Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?
5. Juni 2014
Frau Brüllen will es wissen, Sie vielleicht auch.
Es ist Donnerstag. Donnerstage sind Opa-ohne-Oma-Tage, Donnerstage sind gute Tage, am Donnerstag bleibt die Küche mittags kalt.
Der heutige Donnerstag begann sehr sonnig, weswegen ich zu Rock und Trägerhemd griff. Ein kurzer Gang auf die Terrasse belehrte mich eines Besseren und ich zog weitere Schichten über. Nach einem kurzen Rundumschlag in der Küche und in meinem Kleiderkämmerchen (irgendjemand wirft immer die Röcke ins Regal, statt sie in die Klemmbügel zu stecken), fuhren der große Sohn und ich in die örtliche Winzergenossenschaft, um für ein großes, am Wochenende anstehendes Fest 12 Flaschen Sekt zu kaufen. Danach fuhren wir in die Käsgasse, Pardon: Uttrichstraße (Käsgasse hieß sie früher und echte Einheimische nennen sie noch immer so) zum Julianenhof. Jochen hat seine Weinbergsrundfahrtspassagiere letzten Herbst von seinem Wein überzeugen können, der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib dürfen deshalb Weinlieferant spielen und 24 Flaschen Hipping (trocken) an den Niederrhein fahren. Zusammen mit dem Sekt und dem anderen Wein aus dem Weingut Huff.
Wir schleppten Sekt und Wein in die Halle und ich blieb auf ein Straßen-Nachbarinnen-Schwätzchen hängen. Erfreulicherweise bleiben auch ohne schräge Nachbarn noch zwei, drei Gesprächsthemen. Das Wetter zum Beispiel, das geht ja immer.
Ein eher unangenehmer Termin stand an: Frisör. Ich mag es einfach nicht, wenn man an mir herumzuppelt, wenn man mir zu nahe kommt und wenn man mir doofe Gespräche aufdrückt. Mittlerweile habe ich aber eine reizende Frisörin gefunden, die mir zwar immer noch an mir herumzuppelnd nahe kommt, mit der ich mich aber gerne unterhalte und die mir die Haare so schneidet, wie ich das möchte: wie Spock. (und die aktuelle Farbe mag sie auch. Behauptet sie jedenfalls.)
Nach dem Frisörtermin ignorierte ich pieksige Haarstoppelchen im Shirtkragen und kaufte Donuts für eine Freundin, die schrecklich von Donutgelüsten geplagt wird, derzeit aber zu extremer Schonung verurteilt ist und deshalb das Haus nicht verlassen darf. Mit Donuts und einer klitzekleinen genähten Überraschung besuchte ich sie und blieb viel länger, als ich eigentlich wollte. Wie die Zeit vergeht, wenn man schwätzt, kichert und sich freut!
Auf dem Heimweg traf ich auf die Tochter, die gerade auf dem Weg zum Opa war. Ein schnelles Hallo, ein schneller „gibt´s was Neues?“-Austausch und weg war sie. Den jüngsten Sohn werde ich heute abend kurz sehen. Donnerstags bin ich nur so eine halbe Mutter, irgendwie.
Daheim empfingen mich unten auf der Treppe die ersten Federn. Durch den Flur kamen Bluttropfen dazu und in der Küche fand ich das, was die rote Ratte aka Ringelfranz von einem Gartenrotschwanz übrig gelassen hatte. Seufz. Raubtier. Mir ist es lieber, wenn er Ratten frisst.
Nach der Entsorgung von Kadaver und Blutspuren war mir der kleine Anflug von Hunger verflogen. Ich lud die Waschmaschine, setzte mich kurz auf´s Sofa und wachte eine Stunde später wieder auf. Keine Ahnung, was das im Moment mit mir ist. Ich bin ständig müde. Wahrscheinlich sollte ich mal auf die Eisenwerte schauen lassen. Egal, hier wird nicht gejammert.
Statt die mittlerweile gewaschene Wäsche aufzuhängen, schreibe ich rasch mal meinen ereignisreichen Tagesablauf auf. (vorher müsste ich ja auch erstmal Wäsche abhängen). Der beste Vater meiner Kinder kommt gegen sieben, ich werde uns rasch etwas kochen und vielleicht springen wir heute abend noch mal in die Sauna.
Frau Brüllen, das war´s schon wieder. Ich wette, bei Ihnen ist mehr los. ;)
Schein und Sein
4. Juni 2014
oder auch „Wie es hinter den Kulissen aussieht“
Ich habe heute Erdbeerkonfitüre gekocht. Der große Sohn fuhr mit mir zum Erdbeerbauern unseres Vertrauens und wir erstanden fünf Kilogramm Erdbeeren, damit wir für den grauen Winter ein bißchen Sommer in Gläsern haben.
Brav dokumentierte ich auf Instagram „von der Erdbeere bis zur Konfitüre“
wunderbare, rote, saftige Erdbeeren

das Putzen dieser Erdbeeren

die künftig gefüllten Gläser

kochendes Erdbeermus, leider ohne Duft-Transport in Ihre Nasen

gefüllte, abkühlende Gläser (an Pfingstrosen)

und nochmal sehr viele befüllte Gläser.

Viele inszenierte Bilder, die alle nur zeigen, wie toll die Frau Mutti da Konfitüre kocht, wie ordentlich das alles aussieht.
Nach dem klick! zeige ich Ihnen viele Bilder vom Drumherum. So, wie es in der Küche wirklich ausssieht. Das ist nämlich nichts stimmungsvoll und ordentlich, nur jede Menge Durcheinander mit Erdbeeren.
falls …
3. Juni 2014
Sie dachten, dass die Frau Mutti immer noch feiernd in ihrem Garten tanzt, dann haben Sie beinahe recht.
Am Samstag zu Beispiel saß ich eine Stunde in meinem Gemüsegarten und sah den Kohlrabis beim Wachsen zu. Die Familie war zum Klettern ins Morgenbachtal gefahren, ich hatte mir keine lange to-do-Liste geschrieben, sondern nur einen einzigen Vorsatz: im Gartensitzenliegenstehenspazieren. Den habe ich erfüllt und ich sage Ihnen, es war ein Fest.
Noch immer treffen wir Nachbarn uns mit ungeheurem Mitteilungsbedürfnis. Alle alten, uns so stark belastenden Geschichten aus der Nachbarschaft werden wieder und wieder erzählt und immer wieder enden diese Gespräche mit dem Stoßseufzer „Es ist vorbei.“
Gestern war ich in dem Haus. Die Besitzerin war zur Übergabe angereist, zusammen mit Anwalt, Ordnungsamt und Chef des Ordnungsamtes. Von Hausfenster zu Garten schwätzten wir kurz. „Mir ist ganz schlecht“, sagte sie und da wurde ich doch sehr neugierig. Später bekam ich Gelegenheit, meine Neugierde zu stillen. Das Haus muss saniert werden. Mutwillige Schäden neben Abnutzungsschäden neben „ich wertschätze nichts und niemanden“-Schäden. Ein Container muss kommen, denn ausgeräumt ist da noch lange nicht. Und als Abschiedsgruß waren beide Toiletten bis um Rand … ach lassen wir das. Die Besitzerin will das Haus nun verkaufen, denn bevor sie es erneut vermieten könnte, müsste sie es renovieren lassen. 50.000€ schätzte der eine Anwalt, ich als Renovierungserfahrene sage: das Doppelte.
Und so hoffen wir darauf, dass sich irgendjemand in dieses Häuschen mit dem wunderbaren (derzeit natürlich verwilderten) Garten, in den niemand reinschauen kann, verliebt und bereit ist Zeit, Arbeit und Geld zu investieren. Wohnen kann darin derzeit niemand mehr und deshalb ist die bange Frage „wer kommt danach?“ erstmal aufgeschoben.
Die Besitzerin ließ das Schloss am Tor auswechseln, den von den ausgegebenen zehn Schlüsseln bekam sie nur zwei wieder. Eine leise Angst haben wir alle noch, dass die Nachbarn einfach wieder einziehen und das Haus „besetzen“. Wahrscheinlich ist das nicht, aber doch – wir trauen den Ex-schrägen Nachbarn alles zu.
(noch eine kleine Begriffserklärung, weil man anmerkte, dass „schräg“ doch zu milde sei: schräg bezieht sich auf die Wohnlage. Schräg gegenüber wohnten sie, genau gegenüber von dem Gartenstück, das jetzt mein Gemüsegarten ist.

Und das war der letzte Blogartikel zum Thema „schräge Nachbarn“. Geschafft, überlebt. Weiter geht´s.
Danke für Ihre zahlreichen mitfreuenden Worte!
Endlich, endlich, endlich.
31. Mai 2014
Ich habe es gestern schon auf anderen Kanälen mitgeteilt, heute dann auch hier: die schrägen Nachbarn sind ausgezogen. Nach knapp fünf Jahren voller Geschrei, Gekeife, Prügeleien, Beschimpfungen und Bedrohungen sind sie ausgezogen. MUSSTEN sie ausziehen, der Zwangsräumungstermin war der 30. Mai. Sie wollten nicht, denn sie müssen das schnuckelige 5-Zimmer-Häuschen inmitten guter Infrastruktur gegen eine 3-Zimmer-Wohnung im Hinterland tauschen. Meine Gedanken sind bei den künftigen Nachbarn, denn beengter Platz lässt dort sicherlich die Aggressivität steigen.
Und heute bin ich einfach nur froh und glücklich. Meine Familie ist an den Fels zum Klettern gefahren, ich werde mich auf die Terrasse setzen, lesen und … NICHTS hören. Ab und zu ein Auto, mal ein Flugzeug und natürlich das ohrenbetäubende Gezwitscher der Vögel. Ein harter Tag steht mir da bevor.
Gestern zum Abschied ließen die ältere Nachbarin und ich uns noch ein bißchen anschreien und beschimpfen und – um uns den Abschied wirklich leicht zu machen – zielte einer der Lebensgefährten der schrägen Nachbarin mit einer Feuerwerksrakete auf uns, das Feuerzeug gezückt. „Schieß nur!“, rief ihm die couragierte, ältere Nachbarin zu, woraufhin er sich umdrehte, auf seinen Hintern zeigte und erklärte, was wir ihn könnten. Er uns auch, aber das müssen wir nicht über die Straße brüllen.
Am Abend waren sie weg. Wir direkt anliegenden Nachbarn standen noch lange zusammen und erzählten. „Wir sind ja wie traumatisiert, weil wir immer noch so viel darüber reden müssen.“, sprach die eine und die andere holte einen prall gefüllten Müllsack aus ihrem Hof, „Das wurde in den letzten Jahren über die Mauer in den Garten geworfen. Stifte, Socken, Unterwäsche, Schulbücher.“ Anfangs habe sie die Sachen zurückgebracht, später nicht mehr. Scheinbar hat niemand das Zeug gebraucht.
Wir werden sie nicht vermissen, die schrägen Nachbarn. Auch nicht die wöchentlichen Besuche von Ordnungsamt oder Rettungswagen. Es wird herrlich langweilig werden bei uns in der Straße.
Und mal sehen, wer dann in das schnuckelige Häuschen einzieht. Wenn es renoviert ist.
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Wenn Sie hier neu sind, dann mag sich dieser Artikel merkwürdig lesen. Stöbern Sie im Archiv oder glauben Sie mir einfach: die Freude über diese Zwangsräumung kostet mich keinen einzigen Karmapunkt.
Der Garten im Mai
27. Mai 2014
Gestern abend twitterte ich, ich habe da eine neue Garten-Event-Idee: Menschen kommen zu mir, um im Garten zu jäten und zu gießen, abends können sie dann den Garten genießen. Das ist natürlich nur halb ernst gemeint, denn so sehr mich die Idee einer Gartenhilfe, die für das Vergnügen im Garten schuften zu dürfen womöglich noch bezahlt (nach dem Vorbild einiger Winzer, die die Touristen gegen Bares Trauben lesen lassen :)) lockt, so sehr würde es mich wahrscheinlich stören, wenn fremde Menschen Sachen in meinem Garten machen. Mein Garten wächst mir jetzt in diesem Gewächshaus-Wetter-Mai buchstäblich über den Kopf, wahrscheinlich habe ich deshalb komische Gedanken und Ideen.
In meinem Gemüsegärtchen wuchert es. Letztes Jahr blickte man zu dieser Zeit an genau dieser Stelle stehend auf einen grünen Berg. Beinahe schulterhoch waren Brennnesseln, Goldruten und Winden zusammengewachsen. Zum Jäten hatte ich auch deshalb wenig Lust, denn das Haus, das sie da gegenüber sehen, ist das Haus in dem _jene Nachbarn_ hoffentlich nur noch bis Freitag wohnen.
Der beste Vater meiner Kinder und ich stopften im letzten Hochsommer unzählige Grünschnittsäcke voll, rissen den Kram einfach ab, schnitten klein, ignorierten Wurzeln und Samen. Hauptsache erstmal das Grünzeug wegschaffen. Der große Sohn grub das Stück um, ich robbte hinterher und klaubte Windenwurzeln aus der Erde, jätete Aufkeimendes, zerdrückte Schneckeneier.

In der Zwischenzeit baute der große Sohn das Fundament für diesen großen Kanister, den Sie im Bild nicht übersehen können. Er hat 1000 Liter Fassungsvermögen und dank dem Regen der letzten Tage ist er randvoll. (das Wasser von der Terrasse läuft dort hinein) Ich kann also ohne weite Gießkannen-schlepp-Wege meine Gemüseexperimente gießen.
Meine Kohlrabis zum Beispiel! Die wachsen und gedeihen prächtig und ich fühle echtenKohlrabi-Mutterstolz!

Nach einem Wachstumsstop wegen nächtlicher Kälte kommen jetzt auch die Tomaten und die Gurken, die den Kanister überwuchern sollen. Und die Kartoffeln sind bereits ordentlich angehäufelt. Das ist alles gut und schön und eine Freude zu sehen, wie es wächst und dieses öde Stück saftig grün wird.
Leider wächst auch sehr, sehr viel von dem, was nicht wachsen soll.

Klatschmohn, Melde, Schöllkraut, Gänsedistel und Miere lassen sich leicht jäten, aber die Winde… die verflixte Winde. Die wird mich noch mindestens zwei Jahre beschäftigen. Und wenn ich mit ihr fertig bin, kann ich mich mit dem Giersch amüsieren. Ich entdecke also die Freuden des Gemüsegärtnerns. Das beinhaltet auch hacken. Einmal gehackt ist halb gegossen oder so ähnlich heisst der kluge Gärtnerspruch, dessen Logik sich mir mittlerweile erschließt. Unsere fette Ton/Lehm-Erde backt nämlich bei Hitze zu einer sehr harten Kruste, die nur wenig Gießwasser durchlässt. Deshalb ist das Schwingen von Hacke oder Grubber derzeit meine bevorzugte Sportart.
Der restliche Teil des unteren Garten wird hingegen immer pflegeleichter. Wir lassen das, was auf dem Boden wächst, wachsen und schicken wöchentlich ein Kind mit dem Rasenmäher darüber. In der Mitte wachsen die Obstbäume, bzw. meine frisch gesetzte Rebe und am Rand blüht es fröhlich. Lücken am Rand will ich mit heimischen Gehölzen füllen, solche die im Frühling Bienen und im Herbst Vögel glücklich machen.

Die Apfelbäume, der Pfirsich- und der Birnbaum hängen sehr voll. Wenn nicht ein Sommergewitter da mächtig ausdünnt, kommt viel Arbeit auf mich zu. Da ist ein pflegeleichter Restgarten nicht das Schlechteste.

Am Ende dieses langen Stückes steht dann bald das Gartenhüttchen. Und dort darf der Garten dann auch wieder bunt werden. Nächstes Jahr dann. Wenn es weniger Winden im Gemüsegarten gibt.
„Unkraut“ kann übrigens sehr, sehr hübsch sein und darf deshalb auch wachsen. Hier der wilde Storchenschnabel:

Demnächst zeige ich Ihnen dann mal wieder das obere Gartenstück, das wir hochtrabend den „Wellnessbereich“ nennen. :) Demnächst heißt: wenn sich der Farn erholt hat, der von einem Raummeter Holz, der umstürzte, plattgedrückt wurde. Und wenn die vielen Funkien in ihren Töpfen endlich ihren endgültgen Platz gefunden haben. Demnächst eben.