Mahlzeit!

4. November 2010

Weil heute „Opa ohne Oma“-Tag ist und ich nicht kochen muss, sondern die handvoll Nudeln, die gestern übrig blieben, essen kann, gerne auch kalt … gerade deshalb fällt mir ein, dass diese Kocherei und „Kinderernährerei“ überhaupt nicht mehr kompliziert ist. Die hinreissenden Bestien essen das, was auf dem Tisch kommt. Manches lieber als anderes, Manches gar nicht und das Meiste genauso scharf und feurig wie wir.

Früher … war das anders.

Als der Große noch friedlich in meinem Bauch schwamm und all das essen musste, was ich zu mir nahm, hatte ich eine Menge Ideen, wie solch ein kleiner Mensch nach der Stillzeit optimal zu ernähren sei. Kein Zucker, kein weißes Mehl, nur das allerbeste links- oder rechtsdrehende Öl, wenig bis kein Fleisch, besser keine Milch, kein Salz und die drei Sachen, die übrig blieben bitte biologisch-dynamisch und fair gehandelt.
Den ersten Strich durch die Rechnung machte mir der Knabe, als er mit knapp fünf Monaten kein rechtes Interesse mehr am mütterlichen Busen zeigte und ich ihm diesen nicht mehr schmackhaft machen konnte. So zogen Fläschchen, Sauger und Milchpulver bei uns ein und der Vorsatz, das Baby bis zur knappen Volljährigkeit zu stillen, war vom Tisch. Blieben ja noch die künftigen Breikreationen. Behutsam und löffelweise sollte der Karottenbrei eingeführt werden, doch der begeisterte Große verschlang was er kriegen konnte, selbstgekochte Karotten, püriert und mit einem Schuß Biorapsöl wegen der fettlöslichen Vitamine. Eine Woche später gabs Kartoffeln dazu und irgendwann auch noch Rindfleisch. Ich kochte Brei im allergrößten Topf und fror ihn portionsweise ein. Zum Frühstück gab’s geriebenen Apfel und zermatschte Bananen mit ein paar Getreideflocken, als Zwischenmahlzeit gematschte Banane oder geriebenen Apfel oder zerdrückte Birne oder sonstiges Obst. Abends gab’s dann irgendwann selbstgekochten Griesbrei. Oder Haferbrei. Mittlerweile dann auch auch mit Milch gekocht :)
Gezuckert wurde nichts, Schokolade war unbekannt und das große Kind musste knapp zwanzig Monate alt werden, bis es entdeckte, dass wir ihm da so manche Köstlichkeit vorenthielten. Ich kochte nämlich Marmelade und schmierte mir das obligatorische Marmeladenschaumbrot, das ich kurz unbeaufsichtigt ließ. Der Große fand es, verspeiste es und überlebte ohne allergische Reaktionen, Zuckerschouck oder auffälliges Zucker-Sucht-Verhalten. Er aß weiterhin mit Begeisterung Obst und Gemüse, auch wenn dieses grün und nicht so doll gesalzen wie unseres war.
Und er hörte mit „alles ohne Murren essen“ erst auf, als er in den Kindergarten kam.
Töchterlein wurde gestillt, bis ich wieder schwanger war, was immerhin acht Monate dauerte. Die ersten Breiportionen kochte ich noch selbst, doch dann hatte ich die Zeit verloren und griff zu den praktischen Gläschen. Mit anderthalb entdeckte sie, dass die Schublade mit den Backzutaten keine Kindersicherung hatte und sie nutzte die Gelegenheit, als ich den Jüngsten stillte, die Blockschokolade zu klauen. Schokoladenverschmiert bis in den Nacken und an die Knie, aber bis über beide Ohren strahlend präsentierte sie ihren Fund und trat damit meine Ernährungsvorsätze in die Tonne. Auch für die Tochter gab es von diesem Tag an das Stück Fleischwurst beim Metzger und den Löffelbiscuit beim Bäcker. (den kleinen Apfel im Lieblingsgemüseladen sowieso)
Der Jüngste war vier Monate jung, als wir in die Grüne Villa zogen. Und er war fünf Monate jung, als er sich, an der Schulter der allerliebsten Freundin ruhend, heimlich ein Schokocroissant angelte. Bis dies bemerkt wurde, hatte er das Croissant überaus gründlich und sehr begeistert eingespeichelt (und im Haar der allerliebsten Freundin verteilt).
Sehr schnell forderte er genau das gleiche Essen wie die anderen Familienmitglieder, was am Abend ganz toll war, denn alle Kinder liebten und lieben Griesbrei.

Meine wunderbaren Vorsätze ließen sich also nur beim ersten Kind und selbst da nicht konsequent realisieren. Vielleicht ist mangelnde Konsequenz tatsächlich das Stichwort. Oder Bequehmlichkeit. Wie auch immer, diese „besondere Ernährung“ konnten wir nicht realisieren.

Ich erwähnte es bereits oben in einem Nebensatz: sowie die Kindelein in den Kindergarten kamen, lernten sie Gemüse zu hassen, Soßen (ausser Tomatensoße) zu verabscheuen und Brot nur noch mit sehr angewiderter Miene zu sich nehmen zu können. Es begann die Zeit der trockenen Nudeln und die Zeit des „erst wenn du dieses Stückchen Brot gegessen hast, bekommst du das nächste. Nur den Käse essen gilt nicht. Das Brot unter den Tisch werfen auch nicht. Und in den Haaren verstecken, in die Hosentasche stecken, unter den Tellerrand klemmen oder bei Bruder/Schwester auf den Teller legen auch nicht!“ Tomatensoßen konnten eine Menge Gemüse enthalten, nur wissen durfte das keiner. Gekocht wurde nun grundsätzlich eher ungewürzt, weil die Kindelein immer „Scharf! Bitter! Sauer!“ schrieen, jedoch niemals „Viel zu süß!“ :) Wir würzten am Tisch nach, weil die empfindlichen Zungen und Gaumen der Kindelein sollten geschont werden.
Als die Kindelein während einer Party Chips entdeckten und diese ohne Schmerzensschreie wegknusperten, wurde mir klar, dass ich unser Ernährungskonzept erneut würde umstellen können.
Drei Pfeffersorten zogen ein, verschiedene Currymischungen und mein heißgeliebtes grünes Tabasco. Der Käse wurde würzig, saure Gurken und Silberzwiebeln kamen auf den Tisch und „Kinderessen“ wurde abgeschafft. Alles wird probiert, aber nicht alles muss gegessen werden.

Es war ein langer Weg vom allerersten Brei bis heute. Zwischendurch dachte ich, dass meine Kindelein sicherlich irgendwann unter Skorbut leiden werden, weil sie vehement Obst und Gemüse verschmähten. Das Ausfallen der Zähne allerdings war altersgemäß. Auch sonstige Mangelerscheinungen blieben aus und es ist ja auch recht günstig, so aus finanzieller Sicht, einfach immer nur Nudeln zu kochen. Der Abwechslung halber kann man mittlerweile zwischen etwa viertausend Nudelsorten wählen.
Hoffnungsschimmer gab es dann, wenn beispielsweise die Mutter der allerbesten Tochterfreundin erzählte, mit welcher Begeisterung das Töchterlein den Blumenkohlauflauf in sich hineingeschaufelt habe. Als ich den Auflauf nachkochte, kämpfte sie hingegen mit dem Würgereiz, es musste wohl am anderen Backofen liegen. Alle anderen Kinder aßen alles, nur meine aßen nichts. Außer Nudeln. Und Cornflakes zum Frühstück. Cornflakes, kein tolles Müsli mit fünferlei Getreideflocken, Trockenfrüchten und Buchweizenkeimlingen. Cornflakes, weil die schmecken mir auch besser.

Aber es wurde besser und jetzt ist es richtig gut.

Die Kindelein haben in ihrem Leben einige Tiefkühlpizze und sehr viele Pommes mit Ketchup verspeist. Es gab Milchschnitten und bei den Großeltern auch Fruchtzwerge (bei mir nicht, weil die sind nun wirklich so unnötig wie ein Kropf). Mohrenköpfe gibt es einmal im Monat und jeden Mittag nach dem Essen, darf man sich an der Schnuckesschublade bedienen. Drei Kaubonbons oder ein Päckchen Brause oder ein Stückchen Schokolade, manchmal hab ich ja auch Eis im Haus. Es gibt oft Kuchen oder Muffins oder Cookies, denn ich backe gerne. Wenn wir einen Film schauen, gibt’s Chips oder Salzstangen und manchmal selbstgemachtes Popcorn.
Keines der Kinder hat Karies, keines ist übergewichtig und ich behaupte, dass sie ohne Zucker nicht leiser wären. Sie sind ganz wunderbar gesund und fit. Trotz oder wegen? Eigentlich egal.

Dies ist kein Aufruf zu „Füttert schon eure Babies mit Schokoladenkeksen!“, aber es ist ein kleiner Schubs in Richtung „Macht euch nicht so viel Stress“. Und vielleicht auch ein klitzkleines „Macht nicht so ein Geschiss, ihr erfindet das Rad nicht neu“. Und das darf ich so schreiben, weil ich hab’s ja damals auch neu erfinden wollen und das ist ja auch das Recht der ganzen neuen Mütter :).

Eigentlich.

3. November 2010

Eigentlich ist ein kein guter Stil, einen Blogartikel mit „eigentlich“ zu beginnen. Doch eigentlich ist mir das egal, wenn´s doch so gut passt.

Ich komme zu nix. Mache drei bis sieben Sachen gleichzeitig und davon höchsten zwei Sachen gut. Eigentlich müsste ich mal langsam machen.

Und diese Renoviererei. Eigentlich macht mir das Spaß. Eigentlich bin ich gut in so was. Eigentlich geht das immer viel schneller.

Diesmal nicht. Es zieht sich wie Kaugummi.

Das Abkratzen der Tapete zeigte, dass die Vorbesitzer des Hauses bunte Wände mochten. Und durch die Jahrzente hindurch ließen sich Modestile verfolgen, psychedelische Blumen in pink-orange-lila-türkis und grün über dezenten grauen Streifen mit Rosenmuster. Die unterste Schicht war eine türkis gestrichene Rauhfasertapete, die sich hartnäckig an die Wand klammerte und nur fetzenweise nachgab. Der Unterputz bröckelt und tiefe Löcher taten sich auf. Es brauchte eine Menge Spachtelmasse, um wieder eine glatte Wand zu haben.

Das Verlegen des Bodens fraß einen ganzen Tag, denn  das Zimmerchen ist verwinkelt und beinahe jede Holzplanke musste zugesägt werden. Doch das Ergebnis ist umwerfend.

Die Tapete kam am Tag danach an die Wand, gleiches Problem wie beim Boden. Verwinkeltes Zimmerchen mit vielen schiefen Flächen. Zeitfresser. Doch die Kinder lernten tapezieren und das ist toll. Ich hasse es nämlich :)

(von draußen mal spioniert um zu sehen, wie konzentriertes Arbeiten aussieht :))

Das Streichen von Decke und Wänden wurde dann gestern erledigt, der Rollladenkasten wurde lackiert und abends konnte schon der Kleiderschrank zurück ins Zimmer. Da das Töchterlein sich eine neue Anordnung der Möbel ausgedacht hat, muss heute abend die Säge zum Einsatz kommen, um drei, vier Zentimeter zu gewinnen.

(gestern morgen, kurz vor fertig)

Töchterlein schläft derweil im Nähzimmer, macht ihre Hausaufgaben am Küchentisch und ist entsetzlich genervt.

Das Zimmer des Jüngsten dient als Zwischenlager für die Möbel der Tochter, er hat keinen Platz zum Spielen und ist genervt.

Alle sind mürrisch und mir sind die vielen Durchhalteparolen und -sprüche ausgegangen, ich bin auch angestrengt. Und mürrisch. Bald geschafft. Morgen.

*****

Das Novemberrezept heute sieht natürlich sehr gruselig aus. Aber glauben Sie mir, es mundet ganz vorzüglich.

Nachdem mir beim dritten Versuch und endlich auch mit ganz normalen Haushaltszucker ein wunderbares Karamell und darauf folgend ein noch wunderbareres Karamelleis gelang, hatte ich fünf Eiweiß übrig. Irgendwelche Baisserstückchen zu kreieren, dafür hatte ich keine Zeit und keine Lust. Wegschütten geht aber auch nicht. So landete die Schüssel mit dem Eiweiß erstmal im Kühlschrank. Drei Stunden später wusste ich noch immer nicht, wie ich das Zeug verwursten soll. Obendrein hatte ich einen Anfall von „ach, wäre ich nur wieder klein, so ganz ohne Verpflichtungen und Verantwortung“. Und ich während ich so vor mich hin selbstmitlitt, fiel mir ein, was meine Omi mit Eiweiß gezaubert hatte: Schneeknödel! Wollte ich auf der Stelle essen. Jetzt. Sofort. Eine große Schüssel.

Ich bemühte Herrn Gugel um ein Rezept, doch der zierte sich sehr und spuckte nur einige wenige, obendrein widersprüchliche Rezepte aus. Und so begann ich zu improvisieren, mich am „so muss es schmecken“ orientierend. Ich schlug das Eiweiß mit Zucker sehr fest, setzte Milch mit Zucker und Vanille auf, stach mit dem Löffel Nocken vom Eischnee ab und schmiss die in die kochende Milch. Es roch wie bei Omi in der Küche. Es sah nur irgendwie anders aus.

Die Nocken quollen auf und wuchsen und versuchten aus der heißen Milch zu springen. Äusserst unwillig ließen sie sich wenden und anoch unwilliger reagierten sie, als ich sie aus der Milch fischte. Dan ließen sie nämlich Luft ab und schmolzen zu kleinen, weißen Klümpchen zusammen. Trotzdem: lecker! Nach etwa einer Stunde, in der ich mindestens zwanzig Löffel, Teller, Schüsseln und Topflappen verkleckerte, hatte ich eine Schüssel weißer, süßer Klümpchen und einen halben Topf voller Vanillemilch. Ich füllte den Topf auf, schmiss noch ein bißchen Zucker und Vanille dazu, ließ das Gemisch aufkochen, band mit Stärke ab und gab, weil´s so langweilig aussah, ein paar Tropfen rote Lebensmittelfarbe dazu. Rosa Vanilleflammeri, Farbe und Duft  für die Seele, Kalorien für die Hüfte. Das heiße Flammeri wurde über die Schneeklumpen geschüttet, das Ganze leicht vermengt und als Nachtisch noc warm zum Abendessen serviert. Und heute mittag gibt´s den Rest, weil kalt schmeckt das auch.

Vielleicht haben Sie da draußen ein echtes Rezept für Schneeknödel, das sie mir verraten wollen? Ich weiß, dass die Vanillecreme eigentlich mit Eigelb zubereitet wird, aber das Eigelb brauchte ich ja für das Karamelleis.

Die Debbsiekrumbeern von neulich werden mit rohen Kartoffeln zubereitet, am Besten mit mehligkochenden, auch wenn die nicht jedermanns Geschmack sind.

*****

Hätte ich gestern abend zwei Gläser Sekt mit Herrn Skizzenblog weniger getrunken, ginge es mir heute wahrscheinlich etwas besser. Was soll´s, Schnapszahlen müssen eben gefeiert werden.

(und es ist ganz wunderbar, wenn sich beim Vorstellen der anderen Gäste zeigt, dass man die schon seit vielen, vielen Jahren kennt, weil man schon mal zusammen gearbeitet hat. Die Welt ist ein Dorf.)

Falls

1. November 2010

Sie schon immer mal wissen wollten, wie Karamell aus Gelierzucker schmeckt: es lohnt den Versuch nicht. Nicht mal aus Versehen. Auch nicht beim zweiten Versuch, weil man vielleicht denkt, man habe beim ersten Mal irgendetwas falsch gemacht.

schaffe, schaffe, Teil II

1. November 2010

„Fertig!“, rief man nach einer Stunde geschäftigen Treibens aus dem Zimmer der Tochter.

nicht ganz, leider.

Der ganze Spaß dauerte dann doch bis in den Abend, da Aussparungen für Heizkörperrohre geschnitten und Türrahmen und Türen gekürzt werden mussten. Doch das Ergebnis ist ganz wunderbar und gefällt leider auch der Tochter.

Leider, weil dieses Zimmerchen ja immer noch eines meiner liebsten ist und ich sehr gerne mein Nähzimmer wieder dort unterbringen würde. Doch die Tochter will es einfach nicht mehr hergeben, deshalb warte ich eben, bis sie auszieht. (am 18. Geburtstag stell ich ihr die Koffer vor die Tür. Oder so.)

Heute steigt der beste Vater meiner Kinder auf´s Dach, bzw. auf den Dachboden und zieht noch einige Leitungen nach oben, denn die Stromversorgung in der Grünen Villa ist recht abenteuerlich. Der gesamte Strom hängt an einer Sicherung. Gut, dass der Mann früher mal gelernt hat, wie man so etwas verbessern kann.
Später werden Tapeten geklebt und irgendwann ganz spät heute abend/nacht kann ich vielleicht die erste Farbe an die Wand bringen.

*****

Baustellenessen gestern übrigens „Debbsiekrumbeern und Feldsalat“, „Debbsie“ ist ein tiefes Blech, das mit Speck ausgerieben wird. Hinein kommen viele Krumbeern (=Kartoffeln) in Scheiben. Auf die Scheiben einige dicke Stücke/Scheiben Dörrfleisch und das Ganze bei 200°C Ober/Unterhitze so lange in den Ofen, bis das Dörrfleisch knusprig angebräunt ist. Dann das Dörrfleisch wenden und Zwiebelringe in gewünschter Menge darüberlegen. Die Soße für den Feldsalat mit Joghurt und Knoblauch rühren. Eines meiner Lieblingsessen seit ich zurückdenken kann und ein Erbe meiner Großeltern.

 

zwischendurch.

31. Oktober 2010

Man kann ja nicht immer nur renovieren.