bittersüß

7. Juni 2010

Zart ist sie geworden, die Schwiegermutter. Klein und zart. Das Abnehmen geht weiter, unaufhaltsam, trotz energiereicher Spezialkost.

„Das Brot haben wir aufgegeben“, erzählt der Schwiegervater, „aber Pudding geht immer. Ich hab Erdbeeren dazu getan, aber die hat sie wegschütten wollen. Erst war ich sauer, die guten Erdbeeren! Naja. Ich hatte sie komplett versalzen.“

Wir lachen und das Lachen scheucht die Krankheit in eine Ecke. Es geht ja noch.

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7. Juni 2010

„Man muss nur die Schule überleben …“, sagt Georg in irgendeiner GA-Staffel.

Stimmt.

Wenn die Kindelein klein sind, zeigt man ihnen, dass es ganz großartig ist, dass sie so sind, wie sie sind. Man bekräftigt und ermutigt, verstärkt positiv und fördert nach Interessen und Begabung.

Während der Schulzeit dann muss das Kind eine kurze Auszeit von Individualität und Eigenart nehmen, denn der angepasste, unauffällige mainstream-Schüler macht das Rennen. Bei Lehrern und Schülern gleichermaßen beliebt, gekleidet nach dem, was der H&M-Katalog zeigt  und abfahrend auf Super-Modell,-Star,-Sänger,-Verarsche-Shows.

Später irgendwann … darf das, was dem Kleinkind beigebracht, wieder aktiviert werden, denn dann wird der Herausragende gesucht. Der Besondere. Der Individualist.

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Ja, ja, ich weiß. Polemisch. Und nicht ganz ausgereift. Und voller Vorurteile, haltloser Anschuldigungen und nicht jedes Kind ist so und nicht jede Schule und es gibt viele Lehrer, die ganz anders sind und überhaupt, Frau … äh … Mutti, trinken Sie mal einen Kaffee und kommen Sie wieder runter.

Trotzdem. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, doch recht zu haben. Und gerade heute macht mich das wieder wahnsinnig traurig.

Warum fällt es mir so leicht früh aufzustehen, wenn ich es nicht muss?

Warum  kann ich zu jeder Tageszeit Chips essen. Und warum habe ich nie die Nase voll von Chips?

Warum schaffe ich es nicht, die ollen Aldiblättchen zu verstehen? Eigentlich wollte ich heute Flipflops für die Kindelein kaufen. Uneigentlich gibt´s die erst am Donnerstag. Oder nächsten Montag.

Warum macht es mich ein bißchen wehmütig, wenn ich dem Großen Nasenspitze an Nasenspitze gegenüber stehe?

Warum sieht der Kühlschrank immer so aus, als sei etwas darin explodiert? Und warum finde ich immer in einer Kühlschrankecke eine seit längerem verstorbene angebrochene Sahne, egal ob süß oder sauer oder Joghurt oder Buttermilch? Egal wie oft ich diesen Kühlschrank aufräume oder auswische, der Inhalt macht was er will. (feiert wahrscheinlich nachts Partys, schaltet heimlich das Licht an und  sät Schimmelrasen in die Sahne)

Warum wachsen heute dort, wo ich vorgestern ungefähr eine Million davon ausgerupft habe,  Trillionen von Kermesbeeren? Ich mag Kermesbeeren. In ein paar Gartenecken und an strategisch günstigen Stellen, zum Beispiel um den Kompost zu verstecken/beschatten. Aber nicht um die Feuerstelle.

Warum vertrocknen meine Himbeeren? Die Ruten sehen aus, als seien sie abgeknickt, die Blätter verdörren und die Himbeeren leider auch. Schädling? Wühlmaus? (Wühlmäuse sind eh an allem schuld) Die vielen Blattläuse? Oder gar die ganzen heimischen und chinesischen Marienkäfer, die Läusegemetzel veranstalten? (die Läuse sitzen nicht auf den Himbeeren, sondern auf dem Baldrian, der urplötzlich zwischen den Himbeeren wuchs) Warum welken meine Frühen Himbeeren? Die späten daneben wachsen und sehen ausgesprochen (beinahe angeberisch) grün und gesund aus.

Warum sieht mein Bad aus, als habe sich darin eine Fußballmannschaft  ausgekleidet und geduscht (nach einem Spiel mit Verlängerung und Elf-Meter-Schießen auf schlammigen Rasenplatz)?

Und warum sind unsere Nachbarn so große Fußball-Fans? Alles ist für viele, große Public Viewing Partys gerüstet und dieser blinde Fleck in meinem Gedächtnis wird farbig: vor zwei Jahren gab´s ne Menge Fußballpartys dort. Hatte ich komplett verdrängt. Naja, vielleicht fliegen die Deutschen ja bald raus. (bitte sehr: knüppeln Sie auf mich ein! Frau … äh … Mutti findet Satellite UND Fußball doof. Pfui.)

Warum fliegt eigentlich die Zeit so? Und warum wächst die Haut immer weiter, wenn man älter wird? (weil wo kommen denn sonst die Falten her?)

Warum schreibe ich hier lieber Kram, statt loszulegen? Tststs. Los jetzt. Erdbeereis rühren :)

Alle vier sind verdreckt und müde, die einen von langen Wandertouren, der andere vom Klettern. Photos hat keiner gemacht, aber – mal ganz ehrlich – würde ich Bilder sehen vom Großen, wie er in 60m Höhe am Fels klebt … mir bliebe nachträglich das Herz stehen.

(Pünktlich zum Abschluss dieses für alle Familienmitglieder perfekten Wochenendes hat es begonnen zu regnen. Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass ich vorhin noch brav gegossen habe)

Hach. Ich hab sie alle wieder, gesund und munter.

(ich hab euch nicht vermisst, sprach das sehr große Kind.)

Die letzten Stunden

6. Juni 2010

als Single.

Meinen Kaffee und ein großes Glas Orangensaft genieße ich noch in Ruhe, danach renne ich mit dem Staubsauger durch die Bude. Anscheinend macht ein Mensch doch auch eine Menge Dreck :)

Und wenn die Sonne noch ein Stückchen um die Ecke gewandert ist, so in einer Stunde etwa, gehe ich raus in Garten und reisse ein paar Gänsedistel-, Brennnessel- und Schöllkraut-„Bäume“ raus. Es gibt da diese eine Stelle im Garten, die wird doch stark vernachlässigt. Es wird ungefähr zwei Stunden dauern, bis alle sechs Grünschnittsäcke voll und mein Energiespeicher leer ist.

Auftanken kann ich dann in der Hängematte.

Keine Ahnung, wann die Familie hier wieder eintrudelt, aber ich bin Willens, jede ruhige „meine“ Minute bis dahin voll und ganz auszukosten. Ich bin ganz wunderbar erholt, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich die letzten beiden Nächte schon um zehn Uhr im Bett lag. (und um sieben freiwillig wieder rauskroch) Zwei Bücher habe ich gelesen, den oberen Teil des Gartens gejätet, kein einziges Stück genäht, dafür der allerbesten Freundin Zutaten für ein Public Viewing-Shirt gestickt, die Achatschnecken wurden gebadet und mit sehr viel Grünzeug versorgt und sämtliche Dreckwäsche im Haus wurde gewaschen, in der Sonne getrocknet, gefaltet und verräumt. Meiner Vorliebe für grauselige Filme kam ich gestern morgen um halb acht nach, als ich zum Morgenkaffee „Sin City“ einlegte und gegen die Hitze des Tages gab es gleich zwei Schälchen Eis.

Ich habe ein für mich unglaublich luxuriöses Wochenende hinter mir und sage, das mütterliche Gewissen niederknüppelnd: „Das könnte ich noch ein paar Tage so aushalten.“

Ich habe mich nicht gelangweilt.

:)