Mahlzeit!
4. November 2010
Weil heute „Opa ohne Oma“-Tag ist und ich nicht kochen muss, sondern die handvoll Nudeln, die gestern übrig blieben, essen kann, gerne auch kalt … gerade deshalb fällt mir ein, dass diese Kocherei und „Kinderernährerei“ überhaupt nicht mehr kompliziert ist. Die hinreissenden Bestien essen das, was auf dem Tisch kommt. Manches lieber als anderes, Manches gar nicht und das Meiste genauso scharf und feurig wie wir.
Früher … war das anders.
Als der Große noch friedlich in meinem Bauch schwamm und all das essen musste, was ich zu mir nahm, hatte ich eine Menge Ideen, wie solch ein kleiner Mensch nach der Stillzeit optimal zu ernähren sei. Kein Zucker, kein weißes Mehl, nur das allerbeste links- oder rechtsdrehende Öl, wenig bis kein Fleisch, besser keine Milch, kein Salz und die drei Sachen, die übrig blieben bitte biologisch-dynamisch und fair gehandelt.
Den ersten Strich durch die Rechnung machte mir der Knabe, als er mit knapp fünf Monaten kein rechtes Interesse mehr am mütterlichen Busen zeigte und ich ihm diesen nicht mehr schmackhaft machen konnte. So zogen Fläschchen, Sauger und Milchpulver bei uns ein und der Vorsatz, das Baby bis zur knappen Volljährigkeit zu stillen, war vom Tisch. Blieben ja noch die künftigen Breikreationen. Behutsam und löffelweise sollte der Karottenbrei eingeführt werden, doch der begeisterte Große verschlang was er kriegen konnte, selbstgekochte Karotten, püriert und mit einem Schuß Biorapsöl wegen der fettlöslichen Vitamine. Eine Woche später gabs Kartoffeln dazu und irgendwann auch noch Rindfleisch. Ich kochte Brei im allergrößten Topf und fror ihn portionsweise ein. Zum Frühstück gab’s geriebenen Apfel und zermatschte Bananen mit ein paar Getreideflocken, als Zwischenmahlzeit gematschte Banane oder geriebenen Apfel oder zerdrückte Birne oder sonstiges Obst. Abends gab’s dann irgendwann selbstgekochten Griesbrei. Oder Haferbrei. Mittlerweile dann auch auch mit Milch gekocht :)
Gezuckert wurde nichts, Schokolade war unbekannt und das große Kind musste knapp zwanzig Monate alt werden, bis es entdeckte, dass wir ihm da so manche Köstlichkeit vorenthielten. Ich kochte nämlich Marmelade und schmierte mir das obligatorische Marmeladenschaumbrot, das ich kurz unbeaufsichtigt ließ. Der Große fand es, verspeiste es und überlebte ohne allergische Reaktionen, Zuckerschouck oder auffälliges Zucker-Sucht-Verhalten. Er aß weiterhin mit Begeisterung Obst und Gemüse, auch wenn dieses grün und nicht so doll gesalzen wie unseres war.
Und er hörte mit „alles ohne Murren essen“ erst auf, als er in den Kindergarten kam.
Töchterlein wurde gestillt, bis ich wieder schwanger war, was immerhin acht Monate dauerte. Die ersten Breiportionen kochte ich noch selbst, doch dann hatte ich die Zeit verloren und griff zu den praktischen Gläschen. Mit anderthalb entdeckte sie, dass die Schublade mit den Backzutaten keine Kindersicherung hatte und sie nutzte die Gelegenheit, als ich den Jüngsten stillte, die Blockschokolade zu klauen. Schokoladenverschmiert bis in den Nacken und an die Knie, aber bis über beide Ohren strahlend präsentierte sie ihren Fund und trat damit meine Ernährungsvorsätze in die Tonne. Auch für die Tochter gab es von diesem Tag an das Stück Fleischwurst beim Metzger und den Löffelbiscuit beim Bäcker. (den kleinen Apfel im Lieblingsgemüseladen sowieso)
Der Jüngste war vier Monate jung, als wir in die Grüne Villa zogen. Und er war fünf Monate jung, als er sich, an der Schulter der allerliebsten Freundin ruhend, heimlich ein Schokocroissant angelte. Bis dies bemerkt wurde, hatte er das Croissant überaus gründlich und sehr begeistert eingespeichelt (und im Haar der allerliebsten Freundin verteilt).
Sehr schnell forderte er genau das gleiche Essen wie die anderen Familienmitglieder, was am Abend ganz toll war, denn alle Kinder liebten und lieben Griesbrei.
Meine wunderbaren Vorsätze ließen sich also nur beim ersten Kind und selbst da nicht konsequent realisieren. Vielleicht ist mangelnde Konsequenz tatsächlich das Stichwort. Oder Bequehmlichkeit. Wie auch immer, diese „besondere Ernährung“ konnten wir nicht realisieren.
Ich erwähnte es bereits oben in einem Nebensatz: sowie die Kindelein in den Kindergarten kamen, lernten sie Gemüse zu hassen, Soßen (ausser Tomatensoße) zu verabscheuen und Brot nur noch mit sehr angewiderter Miene zu sich nehmen zu können. Es begann die Zeit der trockenen Nudeln und die Zeit des „erst wenn du dieses Stückchen Brot gegessen hast, bekommst du das nächste. Nur den Käse essen gilt nicht. Das Brot unter den Tisch werfen auch nicht. Und in den Haaren verstecken, in die Hosentasche stecken, unter den Tellerrand klemmen oder bei Bruder/Schwester auf den Teller legen auch nicht!“ Tomatensoßen konnten eine Menge Gemüse enthalten, nur wissen durfte das keiner. Gekocht wurde nun grundsätzlich eher ungewürzt, weil die Kindelein immer „Scharf! Bitter! Sauer!“ schrieen, jedoch niemals „Viel zu süß!“ :) Wir würzten am Tisch nach, weil die empfindlichen Zungen und Gaumen der Kindelein sollten geschont werden.
Als die Kindelein während einer Party Chips entdeckten und diese ohne Schmerzensschreie wegknusperten, wurde mir klar, dass ich unser Ernährungskonzept erneut würde umstellen können.
Drei Pfeffersorten zogen ein, verschiedene Currymischungen und mein heißgeliebtes grünes Tabasco. Der Käse wurde würzig, saure Gurken und Silberzwiebeln kamen auf den Tisch und „Kinderessen“ wurde abgeschafft. Alles wird probiert, aber nicht alles muss gegessen werden.
Es war ein langer Weg vom allerersten Brei bis heute. Zwischendurch dachte ich, dass meine Kindelein sicherlich irgendwann unter Skorbut leiden werden, weil sie vehement Obst und Gemüse verschmähten. Das Ausfallen der Zähne allerdings war altersgemäß. Auch sonstige Mangelerscheinungen blieben aus und es ist ja auch recht günstig, so aus finanzieller Sicht, einfach immer nur Nudeln zu kochen. Der Abwechslung halber kann man mittlerweile zwischen etwa viertausend Nudelsorten wählen.
Hoffnungsschimmer gab es dann, wenn beispielsweise die Mutter der allerbesten Tochterfreundin erzählte, mit welcher Begeisterung das Töchterlein den Blumenkohlauflauf in sich hineingeschaufelt habe. Als ich den Auflauf nachkochte, kämpfte sie hingegen mit dem Würgereiz, es musste wohl am anderen Backofen liegen. Alle anderen Kinder aßen alles, nur meine aßen nichts. Außer Nudeln. Und Cornflakes zum Frühstück. Cornflakes, kein tolles Müsli mit fünferlei Getreideflocken, Trockenfrüchten und Buchweizenkeimlingen. Cornflakes, weil die schmecken mir auch besser.
Aber es wurde besser und jetzt ist es richtig gut.
Die Kindelein haben in ihrem Leben einige Tiefkühlpizze und sehr viele Pommes mit Ketchup verspeist. Es gab Milchschnitten und bei den Großeltern auch Fruchtzwerge (bei mir nicht, weil die sind nun wirklich so unnötig wie ein Kropf). Mohrenköpfe gibt es einmal im Monat und jeden Mittag nach dem Essen, darf man sich an der Schnuckesschublade bedienen. Drei Kaubonbons oder ein Päckchen Brause oder ein Stückchen Schokolade, manchmal hab ich ja auch Eis im Haus. Es gibt oft Kuchen oder Muffins oder Cookies, denn ich backe gerne. Wenn wir einen Film schauen, gibt’s Chips oder Salzstangen und manchmal selbstgemachtes Popcorn.
Keines der Kinder hat Karies, keines ist übergewichtig und ich behaupte, dass sie ohne Zucker nicht leiser wären. Sie sind ganz wunderbar gesund und fit. Trotz oder wegen? Eigentlich egal.
Dies ist kein Aufruf zu „Füttert schon eure Babies mit Schokoladenkeksen!“, aber es ist ein kleiner Schubs in Richtung „Macht euch nicht so viel Stress“. Und vielleicht auch ein klitzkleines „Macht nicht so ein Geschiss, ihr erfindet das Rad nicht neu“. Und das darf ich so schreiben, weil ich hab’s ja damals auch neu erfinden wollen und das ist ja auch das Recht der ganzen neuen Mütter :).
4. November 2010 um 07:39
ich sage einfach mal Danke! So schön geschrieben und wahrscheinlich haben Sie recht! Mein Zwerg wird erst 7…ich kann es also noch nicht so ganz beurteilen Ernährungsgewohnheiten sind ähnlich kann ich erkennen *lach* das macht mir Mut!
Ganz liebe grüße
Anja
4. November 2010 um 07:55
Hahahah,…. da fällt mir gestern abend ein: 1. Satzt: „das ess ich nicht!!“ 2. Satz: „aber nur das!“
Mein großer ist z.Z. nämlich so. Entweder will er nur Nudeln oder Pommes, gestern mal ausnahmsweise Bratkartoffeln. Und dazu SENF!!! Da zieht es mir immer alles zusammen, aber naja!
Selbst das: „Ohne Probieren wird nicht gesagt das es nicht schmeckt, auch wenn es bei Oma nicht geschmeckt hat, wir kochen anderst!“ hilft nicht immer!
Aber ich denke diese Phase geht auch vorbei, so wie alles irdendwann!
Einen guten morgen noch und schönen Tag
Grüssli Sabine
4. November 2010 um 08:20
Hach, welch wunderbarer Beitrag früh am Morgen! Danke, daß ich schmunzeln und mittendrin laut lachen durfte! Ich finde mich in sogut wie jedem Wort wieder!
Liebe Grüße von einer 5-fachen Mutti (Kinder derzeit zwischen 6 und 15 Jahren alt)
Auf in die Arbeit und dann an den (Nudel)kochtopf. ;)
Gabriele
4. November 2010 um 08:22
Danke! Einfach nur Danke! Ich werde diesen Blogeintrag von Ihnen ausdrucken und meinem Mann zu lesen geben. Denn der lebt noch in der Illusion, daß das Kind gesund nur ohne CornFlakes, Nudeln und Schokolade groß werden kann…!
LG, Inga
4. November 2010 um 08:25
Liebe Frau.. Mutti- herrlich.. da findet sich fast jede Mutter wieder! Mein Großer ist jetzt 12, isst fast alles, Mini ist knapp 2 und isst inzwischen auch fast alles!
Die guten Vorsätze wegen des Zuckers etc. hielten immer nur bis knapp über 1 Jahr. Bis die ersten Gummibärchen geschenkt wurden oder man selbst an diverse Naschsachen kam. Phasen des Nichtessens gibt/gab es bei uns noch nie.. zum Glück!
Bin mal gespannt, wie das dann mit Nr. 3 wird ..
Liebe Grüße,
Frau Buntschwarz
4. November 2010 um 08:27
.!
4. November 2010 um 08:50
Also die puren Nudeln ohen alles kenne ich vom kleinen waldkind, die Verweigerung des Brotes vom großen.
Ansonsten DANKE! für diesen Beitrag.
Ich erkenne mich und meine Kinder wieder.
4. November 2010 um 09:01
Jessas, wenn ich dran denke, wie ich bei Mutze jedes Vitamin gezählt habe und ganz verzweifelt war, wenn’s ein Miligramm zu wenig war, ;-). Den Strich durch die Rechnung machte mir der Mo, der verspeiste zwar gerne Laubblätter und Aachener Printen (!), lehnte aber sonst konsequent alles als die MuMi ab bis er anderthalb war. (Da riss er mir den Löffel aus der Hand). Minka ganz genauso.
Wären der Mo oder Minka mein erstes Kind gewesen, wäre ich sicher verzweifelt und hysterisch geworden. So war ich nur hysterisch, weil ich gerne mal abgestillt hätte — aber nicht, weil ich mir Sorgen um die Nährstoffe bzw. den Mangel derselben gemacht hätte, ;-).
So long,
Corinna
4. November 2010 um 09:02
Ach, köstlich!
Alles – alles in Maßen. Das ist, find ich, die Dosierung für jegliche Lebensbereiche.
Wir essen auch alles, einfach weil es uns schmeckt.
Wollte man Kinder essenstechnisch vor allem behüten, bliebe nur, sie zu Hause einzusperren und sie so vor den Verlockungen der bösen ;O) Kindergartenkumpanen oder Mitschüler zu schützen, die mit Bifi, Esspapier, Zucker, Gluten oder einfach gesättigten, gehärteten Fetten winken. Stellt sich dann die Frage nach der sozialen Kompetenz.
Lassen sie es sich weiterhin gut schmecken, wir tuns auch!
(Eines meiner Wörter, die man hier unten bei ihnen eingeben muss: Sauce!)
4. November 2010 um 09:05
Genau!
Entspannung ist das Zauberwort.
Danke von einer Mutter, die von links- bis rechtsdrehend selbstgekocht bis Gläschen bis Pommes alle Phasen durch hat. Und beim Dritten wars am Entspanntesten ;-)
4. November 2010 um 09:06
ha, danke, danke, danke, genauso denke ich auch!
ich mußte mir mal anhören, als ich gerade dabei war, meinem jüngsten ein fläschchen mit baby-milchpulver 2 (oder wars 3, also das ab 6 monaten oder so), wie ich denn sowas machen könnte, babys brauchen NUR das PRE-Pulver, also das ab geburt, alles andere wäre nur geldmacherei, weil es eigentlich nur für die armen verhungerten babies der entwicklungsländer erdacht worden wäre.
ich habe dann später doch mit genugtuung feststellen müssen, daß die kinder dieses überschlauen vaters, die dann wirklich bis in die puppen nur pre-nahrung gekriegt haben, NIE satt waren und auch jetzt reinhauen, als gäbe es kein morgen (und man sieht es ihnen an!)
4. November 2010 um 09:12
Also noch bin ich am Rad neu erfinden und Brei selberkochen (lassen) – denn einen Mann gibt’s ja auch noch, der in der Lage ist einen Schnellkochtopf zu bedienen. Vielleicht gehören die einzlnen so-will-ich-meine-Kinder-ernähren-Phasen einfach alle dazu. Das besser machen wollen genauso, wie das nicht mehr so verbissen sehen …
4. November 2010 um 09:12
herrlich!
ich habe keine kinder und noch sieht’s auch nicht danach aus, dass demnächst welche eintrudeln. aber der beitrag ist wunderbar! und der rat, sich mit dem essen nicht so zu stressen, spricht mir aus der seele. wenn eine mutter das sagt, kann meine meinung dazu wohl nicht so verkehrt sein – denn einige junge mütter im freundeskreis machen ein riesiges aufhebens um die ernährung der kleinen und als nicht-mutter ist man dann ziemlich überfordert, wenn man die kleinen monster irgendwie bestechen will. darf man ihnen was vom weißbrötchen geben? dürfen sie vielleicht doch den keks, der im cafe neben der kaffeetasse liegt – oder lieber nicht? oder muss man sich möhrchen einpacken, wenn man zusammen los geht? alles in maßen ist wohl doch der beste weg.
ach ja – ich habe jetzt übrigens hunger auf bio-gemüse mit pommes. ;)
es grüßt
frau s.
4. November 2010 um 09:13
applaus!!!
4. November 2010 um 09:16
Welch wunderbare Worte! Wie des öfteren sprichst du mir aus dem Herzen. Dankeschön ;)
Ich hab das eigentlich immer nur bis zum ersten Geburtstag etwas ernster genommen und mich meist „an die Regeln“ gehalten. Danach hab ich das bis jetzt recht entspannt gesehen. Aber die ganz üble trockene-Nudeln-Phase haben wir auch noch nicht erreicht :)
Viele liebe Grüße
Sandra
4. November 2010 um 09:19
Ein ganz tolles Posting, Frau … äh .. Mutti! Viele dieser Gedanken sind mir auch schon durch den Kopf gegangen – und mein Junior futtert mit Leidenschaft Obst und Gemüse (eben das von Ihnen beschriebene „isst alles – ist ja auch noch nicht im Kindergarten“), aber manchmal gibts eben auch ein Stückchen Schokolade oder Kuchen. Gesunde Ernährung ist eine Sache – aber man muss ja kein Gebetsbuch draus machen!
4. November 2010 um 09:23
Vielen lieben Dank Frau … äh … Mutti.
Die guten Vorsätze gibt es hier selbstverständlich auch.
Erstes Kind und so ;-)
Aber ich weiß nur zu gut dass das meiste im Leben anders kommt als gedacht.
Ich werde in einigen Monaten versuchen mich an Ihren Artikel zu erinnern.
4. November 2010 um 10:18
GAnz großes Kopfkino dieser Eintrag!
Mehr kann und will ich als Nicht-Muttertier dazu auch nicht sagen.
Die Kinder die ich, hin und wieder, bekoche leben alle noch. ;-)
4. November 2010 um 10:26
Ja.
Anders ist es aber dann meist auch nicht recht, der Umwelt und so. Man kann nämlich auch wie ich auf die Idee kommen, ein wenig zu lesen und zu stöbern und am Ende den Entschluss fassen, diese Erstlingsphase einfach zu überspringen und gleich bei der Dritt-Kind-Einstellung weiter zu machen. (Ohne Lesen hätte ich mich bestimmt an das gehalten, was ich vom hörensagen kenne, also das übliche Brei-Mengenmessen-stufenweise einführen-Allergien beachten). Deshalb habe ich noch nie Essmengen gezählt und gewogen, noch nie Brei gekocht, habe den Knirps essen lassen, wonach er gegriffen hat, auch wenn es mit 7 Monaten der erste Muffin war und kaum später ein Thai-Curry. Wir essen einfach alle dasselbe, mal mehr und mal weniger, mal dies nicht und das nicht, mal süß und mal scharf, aber eben einfach ohne großes Aufsehen. Und die übrigen Phasen kommen hier natürlich auch noch, die nur-Nudel-Phasen und bloß-kein-Gemüse, aber das wird er schon überleben.
Wenn man das also so macht, dann bekommt man entweder von entsetzten Erstlingsmüttern ein Kopfschütteln für die Pommes beim noch nicht mal einjährigen und für das Schokoladenstück beim mittlerweile einjährigen und für die vielen gefährlichen Gewürze und Ketchup, ohje, Ketchup!. Oder aber man bekommt ein Kopfschütteln dafür, dass man sich überhaupt irgendwas durchgelesen hat, das ist ja so unentspannt und gar nicht aus dem Bauch heraus und wird als verkopfte, überhysterische Mutter abgestempelt, weil man dem „soll das Kind doch mit den eigenen Händen essen, was es mag“ irgendeinen Begriff gibt, weil das eben einfacher ist als der ganze Satz.
Falsch ist es also immer. Naja. Amüsiert zurücklehnen und Knoblauchbrot genießen, sage ich da nur. Guten Appetit.
4. November 2010 um 10:43
applaus, frau mutti!
das haben sie wieder klasse geschrieben!
meine (erst 4-jährige) erfahrung hat auch gezeigt: alles in maßen scheint das beste zu sein. bei uns wird auch probiert aber nicht gezwungen. manches mag der kleine mann nicht, anderes umso mehr (zur zeit milchreis mit zimtzucker). er isst saure gurken, wurst, viel obst, dunkles brot, gemüse, natürlich nudeln und eigentlich fast alles. auch süßes. er fragt immer und meistens darf er. so kommt gar nicht erst das gefühl auf, sich das „erkämpfen“ zu müssen (im sinne von machtkampf) und es wird oft total nebensächlich. es gibt wochen, wo er überhaupt nichts süßes „braucht“ und andere, wo er ganz wild drauf ist und es auch nutella auf dem kindergartenbrot sein muss…
er ist schlank, gesund und sportlich also scheint das so nicht so verkehrt zu sein…
liebe grüße aus mainz,
susa
4. November 2010 um 10:44
Ganz wunderbar, dieser Beitrag! Erinnert mich an die vielen „Über-Mütter“ in der Geburtsvorbereitung. Wahrscheinlich erging es ihnen wie Ihnen.
Meine Vorsätze, so spät wie möglich Süßigkeiten zu geben, wurden von meiner Mutter untergraben. Und auch, wenn ich damals hin und wieder stinksauer geworden bin: auch mein Pubertierchen ist gesund bis hierhin gekommen. Sie ist sehr schlank (war ich in dem Alter aber auch, von daher ist es nicht bedenklich) und fit. Und sie trinkt Tee auch mal ohne Zucker!
An dieser Stelle möchte ich gerne auch meine Bewunderung für Ihre „Schreibe“ zum Ausdruck bringen, liebe Frau Mutti! Immer wieder gern gelesen!
4. November 2010 um 10:47
Bei den Zwillingen (Kind 3 und 4) bin ich schon sehr viel entspannter, wenn auch weiterhin achtsam hinsichtlich gesunder Ernährung.
Ja, Ihr Geschriebenes spiegelt so einige Erinnerungen.
4. November 2010 um 11:11
Ich war schon am überlegen, ob ich das Rad neu erfinden will/muss, aber nun lass ich’s lieber bleiben und speichere mir stattdessen diesen Post – damit ich ihn immer wieder lesen kann, wenn’s für mein Fräulein (2 Monate) den ersten Brei gibt, das erste Croissant, die ersten Pommes, das erste Nutella… Danke für die Portion Entspanntheit!
4. November 2010 um 11:13
danke für diesen tollen eintrag. gestern erst erzählte ich der besten schreinerfreundin vom allerersten geburtstagskuchen der tochter. aus bio-dinkelmehl, ursüße und sonnenblumenöl (natürlich aus dem reformhaus). die schreinerspross wird heute nämlich eins und sie wollte wissen, was sie ihm denn für einen kuchen backen könnte. habe ihr einen marmorkuchen – klassisch – empfohlen. den mögen alle kinder und im gegensatz zum ursüße-gedöns auch die erwachsenen….
4. November 2010 um 11:14
liebe fraumutti,
Danke fuer den sehr erfrischenden Eintrag.
Ich habe 6 Kinder im Alter von10 bis 24, und es ist erstaunlich welche Vorsaetze man so alles ueber Bord wirft!
Die Brei und Essensgeschichten kamen mir sehr bekannt vor. Hinzu kam noch der anfängliche Verzicht auf Pampers, natürlich aus ökologischer Sicht vielleicht noch erstrebenswert, aber auf Dauer dann doch nicht durchzuhalten. Zurückblickend kann ich auch nur sagen:\ Macht euch nicht selbst so einen Stress, das schaffen andere schon ganz allein. Mein Gefuehl hat mich ganz gut durch die diversen Phasen gebracht. Also freut euch an euren Kindern und immer schone locker bleiben:-) !
Liebe gruesse SusanneH.
4. November 2010 um 11:39
so ist es.
das Rad erfinden wollen scheint hormonell bedingt zu sein, ich erinnere die „brei kochen und in eiswürfelschalen einfrieren“ Phase noch sehr genau – praktisch wars aber schon.
ich bin bei allen drei kindern um die fläschchen herumgekommen, alle drei sind mit relativ wenig süßkram so alt geworden wie sie sind, (die jüngste fast 4), aber wie es immer so ist – man hats nicht in der hand. letzthin wollten sie keine gummibärchen haben, weil sie im fernsehen in den kindernachrichten gesehen hatten, dass da FARBstoffe drin sind…. karies haben sie auch nicht, und gemüse können sie von obst unterscheiden. und fertigpizza essen sie nicht. kategorisch. kann ich noch so bitteln und betteln.
4. November 2010 um 11:44
hallo!
lustig sind sie, deine erfahrungen :) auch ich hatte mir „damals“ `nen kopp gemacht und für was? alles umsonst: die große, die als kleines ALLES gegessen hat und ich ihr viel abwechslung geboten habe (naja, es wurde ja immer geraten das kind nicht auf *einen* geschmack zu trimmen ;))isst heute was nix. und neues schon mal gar nicht ;)
die mittlere hat bis zum 2. geburtstag nur 3-3 essen gehabt,die sie mochte und heute?? sie isst ALLES, mit begeisterung, mit neugier und ohne berührungsängste. und ein raubtier ist sie noch dazu ;))
bei der kleinen war es mir fast „egal“, weil ich wusste es kommt eh anders *lach*
lieben gruß tina
4. November 2010 um 12:25
Danke für diesen wunderbaren Beitrag, der mir aus der Seele spricht.
Jeden Tag aufs Neue freue ich mich auf Ihre so lebensnahen Blogeinträge.
Liebe Grüße Monika
4. November 2010 um 12:35
Tochterkind aß nach dem ersten halben Jahr zunächst brav Gemüsebrei & Co. Danach forderte mit 8 Monaten das erste Mal vehement unser Erwachsenenessen ein. Eier in Senfsauce. 2 große Portionen. Danach wurde Brei verweigert und sie aß bei uns mit. Die Vorräte hoben wir auf für unser zweites Kind – ich war ja schon wieder schwanger.
Sohnemann jedoch trank BEBA-HA-Milch und verschmähte bis zum 7.-8. Monat jedweden Brei. Dann entdeckte er Chili con Carne auf unseren Tellern. Und die Flasche war abgeschrieben.
Mir war’s egal. Nur mein Mann hat etwas geflucht, weil er palettenweise auf Vorrat gekaufte Babykost entsorgen bzw. verschenken mußte. *g*
4. November 2010 um 12:37
Eigentlich ist das mit der biologisch-ökomenisch-vollwertigen Kost doch ganz einfach durchzuhalten: wenn es für die Eltern auch ganz natürlich ist, sich völlig ohne Geschmack, Salz und Zucker zu ernähren.
Das Problem entsteht doch nur dadurch, dass das Essensthema ein „aufgesetztes“ ist.
Ich war einmal bei einer Mutter eingeladen, die sich ganz besonders viel Mühe mit ihren Kindelein gab. Sogar der Kronleuchter über dem Tisch war abgehängt worden, weil das Bobbele immer hoch kletterte und sich daran herumschwang wie Jungtarzan (er war knapp zwei). Der Kleine lief also mit seiner vollwert-Dinkelstange um uns herum, während seine Mutter ein Stück Sahnetorte nach dem anderen verschlang. Bis er mal eben mit der Hand in die Torte patschte (das ging so schnell) und sich die Finger ableckte. Schwups, flog das Dinkelzeug durchs Zimmer und mordsmäßig schreiend wurde das gefordert, was Mama auf dem Teller hatte. Da war dann Schluss mit Kaffeeklatsch. Am schlimmsten aber war, dass es dort so…unentspannt war.
Aber letztlich muss jeder es so machen, wie er es für richtig hält. Ich wünsche Jung-Eltern nur ein bißchen mehr Vertrauen in ihren gesunden Menschenverstand und ein bißchen mehr Entspanntheit.
4. November 2010 um 12:41
PS: Als der Sohn ca. 2,5 Jahre alt war, ging ich mit meinen Kindern während eines Stadtbummels das erste Mal zu McDoof. Die Tochter wollte einen Hamburger, der Sohn dann natürlich auch, obwohl er gar nicht wußte, um was es sich überhaupt handelte. Nun, das Ding war warm und weich – perfekt zum schmusen und an die Wange drücken. Gegessen hat er ihn nicht. Er mag die Dinger bis heute nicht. Und die Leute haben gelacht. ^^
4. November 2010 um 12:47
Amen.
jo, Mutter von 3
Denn wie pflegt(e) Frau Antonmann zu sagen? Mit dem 3. sieht man besser…
4. November 2010 um 12:54
Danke für diesen Bericht!
Gleich in mehrfacher Hinsicht.
Zum einen ein Ausdruck, der an meinen Freund geht, da dieser sich jetzt schon Gedanken um die Tischgewohnheiten- und Manieren unseres noch nicht geborenen Kindes macht. (Nictom, wenn unser Kind genauso viel auf dem Teller übrig lässt oder dies und jenes nicht mag wie du, dann werde ich noch durchdrehen. Also das gibt es dann nicht mehr).
Zum anderen ein Beweis für meine Kollegin, dass ich nun doch nicht so ungesund esse, wie sie mir das immer vorhält (nur weil sie auf einem Gesundheitstripp ist, bei dem sie 30kg abgenommen hat), dass ich ungesund essen würde.
Ergebnis gerade ber Sms: Blutwerte, die im Zuge einer Vorsorgeuntersuchung abgenommen wurden sind PERFEKT.
Also ist alles in Butter!
Drei Teile Obst am Tag, mind. 1Liter Milch (in Kakaoform) und dann die warmen Abendessen und mittags irgendwas (Reste von gestern, belegtes Brötchen, Salat oder so) sind also auch bei mir nachweislich nicht verkehrt.
LG
Nictom
4. November 2010 um 13:12
Einfach nur wunderbar dieser Blogartikel!
Habe unsere Familie nicht nur einmal in Ihren Schilderungen wiedergefunden.
Bei uns war’s nur nicht die Blockschokolade, die der Kleine im Vorratsschrank fand, sondern den Kandiszucker! Das Gesicht war aber wohl ähnlich entzückt! Ab dem 2. Kind sieht man das ganze Essens-Gedöns wesentlich entspannter. Und die Regel „Alles wird probiert, aber nicht alles muss gegessen werden“ gilt bei uns auch und ist, finde ich, die wichtigste und beste Regel, die man zu Tisch aufstellen kann! Denn wie oft kam von unserem Sohn nach anfänglichem „Iiieh, das es ich nicht!“ dann nach dem Probieren „Schmeckt ja gar nicht so schlecht…“!
Na, bitte, wer sagt’s denn!
Liebe Grüße,
Bianca
4. November 2010 um 13:17
Oh, ich danke für diesen tollen Beitrag….warte zwar erst auf unseren Zwerg, aber man macht sich ja so seine Gedanken…ich werde mir den Beitrag ausdrucken, damit ich nicht in die „Erstkindfalle“,nämlich alles richtig machen zu „müssen“ tappe…danke schön!
4. November 2010 um 13:28
Wunderbar geschrieben Frau…äh…Mutti! Vielen Dank für wahre Worte!
4. November 2010 um 13:35
Liebe Frau Mutti,
mit Spannung erwarte ich ein Bild aus dem frisch renovierten und fertigen Mädchenzimmer…. oder mag das Zimmer nicht ins Netz? Dann nix für ungut…was ist mit der Tür? Bleibt die jetzt doch so?
Grüße
aus der verregneten Hauptstadt
4. November 2010 um 14:37
Danke für diesen vergnüglichen Ausflug in die mütterliche Gedanken- und Erlebniswelt! Ich hab stellenweise sehr lachen müssen.
Wir sind trotz Kindergarten glücklicherweise nicht in der „ich-ess-kein-Gemüse“-Phase gelandet und da meine Tochter gegen ein paar Dinge (Eier! Weizen! Milch!) allergisch ist, fallen bei uns einige Verlockungen ohnehin weg. Trotzdem freu ich mich darauf, wenn die Damen dann mal irgendwann alles mitessen, was so auf den Tisch kommt. Und ich wieder mit sehr vielen Zwiebeln, sehr viel Knoblauch und sehr viel scharf kochen darf.
Bei der Gelegenheit hab ich noch ein Anekdötchen: mir war der eigentlich heißgeliebte Couscous (Dinkel! Vollkorn! ;)) ein wenig scharf geraten und meine 4jährige war darüber gar nicht glücklich. Da das „Essen-Wollen“ in ihr aber offenbar laut genug war, um das „Bäh-Scharf!“ zu übertönen, fand sie für sich eine wunderbare Lösung: sie schwenkte ihren glücklicherweise in der Nähe liegenden Zauberstab über ihrem Teller und sagte: „Abracadabra, nicht scharf!“. Woraufhin sie problemlos außer ihrer ersten Portion auch noch die folgenden Nachschläge vertilgen konnte. Nächstes mal leg ich den Zauberstab gleich neben den Teller. ;)
4. November 2010 um 16:22
Ich stimme dir voll und ganz zu. Die Maus nascht nicht übermäßig viel, mal isst sie Gemüse und mal nicht, mal Nudeln mit und mal ohne Soße und bis jetzt geht es ihr sehr gut damit. Ich hoffe, alle verstehen diesen Hinweis „macht euch nicht zu viel Stress“ richtig, denn genau so ist es.
Liebe Grüße,Andrea
4. November 2010 um 16:23
Vielen, vielen Dank liebe Frau Mutti! Sie sprechen mir aus der Seele! Meine kleinen Monster sind zwar erst viereinhalb und knapp zwei – aber auch ich habe lernen müssen, dass Kinder auch mit Süßigkeiten und ohne offensichtliches Gemüse gesund, ohne Mangelerscheinungen und glücklich vor sich hin wachsen können!
4. November 2010 um 17:04
40 Kommentare (bisher) – das spricht schon für sich….
DANKE DANKE DANKE für diesen Post, er tröstet mich und lässt mich hoffen! Warum hat man eigentlich immer das Gefühl, dass nur die eigenen Kinder nix essen???
Bezüglich der Süßigkeiten haben wir hier ein Verteilersystem eingeführt. Sonntags kriegt jeder seine Dose gefüllt und darf sie sich einteilen wie auch immer er möchte – entweder sofort in eins weghauen oder auf die Woche verteilen. Auf diese Weise erspare ich mir dieses ständige lästige „Darf ich was Süßäääs???“
LG,
Renata
4. November 2010 um 17:55
*gg* wie immer fühle ich mich bei dir „wie daheim“
danke dafür!
4. November 2010 um 19:27
woher kenne ich das alles bloß???? *amkopfkratz* ;-))
Das hätte ich erzählen können :-D
Heute sage ich immer, wenn eine überängstliche Mutter mal wieder total gestrest ist: „es ist noch kein Kind vor einem vollen Teller verhungert, die nehmen sich schon was sie brauchen. „
4. November 2010 um 19:29
Ich habe immer, als die Tochter schon ein klein wenig größer war, Tee gekocht, aus Hagebutten und Pfefferminz, also gemischt. Da musste auch kein Zucker rein. Das schmeckt immer noch ohne sehr gut.
Dann kam meine Schwester mit dem ein Jahr älteren Sohn. Der spuckte den Tee aus. Für ihn musste es süüüüüüüüß sein.
Späterso mit 9 Jahre, bei der Kommunion-Vorbereitung, kochte ich zweierlei, einen normal, die andre Kanne mit Zucker.
Was soll ich sagen? Der OHNE Zucker war zum Schluss alle.
Da hab ich ja doch gestaunt.
4. November 2010 um 19:31
ebenfalls danke!
Bei uns hat der Älteste mit knapp 2 Jahren das erste Mal Kaffee getrunken (mit Milch und Zucker) und so gab es ab da dann manchmal Karokaffee für ihn und seit er zur weiterführenden Schule ging, immer …
ansonsten könnte der bericht bei uns stattgefunden haben.
Ich kann noch einen draufsetzen:
Das erste Kind wurde ökologisch wertvoll in Stoffwindeln gewickelt, mit selbstgestrickten unbehandelten Schafwollhöschen drüber. Nur wenn wir länger unterwegs waren, gab es Wegwerfwindeln aus dem Bioladen … Kind 2 wurde tagsüber klassisch gewickelt und nachts in „Pämpas“ alle anderen Sorten verursachten Ausschlag, auch die Stoffwindeln, weil das Mädel immer durchgeschlafen hatte und es dann zu feucht wurde. Und der Jüngste hat nur ab und zu eine Stoffwindel bekommen. Trocken geworden sind alle …
5. November 2010 um 11:40
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