Die Sims

13. Dezember 2006

„Mama?!“, rufen die Kindelein, „Dürfen wir Computer spielen?“
„Aber sicher doch!“, sagt Frau … äh … Mutti, sich in der Gewissheit wiegend, dass die Kindelein ein garantiert gewaltfreies, von der allerliebsten Freundin empfohlenes Computerspiel spielen werden: Die Sims
In diesem Spiel wird nicht sinnlos durch die Gegend geballert, es spritzt kein Blut (nur manchmal schneidet sich da einer in den Finger, aber das ist ja auch irgendwie pädagogisch) und Werte wie Reinlichkeit, Ordentlichkeit und soziales Miteinander werden großgeschrieben. Kein Spiel für potentielle Amokläufer.

Eine Stunde später haben die Kindelein ihre Computermenschlein mit Feuerwerkskörpern angezündet, haben sie vom Sprungbrett springen lassen (ohne Pool), haben ihnen Essen, Schlaf und Toilettengang verweigert. Und sie haben den Ratschlag der besten Freundin berücksichtigt und ihre Menschlein eingemauert. Alles in allem ein Fall für amnesty international oder wenigstens für die Supernanny.

Sollte dieses Blog hier nicht mehr aktualisiert werden, dann wird das daran liegen, dass man Frau … äh … Mutti wegen Verbreitung gewaltverherrlichender Spiele in Gewahrsam genommen hat.

Muttierziehung

12. Dezember 2006

„Boah! Und da gab es solche Gläser, in denen schwammen irgendwelche Innereien. In Alkohol eingelegt. Ein Herz zum Beispiel …“, schwärmt Frau … äh … Mutti beim Mittagessen.
„Das sah bestimmt saueklig aus!“, meint das größte Kind und polkt in seinen schwarzen Nudeln.
„Nein, garnicht. Die Flüssigkeit war so trübe, grünlich irgendwie. Und das, was darin war, sah aus wie aus Wachs geformt. Weiß-grau irgendwie. Nicht eklig. Da war auch eine große Zehe, die war riesig groß gewachsen und …“
„Örx, MAMA! Kann ich bitte mal in Ruhe fertigessen? Das ist ja WI-DER-LICH!“, beschwert sich die Mittlere.
„Aber das ist garnicht widerlich, das ist interessant! Stellt euch doch mal vor … da konnte man genau anschauen, was es so alles im Menschen gibt! Da war zum Beispiel dieses riesige Glas. Da war ein menschlicher Darm drin. Der war so groß, weil …“
„MAMA! Es reicht jetzt. Ich esse. Ich will beim Essen nix über Darm hören.“, Töchterlein scheint doch sehr empört.

Frau … äh … Mutti isst schmollend ihren Teller leer. Keiner versteht mich.

Einmal Berlin und zurück

12. Dezember 2006

Stichworte.

– Reisefieber führt dazu, dass man eine Stunde vor Abreise auf gepackten Koffern sitzt und dann nicht mehr weiß, was man machen soll. Glotze an und mit engeisterter Faszination dem Briten zugesehen, der Jingle Bells furzte.

– In der S-Bahn nach Frankfurt an die Entgeisterung erinnert worden, als eine fünfköpfige Blaskapelle einsteigt und Jingle Bells schmettert. Mit den Instrumenten.

– Im ICE festgestellt, dass ein Platz mit Tisch keine Vorteile hat. Vor allem dann, wenn die mitgeschleifte Tasche nur mit Gewalt und Fluchen unter den Tisch gestopft werden kann. Frau … äh … Mutti kann allerdings so entzückend fluchen, dass attraktive Mitreisende sofort Schokoladennikoläuse mit ihr teilen. Und sogar für den Beruhigungskaffee sorgen.

– Der Bahnhof Berlin-Spandau platzt im Feierabendverkehr aus allen Nähten. Ausserdem muss ein blaugelbes, schwedisches Möbelhaus in der Nähe sein. (ganz oben auf der Hassliste: mit Ivar, Trofast und Moppe Regionalbahn fahren)

– Vom Bahnhof Zoo bis zum Kempinsky ist es nicht weit. Aber wenn man den Weg nicht weiß und nur einem Stichwortzettel vertrauen muss, steigt das Fluchbedürfnis mit jedem Rumpler des Koffertrolleys auf dem Kudamm.

– Hotelfachfrau wäre kein geeigneter Job für mich:
„Herzlich Willkommen! Was kann ich für sie tun?“
„Ja, also mein Name ist Frau … äh … Mutti. Mein Mann wohnt hier in Zimmer 347 und ich bin für eine Nacht dazugebucht.“ (dazugebucht? Wortfindungsstörungen, ein klarer Fall von.)
„Dann würde ich gerne Ihren Ausweis sehen.“
„Ja, äh, der ist im Gepäck, das mir vorne am Eingang entrissen wurde.“
„Das Gepäck wird auf ihr Zimmer gebracht, keine Sorge. Aber wir müssten schon ihren Ausweis sehen.“
„Kann ich Ihnen auch das Geburtsdatum meines Mannes sagen?“
„Natürlich, gerne … allerdings hat er das nicht angegeben. Sagen Sie mir Ihre Adresse.“
„Grüne Villa in Nierstein.“
„Herzlich Willkommen, Frau … äh … Mutti! Mit dieser Karte können Sie den Aufzug benutzen und Ihr Zimmer aufschließen.“

– nach langer Zugfahrt verliert U-Bahn-Fahren seinen Reiz und die Straßen in Berlin haben eine merkwürdige Nummerierung. 1-64 auf der einen Seite, 65-107 auf der anderen. Das kann sehr entmutigend sein, wenn man müde ist, in die Nummer fünf möchte und auf der 65-107- Seite steht. (und keine Ahnung von komischer Numerierung hat.)

ein paar kulturelle Höhepunkte:

– Frühstück im „Dunkin Donuts“, Kaffee aus dem Pappbecher mit Plastikdeckel und süßer Fettkringel dazu. Am Kaffee Lippen und Zunge verbrannt, vom Donut den ganzen Morgen in Form kleiner Fettrülpserchen etwas gehabt.

– das Berliner Medizinhistorische Museum in der Charité besucht. Froschköpfe, Verstopfungen und viele andere hübsche Dinge in Gläsern bestaunt. In der Ausstellung „Leben mit Ersatzteilen“ ein neues Kniegelenk ausgesucht, das Einsetzen aber auf später verschoben.

– Besuch des KaDeWe, weil da muss man einfach hin. Mit Entzücken festgestellt, dass die tollen, bunten Abendkleider von einer Mainzerin entworfen wurfen. Heimatgefühle in der Fremde oder so. Mit Entsetzen festgestellt, dass die wahnsinnig schönen, erotischen Halterlosen läppische 58 Euro kosten. In der Feinkostabteilung merkwürdige Nudeln gegessen und zweimal am Lindtstand vorbeigewandert, um Kostproben zu ergattern. Ach, diese Touristen.

– Mit der Linie 1 und gefahren und die Haltestellen mitgesungen. Leider nur bis Gleisdreieck, danach war Baustelle. (Wann kommt mal wieder Linie 1 in Fernsehen?)

ein paar kulinarische Höhepunkte:

– Mittagessen: spanisch
Kaffee und Kuchen: amerikanisch (Südstaaten)
Abendessen: italienisch

– Starbucks, Hot Chocolat with Hazelnut and Cream, tall. Dazu ein Blueberrymuffin. Überzuckert, aber sehr befriedigt aus dem Laden gerollt. (in den Staaten schmecken die Brownies besser, erklärt der beste Vater meiner Kinder weltmännisch)

– Fallafel und die Nicht-Vegetarische Variante davon aus dem Laden schräg unter der Leihwohnung in der wir nach der Hotelnacht hausten. 2 Euro für reines Glück, ich will einen Fallafelbräter in Nierstein.

– keine Berliner Weiße mit Schuss. Und keine Currywurst.

soziale Kontakte:

– ein Frühstück mit Frau Miest und Anhang im Café Robbengatter, weit und breit keine einzige Robbe gesehen und auch nicht Frau Jette, die mitfrühstücken sollte. Wilde Spekulationen über gefakte Internetpersönlichkeiten, treulose Menschen und fürchterliche Angsthasen. (einige Stunden später erneuter, sehr hektische Besuch des Cafés und erleichtertes Aufatmen beim Anblick der vergessenen und für immer verloren geglaubten Kamera an der Kasse)

– letztlich doch noch ein Treffen mit Frau Jette. Todesmutig wagte sie sich in die Höhle des Löwen (die Wohnung von Frau … äh … Muttis Schwager) und wurde nicht umgehend verspeist. Zum Speisen gab es ausser Apfelstücken und sieben trockenen Keksen auch sonst nichts, Frau … äh … Mutti glänzte mit Gastgeberinnengeschick und servierte nur Kaffee (der von Frau Jette umgehend mit Fliegen verziert wurde). Blieb nur die Flucht in langes Quatschen. Dies aber erfolgreich und entspannend. Sehr fein und die Wiederholung in Nierstein ist geplant. (vielleicht mit etwas Vollmundigem)

die Heimreise

– „Ich fliege heim!“, erzählte Frau … äh … Mutti jedem, der es nicht hören wollte, mit stolzgeschwellter Brust und mit der Hoffnung, dass sich mit jedem Erzählen die Flugangst einfach verziehen würde. Die Flugangst blieb.

– routinierte Fahrt mit der U6 bis zum Kaiser-Jakob-Platz, umsteigen in den X9 und dann noch die zwei Stunden Wartezeit am Flughafen totschlagen. („Ich bin lieber ein bißchen früher da“, sagte Frau … äh … Mutti zur genervten allerliebsten Freundin)

– merkwürdige Menschen am Flughafen. Zum Beispiel der Mensch im Weihnachtsmannkostüm. Komplett mit Bart und schwarzen Stiefeln. Nur ohne Rentiere.

– lässiges Einchecken und Koffer abgeben, wir sind so routiniert, fliegen zweimal die Woche.

– „Legen Sie mal ihre Tasche da in die Wanne. Und ihre Jacke in die andere. Können Sie diese Jacke bitte auch ausziehen und dazulegen? Und dann gehen sie hier durch.“
Schon auf das Piepen wegen des Piercings wartend, schritt Frau .. äh … Mutti durch den magischen „ich schütze euch vor bösen Terroristen“-Türrahmen. Es piepte nicht, dafür wurde ich zur Seite gebeten: Tasche öffnen, bitte. Frau … äh … Muttis Tasche beherbergte nämlich ihren Kulturbeutel, weil der Koffer mit Stiefeln gefüllt war.
„Das, das, das und das. Und das da auch. Das müssen Sie in einen wiederverschließbaren Beutel tun. Neue Vorschriften.“
„Äh? Meine Zahnpasta? Das leere Parfümfläschchen? Meine Gesichtscreme? Ich dachte das gilt für Flüssigkeiten? (Frau … äh … Mutti erinnerte sich zurück, genau zehn Minuten vorer hatte sie einen halben Liter Orangensaft auf Ex getrunken, der war nämlich teuer)“
„Ne, das gilt auch dafür. Sie brauchen einen Plastikbeutel. Einen wiederverschließbaren.“
„Hören Sie, ich werfe Das Duschgel und das Schampo in den Müll. Sind eh nur Hotelproben und auslaufen tun sie auch. Der Rest ist nicht mal ein bißchen flüssig. Ok?“
„Ne, Sie müssen das in einen Beutel. Einen wiederverschließbaren Beutel. Wir haben auch keine Ahnung, warum das so sein muss.“
Die Kollegin kommt dazu.
„Na, sie hat doch da eine Tupperdose. Da kann sie doch den Kram in die Tupperdose. Ist doch egal ob Tupperd
ose oder wiederverschließbarer Beutel.“
Frau … äh … Mutti nickt begeistert. Kriegt der Kram auch keinen Gefrierbrand, in der Tupperdose.
„Nein, seit letzter Woche gibt es da eine neue Regelung, das muss alles in einen Beutel. In einen wiederverschließbaren Beutel.“
„Wo kriege ich denn einen wiederverschließbaren Beutel her?“
„Im Supermarkt, da vorne im Flughafen.“

50 Cent kostet ein DinA 5 Plastikbeutel. Aber immerhin ist er wiederverschließbar und schützt die Menschheit vor gesprengten Flugzeugen.

– Start nacht vierzig Minuten Verspätung.
– kleine Maschinen holpern und wackeln und sacken ab und kippen um und machen viele kleine Angstschweißperlen.
– der Frankfurter Flughafen ist verdammt groß
– zwanzig Minuten Warten auf die S-Bahn können sich ewig ziehen.
– drei Minuten zum Gleiswechsel hingegen verfliegen im Nu.

– Daheim. fein.

Tschüss

6. Dezember 2006

bis Montag abend.

(Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!)

Vögel,

6. Dezember 2006

die morgens singen … frisst kurz darauf die Katz.

Frau … äh … Mutti weckt die Kindelein mit fröhlichem „lustig, lustig, trallallallalla!“ und erntet ein „uach, MAMA, ist ja gut.“