Nierstein ist seit fast einem Jahr eine Stadt und deshalb muss das kulturelle Programm ein bißchen angeschoben werden. Der wunderschöne Gemeinde- pardon! STADTpark bietet sich dafür an und so kommen wir auch in diesem Jahr wieder in den Genuss von „Kino im Park“ und dem großen musikalischen Sommerfest, diesmal mit DJ Ötzi. Darüber freuen wir uns sehr. Nicht. Wir müssen auch gar nicht hingehen, denn wenn der Wind günstig steht, singt der Ötzi direkt in unserem Garten. (Letztes Jahr hätten wir beinahe Matthias Reim im Garten hören können. Der sang dann aber doch nicht, weil zu wenige Karten verkauft wurden. Tja.)

Seit Jahren finden Parklichterfest und Kulturfest im Stadtpark statt und beide sind gut und gern besucht. Musik, Essen und bei Sonnenschein auf der Wiese liegen. (und beim Parklichterfest im Dunkeln zwischen Tausenden von Teelichtern umherwandeln und auf das Feuerwerk warten.) Ich liebe diese Feste, ich liebe den Park und deshalb durfte ich mir das  neu eingeführte Parkfest, den „Park der Genüsse“ nicht entgehen lassen. Mit Freunden und den empfohlen Picknickdecken trafen wir zur allerbesten Mittagsessenszeit im Park ein und waren überwältigt! 38 Stände mit allerfeinsten Kleinigkeiten aus der Region. So viel zum Beschnuppern, Verkosten oder Befühlen! Dazu ein Sommerwetterchen vom Allerfeinsten – ein echter Urlaubstag voller Erholung.

Zur Freude der Kinder (und der Eltern) wurde der Springbrunnen angestellt, hier auf dem Bild ist er noch leer. Später tobten dort Wasserschlachten mit sehr wenig Tränen.

In den Räumen hinter der Bühne gab es diese Köstlichkeiten:

handgemachte Pralinen, daneben Tafeln Schokolade in fast schwarz bis weiß, mit ganzen Nüssen, Cranberries, Ingwer oder Walnüssen. Das Probierstückchen war viel zu schnell weggenascht, wir kauften später eine kleine Auswahl der Pralinen zum Genießen. Ninas Pralinen-Manufaktur ist in Schwabenheim.

Stellvertretend für alle Stände, an denen es etwas zu Schnuppern gab, dieser Stand:

Ceylon Spice. Duftende Gewürze in wunderschönen Keramikbehältern! (leider farblich nicht zu meiner Küche passend, allerdings könnte ich die ja auch mal wieder umlackieren) Wir bekamen eine sehr geniale Gewürzmühle/reibe aus Gusseisen vorgeführt, die sich der Schreinerfreund umgehend zum Geburtstag wünschte. Liebe mitlesende Schreinerfreund-Familie: diese hier! (und ich nähme auch eine!)

Ich erwähnte es bereits: der Tag war sonnig und warm, zu warm für ein Glas Wein, aber perfekt für ein kühles Bier. Bis Sonntag wussten wir nicht, dass es nur wenige Kilometer von uns weg, in Mettenheim, eine kleine, feine Brauerei gibt!

Fünf verschiedene Biere, von hellem Pils bis zu ganz dunklem Bier mit Bananennote verkosteten wir begeistert. Und sind uns sicher, dass wir einige Sorten öfter trinken werden! Brauerei Sander in Mettenheim, auch online.

Nach dem Bier war vor dem Kaffee!

Fräulein Fine aus Oppenheim und ein Kaffee aus dem pinkfarbenen, uralten französischen Lastwagen von „Beans of joy“ (sogar mit lactosefreier Milch für mich!) sorgten für ein gelungenes Nachmittagssüß! (tarte citron und tarte chocolat et lavande)

Und ein Eis passte auch noch obendrauf!

N´eis aus Mainz. Der beste Vater meiner Kinder entschied sich für Minze-Limete und Brownie, ich war mutig und nahm Basilikum (und Minze-Limette). Basilikumeis ist lecker, auch ohne ein Bällchen Tomate-Mozarella dazu. Aber Minze-Limette ist unübertroffen, wie gefrorener Mochito ohne Alkohol.

Alkohol gab es ja auch hier:

Sherry? Naja. Trinken ältere Damen in noch älteren Filmen nachmittags. Nachmittag war es und der Begriff „ältere Damen“ durchaus dehnbar. Wir kosteten und waren verzückt. Das Geheimnis dieses Apfelsherrys ist nämlich, dass er im Whiskyfass lagert. Eigentlich ist das ja umgekehrt: Whisky lagert wegen der besonderen Note in Sherry-Fässern. Egal. Das Ergebnis jedenfalls ist ein wunderbarer süßer, süffiger, flüssiger Apfel mit ein paar Umdrehungen im Glas.

Vielleicht nicht ganz so ideal bei 30°C in der Sonne, aber ein echter Hochgenuss. Und da ich es versäumt habe, mir eine Flasche zu kaufen, hoffe ich auf einen Online-Handel demnächst. Die Seite der „HS Apfelmanufaktur“ befindet sich jedenfalls noch oder schon im Aufbau.

Keine Bilder gibt es von den wunderschönen handgesiedeten Seifen von Ars Lavendi „Die Kunst des Waschens“ oder dem Wildschweinburger vom Grill vom Niersteiner Nachsucher Karsten Negel. Oder von dem köstlichen Brot aus der Holzofenbäckerei oder von den restlichen Ständen. Das würde auch diesen Artikel hier sprengen oder sie bekämen ein völlig echtes falsches Bild von mir, als hätte ich einen Sonntag lang nur gegessen und getrunken. :) Ach – und ja! Alle links hier habe ich freiwillig gesetzt, trotzdem sind sie als echte Werbung und Weiterempfehlung zu verstehen. Stöbern Sie gerne!

Wir gingen am Abend sehr erfüllt, sehr satt und ein bißchen angetrunken nach Hause und hoffen so sehr, dass es auch im nächsten Jahr wieder einen „Park der Genüsse“ geben wird. Also, lieber (von mir allerdings nicht, ich wollte den anderen)wiedergewählter Bürgermeister: tolles Konzept, weitermachen, wiedermachen!

 

Weil das Thema mal wieder durch meine diversen Timelines geistert und es mittlerweile immer mehr „Betroffene“ gibt, habe ich den Selbsttest auf der Seite der Zeitschrift Eltern gemacht: Ist Ihr Kind hochsensibel?

Vorneweg: ja. Laut Test sind sie es. Ich übrigens auch. Und vermutlich sogar unser Kater.

Es ist nämlich so, dass die Fragen des Tests so wischiwaschi formuliert sind, dass vermutlich die wenigsten Kinder demnach nicht hochsensibel sind.

Aber lesen Sie selbst, ich hab Ihnen mal die Fragen beantwortet. Sogar ausführlich, denn eigentlich hätte ein schlichtes ja oder nein genügt:

1. Neigt Ihr Kind zu besonders starken Empfindungen über die fünf Sinne? Beklagt es sich beispielsweise oft darüber, dass Dinge zu stark riechen, zu laut sind, „nach Strom“ schmecken?

Meine Kinder haben sich oft laut und ausdauernd über stinkigen Käse, komisch riechende Bananen, Raucher, Autoabgase, übers Haus donnernde Flugzeuge, vorbeirasende Züge, laute Musik und vieles, vieles mehr beschwert. Sie begannen zu weinen, ergriffen die Flucht und waren oft völlig hilflos bei den Reizen, die auf sie einströmten. Wahrscheinlich lehne ich mich nicht sehr weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die meisten Kinder genauso auf Reize reagieren, die ihnen unangenehm sind. „besonders stark“ ist dabei sicherlich kein objektives Maß, vor allem dann nicht, wenn man womöglich gerade die letzten Nervenreste zusammenkratzt, weil man mit dem Kind gerade eine solche Situation durchlebt hat.

2. Ist Ihr Kind empfindlich für Kleidung, beispielsweise Materialien, Falten, Kratzen, nicht gut sitzende Schuhe, Farben?

Natürlich. Kratzende Wollpullis mag ich auch nicht anziehen, genausowenig wie nicht gut sitzende Schuhe. Oder Kleidung in Farben, die ich nicht mag. Was ist das für eine Fragestellung?

3. War oder ist Ihr Kind ein „Schrei‐Baby“?

Ab und zu, aber eher nein.

4. Hat oder hatte Ihr Kind einen leichten Schlaf, so dass es nicht zu den „einfach‐mal-mitnehm‐Kindern“ gehört?

Kurz vor der Geburt des großen Sohnes war mir klar, dass sich nichts ändern würde und wir das Baby einfach nur mitnehmen müssten. Klappte eher gar nicht. Bei der Tochter auch nicht, nur der Jüngste schlief immer und überall.

5. Gehörte oder gehört es zu den Kindern mit dem „plötzlichen Nachtschreck“? (Der „plötzliche Nachtschreck“ ist ein Aufschrecken des Kindes aus dem Schlaf, das ohne Alptraum auftritt. Oft weint es, schlägt um sich und ist verwirrt.)

Hatte die Tochter. War ein schreckliches Jahr. Nach dem Austausch mit Freundinnen weiß ich: das gibt es oft.

6. Reagiert Ihr Kind empfindlich auf jede Art von Veränderung?

Auch hier wieder die Sache mit dem subjektiven Epfinden: was heißt denn „empfindlich reagieren“? Meine Kinder mochten Abweichungen vom Tagesrhythmus nicht so gern oder fanden (und finden) immer die Frisur, die ich vorher hatte besser. Ist das jetzt ein ja oder ein nein?

7. Neigt Ihr Kind zu psychosomatischen Beschwerden wie Kopfweh, Bauchweh, Übelkeit, Entzündungen, besonders häufige Infekte?

Ja, alle drei Kinder. Pünktlich mit der Aufnahme im Kindergarten. Reizüberflutung oder einfach nur viele Kinder – viele Viren und Bakterien?

8. Haben Sie Schwierigkeiten, Ihr Kind nach einer besonders „reizvollen“ Zeit, wie einem Kindergeburtstag, plötzlich erlaubtes Fernsehen bei Oma oder einem tollen Ausflug, wieder zur Ruhe zu bringen?

Jepp. Aufgedrehte Kinder eben.

9. Reagiert Ihr Kind nach einer solchen Reizüberflutung unter Umständen auch mit Fahrigkeit und Konzentrationsproblemen, scheint wie abwesend zu sein?

10. Kehren nach überreizten Zuständen Konzentrations‐ und Lernfähigkeit schnell wieder zurück, wenn das Kind sich in einem ruhigen Umfeld befindet?

Auf Frage 9 und 10 muss man irgendwie gar nicht näher eingehen. Das ist doch bei jedem Kind, bei jedem Erwachsenen so. Die einzige _subjektiv_ zu beantwortende Frage ist: wann ist etwas eine Reizüberflutung?

11. Zeigt Ihr Kind Zustände plötzlicher Unterzuckerung, beispielsweise Schwäche, das Gefühl, gleich umzufallen, Konzentrationsschwäche, Heißhungerattacken?

äh ja. Spielen, Hunger vergessen, zusammenbrechen.

12. Verfügte oder verfügt Ihr Kind schon früh über einen ausgereiften Sprachschatz?

13. Konnte oder kann Ihr Kind schon früh sprachlich differenzieren, wie beispielsweise die Geschichte soll spannend, aber nicht gruselig sein?

14. Ist Ihr Kind ein kleiner Philosoph, der sich und Ihnen schon unerwartet früh Fragen nach dem Sinn des Lebens, Leben und Tod oder dem lieben Gott stellt?

Frage 12, 13 und 14 kannte ich schon aus dem Selbsttest „Ist Ihr Kind hochbegabt?“. Das war ca. 2002 der heiße Scheiß. Und ja, natürlich sind meine Kinder, ich selbst und auch der Kater hochbegabt.

15. Staunen Sie über eine klare, früh ausgeprägte Ethik und Gerechtigkeitsempfinden?

Da staune und staunte ich nicht drüber, das fordere und forderte ich ein.

16. Ist Ihr Kind kritikfreudig, aber kann selbst nur wenig einstecken?

Upps, ja. Es handelt sich um ein Kind.

17. Ist Ihr Kind leicht zu beschämen und kann, wenn es sich beschämt fühlt, auch „austicken“?

Es wird langweilig, denn: definiere „austicken“? Ansonsten wieder: es handelt sich um ein Kind, das bei entsprechendem Anlass – huch – wie ein Kind reagiert.

18. Neigt Ihr Kind zu übermäßigem Ehrgeiz oder kann sich auch komplett verweigern?

ja und ja, oder?

19. Sucht Ihr Kind häufig den Kontakt zu Älteren?

Ja, denn die Älteren waren eben einfach immer spannender.

20. Ist Ihr Kind sehr mitfühlend und leidet mit anderen Wesen?

Warum muss ich gerade an „Schantalle, mach mal ei bei die Mäh!“ denken? Ich drehe die Frage um: Haben Sie jemals ein Kind erlebt, das nicht mitfühlend und mitleidend war? Auch hier ist es wohl die Ausprägung.

21. Hat Ihr Kind ein starkes Gespür für Stimmungen und Schwingungen in seiner Umgebung?

Hier auch: wie wirkt sich das denn auf das Kind aus? Wie macht sich das bemerkbar. Und wenn es sich bemerkbar macht: stört es das Kind? (das sind jetzt aber drei Schritte weiter, okok.)

22. Hat ihr Kind ein großes Harmoniebedürfnis?

Nein, meine Kinder finden es super, wenn alle sich streiten und die Fetzen fliegen. Dämliche Frage.

23. Kommuniziert Ihr Kind nonverbal mit Ihnen, seinen Geschwistern oder Tieren?

Zählt gebieterisches Auf-etwas-Zeigen? Dann selbstverständlich: ja!

24. Ist Ihr Kind sehr kreativ?

Meine Kinder waren schon immer die Kreativsten!

25. Ist Ihr Kind wissensdurstig und erfasst Zusammenhänge auf überraschende Art und Weise?

Auch das. Dieser Moment, wenn das Kind etwas kombiniert oder versteht oder logisch fortsetzt oder einfach irgendwoher weiß. Erleben alle Eltern. Ständig. Denn Kinder lernen jeden Tag. Und finden das sogar richtig prima.

26. Kann es sich im Spiel völlig vergessen und ganz in seiner Welt aufgehen?

Nennt man magische Phase oder so. Stichwort Rollenspiel. Also bitte.

27. Spielen Musik und Rhythmus schon früh eine Rolle?

Wahrscheinlich werden jede Menge Babys in den Schaf gesungen, weil Stimme, Melodie und Rhythmus beruhigend wirken. Und tanzen zu fröhlicher Musik passt ja auch immer.

28. Fühlt sich Ihr Kind „anders“ als seine Altersgenossen?

Das ist eine schwierige Frage und tatsächlich die Einzige, die ich in diesem Test ernstnehme. Wobei ich direkt hier anfüge: anders ist nicht schlecht!

29. Gilt Ihr Kind in Kindergarten oder Schule als Einzelgänger?

Manchmal. Und wahrscheinlich muss diese Frage sein, weil sie prima in die Reihe „Reizüberflutung – zurückziehen – Einzelgänger – hochsensibel“ passt, die sofort im Kopf in Gang gesetzt wird.

30. Ist Mobbing in der Schule Thema Ihres Familienalltages?

Setzen, sechs, Thema verfehlt. Wo genau ist hier der Zusammenhang mit Hochsensibilität? Doch wieder nur als Folge von, oder?

 

*****

Wenn Sie sich tatsächlich bis hierhin durchgekämpft haben und ca. zwei Drittel der Fragen mit ja beantwortet haben, sind Sie oder Ihr Kind ebenfalls hochsensibel.

Ich finde diesen Test äußerst fragwürdig. Einmal, weil er zweierlei Dinge vermengt: Symptome und mögliche Auswirkungen von Hochsensibilität. Und dann natürlich wegen dieser dämlichen Fragen. Die meisten muss man ja mit ja beantworten, um sich nicht als völlige Rabenmutter zu fühlen. Und mal ehrlich: kann man ein Kind in ja/nein-Fragen, die sämtliche Nuancen/vielleichts/abundzus/hinundwieders/warmalsoistnichtmehrs ausschließen, pressen?

Bei der Auswertung des Test erfährt man übrigens, an wen man sich wenden kann, wenn man tatsächlich ein hochsensibles Kind hat. Ich bin dem Link zum Experten dann doch nicht gefolgt, denn es ist ja so, dass wir ganz gut ohne Rat leben können.

Zurück bleiben bei mir einige Fragen: warum gibt es solche Tests und gibt es Menschen, die wirklich an das Ergebnis glauben? Und warum sind so viele Mütter auf der Suche nach Erklärungen für das Verhalten/die Eigenarten ihrer Kinder, statt diese zu akzeptieren und einfach mit ihren Kindern glücklich zu leben? Warum lassen sich Mütter so verunsichern? Und natürlich: was kommt nach der Hochsensibilität?

 

*****

Mein Text hier ist kein Rant gegen hochsensible Menschen oder Eltern hochsensibler Menschen. Auch nicht gegen die Begrifflichkeit. Ich unterstelle nicht, dass Hochsensibilität neumodischer Quatsch ist. Aber ich prangere an, dass hier etwas so hochgekocht wird, dass es scheinbar total wichtig ist, auch ein hochsensibles Kind zu haben oder wenigstens ein ziemlich sensibles. Und so verkommt eine fiese Sache zu einem Thema, das geradezu danach schreit, dass man Witzchen drüber reisst. Das war beim Thema Hochbegabung so, bis Eltern irgendwann nur noch verschämt „er ist ein bißchen schlau“ flüsterten oder auch beim Thema AD(H)S, bei dem Betroffene mittlerweile einfach die Klappe halten.

Wir haben am Sonntag die Konfirmation des jüngsten Sohnes gefeiert. Zusammen mit einem eher kleinen Teil der Familie und Freunden, die uns Familie geworden sind. Ein wunderbar entspanntes Fest mit geliefertem Essen auf der Terrasse, sogar die Sonne ließ sich blicken.

Diesmal war ich nicht schwermütig, so wie damals beim großen Sohn. Diesmal spürte ich eher Erleichterung und Vorfreude, weil uns zukünftig, mit dem Wegfallen des sonntäglichen Pflicht-Gottesdienstes für den Jüngsten, wieder gemeinsame, lange Sonntagsfrühstücke möglich sind. Offenbar habe ich mich mit der Tatsache abgefunden, dass die Kindelein nun langsam erwachsen werden. Um es mal ganz offen zu sagen, ich freue mich sogar auf den Tag, an dem das letzte Vögelchen aus dem Nest flattert.

Natürlich nicht deswegen, weil es noch immer eine echte Herausforderung ist, ein ordentlich-braves Bild von allen Dreien zu für die Bilderwand des Opas zu knippsen. ;)

Ich freue mich einfach darauf, wieder allein mit dem besten Vater meiner Kinder zu leben. Als ich neulich deswegen ein schlechtes Gewissen bekommen wollte, so eine „oh wei, ich bin eine schlechte Mutter, weil ich es nicht erwarten kann, dass meine Kinder ausziehen“- Stimme im Kopf habend, wischte der Gatte diese Bedenken ganz einfach weg. „Es ist ja so“, sprach er weise, „dass wir immer das Ziel hatten, diese Kinder zu selbständigen, lebenstüchtigen Menschen zu erziehen. Wenn sie ausziehen und ihren eigenen Weg gehen, können wir uns darüber freuen, weil wir unser Ziel erreicht haben.“ So einfach ist das, man muss es mir nur manchmal in Erinnerung rufen.

Genug abgeschweift, zurück zum Thema.

Der Konfirmationsgottesdienst dauerte „nur“ zweieinhalb Stunden, weil relativ wenige Jugendliche konfirmiert wurden. Nur 27 Jugendliche, für ein 8000Einwohner-Städtchen sehr wenige. Ich tue mich mit dieser Gottesdienst-Sache schwer und muss mich sehr zusammenreißen, die ganzen Rituale und Zeremonien nicht vollkommen albern zu finden. Das hat nichts mit Glauben oder Nichtglauben zu tun, viel mehr mit der Institution Kirche, mit der ich nicht recht warm werden will. (treue Leser erinnern sich: ich war mal katholisch. Jetzt bin ich nix mehr.) Wenn ich auf einem Berggipfel stehe oder am Meer oder in meinem Garten, ganz hinten, da wo er so wild ist – da quilt mir das Herz über und ich finde Ruhe für wilde Gedanken.

Egal, es geht und ging ja nicht um mich. Der Jüngste war sehr ernsthaft und aufmerksam bei der Sache, der Pfarrer hatte seine Zöglinge behutsam, aber klar an die Konfirmation herangeführt und eben diese Ernsthaftigkeit für den Gottesdienst bei ihnen eingefordert. Es war sehr feierlich und keiner hat gekichert. Und nach dem Gottesdienst sahen alle Konfirmierten sehr stolz aus. Und so erwachsen, in ihren feinen Klamotten.

Der Konfirmationsspruch des Jüngsten lautet übrigens: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Den hat er sich selbst ausgesucht.

Nach dem Essen setzten sich Opa, Sohn und Vater zu einem Drei-Generationen-Bild zusammen.

Ich liebe diese Bilder, die traditionell bei Familienfeiern entstehen und ich freue mich so sehr, dass es auch noch ein drei Generationen-Konfirmations-Bild für den Jüngsten mit dem Opa gegeben hat.

Als die Sonne nicht mehr auf die Terrasse schien, war die Feier vorbei. Die letzte Konfirmation eigener Kinder. Irgendwie schon wieder ein Meilenstein. Ein kleiner.
Vor lauter Feierei haben der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib prompt erst heute am Spätnachmittag an „unseren Tag“ gedacht, wir könnten heute nämlich mit Sekt auf unseren 19. Hochzeitstag anstoßen. Könnte, wäre nicht der ganze Sekt gestern leer getrunken worden. Trinken wir eben zusammen ein Weizenbier, ganz hinten im Garten, da wo alles wild wuchert.

Im Garten

15. Mai 2014

In einer Woche kann ein Garten explodieren.

Eine Woche nur war ich nicht in meinem Garten und jetzt müsste ich zwei Wochen täglich viele Stunden darin schuften. Der Mai ist großartig. Und dieser Regen, über den so viel geschimpft wird, ich sage Ihnen, der ist ein Segen. Meine Kohlrabis sagen das übrigens auch. Und die Erbsen, die haben sich jetzt edlich doch aus der vorher festgebackenen Erde getraut.

Der 1000 Liter Regenwasserkanister ist randvoll und jedes Mal, wenn ich an ihm vorbei gehe, streichele ich ihn liebevoll. Es wird jetzt dauern, bis ich wieder Gießkannen von der Terrasse bis ins Gemüsebeet schleppen muss.

Außerdem hat der Regen ein paar Blattläuse abgespült. Nicht alle, aber immerhin ein paar und das ist schon was. Am Holunder sitzen sie wieder wie ein dicker Lausepelz, schwarz an schwarz mit grünen oder braunen Sprenkeln und saugen die dünnen, grünen Stengel aus. Und verhindern sehr effektiv den Wunsch nach Holunderblütensirup. In den Dolden sitzen sie natürlich auch.

Viele, viele Ameisen gibt es und genauso viele Nacktschnecken. Dieser milde Winter hat meinem Garten keinen Gefallen getan. Auch wenn ich mich über überwinterte Pflänzchen in meinen Terrassenkästen freue, die Millonen von Winden, denen ich heute zu Leibe rücken will, hätten gerne erfrieren dürfen.

Am anderen Ende vom Garten passiert auch eine Menge!

Statt der faulen, roten Katze wird an dieser Stelle bald das Gartenhüttchen stehen! Der große Sohn hat die Erde für das Fundament ausgehoben (und die ausgehobene Erde ordentlich auf meiner Minzesammlung verteilt). Jetzt müssen Randsteine betoniert werden, ein Kubikmeter Kies verteilt und darauf Pflasterteine gesetzt werden. Dann rasch das Hüttchen aufbauen und ich sollte mich endlich für eine Farbe entscheiden. Und schon im Jahr 2024 ungefähr … können wir uns zum Häkelkurs dort treffen.

Im oberen Gartenteil sieht es beinahe ordentlich aus, dort habe ich mich gestern durchgewühlt. Die Zinkwanne mit den Funkien steht noch etwas unglücklich in der Sonne herum, die sollte in den Schatten geschleppt werden. In dem einen Holzunterstand ist die hintere Reihe des gesetzten Holzes verrutscht, das gesamte Holz muss neu geschichtet werden, bevor es sich in eine Holzlawine verwandelt. Aber das sind Aufgaben, die ich von Herzen gerne an gelangweilte Kinder delegiere.

Unsere Fasssauna bereitet uns, trotz der steigenden Außentemperaturen sehr, sehr viel Freude! Ich bin ja ein schrecklich verfrorener Mensch und gerade abends habe ich kleine Eisklötzchen an den Füßen. Die in der Sauna auftauen zu lassen … ein Traum. Zweimal die Woche heizen wir an, ich bin sehr gespannt auf unsere Stromrechnung, das ist schon ein teurer Spaß. Im Traum hätte ich nicht an die Folgekosten gedacht, als ich Fasssauna -> kaufen! klickte. Das Fundament, das gebaut werden musste, verschlang Einiges und als die Sauna stand, stellten wir fest: wir haben keine hübschen Handtücher! Sie kennen das vielleicht: wenn es neu ist, soll es schon perfekt sein. Ein Eimer für Aufgüsse, Kopfstützen für die Liegen und der olle Feuchtraumlichtschalter aus grauem Plastik muss ja auch nicht sein. Einen hübschen gibt´s bei Manufactum für lächerliche 88,-€. Oder in unserem Gewölbekeller, antik, mit echten Spinnweben, aus Bakelit. Diverse Zusätze, um den Aufguss zu beduften (Tipp: niemals Latschenkiefer verwenden. Wirklich. Riecht nach Waldsterben.) und ja, neulich muss ich auch noch niedliche Haken für die Badeäntel kaufen.

Jetzt muss nur noch die Dusche fest installiert werden, denn die lehnt noch an der Kletterstange. Und dann könnte der Winter kommen. Oder ein verregneter August, wir sind für alles gerüstet.

Und jetzt los: mein liebstes Geschäft in den Gartenmonaten, der Raiffeisenmarkt, wartet auf mich.

Für manch einen mag das eine Beleidung sein. Bei mir ist es einfach eine Tatsache. Weil nämlich:

Es dauerte sehr lange, bis ich die hohe Kunst der Kaugummiblasen gemeistert hatte. Mit Engelsgeduld erklärte mir meine Mutter, wie ich den Kaugummi erst zur perfekten geschmeidigen Konsistenz kauen müsste, am Gaumen ganz glatt zu streichen habe und „dann an der Zunge vorbei in den Kaugummi pusten. Gaaaanz vorsichtig! Schau!“ Und sie blies die perfekte Kaugummiblase, die mit dezentem Knall zerplatzte.
Viele ausgespuckte, verschluckte oder aus den Mund gefallene Kaugummis später hatte ich den Dreh heraus und von Stund an sah man mein Gesicht nur noch durch eine rosa schimmernde Blase. Ich hatte nämlich den HubbaBubba-Kaugummi entdeckt, der zwar grauenhaft schmeckte, mit dem sich aber riesige Blasen pusten ließen. Je mehr Kaugummis im Mund, desto größer die Blase. Und mit fünf Kaugummis traf die zerplatzende Blase auch das Haar am Hinterkopf. Wir Kinder wetteiferten um die größte Blase, den lautesten „zerplatz-Knall“ und auch darum, wer seinen Kaugummi am allerlängsten kauen kann. Da das Kauen im Unterricht von verständnislosen Lehrern untersagt war und das im Mund aufbewahren während des Schlafes von besorgten Eltern (du könntest ersticken) verboten wurde, hatte jeder seinen Spezialtrick, wie ein Kaugummi zu lagern war, der bei nächster Gelegenheit weiter gekaut werden sollte.
(meinen Trick verrate ich an dieser Stelle nicht detailiert, doch eines sei gesagt: Glühbirnen wurden damals noch wirklich heiß. Damit brachte ich nicht nur ein Quecksilberthermometer zum Explodieren, beim Versuch, 56°C Fieber zu simulieren, sondern auch einen nahezu frischen Kaugummi dazu, sich in ein Stücken stinkige Kohle zu verwandeln.)
Ich schweife ab, denn eigentlich wollte ich erzählen, dass meine Mutter, nachdem ich das Kaugummiblasenmachen glücklich erlernt hatte, mir dieses quasi umgehend wieder untersagte. Es sei laut, klebrig, unhöflich, man müsse nicht ständig Kaugummi kauen und ich weiß nicht, welche Argumente sie hatte, doch ich schwor mir, meinen Kindern niemals etwas zu verbieten, das ich ihnen selbst beigebracht habe.

Sie ahnen es.

Einige Jahre sind vergangen und ich habe mittlerweile den Kindern beigebracht, dass es nur eine einzig wahre Art und Weise gibt, Doppelkekse oder Oreos zu verspeisen. Dass man diese Rocherkugeln schälen und ausschlecken kann, dass man Mandarinenstückchen in minikleine Segmente zerteilen kann und wie man dreifarbige Gummibärchen bastelt. Ich habe ihnen gezeigt, wie man Tomatensoße durch Rigatoni schlürft und Spaghetti durch Zahnlücken. Und wir haben wirklich sehr viele interessante Dinge mit Wackelpudding gemacht.
Ziemlich oft ermahnte ich „Kannst du deinen Keks nicht mal vernünftig essen, ohne alles vollzukrümeln und dir die Schokolade bis ans Ohr zu schmieren?“ Und dann erwidern die Kindelein schnippisch: „Wer hat uns denn beigebracht, die Doppelkekse auseinander zu klappen und die Schokoladenplatte vorsichtig vom unteren Teil abzuheben?“
Ähm. Ich.

Vermutlich haben sich die hinreissenden Bestien vorgenommen, ihren Kindern niemals etwas zu verbieten, dass sie ihnen selbst beigebracht haben. Und dann sind sie ja auch wie ihre Mutter, was hoffentlich keine Beleidigung ist.