Hürden des Alltags
25. Februar 2010
Vor In-Betriebnahme meines neuen Handys hat Sony eine mehrbändige Gebrauchsanweisung gestellt. Es ist mir erfolgreich geglückt, diese Karte und den Akku einzusetzen. Und den Akku zu laden.
Ausserdem habe ich mir zwanzig Klingeltöne angehört, genauso viele Töne, die mir das Eintreffen einer SMS ankündigen und beschlossen, dass ich es toll finde, wenn meine Tasten beim Wählen hupen.
Seit heut morgen dingelt ständig eine SMS ein, die mehr verkündet, dass das mit der MMS noch immer nicht klappt, weil ich irgendwelche Einstellungen ändern/tätigen/erfinden soll.
Mir fehlt etwas die kindliche Neugier jugendliche Gelassenheit das neugierige Technikinteresse, um nachzulesen, wie ich mit dem Ding stundenlang Musik hören, Bilder knippsen und mein Leben verbessern kann. Immerhin: telefonieren kann ich schon. Wenn wenigstens das zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören würde :)
Aber hübsch ist es, das Teilchen. Und noch immer ohne passende Hülle. Dabei ist doch Schnickeldi das Wichtigste?!
*****
Um das schulische Vorankommen meines jüngsten Sohnes zu unterstützen, musste ich ihm heute einen Messbecher, Wasser und einen Tampon zur Verfügung stellen. Scheinbar dient es der Aufklärung zu erforschen, wieviel Wasser ein Tampon aufsaugen kann. Um die Sache wissenschaftlich anzugehen, hätte ich Tampons in vier verschiedenen Größen von zwei Herstellern anzubieten gehabt, doch das jüngste Kind zeitgte sich dann doch eher uninteressiert an der Thematik. Ich bin nur sehr gespannt, ob im Laufe des Aufklärungsunterrichts auch verschiedene Geschmacksrichtungen von Kondomen oder wenigsten das Fassungsvermögen des Reservoirs ausgemessen wird.
Und ja, es ist eine komische Situation, wenn Ihr jüngster Sohn Sie nach einem Tampon fragt.
Vor etwa zehn Jahren war es, als ich frisch, fröhlich, frei den Wochenendeinkauf im Supermarkt tätigte. Nichtsahnend schlenderte ich durch die Gänge, als mein knapp vierjähriger Sohn mit untrüglichem Gespür für Diskretion und den richtigen Zeitpunkt lauthals durch den Gang brüllte: „Oh! Mama! Tampons! Brauchst du welche? Es ist doch bald wieder soweit, oder?“
Die Köpfe der Miteinkäufer flogen herum und mir blieb nur, mich lächelnd bei meinem aufmerksamen Kind zu bedanken. Leicht errötet. Aber auch froh, weil ich hätte die Dinger sonst garantiert vergessen. Gut, dass wenigsten einer in der Familie einen Überblick über meinen Zyklus hat.
*****
Meine Mittagskaffeepause ist nun deutlich kürzer, seit meine Kaffeetasse viel kleiner geworden ist. Und diese Erkenntnis führt mich umgehend zu folgender Frage: Wo ist eigentlich das Wandertässchen?
Mein Tässchen ist leider leer und ich bin wieder weg.
Rückblick
25. Februar 2010
„Ein toller Geburtstag!“, sprach das jüngste Kind gestern abend vor dem Schlafen und das ist ja wohl die Hauptsache.
Von dieser Liste:

bekam er beinahe jeden Posten erfüllt. Bis auf den Schnorchel, weil da müssen wir nochmal nachhören, wie dringend ein Schnorchel in den Weinbergen ist.
Was Punkt 8) Taschengeld anbelangt: unsere Kinder bekommen Taschengeld. Sofern sie dran denken. Und wir auch. Der Jüngste behauptet, unsere Taschengeldschulden bei ihm beliefen sich auf die Summe des Taschengeldes eines Jahres – und damit kann er durchaus recht haben. Diese Sache mit dem Taschengeld ist so eine … eigentlich brauchen die Kinder keines. Materialien für die Schule kaufen wir, es gibt eine gute gefüllte Süßigkeitenschublade, die einmal am Tag geöffnet wird und Klamotten gibt es in ausreichenden Mengen, den Geschmack und Stil der Kinder berücksichtigend. Der Große bekam zum zwölften geburtstag ein Taschengeldkonto, auf den monatlich sein Taschengeld überwiesen wird. Er holt zwar brav seine Kontoauszüge, doch das Geld … das braucht er nicht. Entweder sind wir Eltern zu großzügig oder die Kindelein zu genügsam. Wie auch immer, ich bin sehr froh, dass wir wegen dieses Themas (noch) keinen Stress haben.
Wie an jedem Geburtstag , der auf einem Werktag fällt, ist es morgens noch dunkel. (was aber eigentlich gut für die Stimmung ist, die feierliche.)

Und nie sind die Kinder schneller im Bad fertig, als an diesen Tagen :)
Was am Abend vorher liebevoll und mindestens eine halbe Stunde zeitfressend eingepackt wurde …

ist binnen Sekunden zerknüllt und zerrissen. So soll es aber auch sein. Ich selbst werde völlig hibbelig, wenn ich ein verpacktes Geschenk überreiche und der Empfänger minutenlang die Tesastreifen abpuhlt.
Gefeiert wurde in kleiner Runde zusammen mit den Großeltern, die Kindergeburtstagsfeier steht noch aus. Grillen möchte das Kind mit seinen Gästen und übernachten sollen sie. Mal sehen. Nächstes Wochenende vielleicht.
Schön war´s gestern, fröhlich, garniert mit einem Tupfen Wehmut, damit´s nicht zu zuckersüß ist.
Und weil Sie gefragt hatten: das Brettspiel heißt „Zug um Zug“ und es kommt sehr gut an!
*****
Heute bei frühlingshaften Temperaturen und einem zögerlich-blauen Streifen mit einigen Sonnenstrahlen am Himme: Beseitigung der Geburtstagsspuren und vielleicht ist der Leidensdruck groß genug, die Verdunkelung von den Fenstern zu waschen.
*****Nachtrag*****
Tasse mit Luke

Quetschkommode
24. Februar 2010
Mit elf Jahren
24. Februar 2010
hat man die Grundschule endlich bald hinter sich gebracht. Man liest und rechnet flüssig und ohne größere Probleme. Und dies ist wahrhaft wunderbar, denn vor ein paar Jahren gab es diese schrecklichen Diagnosen. Dyslalie hieß die eine, Dyskalkulie die andere. Geblieben ist eine Legasthenie, die von den Noten im Deutschunterricht befreit und uns bestimmt noch tolle Überraschungen im anstehenden Englischunterricht bescheren wird.
Mit elf Jahren trägt man das Haar immer noch deutliche länger als manch Klassenkamerad, schulterlang und stufig, gerade so lang, dass es in einen Zopf passt. Der Zopf ist Pflicht bei den Mahlzeiten und beim Sport. Man ist ausserdem klein und zart, ganz anders als die großen Geschwister. Und trotzdem lassen sich erste Anzeichen der Pubertät deuten. Mit elf Jahren und zwei älteren Geschwistern wartet man da auch sehnsüchtig drauf.
Mit elf Jahren tauscht man den Scoutranzen gegen einen coolen ForYou-Rucksack und wünscht sich ein Paar Chucks. Man brummelt ein bißchen vor sich hin, weil elf Jahre nun mal eben immer noch nicht zwölf Jahre sind und viele Computerspiele erst ab zwölf sind. Man weiß aber auch, dass Eltern von Elfjährigen (und älteren Geschwistern) da auch mal die Augen zudrücken und Elfe Zwölfe sein lassen.
Mit elf Jahren darf man abends ein bißchen länger aufbleiben. Meistens will man das aber nicht, weil man eher ein Langschläfer ist.
Mit elf Jahren darf man, auch weil man die Fahrradprüfung bestanden hat, mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Nach den Sommerferien muss man das sogar, denn die weiterführende Schule ist im Nachbarort.
Mit elf Jahren ist man zum Glück noch nicht zu cool für innige Umarmungen und BillionenMillionenMillarden Küsse zum Abschied, zur Begrüßung, zur guten Nacht und einfach so.
Mit elf Jahren hat man nichts von seinem liebenswürdigem Wesen verloren, dem auch wildfremde Menschen sehr schnell erliegen. Doch die Unbefangenheit und Fröhlichkeit … die wird kleiner und seltener. Weil man mit elf Jahren langsam durchschaut, dass es viele Bereiche gibt, in denen man anders ist, als Gleichaltrige und der Druck, mit den Gleichaltrigen mitzuhalten oft zu groß ist. Mit elf Jahren wird man dann manchmal wieder ganz klein.
Mit elf Jahren ist man in einer Familie mit älteren Geschwistern ständig auf der Schwelle. Man will zu den Großen gehören, gleichzeitig aber einfach nur Kind sein. Playmobil spielen, Lego bauen oder mit dem Holzschwert den Gartendschungel besiegen.
Mit elf Jahren sind die Geburtstagswünsche bescheiden.“ Chips und einen Film mit einem Freund“ steht auf dem Wunschzettel. Und ein Brettspiel, denn spielen mit der ganzen Familie ist das Größte. Ein Chocolat Fudge Cake, ein Käsekuchen und eine Erdbeersahnetorte von Oma sollen auf dem Geburtstagskaffeetisch stehen.
Mit elf Jahren vergeht die Zeit schneller, nicht nur für sentimentale Mütter.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, mein großer Jüngster.

Zwei Stunden
23. Februar 2010
in der Bibliothek der Schule.
Zwei Stunden Sitzung des Schulelternbeirates
Zwei Stunden Informationen, die so ganz anders klingen als solche zum Beispiel.
Die SV und der SEB formulieren Pressemitteilungen. Wir würdigen die Arbeit und den Einsatz eines Lehrers und hoffen, dass die wildgewordene Meute von Pressemenschen und Politikern einen Schritt zurück tritt und einen wichtigen Grundsatz nicht aus den Augen verliert: dubio pro reo.
„Der Schulelternbeirat des Gymnasiums zu St. Katharinen in Oppenheim spricht sich
ausdrücklich und einstimmig für einen Verbleib des Pädagogen Peter Grosz an unserem
Gymnasium aus.
Er hat sich durch seine engagierte, fachlich überragende und künstlerisch kreative
Tätigkeit über 25 Jahre an unserem Gymnasium ausgezeichnet. Wir wollen, dass auch in
Zukunft unsere Kinder wie bisher durch Herrn Peter Grosz zur freien Meinungsäusserung
und besonders zur Zivilcourage erzogen werden.
Statt einer Vorverurteilung wünschen wir uns eine faire Aufarbeitung der Vergangenheit
unter Berücksichtigung der damaligen Verhältnisse in Rumänien vor 35 Jahren.
Der Schulelternbeirat des
Gymnasiums zu St. Katharinen, Oppenheim.“
Mehr kann ich heute abend nicht schreiben, ich bin müde. So ganz und gar. Und froh, in diesem Schulelternbeirat mitarbeiten zu dürfen.
