Einblick gefällig?
3. Juni 2009
Frau … äh … Mutti rumpelt im Nähzimmer rum und Sie dürfen zuschauen.
Wenn Sie wollen.
Kaffeepause während der Schonpause
3. Juni 2009
Gestern schlug ich mit meiner Krücke eine schwangere Frau. Ganz aus Versehen, natürlich. Zum Dank schenkte sie mir eine große Schachtel Pralinen.
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Diese Pralinen sind so köstlich, dass ich gerade nebenher zum Kaffee vier fünf Stück davon genascht habe: Karamell Nuss-Sahnetrüffel, Rumtrüffel, Walnuss-Karamell-Brandy und Pistazientrüffel. (und ein Himbeer Mascarpone-Herz) Wahrscheinlich hätte ich ein schlechtes Gewissen wegen der unkrontrollierten Kalorienaufnahme, wenn nicht der Alkoholgehalt der Pralinen zu einem gewissen „ach, was geht´s mir gut!“ führen würde. Sehr bedenklich, einen Schwips um halb zwölf zu haben.
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Ich saß gestern hochmotiviert im Nähzimmer, um ein paar der geplanten Projekte zu erledigen, doch zuerst vertrödelte ich mich bei der Stoffauswahl, dann stellte ich fest, dass die Wege in meinem Nähzimmer zu weit für Krückenkrüppel sind und dass es völlig dämlich ist, keine Hand frei zu haben, um Sachen von A nach B zu transportieren. Mittlerweile kann ich zwar ganz gut auf einem Bein durch die Gegend hüpfen (gut heißt nicht elegant, leichtfüssig oder gar grazil!), aber mit vollen Tassen klappt das nicht so gut. Als ich mich endlich für ein Projekt entschieden hatte, musste ich von der Nähmaschineseite auf die Computerseite des Zimmers, um das gewünschte Stickmotiv auf die Karte zu speichern. Dass ich die Karte auf der Nähmaschinenseite vergessen hatte, merkte ich natürlich erst, als ich auf dem Stuhl vor dem Computer Platz genommen hatte, das Bein brav auf einem zweiten Stuhl hochgelegt und die Krücken stolpersicher verstaut hatte.
Als die Stickmaschine dann endlich ratterte, kam Besuch mit Blutegeln. Das war sehr erfreulich, denn so wurde mir sicherlich weiterer Frust erspart.
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Heute ein zweiter Anlauf im Nähzimmer, diesmal allerdings nur auf der Computerseite, denn die Mädchen aus Töchterleins Klasse planen ein Abschiedsgeschenk für den geliebten Klassenlehrer. Ein Photobuch soll´s werden. Und damit nicht nur Bilder das Auge erfreuen, hat jedes Mädchen eine persönliche Seite gestaltet. Auf Din A4- Zetteln, die nun alle fein säuberlich mit dem Super-Mommyblogger-kann-alles-Drucker gescannt und hinterher am Rechner ein bißchen gehübscht und in die Photobuch-Software gepresst werden müssen.
„Deine Tochter und die allerliebste Tochterfreundin, die heute sowieso zu Besuch hier ist, können ja die Seiten scannen“, schlägt der beste Vater meiner Kinder vor, „dann musst du nicht die ganze Zeit da rumstehen“
(das ist eine gute Idee und gegen das Kichern und Quietschen kann ich mir ja was in die Ohren stopfen)
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Gerade eben klingelte der Paketbote. Ich wollte mich ihm die Treppe hinunter in die Arme stürzen, woraufhin er dann doch lieber seine schwere Last nach oben trug: „misse die anderrrre Bein nischt auch gabuuut mache, oderrr?“ Recht hat er.
Im großen Paket ist unter ganz viel Styropor ein kleineres Paket und darin befinden sich vier wundervolle Tassen. Hab ich also mein rotes Lieblingstässchen wieder, zusammen mit drei Geschwistern. (leider ist da wohl ein Verpackungsfehler passiert, denn ich hab zwei grüne Tassen, die orangefarbene fehlt. Hat jemand zufällig zwei orangefarbene und keine grüne? Könnte ja sein.)
Und ausserdem gab´s da einen kleinen, braunen Umschlag. Anonym. Poststempel unleserlich. Ich hab ihn trotzdem aufgemacht, weil er nicht tickte. DANKE! (dankedankedanke!) Kann ich heute mittag also anfangen, meinen Mohnblütenrock zu nähen. DANKE! (wem danke ich denn eigentlich? Der Designerin oder der künftigen Verkäuferin? Mööönsch. Spannend!)
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eigentlich ist die Kaffeepause vorbei, aber ich hänge hier halt so rum. Erinnern Sie mich bitte daran, dass es irgendwann total langweilig ist, wenn man sich schont.
(maaaan. Die OP ist doch schon eine Woche her, ich könnt doch jetzt wieder …)
Störe mich nicht, Mama!
2. Juni 2009
bat das Töchterlein, „Ich muss da noch was fertig machen.“
Hoffentlich darf sie das Bild bald wieder mit heimbringen, damit ich´s aufhängen kann:

Thema: Afrika
Mittel: Stempel
Pudding in den Armen
1. Juni 2009
hat sie, die alte Frau … äh … Mutti.
Der dringend notwendige (ich muss mal raus, ich platze!) Abendspaziergang führte nur drei Straßen weiter zur Freundin, die nie Zeit hat. Ich war ziemlich … angestrengt, um nicht zu sagen: fix und fertig, als ich dort angekommen war. Noch nix mit Obamaoberarma.
Um mich für den Heimweg zu motivieren, gab´s ein Mädchenbier mit Crapefruit und eines in grün, Geschmacksrichtung zitronig. Bei beiden prostete ich imaginär in verschiedene Himmelsrichtungen, vielleicht hat die eine oder andere, der ich da zuprostete, ein Zucken in der Nase gespürt. Oder plötzlich Lust auf ein Bier.
Der Heimweg war ziemlich beschwingt und das Nähprojekt für morgen ist entschiedene Sache: Armschoner.
Jetzt: Bein hoch und zwei Folgen ER
Gaffer!
1. Juni 2009
Der Rettungshubschrauber landet direkt im Garten gegenüber und die Familie klebt am Fenster. Ist es der Nachbar, der so übergewichtig ist? Oder seine Frau, die ihm in nichts nachsteht? Oder der Sohn der beiden, der ist doch sowieso so komisch und ausserdem, weiß Frau … äh … Mutti, kommt da regelmäßig diese eine Arzthelferin mit Köfferchen ins Haus, da hat jemand irgendwas.
Der Rettungswagen fährt vor und es wird klar: es ist entweder der sanfte, alte Mann, den dieses grauenhafte Alzheimer-Ding langsam aber sicher zurück in ein Kind verwandelt oder aber seine Frau. Das wäre auch schlimm.
Ich ertappe mich mit den Kindern am offenen Fenster, lauernd, ob da nicht endlich mal was zu sehen ist. Endlich Gewisseheit, ob er oder sie. „Vielleicht kann ich ja was helfen“, schiebe ich als Ausrede vor und weiß doch, dass das völliger Humbug ist, denn ausser freundlichen Grüßen und einigen belanglosen Wettergesprächen gibt es keinen Kontakt. Und während mir meine Heuchelei bewusst wird, kommt die Erkenntnis:
Ich bin nicht besser als die Besen-Nachbarin, die stundenlang die Straße kehrt, um nichts zu verpassen.
Mein Fenster ist jetzt geschlossen und ich schäme mich.