kreuz und quer

1. Oktober 2009

Wir fuhren heute morgen rasch zum Einkaufen.

Hinterher habe ich die Einkäufe verstaut und den Kühlschrank aufgeräumt.

Später habe ich das Bad geputzt, weil ich das Bad dringend putzen musste. Es war dreckig.

Dann hab ich das Nähzimmer gesaugt. Das war wirklich nötig.

Als ich fertig war, habe ich gekocht, schnelles Essen, Blumenkohlauflauf mit Salzkartoffeln. Musste auch sein, die Familie hat Hunger.

Ich hätte auch noch Küche, Wohnzimmer, Flur und Schlafzimmer saugen können. Müsste sein.

Aber ich schone. Ganz brav lege ich das aufgeplusterte, pochende, heiße Ding in der Mitte meines rechten Beines auf ein zusammengeknäultes Deckbett und freue mich darauf, morgen früh damit zum Orthopäden zu gehen.

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Entweder brauche ich eine Haushaltshilfe oder das Ding heilt jetzt endlich.

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Meine Familie hilft ganz großartig mit. Wirklich. Doch der beste Vater meiner Kinder hat einen Vollzeitjob. Den kann er zwar teilweise auch daheim machen, doch in der Firma isses ruhiger. Nebenbei wuppt er Kinder und Haushalt. Letzteren am Abend, wenn er auch mal Feierabend bräuchte.

Die Kindelein machen ihren Job. Sie gehen in die Schule, erledigen gewissenhaft und ohne Gemeckere ihre Hausaufgaben, lernen Vokabeln und Matheregeln und sorgen für Ordnung und Sauberkeit in ihren Zimmern. Kehren die Terrasse und die Treppe, saugen mal durch, räumen die Spülmaschine ein und aus und sind sehr geduldig mit ihrer gereizten Mutter.

Es läuft.

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Ich hab mir das oft gewünscht, meistens, wenn ich einfach nur noch müde war und das Gefühl hatte, dass irgendjemand mit Absicht Staubwolken im Wohnzimmer verteilt und Krümel schaufelweise unter den Küchentisch wirft. Dass heimlich das Klomonster im Bad rumsaut und die Wäscheberge sich einfach verdoppeln, wenn man mal nicht hinsieht. Dann wünschte ich mir, dass ich diesen ganzen Haushaltsscheiss nicht mehr machen müsste und die ganze freie Zeit den Kindern, dem besten Vater meiner Kinder und mir widmen könnte.

Dass mir dieser Haushaltsscheiß irgendwie fehlen könnte, hätten Sie DIES behauptet, ich hätte äusserst süffisant die linke Augenbraue hochgezogen.

Er fehlt mir.

Mir fehlt die Befriedigung, mich in einem glänzenden Bad umzuschauen und „Ha! Mal sehen, wie lange es so bleibt.“ zu sagen. Mir fehlt es „na toll, immer ich, immer bin ich die Putze“ vor mich hinbrummelnd im Wohnzimmer Staub zu wischen und unter entsetzlichem Stöhnen und Keuchen den Wäschekorb nach oben zu wuchten, um die Berge zusammen zu legen und Sockenmemory zu spielen.

Jetzt kann ich das nicht. Es GEHT einfach nicht. Ich komme kaum die Treppe hoch und runter, bin kein bißchen flink und wendig. Hadere mit der Vernunft, die natürlich zum „langsam-machen“ rät. Und dem Gewissen, das beobachtet, wie die Augenringe des besten Vaters meiner Kinder immer größer werden und wie genervt die Kinder sind, von ihrer genervten Mutter. Und deshalb muss ich so viel wie eben geht machen, für mein Seelenheil und das der Familie.

Leider sagt mir das Knie immer erst hinterher, dass die letzte halbe Stunde dann doch zuviel war.

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Am Schwersten ist es übrigens, diese Verzweiflungswellen in Schach zu halten. Die Mutlosigkeit und den Pessimismus. Das Arschloch in mir niederzuknüppeln, das immer wieder „dieses Knie wird nie wieder funktionieren“ sagt. Ich strahle Optimismus aus und unendliche Geduld, spreche von „das wird schon, braucht halt seine Zeit“ und „naja, es könnte ein bißchen besser sein, aber ich bin auch sehr ungeduldig“.

Eigentlich möchte ich sagen: Ich habe irrsinnige Angst, dass irgendetwas unwiderruflich kaputt ist. Dass ich nie wieder richtig laufen kann, nie wieder wandern kann oder rennen. Dass ich nie wieder schmerzfrei das Bein beugen kann, nie wieder einfach in die Hocke gehen kann. Und auch wieder hoch komme. Ich habe solche Angst, dass es mir die Kehle zuschnürt und mir die Tränen in die Augen schießen. Jedes Knacken, jedes Knirschen, jedes „plopp!“ im Knie lässt mich aufhorchen, lässt mich grübeln, was das denn jetzt schon wieder sein könnte. Ich interpretiere das Ziehen in der Kniekehle, das Stechen rechts oben außen und das gequetschte Gefühle links innen. Betrachte mein Knie argwöhnisch, ob es sich irgendwie verfärbt, fühle, ob es heiß wird, taste, ob es sich anders, irgendwie falsch anfühlt. Und träume wirklich schlimme Sachen.

Meine Güte, ich hab´s SO satt.

Manchmal kommen sie wieder.

30. September 2009

Ich hätte misstrauisch sein können, als es so ruhig im Zimmer des Jüngsten war.

Ruhig im Sinne von: kein Streit, sondern angeregte Unterhaltung. Ausserdem wurde eifrig geräumt.

Ich hörte ein Kind die Treppe runter in die Halle flitzen und  stöhnend kurz darauf wieder nach oben kommen. Nach ein paar Minuten huschte ein Kind in die Küche, angelte sich einen Müllbeutel und verschwand wieder. Eine halbe Stunde später rumpelte es auf der Treppe, zwei Kinder mahnten sich gegenseitig „pass doch auf“. Danach rummste es noch einmal, diesmal wieder auf dem Weg nach oben.

Die Tür zum Zimmer des Jüngsten wurde energisch geschlossen und ich hörte das Geräusch, von dem ich glaubte, ich müsste es nie wieder hören: das Prasseln/Klappern/Scheppern von vier Kilo playmobil auf lackierte OSB-Platten.

„Wir haben uns die Ritter geholt“, wurde ich informiert. Lego und Fischertechnik stapeln sich ordentlich verpackt in der Halle, was die Aktivitäten der Kinder vor der playmobil-Lawine erklärt. Gute Kinder.

Ich hoffe nur, dass der Besuch nächste Woche sich nicht allzu sehr auf Raumschiffe eingestellt hat. Hier gibt´s nur noch Knight Wars.

und erlöse uns vom dicken Knie. usw.

Gestern: eine halbe Stunde auf dem Trockenrad, Stufe drei

Gleich: Krankengymnastik.

Wieder sehr eingeschränkt, da sich das am Donnerstag mittels Spritze entleerte Knie erneut aufgeplustert hat.

(Stellen Sie sich an dieser Stelle bitte unflätiges Schimpfen und eine sehr, sehr gereizte/ungeduldige Frau … äh … Mutti vor)

Am Freitag wieder ein Termin beim Orthopäden, auf dass dieser eine spitze Nadel in mein Knie bohren möge.

Gestern abend beim Elternabend äusserten die Eltern den Wunsch, ob es der Klasse denn nochmals möglich sei, einem Spiel der Frankfurter Skyliners zuzujubeln. Im letzten Schuljahr war dies nämlich aufgrund verschlungener Beziehungen möglich. „Vielleicht!“, sprach die Klassenlehrerin, „Aber ganz sicher kommt der Besuch zweier Spieler in einer der nächsten Sportstunden, dann kann ich ja mal nachfragen, wie es mit Karten aussieht.“

Ich könnte ja am Freitag mal meinen Orthopäden fragen, der ist nämlich der Mannschaftsarzt. Da ich ja praktisch jetzt in seiner Praxis wohne (so oft, wie ich dort rumhänge), kann ich quasi von „wir kennen uns doch und hätteste mal nicht 30 Karten …“ sprechen :-)

***** edit *****

Also wenn ich noch einen Gang runterschalte, liege ich quasi im Koma.

Ich bin vorsichtig und behutsam und schone und lege hoch. Und wache morgens mit dickem Knie auf. Ob ich vielleicht schlafwandele?

Elternabende

29. September 2009

sind ganz schnell vorbei, wenn man kurz vor der Wahl des Klassenelternsprecher einfach vorprescht und „ich nehme die Wahl an!“ sagt.

Habe ich jetzt zweimal erfolgreich gemacht und darf zum Dank den Schulelternbeirat der Grundschule und den des Gymnasiums wählen.

Nächste Woche, Mittwoch und Donnerstag abend. (Verzeihung, Frau Antonmann, da hab ich nicht mitgedacht.)

Ich frage mich ja immer, weshalb dieses betretene Schweigen und auffällige Kontrollieren der Fingernägel einsetzt, so wie zur Wahl gerufen wird?! Diese quälende Stille, wenn es heisst“ Stellt sich jemand zur Verfügung?“ Und das hektische Abwehren, wenn man vorgeschlagen wird. Verstehe ich nicht.

Das Amt des Klassenelternsprechers ist nun wirklich nicht eines, das permanenten Einsatz fordert. Der Klassenelternsprecher lädt nach Absprache mit dem Klassenlehrer, zum Elternabend ein, sammelt ggfs. vorher Themen, die von Elternseite aus angesprochen werden sollen. Manchmal darf er ein Eltern-Info-Briefchen schreiben. Ganz selten wird er als Mittler zwischen Lehrer und Eltern eingesetzt. Warum will das niemand machen?

(Die Arbeit im Schulelternbeirat oder Kindergartenausschuss hat natürlich eine ganz andere Qualität und fordert deutlich mehr Einsatz. Bringt dafür aber auch eine Menge Information und neue Blickwinkel. Aber das ist ein anderes Thema)

grau und grau

29. September 2009

Der Herbst ist da und mir ist kuschelig zumute.

Doch vor dem Kuscheln steht die Arbeit, denn diese drei Felle

lagen über den Sommer gut verpackt in einer Kiste und wollten nun hiermit

gründlich gereinigt werden. Verfilzte Wolle, frecherweise ein kleines Gespinst von Wollmotten, Staub und Fusseln mussten raus. Einen halben Nachmittag lüfteten die Felle auf der Terrasse, jetzt liegen sie wieder auf dem Sofa und laden zum Kuscheln ein. (und riechen so schön schafig)

Und weil es anderthalb Jahre her ist, seit ich dem Sofa neue Kissenbezüge gönnte, damals im Frühling, gibt´s gleichzeitig noch neue Kleider für die Kissen.

Jeden Tag ein Bezug, in einer Woche kann der Besuch auf dem runderneuerten Sofa Platz nehmen.