Flurbereinigung II
15. März 2007
Frau … äh … Mutti bloggt weiter über die Gartenarbeit, aber nicht nur.
Eine Flurbereinigung fand heute auch in der Grünen Villa statt. Inklusive Schelte für die ganze verschlamperte Familie, die ihren Kram wo sie geht und steht fallen und liegen läßt. Unter Androhung des totalen Streikes und mit einigen weniger schönen Ausdrücken machte sich Frau … äh … Mutti Luft. Das Ergebnis sind wundervoll aufgeräumte Kinderzimmer und von Kinderkladderadatsch geräumte Wohnzimmer und Küche, eine gekehrte Terrasse und sogar die Turnschläppche liegen nicht mehr im Bad rum. Während die Kinder drinnen für die Versöhnung mit der Mutter sorgten („Ihr braucht erst gar nicht raus zu kommen, bevor ihr diesen Schweinestall aufgeräumt und geputzt habt)!“ und der beste Vater meiner Kinder im HomeOffice brütete, wühlte sich Frau … äh … Mutti durch den künftigen Gemüsegarten. Mit Erfolg, wie hiermit stolz verkündet wird!
– Vier Beete warten darauf, dass das Wetter beständig warm wird, damit sie mit Saatkartoffeln bestückt werden können.
– Die wilden Brombeeren sind ordentlich gestutzt und warten sehnsüchtig auf Stickel und Gertdraht.
– Selbst die blöden, hässlichen Pflanzsteine sind vom Unkraut, Wildkraut, Beikraut befreit und mit wundervoller Gartenerde befüllt. Kapuzinerkresse soll wild und bunt (gelb, orange, pink und tiefrot) Hässliches verstecken.
– Auf dem Anzuchtregal im Wintergärtchen lunsen drei Sorten Tomaten aus den Töpfchen. Die Prunkwinde für Töchterleins Garten hat zwei große Keimblätter und die verschiedenen Kapuzinerkressen sind aus ihren Samenhüllen geplatzt. Nur die Paprikas schlummern noch. Aber sie haben ja auch noch Zeit, im Mai geht es erst nach draußen.
– Derzeit blühen: halbe Osterglocken, jede Menge Krokanten, ein einziges Gänseblümchen, die letzten Veilchen (die Schnecken waren dann doch endlich satt), der Ranunkelstrauch, Traubenhyazinthen, die erste Bergenie, das Blaukissen, die letzten Winterlinge und jede Menge Ehrenpreiß (blühte, wurde zugunsten der künftigen Kartoffeln gerupft) [dieser letzte Punkt dient der persönlichen Gartenstatistik]
Was die Sache mit den Schnecken anbelangt, weil es da eine nicht so nette mail für die nicht so nette Schneckenterminatorin gab: Ich liebe Weinbergschnecken. Und ich mag Schnirkelschnecken. Beide Arten dürfen durch den Garten schleimen, hier mal knabbern und dort mal nagen. Ausserdem dürfen sie den Amselnachwuchs ernähren und es klingt recht hübsch, wenn ein Igel an einem Schneckenhaus herumschlürft. So bleibt alles im Gleichgewicht, denn Weinberg- und Schnirkelschnecken fressen auch ganz gerne Löwenzahn und wenn es zuviele Schnecken werden, werfe ich sie zur Nachbarin rüber oder wir sammeln sie in einem Eimer und setzen sie heimlich in die Weinberge (heimlich, weil die Winzer schimpfen). Weinberg- und Schnirkelschnecken und auch die etwas selteneren Turmschnecken (keine Ahnung wie die heißen, ICH nenne sie so) kann man prima am Häuschen packen und wegsetzen, wenn sie irgendwo knabbern, wo sie nicht dürfen. Und wenn man barfuß drauftritt, tut es ein bißchen weh am Fuß, aber sonst passiert (meistens) nix.
Was die Nacktschnecken anbelangt … es gibt rote, orangefarbene, schwarze und schleimig-weiß-schillernde Schnecken. Die roten/orangefarbenen sind aus China eingeschleppt und haben hier keine natürlichen Feinde. Igel verschmähen sie, Enten verschmähen sie, Amseln piepen angewidert und selbst Herr von Sauerstein, der eigentlich ALLES frisst, schaut beleidigt, wenn man ihm eine anbietet. Die einzigen Feinde der roten Nackschnecke sind:
– andere rote Nacktschnecken (bei Futtermangel überlebt die Schnecke, die am Schnellsten die Konkurrenz aufgefressen hat)
– chinesische Laufenten (die wunderbare Haustiere abgeben und schon längst durch unseren Garten quaken würden, gebe es da nicht diese komische Vogelgrippe und unklare Anweisung hinsichtlich Stallpflicht oder doch nicht oder besser doch oder nicht nötig oder nur für drei Monate oderoderoder.)
– Frau … äh … Mutti mitsamt ihrer spitzen Schaufel.
Stellen Sie sich bitte vor, sie hätten einen 800qm Garten, der viele, viele Jahre brach gelegen hat. Sie stecken irrsinnig viel Arbeit in diesen Garten, düngen mit Blut, Schweiß und Tränen und geben richtig viel Geld für die Bepflanzung aus. Sie graben und hacken und zupfen und gießen und reden mit ihren Pflanzen und am nächsten Morgen wollen Sie einen Kaffee mit ihren Pflanzen auf dem frisch der Wildnis entrungenen Beet trinken – und treffen nur noch ein welkes Gerippe an, das über und über mit Glitzerschleim bedeckt ist. Dann werden Sie traurig sein.
Oder stellen Sie sich vor, sie haben wieder einmal ein Stückchen Land gerodet und haben – zum Beispiel – Radieschen gesät. Ein paar Tage nach dem Säen lunsen zartgrüne Spitzen aus der Erde. Ihr Mutter/Vaterinstinkt wird geweckt werden und sie werden säuselnd zu den grünen Spitzen sprechen, während sie sanft die Erdkrumen beseite streichen und mit sonnenwarmen Regenwasser gießen. Am nächsten Morgen eilen Sie mit dem Lineal zum Radieschenbeet, um das Wachstum Ihrer Sprösslinge zu messen. Leider finden Sie außer glitzerschleimigen Spuren nur noch ein paar traurige, grüne Stielchen in Ihrem Beet. Sie werden ein bißchen wütend sein.
Um das Faß zum Überlaufen zu bringen, müssen sie nur barfuß durch das morgentaunasse Gras laufen. Es ist ein unvergessliches Gefühl, wenn sich eine rote Nacktschnecke zwischen den Zehen nach oben drückt. Und dann ist langsam der Hass da.
Ganz ohne schlechtes Gewissen zermatsche ich jedes Schneckeneigelege, das ich finde, klopfe Babynacktschnecken zu Mus und zerteile ausgewachsene Nacktschnecken mit der spitzen Schaufel. Die roten und die orangefarbenen Nacktschnecken, die gemeinen, fiesen, widerlichen, ekelhaften, gefrässigen. Hey! Dafür wird hier jede Spinne geschont und mit Hilfe von Glas und Papier aus den Zimmern befördert. Wenn ein Ameisenhaufen sich im Beet breitmacht, hacke ich drumherum. Wenn ich beim Jäten eine Puppe ausgrabe, buddele ich sie wieder ein. Wenn eine Raupe in einer ausgerupften Pflanze sitzt, setze ich sie auf eine andere. Aber die roten/orangefarbenen Nacktschnecken – haben bei mir keine Chance. Auch wenn Sie mir böse deswegen sind.
15. März 2007 um 20:55
liebe Frau … äh … Mutti,
ich kann Sie vollstens verstehen – dazu hätte es nicht mal die wunderschönen Erklärungen gebraucht ;-)
16. März 2007 um 07:46
liebe Frau…äh…Mutti,
Sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe aber noch eins draufzusetzen. Besonderen Hass bekommt man auf Schnecken, wenn man stacheligen Mohn und Sonnenblumen pflanzt – an die Schnecken wegen der Stacheln ja niiiiieeee drangehen würden!!!! Am nächsten Morgen war von den Pflanzen NICHTS mehr zu sehen!
ICH HASSE NACKTSCHNECHEN!!!! Häuserschnecken dürfen bleiben – sie gewinnen höchstens mal einen Freiflug auf die nachbarliche Wiese, wenn sie mal überhand nehmen in meinem Garten. Wir haben übrigens mal mitgezählt, als wir letztes Jahr immer wieder Schnecken abgesammelt haben. Es gab Tage, da waren es über 1500!!!! (in Worten: Eintausenfünfhundert!!!!) dieser ekelhaften schleimigen Viecher, die wir in leeren Katzenfutterdosen über den Jordan geschickt haben!
Nee, nee – bei aller Tierliebe – aber Nacktschnecken und Zecken sind mir sooo verhasst – die werden gnadenlos gekillt!
Hallali – und Waidmannsheil (oder gibt es für Schneckenjäger einen eigenen Gruß?)
16. März 2007 um 08:20
Sie haben mein vollstes Verstaendnis, auch ohne die Erklaerung.
Eine Freundin von mir zerschneidet sie uebrigens mit der Schere.
Nacktschnecken sind genau wie Zecken, sowas wo ich mich echt frag, muss das sein.
Baeh!
Daher, viel ERfolg!
16. März 2007 um 08:30
Weil Sie gerade vom Kaffeetrinken mit Ihren Pflanzen sprechen:
Der Kaffeesatz hilft auch etwas gegen die Schnecken. Ich streue seit Jahren meinen Kaffeefilterinhalt direkt rund um die Beete bzw. jungen Pflanzen. Die Schnecken mögen den Geruch nicht und bleiben (meist) fern. Den Trick habe ich von einer 82-jährigen Gartenfanatikerin, die trotz künstlicher Hüfte und Gehstock den ganzen Tag in ihrem Gemüsegarten herumkraucht :)
Und: es ist sogar erwiesen… später mehr, es klingelt
16. März 2007 um 08:38
So, und nun noch die Erklärung, denn der Klingelbesuch war schnell abgefertigt (Ikea-fahren ist nicht, ich hab heute hier Party, muss noch vorbereiten…)
Wenn die Schnecken diesen Kaffeesatzwall überkriechen, bekommen sie starke Herzprobleme (kein Witz, das war eine amerikanische, wissenschaftliche Untersuchung), dieses Herzrasen kann bis zum Tod der Schnecke führen.
— Die Schnecken scheinen das zu wissen und meiden den Kaffee-Wall.
So, und nun weiter hier, bei meiner eigenen Arbeit ;)
LG
anabel
16. März 2007 um 11:57
Also das kann ich auch gut verstehen. Am schlimmsten find ich die Schnecken immer auf den Erdbeeren. *brrrrrr*
Liebe Grüße,
Selphie :)
16. März 2007 um 12:19
Mein Vater hat die gesammelt und gekocht und dann die Schneckensuppe auf das Feld hinter dem Haus geschüttet. Uaaaaaaah. Und mein Chef ist stolz darauf, dass er die gleiche Zange zum Grillen und Schneckenzerzwicken benutzt. Männer…..
Angeblich hilft Pflanzen von hessischem Kreuzkraut, weil das die Schnecken lieber fressen als alles andere. Schaut auch nciht schön aus, da ist das dann nicht so schlimm. Aber wer weiss das schon…
16. März 2007 um 19:21
wie ich diese HASS Gefühle nachvollziehen kann!!! Wo auch immer ich in dieser Frühlingswoche im Garten hinlangte… ich hatte garantiert Nacktschnecken an den Fingern. Meine Christrosen sehen aus wie nach einem Tornado, so zerfetzt sind sie. Ein Sonnenhut (oder wie auch die Blume heißt) schafft es nie, so schnell zu treiben wie die Viecher oben wieder wegfressen, die Erdbeeren haben alle Löcher, die Margeriten oder Salat?? …ach, schweigen wir darüber.
Seit Jahren schon ziehe ich alle Pflanzen auf dem Balkon vor, ganz besonders die von mir so geliebten Sonnenblumen, die erst in den Garten kommen, wenn sie so groß sind, dass sie eindeutig schneller und fester sind als Schnecken.
Und das alles, obwohl ich nachgewiesener Maßen Igel und jede Menge Vögel im Garten habe. Ich unterstütze die armen Igel und Vögel auch mit Schere und Schaufel.
LG
Gabi K
20. März 2007 um 21:46
Die Rote Wegschnecke ist, soweit ich weiß, hier gar nicht heimisch, also ein Störfaktor des Ökosystems.
Schwarze Wegschnecken habe ich schon lange nicht mehr gesehen – sind die schon verdrängt worden?