Hallo Alltag,

2. Mai 2011

geh weg.
Osterferien sind doch so viel besser und das finden nicht nur die Kindelein. Jetzt nur noch ein paar Wöchelchen bis zu den Sommerferien überstehen. (und die werden hart, denn in allen Fächern stehen noch Leistungsüberprüfungen an, die Konfirmation der Tochter wird dazwischen gequetscht und unser Kalender füllt sich mit vielen Terminen)

Während der Osterferien hat der Jüngste auf Medikamente verzichtet. Das ging eine Woche lang ganz prima. In der zweiten Woche erwischten wir uns, dass wir ihn ständig ermahnten, nicht so zu zappeln, nicht so nervig zu sein, nicht richtig aufzupassen, nicht richtig „da“ zu sein. Am Ende der zweiten Woche wurde uns klar, dass wir ungerecht sind, weil das Kind gar nicht anders konnte. Und wir kamen auf die Idee nachzufragen, wie er sich denn fühlt. „Hippelig“ und „zappelig“ und „unruhig“ sprach er und er möchte die Medikamente weiter nehmen, denn dann ist das anders.
Heute, am ersten Schultag, hat er seine gewohnte Dosis bekommen und er erzählte mir heute mittag, er habe sich gut gefühlt, habe konzentriert mitarbeiten können. „Ich will die Medikamente weiternehmen“, sagt er und somit stellen wir die Weichen wieder zurück. Wenn es ihm unter medikamentöser Behandlung besser geht, wie könnten wir die dann aussetzen? Ein Termin beim Arzt muss her, die Dosis muss evtl. angepasst werden und wir klären, ob wir erneut längere Phasen „ohne“ einplanen, um zu überprüfen, ob eine Notwendigkeit besteht.
Im Rückblick auf unsere Erfahrungen während der Osterferien wundere ich mich, dass mir nicht früher aufgefallen ist, wie sehr unserem Sohn die Unterstützung durch Medikamente fehlte. Er suchte viel Nähe, wollte regelrecht festgehalten werden, von uns, von seinen Geschwistern. Ich empfand das als „anstrengend“, empfahl ihm, sich mit irgendwas zu beschäftigen und merkte einfach nicht, dass er da allein gar nicht hinkriegt. Und nicht in der Lage war, uns dies zu erklären. (schlechtes Gewissen, hallo. Hab dich nicht vermisst)

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Die Kindelein tragen einmal im Monat zusammen 900 Zeitungen aus. Für das Zustellergehalt haben sie eine weitere Eisschüssel für unsere Küchenmaschine gekauft, damit wir endlich zwei Eissorten an einem Tag zusammenrühren können. Sehr aufmerksam von den Kindelein. Meine Hüften danken artig, denn bis jetzt sind mir beinahe nur Eisrezepte über den Weg gelaufen, deren Hauptzutat viel Sahne und noch ein bißchen mehr Sahne war. Lecker, ganz unbestritten, denn über Fett als Geschmacksträger erzählt uns niemand mehr was Neues. Und das Gerücht, das Kalorien Minusgrade nicht überleben ist eben auch nur ein Gerücht. (genauso wie das, dass weiße Lebensmittel keine Kalorien enthalten)

Falls Sie jetzt aber glauben, ich würde Ihnen vehement von der Anschaffung einer Eismaschine (welcher Sorte auch immer) abraten: falsch. Kaufen Sie sich eine, denn bei Eisbällchenpreisen von 80 Cent hier in der Provinz (in der Stadt sicher deutlich höher), haben Sie die Maschine schnell wieder raus. Und das das selbstgemachte Eis ist wahrlich ein Gedicht. Sie werden nie wieder Vanilleeis aus der Packung essen wollen , wenn Sie wissen, dass die angeblichen Vanillepunkte darin nur gemahlene Kirschkerne sind, wenn sie zum ersten Mal ihre Vanilleeis mit dem Mark aus Vanilleschoten gerührt haben.

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Wegen des Hüftgejammers im Absatz obendrüber: Frau .. äh … Mutti wandert immer noch brav zweimal in der Woche zum Spocht. Nun gut. In den Osterferien nur einmal in der Woche, aber dafür einmal mit dem Rad. Und joggen war ich auch. Oder so was Ähnliches. Mehr so ein schnelleres Gehen und ausgiebiges Keuchen. Hat aber Spaß gemacht. Jedenfalls mehr Spaß, als auf dem Crosstrainer herumzuhampeln.

Heute waren wir etwas später als sonst beim Spocht und das war doof, denn es wurde voll. Und dann muss man manchmal an den Geräten warten, bis man endlich drankommt. Es gibt nämlich die Gattung der „Gerätewarmhalter“. Gerätewarmhalter sprinten energiegeladen zu irgendeinem Gerät, werfen ihr Handtuch auf den Sitz, schwingen sich in Position und verharren. Minutenlang. Meditieren womöglich. Oder besprechen ihre Muskulatur, damit diese höchst effizient mitarbeitet. Keine Ahnung. Irgendwann viel später wird mit konzentrierter Miene der erste Übungsblock, bestehend aus fünfzehn oder gar zwanzig Wiederholungen absolviert. Danach verharrt der Gerätewarmhalter erneut. Konzentriert sich, massiert die bewegten Muskeln, starrt versonnen auf den Busen der Frau am Nachbargerät ins Leere, tupft sich den Schweiß von der Stirn, trinkt mehrere Schlucke Wasser und entschliesst sich nach gut zehn Minuten, den nächsten Übungsblock anzugehen. Unter qualvollem Verzerren des Gesichtes, auf dass ein jeder sieht, wie schwer ein Gerätewarmhalter trainiert.

Eine Steigerung des Gerätewarmhalters ist die des schwätzenden Gerätewarmhalters. Diese Gattung wirft ebenfalls schwungvoll ihr Handtuch auf´s Gerät, nimmt Platz und beginnt sich dann ausführlich über das Fußballspiel der Jungs am letzten Samstag mit dem Menschen am Nachbargerät zu unterhalten. Oder man trifft sich am Gerät und schwätzt über die Osterreise, Sonnenbrände und diese hohen Schuhe, in denen doch kein Mensch laufen kann. Dann absolviert man rasch einen Übungsblock, um kurz aufzustehen und mit der Bekannten am anderen Ende des Raumes schnell zu klären, wer zum Grillabend Kartoffelsalat mitbringt. Das Handtuch lässt man liegen, denn es gibt ja noch den zweiten Übungsblock.

Lustig und irgendwie auch beeindruckend finde ich die Schufter, die sich schwitzend und stöhnend an den Geräten abrackern und denen man manchmal gar nicht ansieht, wieviel Gewicht sie da so durch die Gegend bewegen. Aber wenn man nach einem Schufter ans Gerät kommt und dann die Gewichte von sechzig Kilo auf niedliche zwanzig umsteckt, dann ist das doch sehr beeindruckend. Oder wenn man nach einem der unzähligen Rentner aufs Gerät klettert und feststellt, dass der ungefähr doppelt so alte Mensch auch ungefähr doppelt so hohe Gewichte stemmt, dann ist das noch beeindruckender.

Ach ja. Es macht immer noch Spaß, wenn ich den Schweinehund in die Ecke getreten habe. Dass ich ohne den Spocht nicht mehr leben könnte … das wäre sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Aber dass sich Winkfleisch an den Armen verabschiedet hat und der Bauch unter dem Speck schön fest ist und dass mein Knie wieder stabil in Muskeln steckt – das möchte ich nicht missen.

18 Kommentare zu “Hallo Alltag,”

  1. Annette sagt:

    vielen Dank für den Link – noch zuckt der Finger, aber ich denke, auch wir werden diesen Sommer selbstgemachtes Eis genießen. Fragt sich nur, nach welchen Rezepten – wäre dies nicht mal eine Kategorie wert, liebe Frau Äh Mutti!

    Viel Spaß im Nähzimmer!
    Annette

  2. mareike sagt:

    (ein kritischer kommentar, der gern ignoriert werden darf, aber eher einen generellen spontanen gedanken beschreiben als jemanden provozieren oder verurteilen soll: ist es nicht gerade, wenn man die medikamente nehmen MÖCHTE, zeit, sie abzusetzen?)

  3. fraumutti sagt:

    Mareike, das wäre logisch, ja. Allerdings ist die medikamentöse Behandlung vergleichbar mit einer Brille. Einer Brille für´s Gehirn eben. Und wie man eben die Sehfähigkeit als Brillenträger immer wieder überprüft bekommt, muss man eben auch schauen, ob das mit den Medikamenten noch Sinn macht. Und wer schlecht sieht, behält die Brille.

    (keine Provokation, sondern Interesse. Find ich gut.)

  4. Juniwelt sagt:

    Man kann sich an Sport echt gewöhnen. Ich werde ab und zu ziemlich unleidlich, wenn ich mal keine Zeit fürs Training habe :-)
    Mein Eindruck was Ihr Umgang mit Ihren Kindern angeht ist, dass Sie sehr genau wissen was Sie machen und das machen Sie ziemlich gut, auch wenn Sie vieleicht manchmal nicht sofort perfekt reagieren. Das ist nur allzu menschlich, ich wünsche Ihnen weiterhin viel Liebe, Kraft, Stärke und Aufmerksamkeit und natürlich weiterhin fröhliches sporteln
    Liebe Grüße
    Juniwelt

  5. Dorle sagt:

    Liebe Frau Mutti,
    in meinem Keller wartet eine alte geerbte K*eenwood darauf, dass ich endlich eine Eisschüssel kaufe… ich zögere noch, es fehlen mir die Rezepte mit Gelinggarantie, wo stöbern Sie denn nach Eisrezepten??? Und wie stehen Sie zu rohem Ei im Eis?
    Bin gespannt!!
    Dorle

  6. podruga sagt:

    eine schöne sozialstudie aus dem fitnesscenter. was bin ich froh, in einem frauenladen zu sporteln.
    (was ist das nur für eine (deutsche) unsitte mit den Handtüchern; als wenn es strandliegen auf malle wären…)

  7. minibar sagt:

    Oh, mit dem Jüngsten, das ist ja echt nicht einfach, und doch erfreulich. Dass die Medizin überhaupt hilft, tut gut.

    Hier zu Hause habe ich das früher mal genannte Domino-Eis. Also halb mit Waffel, halb mit dünner Schoko bedeckt. Das hat erstaunlich wenige Kalorien.

    Heute war ich wieder zur Wirbelsäulengymnastik, wir haben mit Bällen geturnt, aber nicht mit den großen, sondern mit handlichen….

  8. Seifenfrau sagt:

    …das ist ja ein nobles Küchenmaschinchen: Ich folgte grade dem link.
    Da erblasse ich ja vor Neid!
    Nun ja, wenn man die nicht hat, kann man oft Eiskugeln kaufen…
    Aber die kann ja auch noch mehr, oder?

  9. asty sagt:

    Statt der Eismaschine, die mir auch viel zu viel Platz in der Küche wegnehmen würde, spare ich das Geld lieber und kaufe hin und wieder einen leckeren Becher Baileys-Eis :-)

    Ist genauso wie meine Nachbarin, die eine Bügel-Maschine für irre viel Geld gekauft hat (ca. 2000 € oder so) und ich gehe lieber mit den Hemden des Mannes zum Hemdenservice. Das Geld reicht da für ein paar Jahre…… und ich muss nicht bügeln :-)

    Aber so ein selbergemachtes Eis ist trotz allem unbestritten besser als jedes andere!!!

    Liebe Grüsse
    asty (gerade vom Crosstrainer gestiegen)

  10. Eva sagt:

    Ritalin hilf eltern und lehrer
    aber nie das kind

  11. jule sagt:

    @Eva: Ritalin hilft nie dem Kind? Das scheint das Kind in diesem Fall anders zu empfinden.

    Außerdem scheinen die durchaus kritischen Eltern Ritalin nicht als Allheilmittel zu empfinden, sondern verzichteten auch gern darauf… Es gelegentlich mit Auslassversuchen zu probieren, ob es nicht doch länger ohne geht, halte ich für eine für alle Beteiligten sinnvolle Lösung.

  12. Seifenfrau sagt:

    Ich finde gut, dass Frau Mutti nicht einfach PRO oder CONTRA Ritalin ist, sondern sich ihren Jüngsten genau anschaut und befragt.

  13. asty sagt:

    @ Eva: natürlich hilft es dem Kind, wenn vielleicht auch nur indirekt, weil nämlich die Eltern, Lehrer und andere Menschen, die mit dem Kind zu tun haben, sehr entspannt werden, wenn das Kind nicht mehr so „nervt“.
    Davon hat dann das Kind auf jeden Fall etwas.

    So stelle ich mir das jedenfalls vor…….

    Liebe Grüsse
    asty

  14. KlosterFrau sagt:

    Ich lach mich schlapp über die Beschreibung der Mutti-Buden-Typen … die gibts wohl überall. Gut finde ich auch das manchmal sehr or***tische Gestöhne quer durch den Laden.

    Grüße aus China!
    Andrea

  15. eva sagt:

    Ich habe JAHRE LANG! ritalin genomen meine eltern waren fröh meine Lehrer waren fröh ( ich habe nicht so genevt)und ich war fröh ? damals ja es war ruhe mir bleibt Ruhig! Hör auf mich zu nerven! hör mich zu!
    mit 18 bin ich Umgezogen habe nie mehr wass gennomen aber … ich war geheilt ALELUYA!! , habe ein gute job , kann mich konzentriren kann alles machen wie andere menschen bin nür ein bißien “ zappel phillip“
    Ich sage es nochmal Ritalin ist eine hilfe für lehre und eltern aber nie und niemals fürs kind

  16. Dörte sagt:

    Dieses Auf-den-Geräten-rumsitzen kenne ich aus meinem Fitnesstudio zur Genüge. Allerdings sind es weniger die Jungs, sondern tatsächlich sehr viel häufiger die Mädels, die ihre dreimal zehn (manchmal auch 15) Wiederholungen auf ca. 20 Minuten ausdehnen. Manchmal denke ich, die glauben, mit ihrem Monatsbeitrag die Geräte gekauft zu haben. Als Nicht-Mutti bevorzuge ich also die Abendstunden (ab 19.30 Uhr) für den Sport, weil die Schwatztanten in den meisten Fällen um diese Uhrzeit schon mindestens duschen sind (und ich will mir gar nicht ausmalen, wie lange das u.U. dauert…). :-)

  17. Neues Projekt: Eis selber machen | Nicht noch ein Seifenblog! sagt:

    […] … Mutti schrieb schon des öfteren über ihre Eismaschine und tolles selbstgemachtes Eis und empfiehlt dringend den Kauf einer solchen. Jetzt liebe ich ja Eis, weigere mich aber, den Kauf einer Eismaschine auch […]

  18. Barbara sagt:

    Liebe Frau Mutti,
    ich bin 42 Jahre alt und nehme seit 5 Jahren Ritalin. Und jetzt weiß ich, was mein Leben lang mit mir los war – ich war immer traurig, weil ich so anders war als die anderen. Verstanden hatte ich nie warum das so ist. Heute bin ich stolz auf meine „Krankheit“, denn Menschen mit ADS/ADHS sind sehr besondere Menschen und auch wenn das so ist, so bin ich doch froh um die Unterstützung durch Ritalin – statt wie damals Antidepressiva zu nehmen. Ich bin froh, dass ein Arzt erkannt hat, was mit mir wirklich ist (der ist übrigens in Worms;-). Nicht beirren lassen – für jeden gibt es einen ganz eigenen Weg.

    Alles Gute
    Barbara

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