nicht beschreiben, wie und worauf sich die hinreissenden Bestien geeinigt haben, denn ich begab mich mit breitem Grinsen an den Rechner. Doch man ist zu einer Einigung gekommen. Nächster Streitpunkt allerdings ist, wer das Ergebnis in den Kalender einträgt, denn die Schrift des Großen … siehe oben. Deshalb übernahm Frau … äh … Mutti diese Aufgabe und trug in der Spalte „Sonstiges“ wöchentlich wechselnd die Namen der Schneckenputzer ein. Beginnend mit der Mittleren.

Nun sind sie wieder verschwunden, die Kindelein, doch mit halbem Ohr verfolge ich weitere Diskussionen, die sich darum drehen, was passiert, wenn ein Kind seinen Dienst nicht wahrnehmen kann, weil es zum Beispiel bei einem Freund übernachtet oder krank wird. Und wenn die Geschwister womöglich auch nicht daheim sind. Und Mama keine Zeit hat. Und Papa auch nicht. Wer passt dann auf die Schnecken auf?

Liebe Frau Webschaf, da haben Sie was angeleiert!

8 Kommentare zu “Losen, wie gelost wird”

  1. Webschaf sagt:

    Oh je! :(
    Das Sie am Ende acht Schnecken haben, war so aber auch nicht gedacht.

  2. wollbine sagt:

    Ich könnt mich kringeln vor lachen.*prust*
    Ach ist das herrlich zu lesen, dass es bei anderen auch nicht besser ist.
    Ich musste doch tatsächlich einen Plan aufhängen, wer wann die Geschirrspülmaschine ausräumen muss, weil sich meine Beiden schier die Köpfe deswegen eingeschlagen hätten. Wohlgemerkt die beiden 'Kleinen' sind jetzt schon 18 und 16 Jahre alt und zoffen sich immer noch um solche Dinge.
    Wird das je enden?

    Mitfühlende Grüße
    Sabine

  3. Ute sagt:

    Ähm… Wie alt werden diese Schnecken eigentlich? :D Obwohl – wenn es die nicht sind, wird es wohl was anderes sein, worüber die Kindelein sich in die Haare geraten.

    Aber tröste Dich: Meine beiden streiten sich hier mit ihren 2 bzw. 3 Jahren auch schon darum, wer welches und wessen Spielzeug wohin geschmissen hat und es nun wegräumen muß. *seufz*

  4. zaraffel sagt:

    :D Ach welche herrliche Gute- Nacht-Lektüre. Aber Schnecken als Haustiere, mein Gott wie groß werden die ?
    Irgendwie schein ich was „falsch“ gemacht zu haben bei meinen Juniors, die schlagen sich immer wer füttern darf. hmmmmm..vllt. lags auch daran das ich ihnen immer weiß machte sie wären noch zu klein dazu, das soll ja ganz schön am kindlichen Ego kratzen…zumindest manchmal. ;)

  5. syvi25 sagt:

    Ich vermute, dass es bei der UNO Vollversammlung ganz ähnlich abläuft.

  6. walküre sagt:

    Gelebte Demokratie ! :D :D :D

  7. Daniela sagt:

    Die ersten Kindelein dürften volljährig sein, bis die Schnecken altersschwach werden. :D

  8. Kerstin sagt:

    Eine lustige Geschichte, sicherlich, doch das sind die Momente, in denen meine Begeisterung dafür, ALLES auszudiskutieren, an Grenzen stößt. Ich stelle mir nämlich gerade vor, wie das älteste Kind in ein paar Jahren seinem Ausbilder, der ihn aufgefordert hat, die Halle zu fegen, antwortet: „Also eigentlich ist Azubi X dran. Oder Azubi Y. Machen Sie doch einen Wochenplan, dann klappt das besser. Und wer anfangen soll, können wir ja auslosen.“

    Ich hatte tarsächlich schon solche Mitarbeiter. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich plädiere nicht dafür, Ja-Sager zu erziehen und lege großen Wert auf besondere Menschen (s. Kommentar zum Mobbing). Manchmal ist es aber für einen geregelten Ablauf einfach notwendig, Dinge, die getan werden müssen, zu tun. Boden dreckig, Chef sagt „Machen!“ und Azubi macht. Punkt. Auch das sollten Kinder lernen, und zwar dringend. Für meine „Diskutier-Mitarbeiter“ war die Befolgung von Anweisungen ein schier unüberwindliches Hindernis. Das ist schlecht für die berufliche Zukunft!