Nächtens schwül,

9. Juni 2010

unruhiger Schlaf und wilde Träume.

Und so machte ich dann heute nacht im Traum eine bahnbrechende Erfindung, die sämtliche finanziellen Engpässe wegzaubern und uns fortan ein sorgenfreies Leben bescheren würde. Doch wie das so ist, am Morgen ist da nur noch ein Hauch, ein Schimmer, ein Zipfelchen des Traumes, das sich immer weiter entzieht, je intensiver man danach heischt. Es war etwas Technisches, das ich erfand und allen DAS ist schon revolutionär; gehöre ich doch zu den eher technikfernen Menschen, die zum Beispiel bis heute nicht alle Funktionen ihres Handys kennen. (und das Handy obendrein ständig verlegen und deshalb SMSse wenig zeitnah lesen, obwohl es da um gelbe Baissers geht. Verzeihung.)

Erfunden habe ich ein Kästchen, mit zwei Output- und einer Input-Leitung und das war eine ganz großartige, wichtige, bahnbrechende, weltproblemelösende und weltfriedenschaffende Erfindung, in weiß mit lilafarbenem Logo. Sollten Sie demnächst im Elektronikfachmarkt etwas Ähnliches sehen, informieren Sie mich bitte umgehend, denn dann hat mir jemand Traumcontent geklaut.

*****

Die Sache mit dem unruhigen Schlaf  hängt nicht nur mit der Schwüle zusammen,  sondern auch mit der Tatsache, dass mich kleinste Geräusche aus dem Schlaf reißen. (es gibt so Phasen) Wenn eine Katze draußen jault oder der dicke Martin eine quietschende Spitzmaus durch den Flur trägt, wenn der beste Vater meiner Kinder laut atmet (=schnarcht) oder wenn mein Wecker plötzlich den Tick-Rhythmus ändert, weil die Batterie beinahe leer ist. Klitzekleine Geräusche lassen mich hochschrecken und ich liege wach. „Muss schnell wieder einschlafen“, denke ich dann und das ist natürlich kontraproduktiv. So liege ich dann wach, wälze einige Gedanken, die im Dunkeln immer größer und bedeutungsschwerer und belastender werden, bis ich irgendwann wieder einschlafe und das nächste Geräusch … und so weiter.

Deshalb  beschloss ich gestern abend, dass nun die Zeit gekommen ist, mit Ohrenstöpseln zu schlafen. Ich darf die Verantwortung für das Hören von wirklich wichtigen Geräuschen wie zum Beispiel „Mama/Papa, ich habe ins Bett gebrochen“ abgeben, muss nichts hören.

Der beste Vater meiner Kinder kramte mir komische gelbe Pöppelchen aus der Werkstatt und demonstrierte kurz, wie man die Dinger zwischen den Fingerspitzen schmal rollt. Schmal rollen konnte ich prima, ich besitze ja eine Menge Fingerspitzengefühlfertigkeit. Doch das schmal gerollte Pöppelchen wollte nicht in den Gehörgang. Stattdessen ploppte es knisternd und kitzelnd in der Ohrmuschel auf,  um dann leise kichernd aus dem Ohr zu hüpfen und zwischen Laken und Kopfkissen zu verschwinden. Es brauchte viele Anläufe, bis beide Ohrstöpsel so saßen, dass ich die Stimme des besten Vaters meiner Kinder nur noch gedämpft, dafür meine eigene Stimme sehr laut im Kopf hörte. Zeit zu schweigen und zu schlafen, dachte ich und versuchte Selbiges.

Mein rechtes Ohr begann zu pochen. Und das linke Ohr fühlte sich an, als sei eine Menge Wasser darin. Ich gähnte versuchsweise, denn das hilft ja bekanntermaßen gegen zugefallene Ohren. Nur diesmal nicht. Bevor ich aus dem Bett klettern und auf einem Bein hüpfend das Wasser im Ohr bekämpfen konnte, fiel mir das Pöppelchen ein. Das störte. Und das Pochen im rechten Ohr hatte jetzt etwas Dringliches, als wolle mein hysterisches Ohr mir sagen: „EEEYY! Isch krieg keine Luft!“ (mein Ohr hat einen lustigen Dialekt)

Was soll ich lange schreiben: Ohrenstöpsel und ich kamen nicht zusammen.

Dafür erwachte ich irgendwann heute nacht, als der Jüngste sich schwungvoll in seinem Bett drehte und dieses dabei an die Wand rummste. Ich erwachte, als der dicke Martin heimkam, ohne Maus, aber sich daran erinnernd, dass er mal eine hinter meinen Schuhen verloren hatte (musste er rasch meine Schuhe unter dem Schrank hervorzerren und dabei Krach machen). Ich wurde wach, als die Zeitung in den Briefkasten gesteckt wurde. Und ich wurde wach, als die Badezimmertür ins Schloss geknallt wurde, aber da war es auch schon Zeit zum Aufstehen.

Positiv betrachtet: würde ich tief und fest schlafen, hätte ich nicht all die wunderbaren bunten Träume. Und nächste Nacht träume ich vielleicht noch mal von der tollen Erfindung, ohne sie zu vergessen. Weiß, mit lila Logo.

12 Kommentare zu “Nächtens schwül,”

  1. Anke sagt:

    Sonst nur stille Leserin, darf ich heute als Tinnitus-Patientin folgendes empfehlen: Statt Ohren zuzustopfen (was für mich die Hölle wäre), hilft mir ganz leise, ruhige und mir bekannte Musik. Dann kann sich der Geist entspannt auf die Musik einlassen und die anderen leisen Geräusche verlieren ihren Erschreck-Charakter. Wichtig ist wirklich, dass die Musik für mich nicht neu sein darf, sonst will ich zuhören. Vielleicht hilft Ihnen das auch beim (wieder) einschlafen?

  2. CCTh sagt:

    Mein Trick 17 zur Selbstüberlistung sind Atemübungen. Ursprünglich hatte ich sie im Yogakurs gelernt, um den Kopf klar und wach zu bekommen. Nachdem ich dabei immer fast eingeschlafen bin, nutze ich sie halt dafür :-)

  3. Rike sagt:

    Das mit den Ohrenstöpseln ist reine Übungssache. Klar sind die am Anfang ungewohnt, weil da was ist, wo sonst nix ist. Das drückt und knistert und fühlt sich fremd an. Das Knistern hört irgendwann auf und an den Druck in Ohr gewöhnt man sich, zumal der nicht besonders groß ist. Guter Schlaf ist wichtiger! Übrigens gibt es auch Ohrenstöpsel aus Wachs oder Silikon in der Apotheke. Die Knistern nicht und bleiben aufgrund ihrer Plastizität im Ohr stecken und dichten gut ab. Ich bin mittlerweile überzeugter Ohrenstöpselschläfer, ich interessiere mich nicht für Geräusche, beinahe etwas egoistisch. Aber der Schnarcher neben mir interessiert sich ja auch nicht primär für meine Nachtruhe! Also, gute Ruh!

  4. Gustchen sagt:

    …DANKE für den netten Video/Musik-Tip…hach, wie fein!! Weniger fein, ihr stetes Aufwachen, ärgelich das! Tut mir leid, da hab ich so gar keine Idee, weil wenn ich schlaf, könnt man das Zimmer um mich rum abbauen…nurs Kindlein, das höre ich und sitzt wie eine eins im Bett. Zum EINschlafen höre ich Hörbücher übers Ipod – das geht dann ganz fix mit dem Wechratzen.. ich hoffe, die weiteren Mitleser habe ein paar WIRKLICH gute Tips für sie!!
    Einen sonnigen Tag noch!!

  5. Ilana sagt:

    Hallo,

    waren das welche aus Wachs oder Silikon? Schon mal welche aus PU-Schaum probiert? Ich hab auch Probleme wenn keine „Luft“ an die Ohren kommt, komme aber mit PU-Schaum-Teilen gut zurecht (nicht mit allen, aber es gibt ja eine Menge Auswahl) oder Ohrstöpsel mit Filter – z.bsp diese beiden:
    http://www.gehoerschutz-versand.de/Form/Ohrstoepsel/Ohrstoepsel-Ohropax-Soft-Grosspackung::5.html
    oder
    http://www.gehoerschutz-versand.de/Form/Ohrstoepsel-mit-Filter/Gehoerschutz-zum-Schlafen-Alpine-Sleep-Soft::67.html

  6. asty sagt:

    Hallo Frau…äh…Mutti,

    ich habe ebenfalls das Hören in der Nacht abgegeben. Wenn ich vor meinem Mann einschlafe, dann geht es meist ohne, sonst schlafe ich auch sehr oft mit Ohrstöpseln. Genau mit diesen gelben. Und dann muss eben er aufstehen, wenn ein Kind schreit. Ganz einfach :-)

    Als nach der Geburt eines meiner Kinder im Spital die Bettnachbarin furchtbar laut geschnarcht hat (ja, auch Frauen können……….), bekam ich solche aus Wachs, die waren irgendwie noch mit Watte vermischt. Ich fand die nicht so dolle, aber vielleicht passen sie sich Ihren Ohren besser an. Probieren Sie’s doch mal.

    Jedes Ohr ist anders :-)

    Liebe Grüsse
    asty

  7. claudia sagt:

    Ich höre auch alles!!!
    Eine Baldrian so dann und wann, wenn der Schlaf mal wieder ruhig und entspannt sein soll……
    Claudi

  8. skizzenblog sagt:

    ich glaub, das geht grad rum hier.
    und so ein passendes captcha: „himself brandie“
    soll ja in maßen genossen auch wunder wirken ;-)

  9. Silke sagt:

    Als sonst stille, aber sehr treue Leserin muss ich mich heute doch mal zu Wort melden:
    Ich habe auch eher einen sehr leichten Schlaf und einen Presslufthammer-artig atmendend Liebsten neben mir, so dass für mich ein einigermaßen durchgehender Nachtschlaf nur mit oropax möglich ist.
    Allerdings hatte ich das gleiche Problem wie Sie, liebe Frau Mutti, die gelben oropax-Schaumstoff-Dinger mochten nicht in meinem Ohr bleiben.
    Nach mehreren Versuchen bin ich nun auf Ohrstöpsel aus Silikon gekommen, die in unterschiedlichen Größen (blau ist die, die in das durchschnittliche Frauenohr passen dürfte) in jeder Apotheke erhältlich sind und den hoch kreativen Namen Wellnoise tragen.

    Ich habe zwar auch ein paar Nächte gebraucht um mich mit den kleinen Blauen anzufreunden, aber seither kann ich nicht mehr ohne und in unserem Schlafzimmer herrscht zumindest für mich himmlische Ruhe.

    Ich würde einfach mal sagen „Versuch macht kluch!“ und mehr als nicht funktionieren kann’s ja nicht.

    Liebe Grüße und sorry für die Schleichwerbung (aber ich weiß, wie einen nächtliche Ruhestörung von der anderen Betthälfte in den Wahsinn treiben kann).

  10. Pan sagt:

    Ich befürchte ja, da wurde im Traum das Perpetuum Mobile – doppelter Output bei einfachem Input? – erfunden. Sieht also schlecht aus mit der technischen Umsetzung…

    (Das Positive an der Sache ist aber, dass niemand die Idee zum Patent anmelden kann. Diebstahlsicher!)

  11. podruga sagt:

    tut mit sehr leid, so alles, aber hach…schön beschrieben.

  12. Katha sagt:

    Ich habe einen ziemlich guten Schlaf- außer es geht um die geräusche, die meine Kinder machen.
    Ich habe schon geschlafen während Motörhead nebenan gespielt haben, auf einem Festival. Bagger, Presslufthammer, alles stört mich nicht. Aber wenn ein Kind „Piep“ macht stehe ich im Bett. Und eigentlich sind die Zwei auch alt genug, dass man micht menr auf JEDES Geräusch achten muss. Aber das ist das Training…

    Leider hat die Tochter im Moment auch die angewohnheit, im Schlaf zu sprechen… und auch gerne mal zu weinen, weil sie im Traum vom Bruder gezankt wird. Argh… =)

    Naja… wenn sie demnächst wieder in ihrem Zimmer schlafen kann wird alles besser…

    Gute Nacht wünsche ich….

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