Aufräumen lohnt
5. Januar 2006
und wenn es nur das Schreibprogramm ist. Gerade eben gefunden und Lust gehabt, es hier reinzukleben. Weil mir so sentimental zumute ist.
1. Januar: wehmütige Rückblicke
Lange Zeit dauerte es, bis ich endlich alt genug war, um Silvester ohne Eltern feiern zu dürfen.
17 Jahre alt musste ich werden, bis sich mir die glitzernde Welt der rauschenden Silvesterpartys erschloss. Bis Mitternacht Mettbrötchen essen und Cola-Bier trinken, um Mitternacht mit Asti Spumante anstoßen und danach ziemlich angeschickert um die Häuser ziehen, um auf anderen Partys weiterzutrinken. Feuerwerk war verpönt und rausgeschmissenes Geld.
Sechs Jahre lang kam ich in den Genuss solcher Silvesterfeiern, die letzten drei Jahre dieser Phase küsste ich um Mitternacht nur noch einen Mann.
Und dann änderte sich alles.
Statt Asti Spumante gab es Milchbildungstee und um Mitternacht lag ich längst neben unserem ersten Sohn in tiefem Schlaf. Ein frohes neues Jahr wünschten wir, der beste Vater meines Kindes und ich, uns gegen vier, beim Stillen.
Das kommende Silvesterfest genossen wir in vollen Zügen, unseren Sohn in guten Händen bei seinen Großeltern wissend.
Und nicht ahnend, dass in meinem Bauch schon die Absage für die nächste Silvesterfeier heranwuchs.
Das erste Silvesterfest mit zwei Kinder war eine Nacht wie jede andere.
„Nächstes Jahr!“, versprachen wir uns, der weltbeste Vater meiner Kinder und ich.
„Vielleicht nächstes Jahr!“, wiederholten wir unser Versprechen ein Jahr später, die Hände auf meinem sehr schwangeren Bauch.
Ein familiäres Silvesterfest folgte. Klein und fein. Mit schlafendem Baby auf dem Sofa und zwei Kleinkindern, die tapfer gegen 22 Uhr mit Wunderkerzen über die Terrasse stapften. Um Mitternacht schliefen alle Kinder und wir stießen an. Auf weitere Jahre voller Glück. Mit Winzersekt.
Seit zwei Jahren feiern wir wieder rauschende Feste. Mit vielen Freunden, die ihre vielen Kinder mitbringen. Das Silvesterfest hat sich verändert, aber nicht unbedingt zum Schlechten. Finden jedenfalls die Väter, die um Mitternacht mit Wonne Raketen in die Luft schießen und Knallfrösche durch den Garten hüpfen lassen, während die Mütter Knallerbsen und Wunderkerzen an strahlende Kinder verteilen. Unsere Feste enden deutlich vor den frühen Morgenstunden und das, obwohl die Kinder noch gar nicht müde sind.
Das sind sie übrigens wirklich nicht, denn sie stehen am nächsten Morgen spätestens um 8 Uhr vor dem Bett ihrer Eltern und verlangen Frühstück.
So auch heute morgen.
Dass es mir dennoch gelungen ist, derart sentimental zu werden, statt morgenmuffelig durch die Gegend zu maulen, liegt wohl am Sekt, der noch in meinem Blut kreiselt.
Willkommen neues Jahr, willkommen Alltag. Auf ein Neues.
Wenn
4. Januar 2006
ich nicht so gerne lesen würde, stünde hier sicherlich mehr zu lesen. Oder so. :-)
Derzeit konsumiere ich lieber als zu produzieren.
Kleine Leseempfehlung für 8-10jährige:
Roald Dahl:
„Sophiechen und der Riese“
(Die Geschichte von Sophiechen, die zufällig, weil sie nicht schlafen konnte, das Geheimnis der Träume entdeckte. Und den Riesen GuRie (guter Riese), der sie mit in sein Land nimmt, in dem ausser ihm die anderen Riesen leben. Die sind gar nicht nett, fressen bevorzugt Kinder und haben so entzückende Namen wie „Fleischfetzenfresser“, „Kinderkauer“ und „Mädchenmanscher“ haben. Der GuRie hat dem Menschenfleisch abgeschworen und ernährt sich nur noch von Kotzgurken, die in etwa so schmecken wie sie heißen. Als die bösen Riesen zum großen Raubzug losziehen, weiß Sophiechen, dass gehandelt werden muss, zuviele Menschen werden gefressen. Gemeinsam mit dem GuRie schmiedet sie einen Plan, der jedoch nur mit der Hilfe der Königin von England erfolgreich sein wird.)
„Hexen hexen“
(die Geschichte von dem Jungen, der schon ganz früh von seiner Großmutter lernt, dass es Hexen gibt. Und dass Hexen Kinder derart verabscheuen, dass sie alles daran setzen, die widerlichen Kinder auszurotten. Er lernt, dass er in der Nase einer Hexe wie ein frischer Hundehaufen stinkt, dass Hexen keine Zehen haben, dass ihre Augen violett glänzen und dass sie Perücken tragen, weil sie eine Glatze haben. Und dass sie ganz verschorfte Glatzen haben, weil die Perücken fürchterlich jucken und die Hexen ständig kratzen wollen. Kaum weiß er das Wichtigste über Hexen, entdeckt er, dass die Tagung der „Gesellschaft zur Verhinderung von Kindesmissbrauch“ in Wirklichkeit ein Hexenkonkress ist, bei dem die fiese Oberhexe den Plan zur Ausrottung aller Kinder vorstellt. Sie demonstriert dies eindrucksvoll an einem dicken Jungen namens Bruno Jenkins. Letztlich wird auch der Junge erwischt und verzaubert. Und selbstverständlich gibt es auch hier nach vielen Gruseleien ein gutes Ende. Ein SEHR gutes.)
„Charlie und die Schokoladenfabrik“
(Die Geschichte von Charlie, der mit seinen Eltern und seinen vier Großeltern in allerärmlichsten Verhältnissen lebt und dessen großer Traum es ist, die geheimnissumwitterte Schokoladenfabrik des Willi Wonka zu besichtigen. Willi Wonka nämlich hatte fünf goldene Karten in den Schokoladenverpackungen versteckt und in alle Länder der Welt verschickt. Tatsächlich findet Charlie eine dieser Karten und zusammen mit seinem Großvater, vier anderen Kindern und deren Begleitpersonen macht er sich auf den abenteuerlichen Weg durch die riesige Fabrik, in der alles anders ist. Willi Wonka zeigt die Umpa-Lumpas, reist mit den Kindern auf dem Schokoladenfluß und bestraft die Kinder, die sich nicht benehmen können sehr direkt und gnadenlos. Am Ende bleibt nur Charlie übrig und Willi Wonka kann auch noch etwas lernen)
„Charlie und der große gläserne Fahrstuhl“
(Die Geschichte von Charlie geht weiter. Der gläserne Fahrstuhl aus der Schokoladenfabirk fliegt jetzt sogar bis ins Weltall und trifft auf eklige Ausserirdische. Der Präsident der Vereinigten Staaten wird stets von seiner Tante Tibbs beraten und so gelingt es letztlich allen gemeinsam die Krise zu meistern. Und dann war da auch noch die Sache mit dem Vita-Wonka, das gierige Menschen ins Minus-Land schickt.)
Ian Ogilvy:
„Miesel und der Kakerlakenzauber“
(Die Geschichte von Miesel, dem Waisenjungen, der bei seinem gerichtlich bestellten Vormund Basil Trampelbone lebt. Basil Trampelbone tut alles, damit Miesel ein wirklich schlechtes Leben hat: er lässt ihn hungern, frieren und gönnt ihm keinen Haarschnitt. Ausserdem hat er eine phantastische elektrische Eisenbahnanlage auf dem Dachboden, mit der Miesel aber nicht spielen darf. Miesel möchte das so gerne und deshalb lockt er Basil Trampelbone unter einem Vorwand aus dem Haus und startet die Eisenbahnanlage heimlich. Selbstverständlich wird er erwischt und bevor er sich versieht, findet sich Miesel winzigklein auf der Eisenbahnanlage wieder. Er lernt recht schnell, was es mit den leckeren Donutkrümeln und Limotropfen auf sich hat, dass Karotten Leben retten können, dass das Kuscheltier des einen der größte Feind des anderen ist und dass Kakerlaken sehr zäh sind.)
Lemony Snicket:
„Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“
(Insgesamt 10 Bände gibt es, die von den drei Baudelaire-Kindern berichten, deren Eltern bei einem schrecklichen Hausbrand ums Leben kommen. Die drei erben ein beträchtliches Vermögen, über das sie jedoch erst verfügen können, wenn die Älteste der drei, Violet, die Volljährigkeit erreicht hat. Mr. Poe, der Vollstrecker des Testaments und unsensibler Bänker, übergibt die Waisen in die Verantwortlichkeit des Grafen Olaf, der es auf das Vermögen der Kinder abgesehen hat. Auf äusserst gemeine und raffinierte Art und Weise versucht er in Band 1 das Geld zu bekommen. Der erste Band hat kein Happy End, auch der zweite und dritte nicht, wie es weitergeht weiß ich noch nicht. Die Bücher um Violet, die Kluge und Erfinderische, Klaus, die Leseratte und Sunny mit den scharfen Zähnen sind für zehnjährige ganz gut geeignet, aber ein Erwachsener sollte sie vorher gelesen haben, um eventuell Fragen beantworten zu können. Ausserdem machen sie auch Erwachsenen sehr viel Spaß!)
Jetzt warten die „Chroniken von Narnia“ und „Briefe aus Narnia“ auf mich. Keine Zeit für Blogs oder Haushalt :-)
Die Kinder von heute
3. Januar 2006
scheinen allesamt Grobmotoriker zu sein.
Dieser Eindruck drängt sich Frau … äh … Mutti auf. Nein, dieser Eindruck wird ihr von der Sportschuh-Industrie aufgedrängt.
Als die Familie gestern den letzten Urlaubstag des besten Vaters meiner Kinder nutzte, um die hinreissenden Bestien einerseits in neue, passende, wärmende Hüllen (der Große trägt jetzt XS für 219 Euro *umfall*) zu kleiden und andererseits für deren sportliche Karriere Sorge zu tragen, kam es zu Frau … äh … Muttis oben beschriebener Erkenntnis.
Alle drei Kinder gehen gerne in das Leichathletik-Training: laufen, springen, werfen und andere schweißtreibende Tätigkeiten, die Kinder im Gegensatz zu den faulenden Erwachsenen noch gerne tun. Für diese Freizeitbeschäftigung braucht es natürlich ein spezielles Outfit, besonders da in den Wintermonaten in der Sporthalle trainiert wird. Da Kinderfüße schneller als Pilze im Regen wachsen, müssen in regelmäßigen (und gefühlten immer kürzeren) Abständen Sportschuhe angeschafft werden: Laufschuhe, Hallenschuhe, mit griffiger Sohle, mit nichtfärbender Sohle, etc.
Alle drei Kinder haben besondere Füße: der Kleine besonders breite, die Mittlere besonders schmale und der Große hat zwei verschiedene Größen. Das erleichtert den Schuhkauf natürlich nicht. Erstaunlicherweise passte dem Großen das erste Paar Schuhe wie angegossen, sowohl in der Größe als auch im Design (asics, weiß mit orange-rot-gelb und dkl-blau). Der Preis? Einmal Pizza essen mit der ganzen Familie inklusive Getränke. *seufz*
Auch der Kleine fand sofort ein passendes Paar! (Nike, schwarz, cool, Klettverschluss, da zur Zielgruppe passend) Der Preis? Siehe oben.
Die Mittlere hingegen wurde nicht fündig. Zwar gab es in Größe 34 im ersten Sportgeschäft eine ordentliche Auswahl … aber. Alle Schuhe hatten Klettverschluss. Schmale Füße und Klettverschluss harmonieren nicht. Achtjährige Mädchen und Klettverschluss harmonieren nicht. „Da verlerne ich ja das Schuhe binden“, meckert die Mittlere und der genervte Verkäufer verstummt ehrfürchtig.
Ein schneller Blick quer übers Kinderschuhregal zeigt: bis Größe 38 wird geklettet, ab 39 wird bei den Erwachsenen gekauft, die können mit Schnürsenkeln umgehen. Jedenfalls die alte Generation, denn die neue hat ja keine Chance es zu lernen.
Im nächsten Sporgeschäft gab es keine Kindersportschuhe, eigentlich auch keine für Erwachsene. Es gab nur Sneakers und das sind Sportschuhe ohne Sport.
Auch das dritte, vierte und fünfte Geschäft boten nur Klettschuhe an, im sechsten gab es immer ein Paar geschnürte Schuhe diese allerdings zu klein. Gerade als Töchterlein nebst ihren Brüdern etwas unleidlich wurde, liefen wir am siebten Sportgeschäft vorbei. Töchterlein beschloss sich notfalls mit Klettschuhen zufrieden zu geben, die Brüder redeten ihr gut zu. Und tatsächlich wurden wir fündig: das letzte Paar geschnürte Hallenschuhe, alternativ hätte es auch noch ein Paar Hallenfußballschuhe gegeben, die hatten aber, so glaube ich mich zu erinnern, die falsche Farbe. Oder die falsche Funktionalität, egal.) Wir erstanden dieses Paar. Der Preis? Siehe oben.
Völlig unsportlich schlurften wir zum Auto zurück und versackten daheim vor der Glotze. (Charlie und die Schokoladenfabrik, ebenfalls gestern erstanden, als gesunden Ausgleich zum nur-Sportkram-Einkauf)
Resumee: die Verkäufer in den Sportgeschäften berichteten, dass die Schnürschuhe stets zuerst ausverkauft seien, dass aber die Industrie nicht reagiert. Komisch.
Ausserdem hat der Einkauf von Sportkleidung einen mindestens genauso hohen Trainingseffekt, wie das Training mit den neuen Sportsachen. Deshalb fiel gestern das Joggen aus. „grunz“, sagt der Schweinehund.
Phasen
1. Januar 2006
Frau … äh … Mutti hat Muskeln.
Sie spürt sie jedenfalls, nachdem sie sich eine halbe Stunde joggenderweise durch die Weinberge schnatterte.
Zugegeben: die verfrorene Phase war nur sehr kurz, schnell kam die Hechel-Phase, die umgehend in die Schweißausbruch-Phase überging.
Um so länger dauerte die Regenerationsphase und die Phase morgen, die „von-dem-Sofa-aufsteh-und-in-die-Laufschuh-kletter“-Phase wird die zäheste.
Blöde gute Vorsätze.
Neubeginn
1. Januar 2006
Wie das alte Jahr hier im Blog endete, beginnt das neue Jahr: egozentrisch und narzistisch mit einem weiteren Bild von Frau … äh … Mutti:
Dies aber nur, weil es so hübsch die guten Vorsätze der dicken Mutti visualisiert:
Im neuen Jahr nur gesunde Ernährung, leicht und geschmackvoll zubereitet. Hier die mit Genuß verspeisten Broccoliröschen.
Beifällige Bemerkungen zur neuen Brille werden gerne genommen.