Ferienende
10. August 2010
oder jedenfalls kurz davor.
Die Söhne sind noch bis Freitag im Zeltlager, der beste Vater meiner Kinder arbeitet längst wieder. Einzig Töchterlein und ich genießen die letzten faulen Tage.
„Endlich Ruhe!“, möchte ich durch´s Haus brüllen, wäre dies nicht ein klein wenig paradox.
Zehn Tage lang mindestens zehn Menschen im Haus zermürben mich. Deshalb, mein liebes Bloggewissen von neulich, auch der Spruch mit dem Fisch. Der ist übrigens zwischen der allerliebsten Freundin und mir von allertiefster Bedeutung und Wahrheit und kann ganz ohne Kränkung oder Respektlosigkeit ausgesprochen werden. Ich habe gerne Besuch, kann ihn aber manchmal nicht lange aushalten. Nach ein paar Tagen will ich meinen Rhythmus, mein ureigenes Chaos und vor allem meine Ruheinseln zurück. Und ja, (auch dieser Satz noch für das liebe Bloggewissen, das sich verlässlich kommentierend meldet:) ich spreche das aus. Sowohl das mit dem Fisch, als auch das mit dem „ich muss mich irgendwohin zurückziehen können, weil sonst explodiert mein Kopf oder so.“
*****
Wie immer gegen Ende der Ferien überfällt mich der unbezwingbare Drang, Ordnung und System in das „alles was man für die Schule braucht“-Vorratshaltungssystem zu bringen. Dieses System oder so eine Art von System gibt es in Form von zwei Schubladen und einem Klappfach im alten Küchenschrank hinter dem Esstisch. In der einen Schublade landen das Jahr über alle Stifte, die a) nach dem Anspitzen sofort wieder abbrechen, aber eine ganz wunderbare Farbe haben und deshalb unbedingt aufgehoben werden müssen. B) Filzstifte, die wieder malen, wenn man draufhaucht oder c) Doppelfilzstifte (dünn und breit), deren eine Seite noch malt, sogar ohne dass man draufhauchen muss.
Diese Schublade war früher die „am Küchentisch malen alle Kindelein und sind glücklich“-Schublade, doch heute malen die Kindelein zunehmend selten am Küchentisch, um die volle Wahrheit schonungslos offen zu legen: sie malen überhaupt nicht mehr, allerhöchstens Verzierungen von Einkaufszetteln, um diese damit unleserlich zu machen oder lustige Schnurrbärte auf Politikerbilder in der Tageszeitung. Oder sie bemalen sich Hände, Arme, Beine. Bilder zum an die Wand hängen und damit prahlen sind höchst selten geworden. Lange Rede, kurzer Sinn: diese Schublade ist naherzu überflüssig geworden, weswegen sie gestern gründlich ausgemistet wurde. Beinahe jedenfalls, denn obwohl auch meine Zeichenkünste nicht über Einkaufszettelverzierungen hinweg gehen, kann ich doch nur sehr schwer bunte Stifte wegwerfen. Aber gnadenlos flog alles unter zehn Zentimetern oder was sich nicht mehr anspitzen ließ weg. Auch die tollen Gelstifte, die zwar nicht mehr schreiben, dafür aber immer noch nach künstlichen Erdbeeren duften.
Die andere Schublade beherbergt ein Sammelsurium an Tesarollen, Klebestiften, Tintenpatronen und Tintenkillern, dazwischen Filzstopper für Stuhlbeine, eine völlig verknotete Rolle Nylonschnur, verschiedenste hochtoxische Klebertuben, Reißbrettstifte, Pinnnadeln, Kupfer-, Silber- und Golddraht, drei Döschen Porzellanfarbe, wahrscheinlich eingetrocknet und Haken zum an die Wand kleben ind verschiedenen Größen. Eine typische Küchenschublade, gibt´s wahrscheinlich in jedem Haushalt. Ich habe sie geöffnet, etwas gerüttelt, damit der ganze Kram platzsparend zusammenrutscht und habe sie wieder geschlossen. Räume ich morgen auf. Oder übermorgen. Vielleicht.
Das Klappfach im Schrank liegt das Malpapier. Und Transparentpapier. Und gummiertes Klebepapier. Und Origamipapier. Und anderes Papier. Und Papierfetzen. Und etwa zehn angefangene Din A3- Zeichenblöcke, denn pünktlich zum Schuljahresbeginn kaufen wir einen neuen Zeichenblock. DREI neue Zeichenblöcke. Dieses Jahr nicht, dieses Jahr müssen die alten Blöcke aufgebraucht werden. Mir doch egal, ob da „Klasse 2a“ neben den niedlichen Kätzchen auf dem Deckblatt steht.
Gefunden im Papierfach habe ich ausserdem zwei Farbkästen. Leer. Und mein allerliebstes Lieblingsbastelbuch, das ich schon in einem Paralleluniversum glaubte. Eine Blechtasse, zwei kleine Siebe und zwei Zahnbürsten (für diese lustige Farbspritztechnik, die man nur draußen, ganz hinten im Garten, am Besten nackt machen darf, weil die Sauerei dabei ist einfach unglaublich). Ausserdem einen Stapel Dinosaurierausmalbilder und ein Packen Mandalas für Anfänger und Fortgeschrittene. Alles deutlich älter als ein Jahr und deshalb überlege ich verzweifelt, welche Aufräum-Ausrede ich letztes Jahr wohl hatte. Dieses Jahr flog alles ins Altpapier. Auch der pinkglitzernde Stegosaurus.
Drei jungfräuliche Stundenplände liegen bereit, um in etwa zwei Monaten, wenn die Stundenverteilung beinahe entgültig ist, ausgefüllt und an die Küchentür geklebt werden zu können, die Schulbücher für die Söhne sind bestellt im neuen rheinlandpfälzischen Ausleihsystem, die von Töchterlein im örtlichen Schreibwarenladen (sie konnte einige Bücher vom Großen erben, da lohnte das leihen nicht) und wenn das Mathebuch schon in vier Wochen, statt wie angekündigt in sechs Wochen, kommt, sind wir gerüstet für ein neues Schuljahr. Die nächsten zwei Wochen werden wir ca. 150,- Euro im oben genannten Schreibladen lassen, für Hefte, Wasserfarbenpöttchen, Pinsel, Schnellhefter, Heftumschläge, Tintenkiller (auch für die Vorratsschublade), Deckweißtübchen, wasserfeste Folienschreiber, die dann doch nie gebraucht werden, diesen obercoolen ausradierbaren Kugelschreiber, den einfach jeder hat, nur ich wieder nicht und tausend andere Kleinigkeiten, die im Schulalltag unentbehrlich sind und etwa hundert andere Sachelchen, die ich einkaufe, um das, was die Kindelein da so leisten ein bißchen zu honorieren.
Dann geht es wieder los. Nächste Woche. Fünfte, achte und zehnte Klasse. Neues Spiel, neues Glück.
Und die Ferien waren – wie immer – viel zu kurz.
10. August 2010 um 10:11
Was, schon zu Ende, die Ferien? Die haben doch gerade erst angefangen? Kommt mir jedenfalls erst vor wie gestern.
Ich wünsche noch ein paar erholsame und ruhige Tage!
So long,
Corinna
10. August 2010 um 10:28
Glücklicherweise haben wir noch 2 (z-w-e-i) Wochen. ;-) Und ich werde sie genießen und nicht einen Tag davon abgeben.
Aber kann es zufällig sein, dass Sie rein zufällig MEINE Schubladen beschrieben haben? Das kam mir irgendwie alles sehr bekannt vor! *freu*
Liebe Grüße und vielen Dank für den schönen Blog.
Gytha
10. August 2010 um 10:31
es gibt kugelschreiber zum ausradieren? kaum ist man ein paar jahre aus der schule raus, bekommt man gar nichts mehr mit..
aber trotzdem, bitte nicht alles wegwerfen!! meine mama, die eigentlich immer alles jahrzehntelang aufhebt, hatte vor einiger zeit auch so einen „anfall“ (;)) und hat all die tollen bastelsachen und tonkartonreste weggegeben und nicht eine woche später hätte ich das alles soo toll brauchen können. wie das halt immer so ist..
10. August 2010 um 11:16
Willkommen zurück in Bloggistan ;-)
Besuch: hier ganz genauso. Mancher sollte sogar noch kürzer bleiben…. Ganz wenige dürften länger.
Schubladen: unsere grösste Küchenschublade ist unsere Kruschschublade mit Batterien, Draht, Klebehaken etc…..
10. August 2010 um 11:32
liebe frau mutti, ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich auf Ihre Seite gelangt bin, aber ich komme immer wieder her, um Ihre köstlichen Posts zu lesen, die mir schon oft die Lachtränen in die Augen getrieben haben. Auch die witzigen Antworten Ihrer unglaublich grossen Zahl von Mitstreiterinnen „nötigen“ mich, alles zu lesen und eröffnen mir Einblicke in die weibliche Welt, die mir (immer) noch ein grosses Rätsel und Geheimnis geblieben ist. Ohne Anspruch dieses jemals wirklich lüften zu können, man(n) will mehr!
Ein witziger, toller, lustiger und intelligenter Blog! Herzlichst pastiz
10. August 2010 um 12:47
Wir hier im tiefsten Süden haben ja grade mal die erste Ferienwoche hinter uns (Eine Woche Zeltlager in strömendem Regen… Morgen kommen die Kinderlein wieder heim)
Ich freu mich sehr, daß Sie wieder da sind und Ihre wunderbaren Beiträge wieder mehrmals täglich zu meinem Alltag gehören ;-))
Diese Schubladen will ich in diesen Ferien auch endlich mal wieder ausmisten und frisch befüllen… (Ich frage mich nur, warum ich immer genau DIE Hefte im Haus habe, die keiner braucht…)
10. August 2010 um 13:03
Liebe Frau…Mutti, dacht ich es mir doch:gone fishing ist wundervoll für den Zustand „lasst mich mal etwas in Ruhe, bitte“, den wir doch alle kennen. Ich hatte schon überlegt, ob ihr Forellen, Karpfen oder Lachse angelt, wo auch immer.
Ich kenne sowohl die bei uns Krimsschublade genannte Einrichtung, die man auch jeden Tag aufräumen könnte, sie würde morgen wieder genauso sein, als auch das Besuchsproblem und ich finde es toll, wenn man dann die Dinge auch sagt. Wahre Freunde stört das nicht!Ihnen und den Dreien einen guten Schulstart, der immer ein schönes Durcheinander ist, aber was wäre man ohne!Sunni
10. August 2010 um 13:55
Na haben Sie mir aber einen richtigen Schrecken eingejagt. „Gone fishing“ steht doch aus alten Blogzeiten für „Ich mach den Laden dicht“.
Also das machen Sie aber nicht nochmal, ja?
10. August 2010 um 15:37
Liebe Frau Mutti,
ich konnte mir auch keinen Reim darauf machen, dass da „gone fishing“ steht. Und als ich dann kommentieren wollte, dass ich mir keinen Reim drauf mache, war die Kommentarfunktion deaktiviert.
Aber ich freue mich, dass das alles nichts Schlimmes bedeutet hat.
Hier sind noch Ferien: Aber ob das sommerferien sind, ist fraglich…..fühlt sich an wie Herbstferien…
10. August 2010 um 17:05
herrlich, dass sie wieder da sind, genießen sie noch die paar Tage Ferien und Schubladen aufräumen??? Neee, da findet man ja nix mehr ;)
10. August 2010 um 18:35
Schön, daß du wieder da bist! Viel Spaß beim Schulkinder ausrüsten, ich fand es immer toll, nich neu auszustatten :)
10. August 2010 um 18:35
mich sollte das heißen
10. August 2010 um 20:36
Dieser obercoole Füller den man wegradieren kann ist auch in der Federtasche meiner grad eben Fünftklässlerin. Hier fing die Schule schon letzte Woche an und nun ist alles anders.
Ich brauch mir aber um Deckweißtübchen, die immer dann eingetrocknet sind wenn sie gebraucht werden, zum Glück keine Gedanken mehr machen, denn die Farben werden in der Schule verteilt, find ich praktisch. :D
Überhaupt hab ich das Gefühl, dass in diesem Jahr weniger Material notwendig war als in der Grundschulzeit, auch mal ganz nett.
11. August 2010 um 00:11
Nein, die Ferien waren definitiv nicht zu kurz! Ich freue mich auf die erste einsame Tasse Kaffee am Montag, wenn alle Fünfe wieder das Haus verlassen haben, jawohl!!!! Eine Tasse ganz für mich ohne „Mama, kannst Du / hast Du / machst Du…“ Zugegeben, spätestens am Mittwoch nach den ersten drei wieder mit tausenden von Musik/Sport/Arzt/Kieferorthopädenterminen überfüllten Nachmittagen sehne ich die Herbstferien herbei, aber bis dahin besorge ich mit Freuden Berge von tatsächlich nötigen und völlig überflüssigen Schulmaterialien, sorge dafür, dass die Ranzen gefunden und gepackt werden, (iiiiiih, wer hat das Thema Schimmelpilze letztes Jahr gehabt und vergessen, seine Versuchsanordnung in der Brotdose zu dokumentieren und dann zu beseitigen??), schiebe am Montag alle aus dem Haus (jawoll pünktlich!!!!), fahre Zwerg 005 in den weniggeliebten Kindergarten, lasse mich auch von Sturzbächen aus den Augenwinkeln nicht beeinflussen und stoße dann meinen alljährlichen Jubelschrei aus: Die Ferien sind vorbei!
Die ungewohnte Ruhe im Haus fällt mir zwar schwer und ab 12Uhr freue ich mich riesig auf meine Bande, aber nach 6 Wochen ferienlager-ähnlicher Zustände brauche ich mal wieder einen Stuhl für mich, ohne eigense oder geliehenes Kind.
11. August 2010 um 09:06
Liebe Frau Mutti,
selten hat mir ein Bericht so aus dem Herzen gesprochen.
Bei uns (Niedersachsen) tobt das Schulleben seit einer Woche wieder und ich finde so gar keinen Tritt, obwohl ich selbst in Schule arbeite (Asche auf mein Haupt).
Ich wünsch mir die Ferien zurück, Leben ohne Fremdbestimmung!!!!!
Ich schämte mich seit Jahren für die Schublade, in der Stifte,Tesa, Locher etc. zusammen Samba tanzen. Sie haben mir durch die Existenz ihrer Schublade eine große
Last von den Schultern genommen, vielen Dank! ;O)
11. August 2010 um 09:29
Zitat:
Gefunden im Papierfach habe ich …. Und mein allerliebstes Lieblingsbastelbuch, das ich schon in einem Paralleluniversum glaubte.
Zitat Ende
Herzlichen Glückwunsch auch ich fand neulich eine lang vermisste Zeitschrift wieder und kann so ihr Glücksgefühl nachvollziehen.
Viel Spaß beim Schulstart reloaded, vor allem den Kindern!
LG aus Berlin
Frau-Irgendwas-ist-immer
11. August 2010 um 20:21
Mein Sohn hat mich gestern übrigens aufgeklärt, dass dieser Super-Radier-Kuli-Fülli-Dingsbums durch Wärme funktioniert. Die Reibung mit dem Radiergummi erzeugt wärme und davon geht die Farbe weg. Angeblich kommt sie aber wieder zurück, wenn man das Papier in den Tiefkühler legt.
Wir haben es ausprobiert, klappt tatsächlich :-)
11. August 2010 um 20:22
achso, und auch ich bin natürlich sehr froh, dass Ihre Angeltour wieder beendet ist!!!!!!!
Welcome back :-)