Packwahn, Teil II

2. April 2006

Alles kein Problem.

Eine Hose habe ich an, ein Röckchen nehme ich mit.
Warme Schuhe habe ich an, leichtere nehme ich mit.
Fünf, sechs Oberteile, in Zwiebeltechnik tragbar und eine Strickjacke.
Die heißgeliebte Cordjacke und was Wasserfestes für drüber.
Und den sonstigen Kleinkram. Sollte etwas fehlen, kann das sicherlich ergänzt werden.
(ichbrauchhosenröckepullisschuhefetzenfummelteilchen)

Dieses Trolley-Dingsbums ist trotzdem voll. Na, Frau Miest, neugierig weswegen?

Nachdem ich die Kleinigkeit für die Jungs, meine Fahrkarte und sogar die Reservierung wieder gefunden habe, der i-pod voll ist, die Kamera doch noch einen Platz gefunden hat und sogar zwei Ersatzakkus für genügend Zeit zum Reisebloggen sorgen … habe ich fast kein Reisefieber mehr. Säße ich nur schon im ICE …

Frau Hofgeschnatter, an welchem Rand von Berlin wären SIE denn zu finden?

Packwahn

2. April 2006

Welche Schuhe? Dick? Dünn? Wasserdicht?
Wieviele Schuhe?
Welche Jacke? Dick? Dünn? Wasserdicht?
Reicht ein Paar Jeans?
Wieviele Röckchen?
Welche Tasche?
Welche Reiselektüre?
Kann ich bitte die Sonne mitnehmen, die hier lacht?!
Was essen muss ich auch. Und trinken!
Musik für die Ohren, Tasten für die Finger und eine Linse für´s Auge!

Obendrein bin ich ziemlich aufgeregt. Als Landei in die große Stadt. ganz allein. Wo man doch weiß, dass in der großen Stadt nur auf Landeier gewartet wird; leichte Beute für Diebe, Räuber, Langfieber, Schurken und Schufte!

Das nennt sich wohl Reisefieber …

Liebes Tagebuch!

1. April 2006

Als alle Kinderlein heute morgen dann endlich das Haus verlassen hatten, habe ich noch ein Stündchen geschlafen. Ich brauchte nämlich ganz viel Kraft und Mut. Weil: ich hatte einen Frisörtermin.
Beim Frisör war es wie erwartet: Die Azubine durfte mir die Haare waschen (sich dreimal mit der Waschmittelmenge verschätzen) und ihr Sprüchlein aufsagen (Sie haben aber dicke Haare, Frau … äh … Mutti!). Danach durfte die fertige Frisörin ran. Die gab mir eine Farbberatung, weil meine dicken Haare alle Braun-, Rot – und sogar Grünschattierungen der Welt hatten. Danach wurden mir die Spitzen geschnitten und die Färbepampe (zweimal in der Menge verschätzt) in die Haare gekleistert. Es dauerte fast zwei Stunden, bis ich endlich gehen durfte und der beste Vater meiner Kinder hat nur freudig bemerkt, dass die langen Haare noch dran sind. Nicht aber, dass sie jetzt gleichmäßig (langweilig) braun sind.
Die Kinderlein waren erfreulicherweise noch oder schon wieder verteilt, so dass wir gemeinsam einkaufen gehen konnten. Und viele „Edle Tropfen in Nuß“, neu mit Cocktails drin, probieren durften. (Gekauft haben wir keine, richtig lecker waren sie nicht, nur umsonst)
Wieder daheim hatten wir noch immer keiner Kinder und noch ein bißchen Zeit, so dass wir unseren Weinkeller wieder bestücken konnten. Dazu mussten wir schnell in ein Weingut fahren und all die Sorten Wein probieren, die wir auch kaufen wollen. Der Keller ist wieder voll und wir eigentlich auch.

Mittlerweile ist ein EIN Kind schon wieder eingetrudelt, ein anderes war kurz da, um Fahrrad und Helm zu holen. Noch ist nicht ganz geklärt, ob heute nacht wieder sechs Kinder hier schlafen oder aber nur drei Jungs, weil die Mädchen bei der Freundin schlafen. Oder ob wir hier alle ein spontanes Raclette veranstalten und alle hier schlafen müssen. Im Weinkeller, der dann wieder leer ist.

Liebes Tagebuch, heute ist ein schöner Tag.

Sechs Kinder,

1. April 2006

die um sechs Uhr morgens wach und fröhlich sind passen nicht unbedingt zu Frau … äh … Mutti, für die der Morgen gerne erst um acht beginnt. Allein.

Drei Mädchen sitzen in der Wanne, zwei Jungs setzen das lustige Zoospiel von gestern abend fort und der dritte holt Brötchen.

Noch dreimal lange Haare waschen, auspülen, abtrocknen und bürsten. Und zu aufwändigen Frisuren stylen.

Noch zweimal schlafen, dann fahre ich nach Berlin!

wolliges Seufzen

31. März 2006

Manch einer wird sich noch an mein spezielles Talent, Wolljacken (Konfektionsgröße M entspricht in etwa Größe 188) in Walklodenjacken (Konfektionsgröße 146) zu verwandeln, erinnern. Ja, nicht freiwiilig eingesetzt, dieses Talent, aber dennoch immer zur großen Freude des großen Kindes, dass die Walklodenjacke gerne zur Gartenarbeit oder bei Abenteuerausflügen mit dem Kumpel trägt („weil die sind ja eh schon kaputt, sozusagen“).

Der Große begann begehrliche Blicke auf meine relative neue braune Wolljacke zu werfen, als diese nicht mehr nur nach nach Schaf roch, sondern auch nach Parfum duftete, welches schärfere Gerüche, die sich auch durch nächtelanges Lüften nicht vertreiben ließen, überdecken sollte. (Kann noch jemand diesem Satz folgen? Ich nicht, insofern lasse ich auch das Korrekturlesen)
Die Jacke brauchte dringend eine Wäsche. Im Wollwaschgang, OHNE Schleudern, bei maximal 30°C. Idealerweise fand ich einen weiteren müffeligen Wollpulli und einen mit Joghurt bekleckerten Pullunder. Mit der Wolljacke zusammen fast eine volle Maschine.

Zweimal vergewisserte ich mich, dass die Schleuderumdrehung auf „0“ gestellt war, das Waschprogramm auf „Wollgang/ Kaltwäsche ohne spülen“ (vorsichtshalber) stand und dass ausreichend Wollwaschmittel im richtigen Waschmittelfach schwappte.

Todesmutig drückte ich auf Start.

Anderthalb Stunden später entdeckte ich, dass ich auf Knitterschutz, statt auf Start gedrückt hatte. Nein, das war nicht das erste Mal und wie bei den vielen Malen vorher konnte ich auch diesmal nicht herzhaft über meine Schusseligkeit lachen.

Weitere anderthalb Stunden später tobte der Bär, das übliche Chaos herrschte im und um das Haus, so dass ich mich erst knapp zwanzig Stunden später an meine Wollsuppe erinnerte. Vorsichthalber stellte ich das „Spülen“ Programm an, denn durch das Bullauge sah ich meine heiligen Wollsachen in milchiger Brühe treiben. Spülen OHNE Schleudern!

Zwanzig Minuten später musste die Maschine auf Abpumpen gestellt werden, OHNE Schleudern!

Zehn Minuten später öffnete ich die Maschine und zog klitschnasse Wollteile heraus. Zentnerschwer aber in Originalgröße! Mir innerlich auf die Schulter klopfend (braaaave Mutti, braaaav!) schleifte ich den Wäschekorb, den triefenden, kleckernden, schwappenden Wäschekorb, auf die Terrasse, um dort den Wäscheständer zu bestücken. (selbstverständlich wurden die edlen Wollstücke nicht gehängt, sondern gelegt! braaaav …)

Das war vorgestern.
Mittlerweile regnete es mehrmals heftig. Am klitschnassen Zustand hat sich somit nichts geändert. Ob ich meine geliebte, braune Wolljacke jemals wieder tragen werde?

Wahrscheinlich kommt es heute noch zu einem unglaublichen Wetterphänomen: ein sechzig Grad heißer Regen geht nieder, gefolgt von einem Wirbelsturm mit 1200 Umdrehungen.

HA! Dann hätte ich aber mal einen ECHTEN Grund, über das Wetter zu meckern!