Telefon: *ring*
Frau … äh … Mutti keucht aus dem Garten über die Terrasse ins Wohnzimmer, streut munter Erdschollen auf den frischgesaugten Boden, stolpert über den hysterisch aufschreienden Kater und bricht sich dabei beinahe das Genick: „Frau … äh … Mutti?“
Fremde Frau:“ AH! Frau .. äh … Mutti! Endlich erreiche ich sie! Ihr Name wurde heute morgen in München ermittelt!“

In München? Was habe ich getan? Ermittelt? Ich bin klein, mein Herz ist rein! Ich weiß es fast beinahe, ziemlich sicher, ganz genau.

Fremde Frau: „JA! Das staunen sie, was?! SIE oder ein Mitglied ihrer Familie hat die Möglichkeit …“

ALARMGLOCKE!

„… bei GÜNTHER JAUCH …“

BIMMELBAMMELWUTSCHNAUB

„… in der 5 Millionen Euro Show MITZUMACHEN!!! Ist das nicht toll?“

Frau … äh … Mutti, sehr laut: „SIE schon wieder! SCHON WIEDER! Ich habe die letzten fünf Mal schon DEUTLICH gesagt, dass ich NICHT in diese dämliche Show will. Und das ich NICHT angerufen werden will. Und das sie mich endlich BITTEDANKEJETZTSOFORT aus dieser ätzenden Kartei löschen sollen, weil mich diese blöde Anruferei so dermaßen ankotzt, das können, ne, das WOLLEN sie sich gar nicht vorstellen! Schönen Tag noch!“
Fremde Frau, reserviert: „Wünsche ich ihnen auch.“

SCHNAUB!

Haben die das ENDLICH kapiert?

nur so

9. April 2006

Ich erwähnte es wohl bereits, dass das Zitronenhuhn schlichtweg genial und lecker und simpel zuzubereiten ist und dass ich ihr ewig dankbar sein werde, weil sie es verraten hat. Äh, ja.
Es war wieder einmal köstlich, die hinreissenden Bestien wurden alle satt, ganz ohne „igitt, da ist was Grünes“- Gekreisch. Frau Zorra, bitte mehr Rezepte mit solcher Geling-Garantie, denken Sie bitte an meine Nicht-Kochkünste und an meine Kinder mit dem wählerischen Geschmack. Bitte-Danke.
Ansonsten bleibt zu sagen, dass zu diesem Huhn ein 2004er Dornfelder ganz vorzüglich mundet.

Wobei – der schmeckt auch zu diesen komischen Geisha-Snacks, nicht wahr, Frau Miest?

Nass in Berlin

4. April 2006

Während daheim die Osterglocken blühen und die Vögel in der lauen Frühlingsluft zwitschern – regnet es in Berlin. Zwischendurch schneit es auch ein bißchen. Oder hagelt. Oder graupelt. Sonne gab es auch kurz mal, die ließ den Eismatsch auf der Straße so hübsch glitzern.
Frau Miest sorgt weiterhin gut für mich. Die ausreichende Kaffeezufuhr ist wunderbar geregelt. Heute gab es ein ausgiebiges Frühstück gemeinsam mit der anderen Pia und irgendwann später (nicht allzu viel später) rohen Fisch auf pappigem Reis. Damit das Landei nicht vom Fleisch fällt.
Erstaunlicherweise futtert Frau Miest bereits wieder, diesmal in Gesellschaft ihres letzten gesunden Kindes. Ich hingegen habe das Gefühl, dass ich NIE WIEDER etwas essen kann. Auch nicht diese köstlichen Knabberdinger, die hauptsächlich aus Glutamat und Gewürz bestehen. Oder die Schokodinger. Oder den leckeren Käse, den wir gekauft haben.

Andererseits … muss ich mir eine wärmeisolierende Fettschicht anfuttern. Sind ja arktische Zustände hier.

ICE fahren ist eine feine Sache. Relative leise, die Sitze weitesgehend gemütlich und manchmal hat man das Glück, dass die Klimaanlage die richtige Temperatur ausspuckt. Letzteres war mir nicht vergönnt, die Reisenden sollte offensichtlich auf sehr niedrige Temperaturen im fernen Berlin vorbereitet werden (Gerüchte wisperten von geschlossener Schneedecke)
So saß Frau … äh … Mutti dann in den dicken Wollschal gehüllt im Zug und steckte ihre Nase abwechselnd in die eigene Reiselektüre oder in die der Sitznachbarin. (Java-Entwicklung, in Englisch, Frau … äh … Mutti zeigt sich tief beeindruckt)

Meine größte Angst beim Zugfahren ist, dass ich meinen Zielbahnhof verpasse. Das konnte diesmal nicht passieren, weil wie auf ein Kommande alle Fahrgäste von ihren Sitzen sprangen und hektisch Koffer, Tschen, Rucksäcke und plärrende Kinder zusammenrafften. Spontan wollte ich mich anschließen und in Hektik verfallen, als ein Blick auf die Uhr mir zeigte, dass Bahnhof Zoo noch dreizehn Minuten entfernt war. „Pfff, Landeier, zum ersten Mal in der großen Stadt … „, dachte ich und blätterte demonstrativ eine Seite meines Buches um. Drei Minuen später packte ich betont gleichgültig und lässig meine Siebensachen (unterdrückte gekonnt einen Schreikrampf, als ich das Buch zu Boden warf und es in der Eile nicht wiederfand), zog meine Jacke an, schnallte die Tasche auf den Trolley und zappelte ein bißchen (aber nur ein bißchen)

Der Zug hielt und ganz ohne blinde Panik fand ich die S-Bahn, verpasste die erste, stieg zehn Minuten später in die zweite und zwanzig Minuten später wieder aus. Alles gan easy, weiß garnicht, warum ich die Nacht vorher vor Reisefieber nicht schlafen konnte. („Bahnhof Zoo!“, dachte ich in dieser Nacht, „kennt man ja. Typen, die dir Drogen verkaufen wollen. Oder Waffen. Oder die dich entführen, berauben oder Obdachlosenzeitungen verkaufen wollen. Ge-fähr-li-ch.“)

(Diese Tastatur ist erheblich besser als die andere, stelle ich fest.)

Heute wartet die große Stadt mit ihren vielen Geschäften auf mich, NOCH regnet es nicht, dafür liegt die Temperatur nur knapp unter dem Gefrierpunkt. Die Temperatur des einen Sohnes von Frau Miest liegt nur knapp unter dem Siedepunkt, was uns aber nicht daran hindert, in etwa einer halben Stunde ein spontanes Bloggertreffen mit einer weiteren Pia (wunderschöner Name, dies aber nur am Rande) in einem höchst schokolade-lastigen Café zu veranstalten. Der Miest-Mann hütet derweil das kranke Kind. Nett von ihm.

Ich geh dann mal die weite Welt entdecken.

Im Zug geschrieben, und später dann mittels einer SEHR merkwürdigen Tatstatur fremdgebloggt.

„Wenn ich doch nur schon im ICE säße, war der erste Gedanke heute morgen, dicht gefolgt von: wenn ich in der S-Bahn nur nicht auf´s Klo muss und: hoffentlich habe ich nichts Wichtiges vergessen.

Nun.

Bisher habe ich nichts vergessen und im ICE sitze ich auch, wenn auch knapp.
Kurz vor Frankfurt wurde den geneigten S-Bahn-Passagieren mitgeteilt, dass auf Grund von Signalstörungen das Fahrttempo erheblich verlangsamt sei. Es war so verlangsamt, dass wir knapp zwanzig Minuten standen. Dies diente der Steigerung meiner mehr als leichten Panik, da ich einerseits selbstveständlich dringend auf Toilette musste, andererseits der ICE in genau 17 Minuten abfahren sollte.
Dies sind die Momente, in denen ich wahlweise meine Fingernägel bis auf´s Fleisch abnagen möchte oder eine halbe Schachtel Zigaretten inhalieren will. Ich tat beides nicht, sondern konzentrierte mich auf den Spurt Tiefbahnhof – Hauptbahnhof in fünf Minuten. Mit mir gingen etwa hundert andere an den Start, geschafft haben es alle und während alle anderen stehen müssen, sitz uch gemütlich mit der Sonne im Nacken auf meiem vorsorglich reservierten Platz. Die ersten Keksbrösel des lebensnotwendigen Reiseproviant fallen in die Tastatur und ich habe vier Stunden Zeit, mich auf den nächsten Sprint in den nächsten Zug vorzubereiten.
Berlin, ich komme!“

Frau … äh … Mutti ist angekommen, hat prompt den Kaffee vergessen und sich welchen kaufen lassen müssen und diese TASTATUR ist ein Graus.
Morgen oder später oder irgendwann mehr.

Übrigens: es regnet.

(aber bis jetzt isses richtig nett bei der Frau Miest)