Hoch die Tasse XX

6. Februar 2010

Das Tässchen ist im nächsten bunten Haus gelandet und wieder einmal gut (mit Milchschaum) befüllt. Der trinkenden Genießerin zaubert´s einen Milchbart und für uns gibt´s ein Kuchenrezept.

Da.

Wenn

6. Februar 2010

die Bäckereifachverkäuferin ein Absperrhütchen auf dem Kopf trägt, dann ist dies als untrügliches Zeichen zu werten, dass die fünfte Jahreszeit, die liebste der Narren und Narrhalesen (Helau usw.), vor der Tür steht.

Wenn die Zeitung sich mit Bildern von Tanzgruppen in gar luschtigen Kostümen und Männern mit merkwürdigen zipfligen Kopfbedeckungen füllt, dann freuen sich darüber wahrscheinlich nur die Jecken.

Wenn im Supermarkt die Regale mit den bunten alkoholischen Spaßgetränken aufgefüllt werden, dann steht außer Frage, dass es auch in diesem Jahr ein wunderbar fröhliches Fest wird.

Wenn das jüngste Kind nächste Woche  Donnerstag in aller Frühe einen Schnurrbart wünscht und am Freitag einen Schlafanzug für die beiden Stunden Schwimmunterricht, dann ist das der Beweis, dass auch in der Schule munter gefeiert wird.

Wenn es nächste Woche Samstag in der Grünen Villa selbstgebackene Kreppel mit Himbeerkonfitürenfüllung für die Freundfamilien und uns gibt, dann ist das bestimmt reiner Zufall :)

Hier wird nicht gefeiert. Weder Fastnacht noch Karneval. Ich liebe es, mich zu verkleiden, doch ich kann weder der ausgelassenen Alkoholstimmung noch der ganz speziellen Musik etwas abgewinnen. Büttenreden sind sehr intelligente Anspielungen, doch der Inhalt entgeht mir meistens, weil ich dem Dialekt nicht folgen kann. Und die Umzüge locken mich auch nicht, nicht mal vor den Fernseher.

Uffdäää, uffdäää, uffdääää.

Gespräche mit Lehrern

5. Februar 2010

können wahnsinnig ermüden.

Es ist unwahrscheinlich schwer, höflich und sachlich zu formulieren, dass zwei Drittel der Schüler angepisst sind, wüste Flüche ausstoßen und sich mittlerweile über die Mücke an der Wand aufregen.

Es ist unwahrscheinlich schwer, von diesen Schüleraussagen den (Massen)Hysteriefaktor abzuziehen und das eigene, mitleidende Mutterherz abzuschalten.

Es ist unwahrscheinlich schwer, Eltern zuzuhören und den (Massen)Hysteriefaktor abzuziehen und die eigene Wut und Hilflosisgkeit beiseite zu schieben.

Es ist unwahrscheinlich schwer, alle Seiten zu hören, zusammenzufassen und eine klare Meinung zu finden. Und diese auch äußern zu können.

Es hilft, wenn man ein bißchen Fachtermini ins Gespräch werfen kann und wenn man, nach ausdrücklicher Aufforderung Tacheles zu sprechen, sagen kann: es ist unwahrscheinlich anstrengend Ihnen zuzuhören, weil Sie ohne Punkt und Komma von einem Thema zum nächsten springen, ohne Möglichkeiten zur Erwiderung oder Gesprächsbeteiligung zu bieten.

Elternabend demnächst, Moderation in den Händen der Klassenelternsprecher. Gratwanderung zwischen aufgebrachten Eltern und einer in zweierlei Hinsicht verständnislosen Lehrkraft. Was freu ich mich darauf. Aber immerhin: das Schlußwort mit Ausblick haben wir schon vorformuliert. Hoffentlich passt das dann auch.

Abendsachen

4. Februar 2010

Ich will ja nicht jammern oder schimpfen, aber dieses #*@°%Handgelenk ist schon wieder kaputt. Es lässt sich nicht schmerzfrei bewegen und wenn ich auf diesen einen Punkt drücke, tut´s ausgesprochen doll weh. Auslöser diesmal wahrscheinlich das Hochwuchten von Töchterleins Trolley. Mindestens zwei Handknöchel sind ausgekugelt.

Jetzt kann ich warten, bis es zufällig mit richtiger Handbewegung „knackknirschplopp“ macht und alles wieder gut ist oder kann mich als Notfall zwei bis drei Stunden zum Orthopäden ins Wartezimmer setzen, mich röntgen lassen, eine Gipsschiene kriegen und eine Überweisung zum Osteopathen erbetteln. Weil der hat mich letztes Mal ja auch binnen von vierzig Sekunden geheilt. Ganz einfach, ohne röntgen. Leider kann ich da nicht einfach so hingehen, zum Herrn Osteopathen, weil der in einer Praxis für Physiotherapie arbeitet und permanent ausgebucht ist.

Es ist ein Elend mit den Gelenken.

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Seit ein paar Wochen halte ich es für eine großartige Idee, unsere vollgekruschte Küche mit einem weiteren Küchengerät vollzuräumen. Eine Eismaschine soll es sein, weil ich mir einbilde, dass ich gar köstliche Eiskreationen damit zaubern könnte, die es uns ersparen, völlig überteuertes Eis vom Eismann unten am Rhein zu kaufen oder weitestgehend geschmacksneutrales Eis mit verdächtigen Inhaltsstoffen aus dem Supermarkt erstehen zu müssen.

Und jetzt Sie:

[ ] Frau … äh … Mutti, lassen Sie das. So eine Maschine steht im Weg rum, staubt zu und dient irgendwann nur noch als Auffangkorb für Hager&Mager-Kataloge und Spendenbettelbriefe der SOS Kinderdörfer.

[ ] Frau … äh … Mutti, selbstgemachtes Eis ist gar köstlich, jedoch kostet Sie die Zubereitung des Eises die Hälfte Ihrer Lebenszeit, die Sie sinnvoller einsetzen könnten, indem Sie zum Beispiel endlich mal Ihre Kinder ordentlich erziehen, Ihren Haushalt auf die Reihe bringen, Ihren Garten pflegen und einen Bestseller schreiben.

[ ] Frau … äh … Mutti, ich habe eine Eismaschine und Sie ja nicht. Ätsch!

[ ] Frau … äh … Mutti, ich kann Ihnen eine Eismaschine uneingeschränkt empfehlen. Am Besten das XYZ-Modell. (Und wenn Sie  das dann richtig gut beherrschen und die feinsten Gaumenschmäuse produzieren, lade ich mich in Ihre Hollywoodschaukel zu zwei Bällchen Walderdbeereneis ein)

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Ebenfalls für eine großartige Idee halte ich es, nach Fastnacht ein paar Tage zu fasten. Einfach um zu erleben, ob ich das kann. Diese Idee ist noch nicht so ausgereift wie die Eismaschinen-Idee, die ja obendrein völlig ins Gegenteil geht und ich weiß auch noch garnicht, ob ich das jemals verstehen werde, wann man welchen Tee und welchen Gemüsesaft zu sich nehmen darf und ob das mit dem Glaubersalz wirklich sein muss und ob ich nicht besser auf den Sommer warte, weil ich sowieso eine völlige Frostmotte bin. Ich denke. Und ich werde, falls ja, ganz sicher berichten.

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In drei Stunden reist das Töchterlein ab. Sie hat sich einen Reiseproviant gepackt, der mich völlig entspannt lächeln lässt, der Bus kann zwei Tage einschneien und keines der festsitzenden Kinder wird hungern müssen. Sie hat sich davon überzeugen lassen, dass vier Pullover ausreichen, um eine achttägige Freizeit ohne Frostbeulen zu überleben und hat davor einige Paar Socken mehr eingepackt. Einen Föhn konnten wir noch in die letzte Kofferlücke quetschen, direkt neben den Kulturbeutel. Dieses Quetschen führt eventuell dazu, dass alle Duschgel- und Schampooflaschen platzen, aber das bemerkt Töchterlein ja erst, wenn sie weit genug von mir entfernt ist und meine Trommelfelle in Sicherheit sind.

Ach ja. Mein Mädchen wird mir fehlen.

Reisefieber

4. Februar 2010

Das Töchterlein reist heute ab, um Mitternacht, in die Skifreizeit.

Sie leidet unter gar fürchterlichem Reisefieber, was dazu führt, dass sich ihre Brüder vor ihr in ihren Zimmern verstecken und ich sie wahlweise sofort loswerden oder lieber überhaupt nie aus meinen Armen lassen will.

Vorerst werde ich mich ebenfalls in meinem Zimmer verstecken.