müde.

13. August 2008

Wenn ich groß bin, möchte ich Dornröschen sein.

(schlafen geht jetzt nicht, das große Kind lernt Gitarre spielen)

Mobbing, Teil III

12. August 2008

Vorneweg: ein Schulwechsel käme nicht in Frage, weil das große Kind seine Schule sehr liebt. Er will das nicht, es wäre auch zu früh. Allenfalls ein Klassenwechsel würde angedacht.

So.

Das große Kind kam strahlend aus der Schule. Der „Täter“ habe aufgehört. Er habe erzählt, dass er von seiner Mutter mächtig den Kopf gewaschen bekommen habe und dass seine Mutter ihm gedroht habe: „wenn ich noch mal was höre, gehe ich zum Direktor und lasse dir einen Tadel geben“ und das sei sehr schlimm, weil der „Täter“ schon zwei Tadel auf dem Konto habe. „Schlagen werde ich dich nicht mehr“, habe der „Täter“ gesagt, „Aber ärgern ist doch ok?!“

Aha.

„Die ganzen Jungs bis auf zwei sind noch gegen mich“, sagt das große Kind mit einem Schulterzucken, „weil ich angeblich Schuld daran bin, dass der „Täter“ jetzt von der Schule fliegt. Die beruhigen sich wohl wieder.“ Komisch sei nur, dass er sein T-Shirt heute nach dem Sportunterricht aus dem Müll habe fischen müssen. „Keine Ahnung, wer das war“, sagt das große Kind, „ich war ja bei den ersten, die die Halle verlassen haben.“
Und während des Abwurfspiels beim Sportunterricht, sei er vom „Täter“ etwas härter getroffen worden, aber das sei seine eigene Schuld, weil er (das große Kind) ausgerutscht und hingefallen sei.

Sie dürfen mir glauben, mein Herz bleibt schwer. Das Kind ist fröhlich und erleichtert und alles scheint gut. Für mich klingt das gar nicht gut. ÜBERHAUPT nicht gut. Ich weiß nicht, ob ich da viel zu viel reininterpretiere, viel zu schwarz sehe. Ich habe dem großen Kind empfohlen, dem „Täter“ ganz klar zu sagen, dass auch „ärgern“ nicht in Ordnung ist und ich hoffe, dass er das tut.
Am Mittwoch abend folgt ein weiteres Telefonat mit der Klassenlehrerin. Ich bin gespannt. Angespannt.

(zu allem Überfluss oder weil immer alles zusammenkommt, hat das jüngste Kind einige Anlaufschwierigkeiten in der Regelschule, die Mittlere kämpft mit einem gut gefüllten Stundenplan und einer neuen Fremdsprache, der beste Vater meiner Kinder macht Urlaubsvertretung, es regnet wie aus Kübeln, der eine Kater hat neben das Klo gepinkelt und ich habe mir mein Essen nochmal durch den Kopf gehen lassen, durch den Kopf, der schmerzt und viel zu voll ist. Perfekt. Mein Leben ist perfekt*.)

*ja, ich darf mal jammern.

Mobbing, Teil II

11. August 2008

Eine Lanze für die Schule.

Das Oppenheimer Gymnasium ist sehr fortschrittlich bei solchen Geschichten. Es gibt die Mobbing-Konvention, es gibt Mediationen mit Opfern und Tätern und es gibt prophylaktische Unterrichtsstunden, genannt „MUT“ = „miteinander umgehen trainieren“.
Ich glaube fest daran, dass wir von Schulseite alle Unterstützung bekommen, die wir brauchen.

Wir haben mit der Klassenlehrerin telefoniert. Sie war vom Großen selbst am Mittwoch letzter Woche informiert worden, heute hatten zwei Mädchen aus der Klasse gesagt: „das wird nicht besser“. Einfach so, haben die beiden das gesagt, haben sich als Schülerinnen mit offenen Augen gezeigt und ich möchte sie küssen und drücken. Die Klassenlehrerin hat umgehend die Mutter des „Täters“ angerufen, die aus allen Wolken fiel. (logisch. Würde ich auch. Und täte ich es nicht, täte ich wenigstens so als ob.)
Sie (die Klassenlehrerin) wird den Mittelstufenleiter einschalten, denn der ist derjenige, der die Mobbing-Konvention ins Leben gerufen hat. Da passiert jetzt was.
In der Klasse will sie eine allgemeine Diskussion über „feiges Verhalten“ anregen. Man darf gespannt sein.

Wir haben heute abend mit unserem Sohn geübt, wie man „HÖR AUF!“ brüllt. Laut und böse. Und wirklich so meinend. Er kann es nicht. Er sagt, dass er ein friedliebender Mensch ist. Wir sagen ihm, dass er ein Opfer ist und dass er das nicht sein muss. Dass er das nicht sein muss. Dass er zeigen darf, wenn er sich schlecht behandelt fühlt. Er hat uns angebrüllt und sich gut dabei gefühlt. Ich hoffe, dass er die Kraft dafür morgen wieder findet, falls er sie braucht.

Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich damals auf dem Spielplatz „Dann hau halt zurück!“ gesagt hätte, wie so manch andere Mutter es tat, statt „Geh weg, wenn er/sie dich nervt“ zu empfehlen.

Ein Schulwechsel kommt übrigens nicht in Frage. Eher sorge ich dafür, dass die entsprechenden Täter der Schule verwiesen werden. („Brüll!“, brüllte die Löwenmutter.)

Mobbing

11. August 2008

In kürzester Zeit sind viele Kommentare und Mails eingetrudelt und ich danke herzlich dafür, auch für Ihr Vertrauen … all die persönlichen Geschichten …

Sie alle sagen mir eigentlich nichts Neues, aber bildlich gesprochen, haben Sie mich auf den Schoß genommen, mir die Tränen weggewischt, auf die wunde Seele gepustet und mich mit aufmunternden Worten wieder ins Leben geschickt. (genau so etwas ist übrigens ein Grund, weswegen ich das Bloggen trotz allem sehr liebe)

Lassen Sie mich ein bißchen erzählen, vielleicht unsortiert, einfach so, wie es mir in den Sinn kommt. Über das große Kind, unser Leben und die Schule.

Das große Kind ist und war schon immer ein bißchen anders, als andere Kinder. Sehr verkopft, dabei gerne abwesend und verträumt. Sehr intellektuell, sehr hinterfragend und dann wieder voller Momente derartiger Naivität und Schusseligkeit, dass vorhandener Verstand ausgeschaltet schien.
„Er ist wie er ist und das ist gut so“, sprechen wir, die Eltern.
„Das ist ja mal ein nettes Kind“, sagen andere Erwachsene.
„Idiot, Klugscheißer, Arschloch“, sagt diese bestimmt Sorte von Kindern.
Er wurde früher eingeschult, er bringt ohne große Anstrengung gute Leistungen und ist bisweilen von Ehrgeiz gepackt. Fußball findet er grottenlangweilig (und das sagt er auch), Mädchen und Klamotten sind (noch) unwichtig und Musik … da ist er auf der Suche und schnuppert zwischen Klassik, Blues Brothers und Herman van Veen. Und den Charts :-)
Er interessiert sich für den zweiten Weltkrieg, für Tolkien (die Bücher), mag Star Wars und futzelige Rewell-Sachen zusammen zu bauen. Er redet gerne über ernsthafte Themen mit Erwachsenen und weiß eine Menge über Pflanzen. Und über Archäologie. Und hat eine gute Allgemeinbildung samt einer recht klaren Meinung zu vielen Themen. Ein tolles Kind halt.
Er hat drei Freunde, die mehr oder weniger genauso ticken wie er, leider sind die nicht in seiner Klasse.
Er ist ein schrecklich umständliches Kind, dass seine Sätze gerne mit Ähms und überflüssigen Füllwörtern spickt und lange Denkpausen macht.
Er mag Sport, allerdings nur solche Einzelkämpfer-Dinger wie Langstreckenlauf. Als Dreijähriger packte ich ihn ins örtliche Fußballtraining. Mein Kind sprach auf dem Platz: „Jetzt gib mal den Ball ab, das ist ja unfair, wenn immer nur einer den Ball hat.“ Er ist keine Kämpfernatur, nie gewesen.

Er hat sich eine Woche lang meine Ermutigungen und klugen Sprüche anhören müssen.
Er hat zu dem Mitschüler, der ihn am Kragen gepackt hat, gesagt: „Was willst du eigentlich von mir?“
Er hat gesagt: „Lass mich in Ruhe!“
Er hat gesagt: „Such dir ein anderes Opfer.“
Er ist zur Klassenlehrerin gegangen und zum Vertrauenslehrer.
Er bekommt Prügel angedroht, er wird geschubbst und zwei seiner T-Shirts haben es jetzt hinter sich.
Es begann vor den Sommerferien und damals haben wir es nicht als „ernst“ registriert, das große Kind auch nicht. Jetzt sitzt er blass und ohne Hunger am Mittagstisch, weint und sagt, dass er nie mehr in die Schule gehen möchte.
Er hat alles getan, was ein zwölfjähriges Kind tun kann, um solch eine Geschichte zu lösen. Jetzt sind wir Eltern dran. Es gibt eine Mobbing-Konvention an der Schule; der Fiesling, der mein Kind quält, hat bereits damit Bekanntschaft gemacht. Scheinbar ohne Erfolg.

Die Löwenmutter in mir will diesen Jungen packen und ihn mal kräftig schütteln. Wohl wissend, dass er ein armes Würstchen ist.
Die kleine Pia in mir heult, weil sie diese Erfahrung ebenfalls machen musste.
Und Frau … äh … Mutti – schreibt sich den Frust von der Seele.

Ist ein Stückchen Arbeit da vor uns.

Was tun SIE, wenn ihr Kind ein Mobbing-Opfer ist?

Oder, so Sie kein Kind haben, was WÜRDEN Sie tun?
Waren Sie selbst mal eines?

Sohn, zwölf Jahre alt, guter Schüler und ohne Interesse an Mode, aktueller Musik oder Fußball.

(weinend, Mutter und Sohn)