damals …
5. März 2008
Das Schlunz
Das Schlunz zeichnet sich durch völlige Antriebslosigkeit und mangelnde Eigeninitiative aus. Es neigt dazu auf dem Sofa zu hängen und „Mir ist sooo langweilig“- Gemecker von sich zu geben.
In den Kindergarten möchte es nicht, weil da alles doof ist. Aber abgeholt werden möchte es auch nicht: „Warum bist du schon da?“
Wenige Minuten, nachdem es „satt*“ vom Mittagstisch aufgestanden ist, steht es jammernd und vor Hunger brüllend vor dem Kühlschrank.
Abends ist es niemals müde, wohl aber dann, wenn es eine längere Strecke laufen soll.
Das Schlunz bevorzugt labberige Kleidung, mindestens zwei Nummern zu groß, bunt bedruckt mit Sesamstraßen-Motiven und Hosen mit Gummizug. Der Versuch, ein Schlunz in eine Jeans mit Knopf und Reißverschluss zu stecken ist sofort zum Scheitern verurteilt; die Hose ist zu schwer und der Knopf drückt, unabhängig davon, welche Größe das ausgewählte Modell tatsächlich hat.
Die Lieblingsbeschäftigung des Schlunz ist das zur-Weißglut-Treiben der eigenen Eltern. Hierzu dienen nicht nur die oben beschriebenen Verhaltensweisen, sondern auch immer mehr das schlichte Wörtchen „warum“, der Abwechslung halber auch „wieso“ oder „weshalb“. Fällt eines dieser Worte, dann ist Geduld und meistens umfassendes Wissen gefragt – es wird bis zur Erschöpfung (der Mutter) diskutiert. Die Funktionsweise einer Kläranlage wird rasch beim Mittagessen abgehandelt, danch widmen wir uns der Krebsheilung.
Das Schlunz ist ungeheuer aufgeweckt und klug, weiß dies aber geschickt durch schlaffe Körperhaltung zu tarnen.
*nichts außer Nudeln, bitte
Über sieben Jahre nach Entstehung des Textes (und Bildes):
Das Schlunz ist ein Schlacks geworden. Er hat lange Arme und lange Beine mit viel zu vielen Gelenken darin, weiß manchmal garnicht, wie er diese schlenkernden Teile koordinieren soll.
Die Sache mit der Antriebslosigkeit ist nicht ausgestanden, noch immer braucht das Kind den einen oder anderen Schubs. Seine Wissbegierde und Intelligenz helfen ihm in der Schule, trotz Minimalaufwand sind seine Leistungen gut.
(Der Speiseplan hat sich auch ungemein erweitert, selbst verdächtige Dinge wie Blumenkohl oder Lauch werden mittlerweile als Nahrungsmittel akzeptiert)
Der Große und ich sind zwei ganz verschiedenen Menschen. Er ist ruhig und besonnen, ich hibbele und zappele und bin die Ungedulg in Person. Ich bin neugierig, was die kranke Freundin hat, der Große bringt dem kranken Freund die Hausaufgaben und weiß hinterher nicht, was dem Freund fehlt. Mich zieht es bei Sonnenschein nach draußen, der Große schließt die Rollläden. Der Große liest eine Ballade zweimal durch und kann sie auswendig, ich lese sie zweimal durch und weiß nicht mal mehr die Seitenzahl, damit ich sie ein drittes Mal finde.
Das Leben mit dem Großen ist spannend für mich, gerade jetzt, wo die Pubertät Seiten zum Vorschein bringt, die mir an ihm gänzlich neu sind.
5. März 2008 um 12:03
Es macht unglaublich vergnügen, Deinen Ausführungen über die Leibesfrüchte zu folgen.
Wenn ich irgendwann mal eigene habe, dann wünsche ich mir eine ähnliche Art und Weise im Umgang mit ihnen, so unverkrampft… :D
Liebe Grüße
Tina
5. März 2008 um 14:40
Danke für die amüsanten Rückblicke, Ihre Kinder sind einfach herzig !
Liebe Grüsse
Teresa
5. März 2008 um 23:31
Einen schönen Abend!
Ich bin immer wieder begeistert von ihren Texten(Erfahrungen) Habe selbst so eine Rasselbande ( 2 Schlunze und 2 Ratze).Die Rasselbande ist Erwachsen.Aber es sind immer noch Kinder und es bleiben auch immer ihre „Kinder“ :ok:
6. März 2008 um 01:15
Hach…. ich liebe Ihre Berichte über Ihre Kinder…. Da steckt soooo viel Liebe drin! Ob Ihre Kinder wissen, was sie für eine wundebare Mutter haben? (Nunja.. und wenn, dann werden sie das erst in einigen vielen Jahren zugeben *gg*)