update
3. März 2007
Der kleinste und der gößte Mann der Familie glühen mit annähernd 40°C Fieber auf dem Sofa vor sich hin, die Mittlere und der Große haben ihre Sachen gepackt und sind zu Oma und Opa ausgewandert und Frau … äh … Mutti hat das Schwesternhäubchen aufgebügelt.
„Wenn jetzt noch Magen und Darm-Grippe dazu kommt“, sagt das das große Kind, „dann wird es RICHTIG schlimm!“
„Wenn du jetzt nicht auf der Stelle mit dem Unken aufhörst“, sagt Frau … äh … Mutti, „dann wird es für DICH richtig schlimm.“
Drei Abschiedsküsse für jeden Auswanderer und irgendein schnelles Mittagessen für mich. Und Fiebermedizin für die Kranken, wenn sie wieder wach sind.
Wünschen Sie mir was. Seufz.
Wochenend und Sonnenschein
3. März 2007
und endlich nicht mehr ganz allein. (Reim dich oder ich schlag dich)
Der beste Vater meiner Kinder ist wieder daheim. Mitgebracht hat er einen Koffer voll schmutziger Wäsche, entzückende Geschenke für die Kindelein und sein holdes Weib (einen neuen Kaffeeeimer, jippieh!), Seife mit Micky Maus drauf und eine ausgewachsene Erkältung, die ihn nun richtig umschmeisst.
Die Kindelein fieberten der Ankunft ihres Vaters entgegen, schafften es dann aber doch nicht so lange aufzubleiben. Das jüngste Kind fiebert immer noch, obwohl der Papa nun da ist. Es liegt mit 39°C und Kopfschmerzen schlafend auf dem Sofa und ich ahne, dass die Erholungszeit für mich noch nicht begonnen hat.
Daraußen tobt übrigens ein Sturm, der Kyrill in nichts nachsteht und mich eben, beim Wegräumen des über die Terrasse schlingernden Anzucht-Gewächshauses ziemlich durchgerüttelt hat.
Und trotz allem: Familie wieder komplett. Schön ist das.
Drei Kreuze
2. März 2007
Halleluja!
In drei oder vier Stunden wird der beste Vater meiner Kinder die Haustür aufschließen.
Und dann ist Wochenende. Ohne Wecker. Und mit geteiltem Freud und Leid.
Bin urlaubsreif.
Mist, blöder
2. März 2007
Töchterlein kam schluchzend nach Hause. Den Sachkunde-Test hat sie glatt verhauen, eine vier minus. Kann passieren, ist nicht schlimm, sie ist eine sehr gute Schülerin und kann leicht ausgleichen. Schwamm drüber.
Wütend aber macht mich die Tatsache, dass sie als Einzige ihren Test zurückbekam, den Klassenkameraden wurde lediglich die Note mitgeteilt, weil ein Junge der Klasse den Test nachschreiben muss. (nein, ob und welche Logik dahinter steckt kann ich nicht erklären) Sie wurde nach der Stunde zur Lehrerin gebeten. Ihr wurde gesagt, dass sie den Test in den Sand gesetzt hat, aber „das sei ja zu erwarten zu sein, da man nicht immer Einser und Zweier schreiben kann.“
Noch bin ich wortlos und unsagbar traurig über diese Aussage, die so bar jeglichen pädagogischen Geschicks ist. So ich werde über das Wochenende meine Gedanken ordnen, um am Montag ein hoffentlich sachliches und klärendes Gespräch führen zu können. Auch wenn ich jetzt schon ahne, dass dieses Gespräch zu keinem Ergebnis führen wird.
Noch nie habe ich das Ende eines Schuljahres so herbeigesehnt wie im Moment.
Freie Tage sind schön,
1. März 2007
manchmal sehr wichtig und oft langweilig.
Mein Tag war ruhig, unproduktiv und erholsam und nachmittags habe ich tatsächlich die Kinder vermisst. Und hatte viel zu viel Zeit zum Nachdenken.
Uns scheint es manchmal so, dass das Leben, welches wir gewählt haben, viel zu anstrengend ist. Dass wir als Mütter ständig fremdbestimmt sind, dass wir keine Minute für uns allein haben und obendrein keine Anerkennung finden, weder finanziell noch in Form von Lob oder lieben Worten. Wenn wir krank oder müde sind, müssen wir trotzdem funktionieren. Wenn wir schlecht gelaunt sind, dürfen wir das nicht sein, weil wir das reine Mutterglück ausstrahlen sollen. Wenn wir genervt sind, bekommen wir blöde Sprüche über selbstgewählte Schicksale zu hören. Die Nachbarin oder Freundin, die kinderlos und am Besten noch ledig ist, hat einen geregelten Job, kann sich bei Bedarf krank schreiben lassen und hat um fünf Feierabend. Ausserdem hat sie ein erfülltes Leben, genießt kulturelle Ereignisse und Kinoprämieren, kennt alle Museen und Ausstellungen, fliegt am Wochenende bis morgens in den Discos rum oder mal eben nach Paris zum Shoppen und hat ausserdem ständig wilden, hemmungslosen Sex auf dem Küchentisch, die Glückliche.
In unregelmäßigen Abständen höre ich diesen Stoßseuzer und frage mich dann immer, wo die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben geblieben ist. Das ständige Wünschen und Streben nach dem, was man nun mal nicht hat, muss so demotivierend sein!
Natürlich ist der Mutterjob kein leichter, natürlich wird er nicht bezahlt, natürlich dankt es einem mal wieder niemand, wenn man die Blagen zu verantwortungsvollen, selbstbewussten, strebsamen und ordentlichen Mitgliedern der Gesellschaft erzieht.
Und genau an dieser Stelle muss ich den verhassten Satz sagen:
Ich habe dieses Leben gewählt.
Mit dem „Ja!“ zum positiven Schwangerschaftstest habe ich den Job „Mutter“ angenommen, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Und bei Licht betrachtet, ist dieser Job garnicht mal so übel. Ohne diesen Job müsste ich den Haushalt trotzdem machen. Sicher genauso mit Hilfe des Mannes an meiner Seite (so es denn einen gäbe) und sicherlich mit sehr viel weniger erheblich dreckiger Wäsche. Aber vielleicht müsste ich dann irgendwelche Büroklamotten bügeln, statt die schlunzige Jogginghose zur perfekten Arbeitskleidung zu erklären. Mein Mittagessen müsste ich nicht selbst kochen, das würde der Kantinenkoch für mich tun. Oder der Imbissbudenbesitzer. Oder das Fast Food Restaurant. Ich müsste trotzdem früh morgens aufstehen. Ich könnte nicht nachmittags um drei mal eben eine Runde spazieren gehen, nur weil die Sonne so hübsch scheint. Mein Klo wäre trotzdem dreckig und sogar die Fenster müssten geputzt werden. Und die vermaledeite Putzerei würde ich genauso hassen,, wie jetzt, wenn Kinder helfen wollen oder sollen. Vielleicht hätte ich einen hirnrissigen Azubi, der mir dan ganzen Tag doofe Fragen stellt, statt sein Hirn einzuschalten. Vielleicht hätte ich einen Chef, der mich mit Arbeit, anzüglichen Bemerkungen und/oder willkürlichen Entscheidungen meinen Urlaubsantrag betreffend überhäuft.
Wenn ich ganz ehrlich bin, hat das Singleleben, das selbstbestimmte, für mich genauso viele Nachteile wie Vorteile. So wie das Mutterleben genauso viele Vorteile wie Nachteile hat.
Hier könnte nun ein langer, auf die Tränendrüse drückender Text (ja, das fiele mir leicht, den zu schreiben) stehen, über das unsägliche Glück, wenn man zarte Liebesworte vom großen, pubertierenden Sohn ins Ohr gehaucht bekommt oder wenn die Tochter „ich bin sooo glücklich!“ singt oder wenn der kleine Sohn „Schalf gut, träum süß, bis morgen früh!“ unter der Bettdecke hervornuschelt. Über Kinderlachen und Toben und Jauchzen und einen Blick für Dinge kriegen, die man sonst übersehen würde. Ein langer, kitschiger Text über Dankbarkeit und Demut und über die Liebe zum Leben.
Aber ich glaube, dass jede Mutter diesen Text schreiben kann. Und deshalb spare ich ihn mir. Obwohl vielleicht die eine oder andere sich mal wieder daran erinnern müsste: das harte, entbehrungsreiche Leben der Mutter hat zwei, drei schöne Seiten, Mädels. Nicht vergessen.