Donnerstag laufe ich mit der Hunderundefreundin die ganz lange Runde. Heute waren es knapp zehn Kilometer, trotz nasskaltem Wetter, bei grauem Himmel und erstmal ganz wenig Lust, überhaupt loszulaufen.

Doch, wie immer, erstmal unterwegs kam die Lust an der Bewegung.

Die Runde erschöpfte mich mehr als mir lieb war, weswegen ich mich nach meinem Frühstück ins Bett legte. Das habe ich mittlerweile gelernt: wenn mich eine Erschöpfungswelle überrollt, dann kann ich stundenlang dagegen ankämpfen und gänzlich unproduktiv dabei sein (sehr unbefriedigend) oder ihr nachgeben, zwei Stunden schlafen und eine Chance auf ein aufgefülltes Kraftreservoir zu haben. Long COVID sucks und so lange es mich begleitet, arrangiere ich mich eben.

Heute wurden es drei Stunden im Bett, in denen ich vor Kälte mit den Zähnen klapperte und sich keine Erholung einstellen wollte. Ich verbrachte also den Rest des Tages im Nähzimmer mit Kleinkram: uralte Zeitschriften nach Interessantem, das sich aufzuheben lohnt, durchzusehen und den Rest zu entsorgen, neue Geschirrhandtücher zu besticken und endlich zu lernen, wie Papierkraniche gefaltet werden.

Produktiver wurde mein Tag nicht, doch ich habe gelernt, dass es nichts bringt mich darüber zu ärgern. Immerhin war ich fit genug, um wieder aufzustehen und wenigstens Kleinigkeiten zu machen. Es gab schon viel zu viele Tage, an denen ich nicht mehr aufstand. Oder morgens erst gar nicht aus dem Bett kam. (an solchen Tagen springt dann der Gatte für die Hunderunde ein).

Heute hake ich als mittelgut ab, morgen wird es bestimmt besser! Muss es, denn wir planen eine Nacht im Zelt! Ich habe mir nämlich in Hinblick auf sehr kalte Nächte in Schweden einen neuen Schlafsack gegönnt und möchte den jetzt endlich einweihen.

Wunderbarstes Winterwetter! Klar und kalt, dazu ein spektakulärer Sonnenaufgang. Es hätte ganz wunderbar sein können, hätte nicht Lola alles fressen mögen. Alles. Wirklich alles. Da in den Wingerten gerade sehr viel gearbeitet wird (Rebenrückschnitt) und deshalb sehr viele Menschen arbeiten und es genau keine Toiletten gibt, ist jeder Ausgleichsstreifen mit mageren Gestrüpp eine Ersatztoilette. Menschen sind sehr schlechte Futterverwerter, weswegen in ihren Hinterlassenschaften sehr viel für Hunde Interessantes steckt. Meistens habe ich es heute geschafft, Lola von den Kackhaufen abzurufen, bevor sie genüsslich loskauen konnte. Manchmal aber auch nicht und das fand ich, im wahrsten Sinne, zum Kotzen. Wurx.

Wieder daheim erwartete mich ein Loch in der Küchenfront. Die Spülmaschine war bereits abgeholt worden, so wie gestern mit dem Spülmaschinenexperten abgesprochen. Der hatte nämlich spontan einen Termin für uns und fand heraus, dass der Niveauschalter der Maschine defekt ist. Der Gatte und ich amüsierten uns sehr über einen Niveauschalter in unserem Haus, der Spülmaschinenexperte reagierte verwirrt.

Um einen Defekt zu finden und zu bestimmen, verband der Experte unsere Spülmaschine mit einer Art Stethoskop mit seinem Laptop und auf magische Art und Weise kommunizierte unsere wirklich alte Spülmaschine ihre Probleme. Sehr cool!

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich die Reparaturkosten im Rahmen halten und die Maschine bald wieder daheim ist, meine Spülhände und ich vermissen sie schmerzlich.

Den Rest des Tages wurschtelte ich vor mich hin. Ich zog die Betten ab und saugte eine Staubsaugerfüllung Tierfell aus dem Schlafzimmer. Lola ist sehr freigiebig mit ihren Haaren und vielleicht überlege ich mir das doch nochmal mit diesem Saugroboter. Jeden Tag durchsaugen ist lästig.

Ich räumte vor mich hin und kreuz und quer, ließ mir den Sessel aus dem ehemaligen Nähzimmer ins neue Nähzimmer schleppen und hängte endlich alle Bilder auf, die schon seit Anfang Dezember gerahmt waren.

Zum Abendessen kochte ich die erste Linsenbolognese meines Lebens. Bisher bin ich einfach noch nie auf die Idee gekommen, Linsen eher italienisch statt indisch inspiriert zu kochen. Ich fand im Internet ein Rezept an dem ich mich kurz orientierte und dann halt doch nach Gefühl kochte. Dem Tipp, zwei Esslöffel dunklen Balsamico am Ende unterzurühren, folgte ich und es schmeckte allen Familienmitgliedern hervorragend! Satt machte es obendrein.

Der Jüngste verabschiedete sich und versprach, sich für morgen den Wecker zu stellen (heute hatte er es vergessen und sein Tag begann hektisch), wir zogen aufs Sofa um. Der Gatte teilte mir das Ergebnis seiner Urlaubs-Anfahrtsrecherche mit und nach wie vor bin ich nicht sicher, wie ich zu 33 Stunden im Zug (inklusive einiger Aufenthalte) stehe. Fliegen ist aber indiskutabel, denn Lola soll mit und ich möchte sie nicht in einer Transportboxen in den Frachtraum packen müssen.

Beamen wäre toll. (Und wer weiß, ob das mit dem Urlaub überhaupt klappt, da im Juli. Es scheint so fern.)

Abschied

11. Januar 2022

Spock, Panzerkater, Plüschding.

Als er heute Morgen immer noch nicht wieder daheim war, wusste ich es. Und es war fast eine Erleichterung, als ich ihn ganz hinten im Garten fand. Ich weiß nicht, was ihm passiert ist, aber ich weiß immerhin, dass er jetzt nicht leidet oder irgendwo herumirrt.

Er hat jetzt ein Plätzchen im Garten, genau neben Sauerstein, unserem ersten roten Kater.

Die anderen Tiere des Hauses sind sehr anhänglich, doch das jetzt als mittrauern zu interpretieren ist wahrscheinlich zu Disney-like. Ich genieße es trotzdem sehr und jedesmal, wenn die Katzenklappe quietscht, erwarte ich Spocks lautstarke Begrüßung.

Ich habe geweint, eine große Portion Soulfood (Kürbisrisotto) gekocht, ausgiebig und sehr heiß geduscht, mich mit einer Schüssel Risotto und einem Löffel unter die Decke aufs Sofa gekuschelt. Der Gatte sitzt neben mir, der Hund liegt auf meinen Füßen, Kes schnarcht in ihrem Körbchen (das jetzt herzzerreißend groß für so eine kleine Katze allein ist) und Franz ist unterwegs, sein Abendessen jagen. Es ist so gut, wie es eben gerade sein kann.

Der Tag begann längst nicht so geruhsam wie sonst, da Kes im Kampfkuschelmodus von unten gegen meine Kaffeetasse kickte und mir sehr heißer Kaffee ins Dekolleté schwappte. Und ins Bett. Ich schimpfte und autschte sehr laut und war gründlich wach. Kes zeigte sich gänzlich unbeeindruckt von meinem Getöse und umschnurrte meine Beine, während ich nach warmen Klamotten für die Hunderunde suchte. Der Winter ist endlich da, fehlt nur noch Schnee.

Die Spülmaschine musste ich nicht ausräumen, leider. Gestern abend zeigte sich nämlich, dass das Rausfliegen des FI-Schalters kein Versehen war, sondern ein Hinweis auf den baldigen Spülmaschinentod war. Als nämlich außer lustigem Blinken sämtlicher Lämpchen nichts weiter geschah und auch das Internet nichts Hilfreiches beitragen konnte, spülten und trockneten der Gatte und der Jüngste das Geschirr von zwei Tagen per Hand ab. Bis die Spülmaschine repariert (hoffentlich) oder ersetzt ist, müssen wir wohl einen Spülplan erstellen, so wie früher in der WG.

Der Gatte rief später den Fachhändler unseres Vertrauen an und erfuhr, dass es derzeit sehr viele defekte Großgeräte, insbesondere Waschmaschinen, gibt. Waschmaschinen haben Vorrang, versicherte er dem Fachhändler, der darüber sehr erleichtert schien, Offensichtlich sind die meisten Kundinnen nicht verständnisvoll. Es dauert also bis mindestens nächste Woche, bis sich ein Experte die Maschine anschaut und der Rest ist ungewiss. ich kaufte eine große Tube Handcreme.

Nach der Hunderunde (kühl, mit wunderschönem Sonnenaufgang)mit Oma Eis, gab es ein gemeinsames Frühstück und eine kleiner Einkauf des Allernötigsten im Nachbarstädtchen. Ich fand ein Paar Topflappen!

Wieder daheim war Zeit für eine kleine Mittagspause. Das Telefon klingelte und das versetzt mich quasi umgehend in Alarmstimmung, denn nur noch sehr wenige Menschen rufen über das Festnetz an und die gehören der älteren Generation an. Diesmal gab es keinen Grund zur Sorge, nur zum Wundern, denn ein Mitarbeiter des Tierheimes fragte nach einem Termin für den Kontrollbesuch, ob es den Katzenviechern gut geht. Wir haben nichts zu verbergen und die Katzen wachsen, gedeihen, fressen uns die Haare vom Kopf und versuchen uns mit heißem Kaffee zu töten. Ich vereinbarte einen Termin für „in etwa einer halben Stunde“ und machte mich auf die Suche nach den Katzen. Kes lag in der Küche, Spock war nicht aufzufinden.

Der Mitarbeiter kam, sah (nur eine Katze), stellte ein paar Fragen und verabschiedete sich wieder. Ich denke, wir sind nicht durch die Prüfung gefallen.

Den Rest des Nachmittages beschäftigte ich mich mit dem Wintergärtchen. Der Gatte und der Jüngste hatten wunschgemäß ein sehr schweres Schränkchen aus der Halle nach oben geschleppt dort hin gestellt, wo bisher eine Gartenbank stand. (die hat jetzt ihren Platz am Gartenhüttchen gefunden, weil das Korbsofa, das vorher dort stand nach 31 Jahren unrettbar durchgesessen ist) Ich räumte Wintergärtchenkram in das Schränkchen, saugte Spinnweben und „vom Garten reingeschleppt“-Dreck weg und bereitete ein Regal als baldige Gemüsepflanzen-Anzuchtstation vor. Am Liebsten hätte ich direkt losgelegt und meine vielen unterschiedlichen Tomatensorten gesät, aber dafür ist es wirklich noch viel zu früh. Stattdessen setzte ich mich mit den vorletzten Spekulatius und einem Tee auf den neuen Sitzplatz auf dem Schränkchen (gemütlich!) und rechnete kurz nach, seit wievielen Stunden ich Spock schon nicht mehr gesehen hatte. Viel zu viele, seit gestern Abend nämlich.

Der Gatte beendete seinen Arbeitstag, nickte die neue Wintergärtcheneinrichtung ab und trank mit mir den Feiernabendkaffee. Danach schnappte er sich Lola für die Abendrunde, ich machte mich auf die Suche nach Spock. Kein Spock im Garten, dafür kam der Jüngste von der Arbeit heim. Der erste Arbeitstag nach langem Urlaub war ok, er geht morgen wieder hin. :)

Zum Abendessen gab es für die Männer die restliche Frühstücksbrötchen, für mich zwei Scheiben Roggenbrot, denn ich mag Brötchen nicht so sehr. (Jedenfalls nicht zum Abendessen.)

Zu spülen wären jetzt drei Teller, Messer und Gläser, das erledige ich morgen. Heute endet der Tag mit dem Gatten auf dem Sofa und dort versuche ich nicht völlig verrückt zu werden, denn Spock ist immer noch nicht da. Ach Panzerkater, komm heim! (Ich habe ein sehr schlechtes Gefühl.)

Fast zwei Jahre lang sah die Küche aus, als sei sie in Erdbeerjoghurt getunkt, fast zwei Jahre lang gefiel mir das auch ausgesprochen gut. Dann aber irgendwie nicht mehr und deshalb wusch ich alle Küchenmöbel sehr gründlich ab (auch von innen, denn wie sich zeigte, hatte der Große beim nicht so Festhalten des Cocktailshakers an Weihnachten, den Zombie nicht nur quer durch die Küche, sondern auch in die Schubladen verteilt), klebte Wände und Arbeitsplatte ab und „machte blau“. Zwei Anstriche später sieht die Küche jetzt so aus:

Jetzt bin ich wieder sehr glücklich und muss nur noch ein paar neue Bilder aufhängen. Oh ja, und neue Topflappen muss ich finden, da der Gatte das letzte intakte und farblich einigermaßen stimmige Paar in die Gasflamme unseres Herdes gelegt hat. Topflappen brennen übrigens sehr schnell. Gestern machte ich mich auf die Suche nach Topflappen und Abgründe taten sich auf. Es gibt nämlich nicht nur Shirts und Schürzen mit, ich sage mal vorsichtig „schwierigen Sprüchen“, sondern auch Topflappen. Ich klagte in einer (na gut, in einigen) Instagramstory mein Leid und bekam einige nette Tipps, unter anderem auch den, was ich in die Suchleiste eintippen soll, um ansprechende Suchergebnisse zu erhalten. („Bunte Topflappen“ Ach?!)

Vermutlich werde ich selbst nähen und damit ist jetzt aber auch wirklich Schluss mit diesem Thema.

Gestern Abend waren wir zum Grillen eingeladen und es ist ja tatsächlich so, dass dieses „sich mit Freundinnen draußen treffen“ zur Gewohnheit wird. Mittlerweile halten wir es im Freien genauso lange miteinander aus wie drinnen an Küchentischen oder auf Sofas. Obendrein haben wir endlich einen guten Grund, unsere wirklich dicken Wintersachen zu tragen, denn die brauchte es in den letzten Wintern bei Hunderunden oder Spaziergängen wirklich nicht mehr. Jeder Freundeshaushalt ist nun im Besitz einer Feuerschale oder einer Feuerstelle, der Schreinerfreund hat erfolgreich getestet, ob sich in einem alten Emaille-Einkochtopf ebenfalls Feuer machen lässt. Um das Feuer herum, auf Fellen sitzend und in Decken gewickelt, das eine oder andere heiße Getränk in der Hand, ist es dann eigentlich ganz schön. Mittlerweile harren wir auch stoisch aus, ob der leichte Regen vielleicht doch wieder verschwindet. Wir härten ab.

(Der Ordnung halber: Treffen nur mit maximal sechs Leuten, alle geboostert, frisch getestet und umarmt wird auch nicht mehr. Was ich wirklich vermisse, also das Umarmen. Hätte ich vor zwei Jahren noch vehement abgestritten und behauptet, dass ich nicht so „touchy“ bin. Bin ich aber wohl und ach. Es könnte doch jetzt einfach alles vorbei sein)

So lange wir unsere ausschweifendes Sozialleben (haha) nicht wieder aufnehmen können, räumen wir halt in der Grünen Villa rum. Die Halle, unsere gruselige „ich stelle da mal eben hier ab und vergesse es“-Hölle, wird langsam immer übersichtlicher! Wir haben nämlich Schwerlastregale im Gegenwert einer Maledivenreise gekauft und im Gegenzug alle alten Regale, Kommoden und Schränke, die auf „falls irgendwann ein Kind sie haben möchte“ (sie möchten alle drei nicht) warteten zum Sperrmüll gegeben, haben uns von wichtigen Dokumenten (z.B. der Fahrradführerschein des Gatten), jede Menge Betroffenheits-Lektüre (Der Tod des Märchenprinzen etc.) und Brettspielen getrennt und damit begonnen, das gut erhaltene Spielzeug zum Mitnehmen vor das Hallentor zu stellen. Es aufzuheben, weil vielleicht irgendwann mal ein Enkelkind damit spielen könnte, ist genau der Kern unseres Hallen-Hamster-Problems. Wir haben Kisten mit Lego, playmobil und Briobahn aufgehoben, außerdem das wirklich große, tolle selbstgebaute Puppenhaus samt Möbeln. Diese Sachen allein würden schon einige Enkelkinder glücklich machen. (nebenbei: ich finde ja dieses Enkelkinder-Thema genauso nervig und übergriffig wie früher jeden Kommentar zu unserer Familienplanung. Somit ärgert mich, möglicherweise auch überreagierend, jeder „Aber die Enkelkinder…!!- Spruch beim Erwähnen von entrümpelten Spielzeugkisten.)

Sollten wir jemals mit der Halle fertig werden … und das kann sich noch sehr lange ziehen, denn wer viel entrümpelt, muss auch viel loswerden. Mülltonnen sind aber verflixt schnell voll, Sperrmüll darf nur zweimal beantragt werden und auch da gibt es eine Mengenbegrenzung und Wertstoffhöfe haben merkwürdige (Winter)Öffnungszeiten. Außerdem passt zu wenig auf den Fahrradanhänger. Ich träumte neulich von einem Container und das bereitet mir ernsthaft Sorgen. … also sollten wir jemals fertig werden, dann geht es mit der Wohnung für den Jüngsten weiter. Das kann natürlich nicht gleichzeitig passieren, da Wasserleitungen für seine Küche gelegt werden müssen und der Raum, durch den diese Leitungen laufen werden, noch mit Hallenkram zugestellt ist. Das führt jetzt aber hier zu weit.

Erstmal die Halle fertig machen. Und Topflappen nähen.