Sind so Tage …
19. September 2008
Ganz die Mama.
18. September 2008
Der Apfel fällt nicht weit vom Apfelbaum. Logo.
Und somit ist es nicht verwunderlich, dass das Töchterlein die Kunst des steten Hinterfragens und Zweifelns ebenso zelebriert wie die Mutter.
Es mag Glück im Unglück sein, dass ich ihr mit großer Lässigkeit durch ihre verworrenen Gedankengänge folgen kann. Die Ratschläge, die ich ihr gebe, sollte ich mir eigentlich aufschreiben und sie mir bei passender Gelegenheit vorlesen.
Das Mädchen ist im Schulstress. Hausaufgaben-Überprüfungen, Zehn-Stunden-Tests, Vokabeltests, Abfragen, Klassenarbeiten, Hausaufgaben. In der Freizeit dann Chor und Leichathletik und alles mit beinahe verbissenem Ehrgeiz. Und obendrein in den Klauen der Pubertät und mindestens quer zum Strom schwimmend.
Es ist schon irre, was ein knapp elfjähriges Mädchen bewältigt.
Wahre Worte
16. September 2008
(…)
„Ja, du bist eine Hexe, bis in deine Stiefel“, sagte sie, „Du bist traurig und dahinter beobachtest du dich dabei, wie du traurig bist und denkst: Oh, ich Arme. Und dahinter bist du zornig, weil ich nicht versuche, dich zu trösten. Zu den dritten Gedanken spreche ich, denn ich möchte mit dem Mädchen reden, das nur mit einer Bratpfanne bewaffnet gegen die Feenkönigin antrat, nicht mit dem Kind, das vor Selbstmitleid zerfließt.“
(…)
Terry Pratchet
„Ein Hut voller Sterne“
(nicht ganz so, aber sehr ähnlich)
(irgendwie Reflektionsgeheddere)
Die andere Seite
12. September 2008
(ein „Liebes Tagebuch“-Beitrag, der eigentlich ein Passwort bräuchte, aber er dient auch dazu, ein Bild gerade zu rücken und verdammte Kiste, ja, ich darf jammern)
Mensch, BENCH!
12. September 2008
„Es muss diese eine Fleecejacke sein“, seufzt die Freundin, die nie Zeit hat. Etwas anderes will die Tochter nicht tragen. Bench heisst die Marke der Begierde.
„Kenne ich nicht“, muss ich gestehen und auch die Mutter der Tochterfreundin ist ahnungslos.
Wir sind ja so uncool. Wir wissen nicht, dass Fleecejacken von Bench so cool sind, dass jede zweite Schülerin des Gymnasiums sie trägt. 80 (!) Jacken hat die Tochter auf dem Schulhof gezählt. 70 Euro kostet sie, die coole Fleecejacke. Aber die muss es sein. Nur die. Weil sie unauffällig macht, die coole Uniform.
Man will ja nicht dumm sterben und deshalb bemühte ich Herrn Gugel. Der empfahl mir „Bench : the official clothing site“ und ich klickte. Musik dröhnte und man wollte, dass ich mich anmelde. Nee, ich wollte doch nur die coole Fleecejacke betrachten und nicht meine Seele verkaufen. Herr Gugel empfahl auch noch andere Seiten und tatsächlich fand ich sie, die coolen Bench-Klamotten. Grau. Schwarz. Die Jacken mit einer Art Lätzchen, das man bis zum Kinn hoch schließen kann. Zum Verstecken von Knutschflecken wahrscheinlich. Das Lätzchen hatte die Freundin, die nie Zeit hat bereits erwähnt, ich konnte mir nichts darunter vorstellen. Auch jetzt scheint es mir weitestgehend zweckfrei, das Kinn zu verhüllen, wenn die Nieren frei sein dürfen. Huch. Ich höre mich alt an. Und uncool.
Es ist so eine Sache, die Sache mit den coolen Uniformen. Bei mir waren es früher die Adidas-Turnschuhe, diese bestimmten, knöchelhohen in weiß mit dunklen Streifen. NUR die. Keine anderen. Oder Chucks. Die aber nur, wenn man gleichzeit auch Kutten trug. Und Sweatshirts von Marc´O Polo, mit riesengroßem Aufdruck auf dem Rücken. Und die Schulternähte hatten so eine bestimmte Form, so dass Plagiate leicht zu enttarnen waren. Es zählte nur das Original. Ernesto oder Sash trugen die Prolls. Die Coolen, die ECHT Coolen trugen Levi´s. Schon immer. Wurden damit geboren. Und Socken von Burlington. Eventuell auch Fruit of the Loom, allerdings nur passend zu den Socken.
Ich besuchte keine elitäre Privatschule. Ich trabte jeden Tag in ein Gebäude, das zwei Gymnasien und drei Berufsschulen beherbergte. Und als größter Drogenumschlagsplatz von Rheinland-Pfalz galt. Schüler des „normalen“ Gymnasiums trugen andere Klamotten, als die des altsprachlichen Gymnasiums. An ihrer Kleidung sollst du sie erkennen :-)
Das ist heute wohl nicht anders als damals. Heute heißen die Kleider eben anders. (bis auf die Chucks, die sind wohl wirklich zeitlos). Bench kannte ich noch nicht, ich dachte, dass die Kinder immer noch von Ed Hardy begeistert sind. Heute sind die Klamotten wohl vergleichsweise teuer wie damals. Die Adidasschuhe kosteten um die 80 Mark. Früher sehr viel Geld, für 40 Euro bekomme ich ein Langarm-Shirt auf dem Bench steht. Meine Mutter fand die Adidasschuhe nicht schön, ich finde die Benchsachen nicht schön.
Vielleicht ist das so, dass Mütter die coolen Sachen nicht schön finden. (ich bin sehr froh, dass meine Kinder (noch) nicht modebewusst/markenversessen sind)
Was macht man, wenn die Kinder nur noch dann einen Sinn im Leben sehen, wenn sie, beispielsweise, die Fleecejacke von Bench anziehen können? Sagt man:
a) Aber klar doch, kauf dir gleich zwei, damit du verschiedene Farben hast!
b) Vergiss es, das sehe ich nicht ein.
c) Kauf dir den Kram selbst, wenn du meinst, du müsstest so herumlaufen.
d) ok, du legts aber die Hälfte drauf.
e) Kannst du dir ja zu Weihnachten wünschen (vielleicht ist es bis dahin wieder out).
f) eine Mischung aus allem oder etwas ganz anderes: …
Und ausserdem: Wer bestimmt, was cool ist? Gibt es derzeit eine Musikgruppe, die nur Benchjacken mit Latz trägt?
Weia. Ich hatte mir geschworen, dass ich auf dem Laufenden sein möchte, dass ich Verständnis haben möchte, für Musik und Geschmack der Kinder. Aber irgendwie – geht das nicht. Vielleicht kommt mir da mein eigener Geschmack in die Quere. Oder meine Erfahrung. Mein Wissen, dass das Glück im Leben eben doch nicht vom richtigen Lätzchenjäckchen abhängt. Und dass man wirklich erwachsen werden kann, ohne cool zu sein. Aber auch, dass es wahnsinnig schwer ist, wenn man nicht cool ist. Und dass man dann Manches vielleicht auch als Erwachsene nachholt. (quietschrote Chucks, zum Beispiel)
Noch zerbreche ich mir „fremd“ den Kopf, noch ist es die Tochter der Freundin, die nie Zeit hat. Aber die war vorgestern doch eigentlich auch noch klein und hat hinter der Schultüte hervor gegrinst.
(Wirres zum Wochenende)