Kulinarisches im Garten

10. August 2008

Die ganzen Sommerferien über und eigentlich auch die zwei Wochen vorher, passierte in der Wildnis der Grünen Villa nichts. Zu heiß, zu nass, zu trocken, zu windig, zu regnerisch, zu faul.
„Pia,“, sagte die Nachbarin, „du könntest mal den Holunder wegschneiden, der ist reif und die Beeren fallen in meinem Hof. Das gibt Flecken.“
Recht hat sie, die Nachbarin.
Der Apfelbaum sagte: „Pia, stütz meine Äste ich bin brechend voll beladen.“
Überhaupt sprach der ganze Garten sehr mahnend zu mir und deshalb stand fest: dieses Wochenende wird im Garten gearbeitet, egal, welches Wetter uns erfreut.

Wenn ich im Garten arbeite, möchte ich so wenig Zeit wie möglich in der Küche verbringen, weswegen die Futteraufnahme zum „draußen essen“ vorbereitet werden sollte. Abends sollte gegrillt werden und für mittags, für zwischendrin, gab es das allerköstlichste Kartoffelbrot, natürlich von Frau Barcomi (gebacken vom besten Vater meiner Kinder, aus eigenen Kartoffeln, mit Kräutern und getrockneten Tomaten):

Wenn man den ganzen Vormittag und einen guten Teil des Nachmittags damit verbringt, Holunder- und Hartriegeläste kleinzuschneiden, Millionen von Kermesbeeren auszurupfen und fünf Säcke Rindenmulch zu verteilen, dann kommt die Lust auf etwas Süßes. Zum Glück gibt es reichlich Fallobst und in der Schublade lagen ein paar Pecannüsse, Muffins waren schnell gebacken, diesmal von mir (ungefähr so, wie Frau Barcomi Blaubeer-Muffins backt):

Heisse Muffins unter freiem Himmerl, dazu Kaffee und Milch und hinterher rasch ein paar Grünschnittsäcke befüllen – ich brauche keinen Urlaub im Fünf-Sterne-Hotel.
Am Abend grillten wir Würstchen und Schafskäse, dazu gab es einen griechischen Salat, ein Bier und ein bißchen Sekt (hicks) und vier Kinder beschlossen, im Garten zu schlafen. Im Haus der Mittleren lagen die Mädchen (Tochter und Tochterfreundin), ins Haus des Jüngsten zog der Große mit ein.
Um Mitternacht wurden die Mädchen von den nachtaktiven Kreuzspinnen vertrieben, gegen drei Uhr gab der Große die verkrampfte Schlafhaltung mit angezogenen Beinen auf. Am Morgen wachte das jüngste Kind etwas verdutzt allein auf und wurde als Held gefeiert.
Wieder ging es raus zur Gartenarbeit, die frühen Himbeeren mussten geputzt werden, der eine Holunder kränkelt, der wurde zurückgeschnitten und ziemlich schnell wurde es 15:00 Uhr, die eingeladenen Kaffeegäste verlangten nach Kaffee und Kuchen.
Der beste Vater meiner Kinder hatte ein paar Stunden in der Küche zugebracht und den ersten Zwetschgenkuchen des Jahres gezaubert. Und einen Apfelstreusel, weil die Falläpfel weg müssen. Und einen normalen Streuselkuchen für vitaminresistente Kinder:

Oma und Opa verabschiedeten sich obwohl die Bleche nicht geleert waren und die anderen Gäste (die Freundin, die nie Zeit hat, nebst Ehegatten) begaben sich mit uns auf das Kartoffeläckerchen, um die aufgenommenen Kalorien wieder abzuarbeiten.
Wenn man mal eben zwei, drei Kartoffeln ausmachen will, dann geht das nicht. Man muss weitermachen, bis der ganze Acker geleert ist.
Vier Erwachsene und vier Kinder buddelten in der Erde herum …

… und jede Kartoffel, sei sie auch noch so klein, landete im Eimer. Diese hier schmeckt bestimmt toll zu Bohnen :-)

Zum Abschluss noch ein wundervolles Bild der liebreizenden Frau … äh … Mutti, evtl. nach Genuss des „wir haben´s geschafft, lasst uns feiern“-Sekt.
Ganz im Hintergrund links ein rosa Haus, das von vorne aber dunkelrot ist, davor ein Puttenengel, der aber festbetoniert ist und sich nicht von unserer Mauer lösen lässt und im Vordergrund Frau … äh … Mutti, die eine mickrige Kartoffelpflanze samt mickriger Knolle in die Luft hält. Es ist eines dieser Bilder, die man eben macht, obwohl man nicht weiß warum und weswegen man sie jemals jemanden zeigen sollte. Und genau deshalb zeige ich es Ihnen, weil ich ein wundervolles, sehr arbeitsintensives, Wochenende hatte und deswegen einfach gut drauf bin.

Und für viele köstliche Rezepte mit Äpfeln wäre ich überaus dankbar, denn, ich schrieb es ja, der Apfelbaum bricht fast zusammen und Apfelmus ist nicht sooo der Renner bei uns.

5 Kommentare zu “Kulinarisches im Garten”

  1. creezy sagt:

    Neidisch bin ich auf Deinen Garten, alle Achtung! Gut, auf den backenden Mann auch!

    Hm, man könnte aus der karamelisisierten Birnentorte auch eine karamelisierte Apfeltorte machen. Das weiß ich, weil ich schon die karamelisierte Rhabarbertorte probiert habe.

    Oder die Tarte aux pommes mit Guss.

  2. Nicole sagt:

    Das klingt nach einem wunderbaren, sehr „genussreichen“ und auch entspannenden Wochenende im Garten. Die Bilder sprechen für sich; ich bin ein wenig neidisch!

    Aber was sind das für Monsterbohnen? *schock* Mutanten? Oder wirkt die nur so groß, weil das daneben gehaltene Stück eine Mini-Zwerg-Kartoffel ist? ;)

    Genießen Sie weiter Ihren Garten und zeigen Sie ruhig weiter diese „Non-Sense-Bilder“. :D

    Beste Grüße,
    Nicole

    PS: Apfelrezepte kann ich leider nicht liefern. Mir fällt zu vielen Äpfeln zur Apfelwein ein (ich bin da regional geprägt)oder Apfelgelee. Was bieten denn die Frau Barcomi oder der Herr Googel?

  3. Habibi sagt:

    Ach je, Gartenarbeit hatte ich mir ebenfalls vorgenommen, aber an diesem Wochenende hat der innere Schweinehund gesiegt (es war das letzte Ferienwochenende in NRW, und die Schulsachen der Kinder mussten dringend auf einen ordentlichen Stand gebracht werden…). Aber nächstes Wochenende, gaaaanz bestimmt. :D

    Ich könnte Ihnen ein Rezept für Apfel-Vanille-Marzipan-Marmelade liefern. Sehr lecker, sehr einfach, ein prima Mitbringsel in der Vorweihnachtszeit. :ok:

  4. creezy sagt:

    Oh, da hat es die brav eingebauten Links geschluckt. Kannst Du sie trotzdem lesen? Ansonsten stehen die Rezepte in meinem Blog …

  5. kren sagt:

    kein Barcomi-Rezept, aber aus dem amerikanischen Übersetzt und unzählige Male für gut befunden:
    5 mittelgroße Äpfel
    3 Eier
    290 g Zucker
    1 Pck. Vanillezucker
    230 ml neutrales Öl
    490 g Mehl
    2 TL Backpulver
    1 TL Salz
    100 g gehackte Walnüsse (Original) oder Haselnüsse (unsere Version)

    – Äpfel schälen, entkernen und Stückeln (ca. 1-2 cm)
    – Eier, Zucker, Vanillezucker und Öl miteinander verrühren
    – Äpfel unter die Masse verrühren
    – die restlichen Zutaten separat vermischen
    – nach und nach unter die Apfel-Öl-Mischung heben
    – ca. 65 Minuten (eher länger) bei 150 Grad (Umluft) backen, Testen nicht vergessen

    Als Form nehmen wir eine große Kastenform oder mehrere kleine, oder eine Kranzform oder, oder, oder

    Das ganze gibt eine Menge Teig und für den letzten Mischschritt braucht man Muckis, eine gute Küschenmaschine oder einen Ehemann :D

    Alles Gute
    Kren