Sonntagsspaziergang
2. März 2008
Bei Sturm und Sprühregen muss man das gemütliche Sofa verlassen, weil der Hintern sonst zu breit und die Laune zu schlecht wird. Das ist für die hinreissenden Bestien zwar manchmal nur schwer einzusehen, doch noch sind wir, die bösen Eltern, stärker (und gemeiner).
Als Ziel hatten wir uns heute den Steinbruch ausgesucht, nachdem das große Kind neulich in einem Nebensatz fallen ließ, dass er diesen bereits mit einem Freund ausgekundschaftet habe. Der beste Vater meiner Kinder wollte daraufhin ebenfalls dringend in den Steinbruch, denn in seiner Kindheit wurde dort noch gearbeitet und der Zutritt war noch strenger verboten als heute. Frau … äh … Mutti wollte unbedingt in den Steinbruch, damit sie sich die Szenerie um die zerschmetterten Kinderkörper herum noch detailierter vorstellen kann, das nächste Mal, wenn der Große mit dem Kumpel um gefährliche Ecken zieht.
Um zum Steinbruch zu kommen, muss man erstmal ziemlich viel durch die Wingerte stapfen, immer bergauf. Der Wind kommt immer von vorne und der Sprühregen ist kalt und ein bißchen überlegt man sich, was an einem dicken Hintern denn so Schlimmes ist?
Der Steinbruch ist natürlich abgesperrt, da er, wie es Steinbrüche so an sich haben, aus ziemlich steilen Abhängen voller Schotter besteht. Zwischen dem Schotter wachsen Pionierpflanzen und alles, was Dornen hat. Wenn man die ersten zehn Meter nach unten geschlittert ist, wird man erstaunt feststellen, dass der Wind weg ist. Nach weiteren zehn Meter ist es nicht mehr so steil und man hat Muse, sich ein bißchen umzusehen. An der gegenüberliegenden Wand rennen drei Rehe entlang und ganz unten auf dem Boden hat jemand ein großes Herz aus Steinen gelegt. Und die Büsche blühen:
Leider hatten wir weder eine Schere noch ein Taschenmesser dabei, um einen hübschen Zweige-Strauß zu schneiden.
Statt blühender Zweige sammelten wir Knochen:
denn die Gartenhäuser der Kinder sollen sich dieses Jahr in Gruselhäuser verwandeln – beschlossen die hinreissenden Bestien, als der Haufen der gesammelten Knochen immer größer wurde und die Frage aufkam, was man denn damit machen könne.
Ein originelles Schneckenheim im Oberkiefer eines Fuchses, zum Beispiel.
Der beste Vater meiner Kinder hat die verantwortungsvolle Aufgaben alle gesammelten Knochen und Kiefernzapfen vorsichtig und umsichtig nach Hause zu tragen, Frau … äh … Mutti hat demnächst die Aufgabe, gemeinsam mit den Kindelein, Wirbel aufzufädeln, Knochenketten zu machen und Schädel an die Türen zu nageln. Und das klingt bestimmt viel grausamer als es ist.
„Am besten hat mir das Knochen sammeln gefallen!“, sagt das Töchterlein beim Kuchen essen hinterher. Mir auch.
Und für die arme Frau Jette, die noch immer so bloglos ist, haben wir auch was mitgebracht, zum Bedichten, wenn sie mag oder einfach nur so:
2. März 2008 um 20:58
Mann, das muß ja großartig sein, da in Ihrem Steinbruch. Mit echten Schätzen, da zittert mir' s Augenlid, da bebt mir die Unterlippe. Müssen phantastisch werden, die Gartenhäuser, phantastisch und umwerfend!
Und ich bin gerührt. Wegen des Kopfes. Nur leider viel zu müde zum Dichten.
Was war das mal?
Wem gehörte der?
Dem Fuchs?
Dem Wolf?
Dem Hund?
Dem Rolf?
Hach. Danke! Danke!!
3. März 2008 um 12:42
hach, da habt ihr es ja bald so kuschelig wie wir.
lg
christine